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SENDETERMIN Do, 11.5.2017 | 7:35 Uhr | SWR Fernsehen

Europa: Spanien Vall de Boi

Ein Tal, ein Lifan und andere Geheimnisse

Vor mehr als 1000 Jahren entstanden im Tal sieben kleine Dörfer, an die sich wohl niemand erinnern würde, wären zu jener Zeit nicht auch neun romanische Kirchen gebaut worden. Die Abgeschiedenheit hat dazu beigetragen, dass zumindest einige dieser Kirchen noch fast originalgetreu erhalten sind.

Der Pantokrator, umgeben von einer blauen Mandorla aus gemahlenem Lapislazuli

Der Pantokrator, umgeben von einer blauen Mandorla aus gemahlenem Lapislazuli

Um diese Kirchen ranken sich Geheimnisse. So ist bis heute nicht geklärt, wer all die Arbeiter, Baumeister und Maler waren, die sie errichtet haben. St. Joan de Boi und St. Climente de Taüll sind im Inneren mit wunderbaren Fresken ausgemalt. Heilige und Fabelwesen schmücken die Wände. Ein Lifan, der mit dem namensähnlichen Elefanten die Stoßzähne gemeinsam hat, ein Kamel, das eben von Bergbewohnern und nicht von Wüstensöhnen erdacht wurde... Farben, Formen, die den Gläubigen Geschichten erzählen, Warnungen sein sollten.

Ein Farbenmeer, das bunt und wild und betörend auf den Kirchgänger im Mittelalter einströmte.

Ein Farbenmeer, das bunt und wild und betörend auf den Kirchgänger im Mittelalter einströmte.

Heute lässt sich das Weltbild der Romanik nur noch erahnen. Die Kirchen, das waren Türen zu einer anderen Welt. Dahinter verschwammen die Linien zwischen Realität und Phantasie - das raue Leben zwischen Felsen mit den biblischen Geschichten, die alltäglichen Bedrohungen durch wilde Tiere mit den Visionen von Weltuntergang und jüngstem Gericht. Ein Universum, das dem neuzeitlichen Pyrenäen-Wanderer wie dem Weltläufigen Kunsthistoriker weitgehend ein Rätsel bleibt.

Und letztlich wird es auch ein Geheimnis bleiben, warum gerade hier, jenseits aller großen Handelsstrassen und Städte, in einer kargen Gebirgslandschaft so viele Kirchen errichtet wurden.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: Die Dörfer im engen Tal des Vall de Boí in den katalanischen Hochpyrenäen mit ihren romanischen Kirchen.
UNESCO-Ernennung: 2000
1050 - 1150
Gründung der Weiler Barruera, Boí, Cardet, Cóll, Durro, Erill la Vall, Saraís und Taüll. Bau der neun Kirchen im Vall de Boí
1123
Einweihung der Kirchen St. Climente und St. Maria in Taüll
ab 1920
Wiederentdeckung der Kirchen durch Antiquitätenhändler
1952
Bau der ersten Straßen in das Tal
heute
Die Region um das Vall de Boi ist als Skigebiet erschlossen, eingebettet in den Naturpark "Aiguestores"

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© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010