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Filmtext & Video

14:42 min | So, 14.7.2019 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Verona, Italien, Folge 303

SWR

In Verona befinden sich Kulturdenkmäler von der Antike bis zur Renaissance. Die Metropole am Ende des wichtigsten Alpenübergangs nach Italien blickt auf eine mehr als zweitausend Jahre alte Geschichte zurück. Die Römer führten hier ihre drei wichtigsten Handelsstraßen zusammen - im Mittelalter entstand eine der mächtigsten Stadtrepubliken Italiens, doch wirklich weltberühmt wurde Verona erst durch das legendäre Liebespaar aus der Tragödie "Romeo und Julia" von William Shakespeare.Und Julia, so weiss man, lebte in Verona.

Filmtext

Dies ist die Geschichte einer bedingungslosen Liebe ...einer Liebe die nach keinem Happy End verlangt, und deshalb auch die einzig wahre Liebeserklärung... ...für eine Stadt sein kann, die wie keine andere, die Macht der Liebe symbolisiert. Verona und... Romeo und Julia. Romeo und Julia... ...und Verona. Was der englische Dramatiker William Shakespeare zusammengefügt hat, will hier kein Mensch mehr trennen, zu sehr lebt die norditalienischen Metropole, von und mit der Erinnerung an das größte Liebespaar der Literaturgeschichte.

"Die Welt hört auf, jenseits von unseren Mauern - dort ist die Hölle, Fegefeuer, Qual! Verbannt von hier, heißt aus der Welt verbannt." Auch wenn Verona mit diesem Zitat einen kaum mehr zu übertreffenden Werbeslogan für sein Stadtmarketing erhalten hat, so wollte Shakespeare seinen Romeo sicher eher sagen lassen, dass es vor allem Julia ist, die dieser Stadt ihren besonderen Glanz verleiht. Der englische Dramatiker soll nie in Italien gewesen sein, dafür waren sich alle anderen Dichtern und Denker die Verona je zu Gesicht bekamen, darüber einig, hier den sprichwörtlichen "Himmel auf Erden" gefunden zu haben. Dieser "Himmel" wurde allerdings "auf Erden" mit so höllischer Brutalität erkauft, dass sich die Geschichte von den verfeindeten Capulets und Montagues fast noch wie ein harmloses Kindermärchen ausnimmt.

Die Realität war grausamer als jede Tragödie und mit dem Namen "della Scala" verbunden. Das Familienwappen derer "von der Leiter" - schien ihren unaufhaltsamen Aufstieg im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert bereits vorwegzunehmen. Mit Vornamen wie "Cangrande" - der große Hund oder "Mastino" - der Bluthund schienen die Herrscher ausserdem prädestiniert ihre Untertanen zu terrorisieren. Fast alle bedeutenden Mitglieder dieser mörderischen Dynastie sind heute auf eine Art Privatfriedhof im Zentrum der Stadt versammelt. Da liegt "Cangrande I" - auf einem reich verzierten Sarkophag und darüber thront er noch ein zweites Mal als monumentale Reiterfigur - und grinst. Ein spöttischer Gruss für seine Feinde, oder der witzige Einfall eines originellen Bildhauers? - darüber streiten sich die Historiker. Einigkeit herrscht nur über die außergewöhnlich hohe Qualität der prachtvollen Grabmonumente und ihre symbolische Bedeutung. Denn wie die meisten der italienischen Despoten, waren auch die sogenannten "Scaligeri" groszügige Mäzene und mit Dante gelang es ihnen sogar, den wohl bedeutendsten Schriftsteller Italiens an ihren Hof zu binden.

Nachdenklich steht der Dichter auf der Piazza Signori - dem Rathausplatz - und blickt auf die Paläste seiner Gönner. Nachdem ihm die "della Scala" 1316 Asyl gewährten bedankte er sich mit überschwänglichen Lobpreisungen. Kritisch beschrieb er dagegen die argwöhnische und misstrauische Stimmung unter den Bürgern der Stadt und erwähnte dabei auch die Namen Capulet und Montague. Von Romeo und Julia war allerdings noch nicht die Rede. Es mussten mehr als zweihundertfünfzig Jahre vergehen, bis ein italienischer Dichter von dem unglücklichen Liebespaar berichtete und erst nach weiteren Veröffentlichungen, nahm sich auch Shakespeare des Themas an. Wenn sich heute in Verona eine "Julia" zeigt werden Klischeevorstellungen relativiert. In den Augen der Veroneser war sie immer - blond - die hellen Haare als Symbol einer übernatürlichen Lichtgestalt.

