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SENDETERMIN So, 24.2.2019 | 6:15 Uhr | SWR Fernsehen

Südamerika: Chile Valparaiso

Eine Stadt wie ein Regenbogen

"Du bist ein Regenbogen vielfältiger Farben, Valparaiso, du großer Hafen..." diesen Vers widmete der Dichter Pablo Neruda seiner Heimatstadt.

Ja, es sind die Farben, die zuerst ins Auge fallen, wenn man vom Pazifik in den Hafen des Welterbes einläuft, die Altstadt von Valparaiso. Die Farben der Häuser, hemmungslos leuchtend. Meist kleine Häuser. Sie scheinen die 27 Hügel, welche die weite Bucht begrenzen, hinauf zu wachsen. Häuser, die sich oft nur mit dem kleinen Finger am äußersten Rand festzukrallen, sich manchmal auch über den Abgrund hinauslehnen. Und natürlich sind nicht alle leuchtend, doch zum Regenbogen gehören hier auch die abblätternden und rostigen Farbtöne.

Die Liebe der Einwohner zu ihrer Stadt, die sie in Liedern leidenschaftlich besingen, lässt diese schön erscheinen. Valparaiso ist es unter strengem kunstgeschichtlichen Blick nur beschränkt. So gibt es kaum ein architektonisch herausragendes, altes Gebäude. Vor einhundert Jahren verwüstete ein schreckliches Erdbeben das 'Paradies Tal', zerstörte die Stadt.

Steile Gassen

Typische steile Gasse in Valparaiso

Typische steile Gasse in Valparaiso

Paradies Tal, so hatten die Spanier die von Indios bewohnte Bucht an der Pazifikküste genannt, die sie 1536 entdeckten und in Besitz nahmen. Sie bauten eine Kirche auf dem schmalen Uferstreifen, das Kreuz wurde zum Siegeszeichen. Um die Iglesia La Matriz wuchs die Altstadt, die heute Welterbe ist - Welterbe mit Erblasten.

Atemberaubend steil sind hier die Sträßchen, die sich hinter der alten Kirche, die jetzt natürlich nicht mehr wirklich alt ist, auftürmen. Endlos scheinen die Treppen zu steigen und zu fallen. Man braucht als Bewohner der Cerros, der Hügel, einen langen Atem, und auch, wenn man als Besucher die Aussicht genießen will. Neruda hat den Aufstieg zu poetischer Prosa komprimiert: "Wie viele Treppen, wie viele Stufen, wie viele Füße auf den Stufen, wie viele Jahrhunderte von Schritten, treppauf, treppab..."

Mit 30 Aufzügen die Höhe erklimmen

'Treppenstufen' sind dichterisch natürlich ergiebig, doch die Einheimischen bevorzugen, wenn es geht, den Fortschritt: Aufzüge, Ascensores. Sie sind seit Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Von den ehemals 30 Ascensores sind heute noch 15 in Betrieb und erleichtern den Weg von der Talsohle, in der sich der Verkehr staut, bis zur ersten Hügelterrasse. Mit leichtem Unbehagen und Herzklopfen besteigt man das erste Mal die kleinen, verglasten Holzkabinen, die von Winden mit Stahlseilen schwindel-erregend steil zwischen den Häusern, oft auch über Strassen hinweg, in die Höhe gezogen werden.

Doch wenn sich dann das Panorama Valparaisos vor dem Blick auftut, hat das Herzklopfen nichts mehr mit Unbehagen zu tun. Und das Auge berauscht sich am verwirrenden Gesamtbild dieser lebhaften Hafenstadt, die sich zum Weltmeer öffnet, und vor allem dem Leben weit offen steht.

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Südamerika: Chile

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„ich liebe Valparaiso, alles was du umschließt alles, was du ausstrahlst, Braut des Ozeans...“. Ein Liebesgedicht Pablo Nerudas auf die Hafenstadt an der weitgeschwungenen Bucht am Pazifik.

„ich liebe Valparaiso, alles was du umschließt alles, was du ausstrahlst, Braut des Ozeans...“. Ein Liebesgedicht Pablo Nerudas auf die Hafenstadt an der weitgeschwungenen Bucht am Pazifik.

Nicht wegen architektonischer Glanzleistungen, sondern wegen seiner unverwechselbaren, wagemutigen Bebauungsart, seiner Weltoffenheit, wirtschaftlichen Dynamik, und der Lebenszugewandtheit seiner Bewohner zählt Valparaiso
zum Welterbe.

Valparaiso, die Stadt der 27 Cerros mit steilen Straßen und steilsten Gassen, macht panoramasüchtig.

Die Stadt der Höhenunterschiede - an vielen Stellen nur über eine der zahllosen Treppen mit ungezählten Stufen zu bewältigen, alltägliche Mühe für die Bewohner, von Neruda zu poetischer Prosa komprimiert: „ Wie viele Jahrhunderte von Schritten, auf- und ab-steigenden...“

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: Valparaiso: Historischer Bezirk von Valparaiso
UNESCO-Ernennung:04.07.2003
Vorkolonialzeit
Die Bucht um Valparaiso ist von den Changos bevökert, einer ethnischen Gruppe, die sich der Fischerei und Landwirtschaft widmen.
1536
Die Bucht wird von dem Spanier Juan de Saavedra entdeckt.
1544
Es folgt die Gründung der Stadt durch Don Juan Bautista Pastene. Valparaiso bleibt während der Kolonialzeit ein kleines Dorf, auch wegen zahlreicher Überfälle von Piraten.
gegen Ende des 18.Jh.
Die Entwicklung beschleunigt sich mit dem Ausbau der Handelsbeziehungen zu Großbritannien und den USA.
im 19.Jh.
Der Hafen der Stadt ist der dominierende am südlichen Pazifik und neben San Francisco der bedeutenste an der Westküste Amerikas.
1822 und 1851
Die Stadt wird durch Erdbeben beschädigt.
1850-1860
Die Börse der Stadt, die erste private Bank Chiles sowie die Feuerwehr werden gegründet.
31.März 1866
Die Stadt wird im Spanisch-Südamerikanischen Krieg von einer spanischen Flotte bombadiert. Bei dem dreistündigen Beschuss wird die Stadt stark zerstört.
16.August 1906
Ein erneutes Erdbeben mit anschließendem Tsunami erschüttert die Stadt, deren Hafen mit Eröffnung des Panamakanals an Bedeutung verliert.
1973
Der Militärputsch in Chile nimmt seinen Anfang im Hafen von Valparaiso.

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© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010