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Filmtext & Video

14:51 min | So, 7.7.2019 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Taos Pueblo, USA, Folge 191

SWR

Im Tal des Rio Grande in New Mexico, rund 70 Meilen nördlich von Santa Fe, liegt das wahrscheinlich älteste Dorf der USA: Taos Pueblo. Im 10. Jahrhundert ließen sich hier Nachfahren der Anasazin-Indianer nieder, seit dem 17. Jh. ist es ein Zentrum indianischer Kultur. Seit damals hat sich dieser Ort kaum verändert. Um die vom Taos Pueblo River durchflossene Plaza gruppieren sich zwei im Adobestil erbaute Langhäuser, zwei Kirchen und mehrere Kivas. Auf der Südseite stehen mehrere einstöckige Bauten. Vor den Häusern erheben sich igluartige Brotbacköfen sowie hölzerne Gestelle zum Trocknen von Früchten oder zur Lagerung von Holz. Die Taos-Indianer betreiben Landwirtschaft, Pferde- und Rinderzucht oder gehen außerhalb des Pueblos zur Arbeit.


Filmtext

Das Tal des Rio Grande in New Mexico, rund 70 Meilen nördlich von Santa Fe. Hier liegt, verborgen von sanften Ausläufern der Rocky Moutains, das wahrscheinlich älteste Dorf der USA: Taos Pueblo. Im 10. Jahrhundert ließen sich hier Nachfahren der Anasazin-Indianer, die auch in Mesa Verde lebten, nieder. Warum sie gekommen sind, weiß man nicht genau. Vermutlich trieb sie eine Hungersnot in das fruchtbare Tal. Die Legende sagt, ein Adler habe sie zu diesem Gebiet geführt. Er legte zwei Eier, eines auf die eine und eines auf die andere Seite des Baches.

Diesem Adler zu Ehren zelebrieren die Bewohner von Taos Pueblo bis heute den "Adler"-Tanz.

O-Ton Storyteller:

Wir nennen unser Dorf "Der Platz an dem das Wasser nach seiner Reise bei den roten Weiden auftaucht.

Seit vielen, vielen Generationen ist es unsere Heimat.

Der Ort ist zweigeteilt, in das Norddorf und das Süddorf. Geteilt wird er durch den "Rio Pueblo" der im "Blauen See", unserem heiligen Ort, entspringt.

"Taos Pueblo" hat sich über die Jahrhunderte kaum verändert und es ist uns sehr wichtig das dies auch in Zukunft so bleibt.

Der "Blaue See" darf nur von den Mitgliedern des Stammes besucht werden."

1540 entdeckten die ersten Europäer, eine spanische Expedition auf der Suche nach Gold, Taos Pueblo. Unter ihnen Hernando de Alvardo. Aus seinem Bericht:

"Die Häuser stehen ganz eng zusammen und haben vier oder fünf Stockwerke. Jedes Stockwerk hat außen einen kleinen Holzbalkon der um das ganze Haus herumläuft. Es ist das am dichtesten besiedelte Dorf des ganzen Landes."

Seit diesem Bericht hat sich Taos Pueblo nur unwesentlich geändert. Die meisten Gebäude wurden zwischen 1000 und 1450 gebaut.

Mit Pueblo, zu deutsch "Dorf", bezeichnet man nicht nur die beiden mehrstöckigen Anlagen, das Nord- und das Südhaus, sondern die ganze Siedlung zu der noch etliche einstöckige Häuser gehören.

1598 befahl der spanische König Philipp II. "Nuevo Mexico" zu kolonisieren. Das Land sollte an die Eroberer verteilt werden.

Mit den spanischen Truppen kamen auch die Franziskaner. Die Mönche führten rücksichtslos und brutal Zwangstaufen durch und zerstörten sogenannte heidnische Symbole. Mit Gewalt sollten die Ureinwohner zum Christentum bekehrt werden.