Hunderttausende machen sich jedes Jahr auf den Weg um Julias Haus in der Via Capello zu besuchen. Die Wände sind mit aufgeklebten und übereinander geschriebenen Liebeserklärungen gepflastert und oft ist kaum ein Durchkommen. Einmal auf - oder unter Julias Balkon stehen... "Wo ist mein Romeo"? Diese Frage wird da nur selten gestellt. Das Haus seiner Familie, wenige Strassen entfernt, führt ein Schattendasein. Die Montagues sollen Feinde der Scaligeri gewesen sein, und damit gehörten sie zu jenen die letzten Endes triumphieren konnten.

Im Jahre 1356 verschanzte sich "Cangrande der Zweite" - auch bekannt als der "tollwütige Hund" hinter den Mauern seines Castelvecchio. Um sich vor den eigenen Untertanen zu schützen, hatte er die düstere Festung in nur zwei Jahren Bauzeit hochziehen lassen, Bei einem Ausflug in die Stadt, ermordet ihn sein Bruder - übernimmt so die Herrschaft und lässt die Festung um eine Fluchtbrücke, erweitern. Jede Form der Tyrannei trägt den Kern ihres Untergangs schon in sich, hat ein italienischer Philosoph festgestellt und nach einer ganzen Reihe von weiteren Familienmorden begann der unaufhaltsame Abstieg der "della Scala". Im Jahre 1387 waren sie endgültig am Ende und keine Mauer und keine Brücke hatte es verhindern können.

"Verona repräsentiert in herausragender Form das Konzept einer befestigten Stadt, in den verschiedenen Stadien der europäischen Geschichte", stellte die UNESCO fest, und zum Ausbau dieser Festung haben, nach den Scaligerivor allem die Venezianer beigetragen. Die Stadttore als Beispiele einer bombastischen Militärarchitektur wurden ergänzt durch so leichte und lustvolle Bauten wie den Palazzo Maffei. Das barocke Prunkgebäude mit dem Venezianischen Löwen davor - und ein früher entstandenes Meisterstück der Renaissance - die Loggia del Consiglio - sind Ausdruck, der heiteren und lebenslustigen Stimmung. Mit der Übernahme der Herrschaft durch die Venezianer begann Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts. eine lange friedvolle Zeit in Verona. Die Loggia hellte die schwerblütige. und manchmal düstere Romanik der benachbarten Scaligerbauten auf, das mittelalterliche Stadtbild änderte sich dadurch allerdings kaum. Palast an Palast gedrängt breitet sich die Stadt vom Rathausplatz zum Marktplatz - der Piazza delle Erbe - aus. Hier war im 12. und 13. Jahrhundert das Zentrum der Republik Verona. Die Piazza delle Erbe ist unbestritten einer der schönsten Marktplätze Italiens und lädt zum Schauen und Staunen ein.

Wenn auf dem Platz ein neuer Tag beginnt und hinter der gothischen "Colonna del Mercato", dem Marktpfeiler, die ersten Stände eröffnet werden, erinnert dies an eine Zeit, in der der Name "Erbe"- "Kräuter" noch eine sinnfällige Bedeutung hatte, weil hier ausnahmsweise Gemüse verkauft wurde. In den Hochtagen der Stadtrepublik war hier aber auch der Versammlungsort des Großen Rates und die ungewöhnlich längliche Form ist ein antikes Erbe .....Unter dem Pflaster - verbergen sich die Reste eines Forum Romanum. An einigen Stellen der Stadt wurde die antiken Bodenplatten der römischen Strassen freigelegt. Die Römer haben eine ganze Reihe von bedeutenden Monumenten hinterlassen. Den Gavi Triumphbogen - Die älteste Brücke der Stadt und dann als bekanntestes Wahrzeichen, die Arena, aus dem ersten Jahrhundert.

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Europa: Italien

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Da liegt "Cangrande I" - auf einem reich verzierten Sarkophag und darüber thront er noch ein zweites Mal als monumentale Reiterfigur - und grinst. Ein spöttischer Gruss für seine Feinde, oder der witzige Einfall eines originellen Bildhauers? - darüber streiten sich die Historiker.

Da liegt "Cangrande I" - auf einem reich verzierten Sarkophag und darüber thront er noch ein zweites Mal als monumentale Reiterfigur - und grinst. Ein spöttischer Gruss für seine Feinde, oder der witzige Einfall eines originellen Bildhauers? - darüber streiten sich die Historiker.

Was der englische Dramatiker William Shakespeare zusammengefügt hat, will hier kein Mensch mehr trennen, zu sehr lebt die norditalienischen Metropole, von und mit der Erinnerung an das größte Liebespaar der Literaturgeschichte.

