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SENDETERMIN So, 6.12.2015 | 9:00 Uhr | 3sat

Schätze der Welt Spezial Mythos Seidenstrasse

Istanbul, Metropole und Kapitale dreier Weltreiche, Schmelztiegel verschiedener Kulturen, einzige Stadt auf zwei Kontinenten. Das römische Reich und seine Kultstätten gaben die Fundamente für Konstantinopel, Hauptstadt des byzantinischen Reiches, worauf die Osmanen ihre Herrschaft mit ihren Monumenten gründeten. Die Altstadt von Istanbul, ausgelegt auf sieben Hügeln wie Rom, gilt nicht nur mittelalterlichen Dichtern als Augapfel aller Städte. Ungebrochen zieht sie Menschen in ihren Bann wie eine Fata Morgana am Schnittpunkt von Orient und Okzident. Das historische Istanbul auf der Landzunge zwischen Goldenem Horn, Marmarameer und Bosporus scheint wie keine andere Metropole dazu bestimmt, Ost und West in eine Synthese zusammenzuführen, wie es Goethe im "West-östlichen Diwan" vorschwebte: "Sinnig zwischen beiden Welten, sich zu wiegen, lass ich gelten, also zwischen Ost- und Westen sich bewegen, seis zum Besten."

Gasse der Schmiede

Gasse der Schmiede

Fast 700 Jahre lang war die zentralanatolische Kleinstadt Safranbolu Drehkreuz für die Handelskarawanen auf der Seidenstraße. Knapp 200 Kilometer nördlich der heutigen Türkischen Metropole Ankara gelegen, galt Safranbolu den Osmanen schon früh als „Hintergarten des Topkapi-Serail“ am Bosporus. Seine Bewohner, Türken, Griechen und Juden, waren berühmt für ihre Handwerkskunst. Schmiede, Töpfer und Gerber bestimmten über Jahrhunderte das Alltagsbild. Viele arbeiteten als Bäcker oder Sattler am Sultanshof in Istanbul, manche stiegen gar in hohe Regierungsämter auf und schafften es wie der legendäre Izzet Mehmet Pascha zum Großwesir des osmanischen Reiches. Das brachte Wohlstand und die nötigen Mittel für prächtige Stadt-Villen. Zwei Großwesire stifteten Moscheen, sorgten für Infrastruktur, Stadtplanung und mit dem Bau des ersten Uhrenturmes im Osmanischen Reich auch für die Einkehr einer neuen Zeitrechnung. Die Segnungen der Moderne, breite Ausfallstraßen, große Geschäftsgebäude und Industriekomplexe, erreichten die kleine Stadt nie. Sie wurde schlicht vergessen.                                

Der Teppichknüpfer Maschad Ali ist auf dem Weg in die Stadt. Über den schneebedeckten Gebirgspass hinter ihm brachten einst Karawanen Gold, Porzellan, kostbare Seidenstoffe und andere exotische Waren aus China über Bagdad bis nach Europa. In Täbriz, in der iranischen Provinz Aserbaidschan, dort wo die Seidenstraße den Fluss Mehran-Rud kreuzt, machten sie Rast, tauschten Lasttiere und Waren. Heute ist der alte Handelsplatz eine Millionenstadt die Menschen wie ein Magnet anzieht. Mittendrin zwischen all den Hochhäusern und ausufernden Flachbausiedlungen, liegt der alte Basar. Er ist der größte der Welt und sicher eine der lebendigsten Welterbestätten. Immer wieder wurde er durch Erdbeben zerstört und wieder aufgebaut. Berühmt ist Täbriz wegen seiner Teppiche. Es lohnt sich durch die Hallen und Gewölbe zu wandern um die schönsten Teppiche Persiens zu bewundern. Die alteingesessenen Händler genießen das höchste Ansehen in der Stadt. Ehrfurchtsvoll werden sie "Kinder des Basar" genannt. Auch Maschad Ali ist da. Er will einen selbstgeknüpften Teppich verkaufen. Über ein Jahr lang hat er an seinem Werk gearbeitet. Doch der Verkauf gestaltet sich schwierig. Die Preise sind gefallen, auch weil die Iraner heute lieber ein neues Auto kaufen, als einen teuren Teppich. Die Basare sind in Gefahr, nicht die Steine, die sie Überkuppeln. Die werden mit bewundernswerter Geduld repariert und erneuert. Die Denkmalsämter vor Ort tun mit ihren Möglichkeiten alles, um das Erbe zu schützen. Die Gefahr kommt von dem bedingungslosen Kommerz, der das Leben im Basar verändert. Und doch ist diese immer neue Nutzung des alten Gemäuers gleichzeitig seine einzige Überlebenschance. Die Suche nach der richtigen Balance zwischen Tradition und Moderne hat in Täbriz erst begonnen.                                    