In Folge der brutalen Unterdrückung der über 100.000 Ureinwohner im Tal des Rio Grande kam es 1680 zur sogenannten "Pueblo-Revolte".

Unter dem Schamanen Pope, der vor den Spaniern nach Taos geflohen war, erhoben sich die Stämme sämtlicher Pueblos. Die Revolte endete mit der Tötung und Vertreibung aller Spanier aus "Nuevo Mexico". Allerdings nur für kurze Zeit. Zwölf Jahre später eroberten sie das Gebiet erneut. Von den heute noch bewohnten Pueblos wurden nur vier vor dem großen Indianeraufstand gebaut, eines davon ist Taos Pueblo

O-Ton Storyteller:

Wir nennen uns "Die Menschen von Taos Pueblo". Wir und unser Ort sind eins. Schon immer waren wir Bauern, Jäger und Sammler.

Menschen unseres Stammes sind in alle Welt gereist, aber immer wieder zurückgekehrt. Wir lieben unsere Heimat und unsere Kultur mit ihren einzigartigen Gebräuchen.

Als die amerikanische Regierung im 19. Jahrhundert die "Native Americans" in Reservate umsiedelte, durfte der Stamm von Taos Pueblo bleiben. Ihr abgelegenes Land war für die Besiedelung des Westens uninteressant.

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Nordamerika: USA

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Teilansicht von Taos Pueblo

Teilansicht von Taos Pueblo

Weltkulturerbe: Taos Pueblo

Grabkreuz

Trotzdem hat sich das Misstrauen gegenüber den Eroberern bis heute gehalten. Das Pueblo darf nur zu gewissen Zeiten besucht werden. Die Kivas, in denen die religiösen Riten abgehalten werden, sind Weißen grundsätzlich verboten.

Mit strengen Restriktionen bewahren die Bewohner in Taos Pueblo ihr traditionelles Leben. Fremden Einflüßen begegnen viele mit großem Argwohn.

So gibt es bis heute innerhalb des Dorfes keinen Strom, die Tradition verbietet es.

Die Häuser in Taos Pueblo bestehen aus Adobe, aus Erde, die mit Wasser und Stroh vermischt wird. Die Bausteine werden dann in der Sonne getrocknet.

Die Außenwände der Häuser sind mit Schlamm verputzt, während man die Innenwände sorgfältig mit weißer Erde verschmiert um sie hell zu halten.

Früher hatten die Wohnungen, der Sicherheit wegen, keine Türen und Fenster, man hatte nur von oben, durch das Dach, Zugang.

Die Decken werden, damals wie heute, von kräftigen Holzstämmen, den Vigas, getragen. Adobe ist nicht sehr haltbar, die Häuser müssen ständig renoviert werden, dennoch hat dieses Material auch einen großen Vorteil. Die Wände geben die tagsüber gespeicherte Wärme nachts ab, die Räume haben so eine relativ konstante Raumtemperatur. Als der Wilde Westen nicht mehr wild, sondern besiedelt war, da waren die Bisons so gut wie ausgerottet. Die Männer von Taos Pueblo besannen sich einmal mehr auf ihre Tradition und beschlossen diese Büffel wieder zu züchten.

Sie sind auch ein Symbol für den Glauben der Ureinwohner an die Harmonie zwischen Mensch und Natur. Diese Harmonie, sagen sie, darf nicht gestört werden, wenn sie außer Balance gerät ist die menschliche Existenz gefährdet. Alles was der Mensch von der Natur bekommt, muss er ihr auch wieder zurückgeben. Rund 2000 Mitglieder hat der Stamm von Taos Pueblo heute. Etwa 150 leben ständig im Pueblo. Die anderen in modernen Häusern außerhalb der alten Mauern, aber immer noch innerhalb des Reservats. Im Stamm herrscht ein strenges Patriarchat. Während die Frauen das Brot backen, sind die Männer mit Jagen und Sammeln beschäftigt. Zum Gouverneur, er ist für die weltliche Politik zuständig und zum War Chief, so martialisch nennt sich der religiöse Führer, dürfen nur Männer gewählt werden. Das Beibehalten der alten Regeln ist auch Schutz gegen die Einflüsse der Welt des weissen Mannes. Genauso wie der Pow-Wow, der Zeremonialtanz, mit dem die Mythologie beschworen wird.