Einmal auf - oder unter Julias Balkon stehen... "Wo ist mein Romeo"? Diese Frage wird da nur selten gestellt.

Hunderttausende machen sich jedes Jahr auf den Weg um Julias Haus in der Via Capello zu besuchen. Die Wände sind mit aufgeklebten und übereinander geschriebenen Liebeserklärungen gepflastert und oft ist kaum ein Durchkommen

Das barocke Prunkgebäude mit dem Venezianischen Löwen davor - und ein früher entstandenes Meisterstück der Renaissance - die Loggia del Consiglio - sind Ausdruck, der heiteren und lebenslustigen Stimmung.

Das Familienwappen derer "von der Leiter" - schien ihren unaufhaltsamen Aufstieg im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert bereits vorwegzunehmen.

Verona ist die Stadt von Romeo und Julia und damit zur Stadt der "ewigen" und "bedingungslosen Liebe" geworden.

Silhouette von Verona

Wenn der Sommer kommt verwandelt sich das gigantische Amphitheater in ein Opernhaus unter freiem Himmel. Kurz vor den abendlichen Vorstellungen liegt eine reizvolle Spannung über der Stadt.

Gegenüber der Arena auf dem "Liston" - der traditionelle Flaniermeile - nehmen die Opernbesucher noch ein stilvolles Abendessen zu sich, bevor sie zur Vorstellung eilen. "Verdis Aida", das Traditionsstück wird hier gefeiert und der Applaus dringt, wie ein flüchtiger Windstoss, nur ganz leise nach draußen auf die Piazza Bra. Die opulenten Operndramen Verdis haben in der Arena die, ihnen entsprechende Bühne gefunden, so wie das literarische Drama in der Stille der Kirchen Veronas.

In dieser Gruft eines Kapuzinerklosters soll Julia begraben sein. Doch der Sarkophag ist leer. Wo hat die tragische Sterbeszene gespielt? Es könnte in jeder Kirche der Stadt gewesen sein,

denn auch wenn es blasphemisch klingt, die Kirchen Veronas scheinen als Kulissen für Shakespeares Tragödie wie geschaffen. Das gilt für San Zeno genauso wie für San Anastasia. San Anastasia ist der grösste Kirchenbau Veronas, und entwickelte sich von 1290 an, zur eigentlichen Stadtkirche des Zentrums. Der Innenraum - eine gewaltige dreischiffige Basilika - mit hohen Arkadenbögen die auf sechs mächtigen Säulenpaaren ruhen, zeigt den, für Verona typischen, kontrastreichen Einsatz der Baumaterialien. Das Muster der Bodenplatten korrespondiert harmonisch mit den Farbtönen der Säulen und Arkaden sowie der reichen ornamentalen Ausschmückung des Deckengewölbes. Charakteristisch für dieses Meisterwerk der italienischen Gotik sind die großflächigen Innenwände, die viel Platz für Tafelbilder, Reliefs und Fresken bietet. Über einem der Spitzbögen ist hier auch das berühmteste Gemälde der Stadt zu finden. Der Aufbruch des hI. Georg zum Kampf mit dem Drachen. Das Fresko von Antonio Pisano - genannt Pisanello - markiert den Höhe und Endpunkt der Höfischen Gotik. Gotische Macht und romanische Herrlichkeit - Die verspielte Leichtigkeit der Renaissance - all das und noch viel mehr bietet Verona. Das scheinbar so verwirrende, und manchmal kaum mehr zu überschauende Sammelsurium verschiedenartigster Stile war das entscheidende Kriterium, für die Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes. Die Stadt ist so harmonisch und ungestört gewachsen, dass sich selbst fragwürdige architektonische Versatzstücke einfügen.

Kaum einer der Besucher weiß, dass Julias legendärer Balkon ursprünglich gar kein Balkon war, sondern ein romanisches Architekturteil, das erst in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts in die Wand des Hauses eingefügt wurde - War Shakespeares Drama nur ein Märchen Ist Julia nur eine Illusion? Ganz gleich was die historische Wahrheit behauptet - Verona ist die Stadt von Romeo und Julia und damit zur Stadt der "ewigen" und "bedingungslosen Liebe" geworden. Eine Legende ist gewachsen, die es verdient an sie zu glauben und so ist er auch nur hier zu finden - Der Shakespearsche "Himmel auf Erden" !!!

Buch und Regie: Ralph Ströhle

Filmmusik & Stab

Musik:
Schätze der Welt II - Vor- und Abspann
Oliver Kraft
Soundtrack Verona
Michael Hofer

Buch und Regie: Ralph Ströhle
Kamera: Jay J. Dexter und Andrea Galeazzi

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