O-Ton Storyteller:

Unsere Religion gibt uns die Verantwortung für unser Land, die Erde und für alle Menschen. Unsere Kultur zeigt sich auch in unseren Namen. Wir nennen unsere Kinder nach heiligen Orten, oder nach Tieren und Pflanzen mit denen wir leben.

Mein Name zum Beispiel wird übersetzt mit "Ruhender Wolf".

Einmal noch stand Taos Pueblo im Mittelpunkt amerikanischer Geschichte.

Nach dem amerikanisch-mexikanischen Krieg 1847 wurde das Gebiet für 15 Millionen Dollar an die Amerikaner abgetreten.

Einflussreiche Spanier planten daraufhin eine Verschwörung. Die Bewohner von Taos-Pueblo verbündeten sich mit ihnen und ermordeten den amerikanischen Gouverneur Charles Bent.

Einen Monat später war die "Taos-Rebellion" wieder zu Ende. Die amerikanische Armee zerschoss die Kirche San Geronimo und tötete 150 Einwohner.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Bewohner der Reservate gezwungen ihre Kinder in Internatsschulen zu geben. Diese waren weit außerhalb der Reservate. Dort sollten die Kinder ihr traditionelles Erbe vergessen.

In den Reservaten wurden sämtliche religiösen Feste und Zeremonien als "Un-amerikanisch" verboten und bestraft. Wie zu Zeiten der spanischen Herrschaft verlegten die "Native Americans" ihre religiösen Aktivitäten in den Untergrund.

Heute haben die "Menschen von Taos Pueblo", wie andere Indianerstämme auch, eine Spielbanklizenz. Das Casino ist der viertgrößte Arbeitgeber der Region und hilft dem Stamm sein Leben so autonom wie nur irgend möglich zu gestalten. Zudem werden die Einnahmen dafür verwendet, Land von der amerikanischen Regierung zurückzukaufen. Land, das dem Stamm früher einmal gehört hat und das ihm mit Gewalt weggenommen wurde. Jetzt hat er ein Vorkaufsrecht - eine seltsame Kapriole der Geschichte.

Die Indianer haben eine weitgehende Autonomie ihrer Gebiete erkämpft. Zudem gab die US-Regierung 1970 den heiligen "Blauen See" und die angrenzenden Bergländereien an die Bewohner von Taos zurück.

Am "Blauen See" finden die wichtigsten Zeremonien des Stammes statt.

Die Tänze dieses Films wurden in Erinnerung an das Weltkulturerbe der UNESCO aufgeführt und durften nur deshalb gefilmt werden.

O-Ton Storyteller:

Seit wir den ersten Europäern begegneten, sind wir starken Einflüssen von Außen ausgesetzt. Diese waren nicht nur schlecht. So haben wir zum Beispiel ihre Religion kennen- und akzeptieren gelernt.

Am wichtigsten aber ist es das wir unsere Werte und unsere Kultur erhalten.

Das, vor allem, erwarten wir von den kommenden Generationen.

Häuptling "Ruhender Wolf" erwartet viel von seinen Nachfahren, vielleicht zuviel.

Noch ist Taos Pueblo kein Museumsdorf. Ob sich aber die gelebte Spiritualität der alten Kultur wirklich bewahren lässt, weiß niemand.

Buch und Regie: Goggo Gensch

Filmmusik & Stab

Kraft, Oliver
Schätze der Welt II
Hofer, Michael
Taos
Buch und Regie:
Goggo Gensch
Kamera:
Holger Schüppel

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