Mausoleum Merv

Mausoleum Merv

Inmitten der Wüste Karakum in Turkmenistan speist der Fluss Murghab eine große Oase. In ihr wuchs ab dem 6. Jh.v.Chr. eine Weltstadt heran, die im Mittelalter viele hunderttausend Einwohner zählte: Merv. Legendär reich war die Oasenstadt, ein wichtiger Knotenpunkt an der Seidenstraße, ein geistiges Zentrum der islamischen Welt. Merv erreichte seine Blütezeit im 11. und 12. Jahrhundert als östliche Hauptstadt des Seldschuken-Reiches, kurz bevor die Stadt auf grausame Weise unterging. Erbaut war Merv ganz aus Lehm. Reste der dem extremen Klima angepassten Architektur haben sich bis heute erhalten: die massiven Stadtmauern, Palastbauten, Gebäude für Bibliotheken, Wasserspeicher und Mausoleen, die noch heute von Pilgern besucht werden. Die Ruinen von Merv bedecken eine Fläche von mehr als 8 qkm und bestehen aus mehreren, im Laufe der Jahrhunderte nebeneinander erbauten Städten, jede eine Art Zeitkapsel aus einer bestimmten historischen Epoche.

Legendär reich war einst die Oasenstadt Buchara, ein wichtiger Knotenpunkt an der Seidenstraße und Zentrum des Islams in Zentralasien. Noch heute schimmern die Kuppeln blau und glänzen die Fassaden der Medresen und Moscheen. Blau sei die erste Farbe der Stadt, sagt Tohir, Keramikermeister in Buchara. Vom Schneiden des Tons bis zur fertigen Fayence zeigt der Film seine Arbeit . Mit ihm erleben wir eine mittelalterliche Stadt, die kein Museum ist. Die Altstadt Bucharas ist intakt, und das Leben nimmt in den Gassen zwischen den Lehmhäusern seinen gemächlichen Gang. Trotz einer langen sowjetischen Herrschaft ist sie eine orientalische Stadt geblieben, die vom Islam geprägt ist.

Im fruchtbaren Flusstal des Serafschans, im heutigen Usbekistan, liegt eine der ältesten Städte Asiens: Samarkand. Schon im 4. Jahrhundert vor Christus wurde die Oase von Alexander dem Großen erobert. Die Araber erreichten Samarkand im Jahre 712, errichteten die ersten Moscheen und Koranschulen. Samarkand entwickelte sich schnell zum zentralen Umschlagplatz an der Großen Seidenstraße, zur Drehscheibe an der bedeutendsten Karawanenstraße von Persien nach China. Hier kreuzten sich Waren und Kulturen, wurden Güter aus Persien, Indien, der arabischen Halbinsel und China umgeschlagen. Ihre Blütezeit verdankt die Stadt aus Tausendundeiner Nacht den Eroberungszügen eines despotischen Feldherrn, der seinen Herrschaftsbereich vom Ganges bis zum Mittelmeer ausdehnte. Samarkand war das Zentrum dieses Weltreiches, die Residenzstadt Timur Lenks, Timur des Lahmen. In Feldzügen bis nach Europa und Indien ließ Timur und seine Horde Städte zerstören, die Bevölkerung massakrieren. Die besten Handwerker und Künstler jedoch verschleppte er nach Samarkand. Sie schufen im 14. Jahrhundert jene atemberaubende Architektur, die Samarkands Ruf begründete, "als schönste Stadt der Welt".

Am Rand der riesigen Steppe Kasachstans steht eine prächtige Grabmoschee. Hier liegt ein Mann begraben, der den Kasachen heilig ist: Hodscha Ahmed Yasawi, ein asketischer Poet, Mystiker und Religionsstifter, jener Mann der einst den nomadischen Steppenvölkern den Islam nahe brachte. In einer Stadt an der einstigen Seidenstraße, dem heutigen Turkestan, hat er gelebt und gelehrt, hier ist er auch 1146 gestorben. Ihm hat im 14. Jahrhundert Weltenherrscher Timur ein Mausoleum bauen lassen, das die Bezeichnung monumental wahrlich verdient. In 40 Metern Höhe thront die mächtige blaue Kuppel. Reitern wies sie noch aus 40 Kilometer Entfernung den Weg. Timur, der damals ganz Zentralasien und die halbe Welt beherrschte, liebte die Macht und die Baukunst. Am Mausoleum des Volksheiligen erprobte er Bautechnik und Dekorkunst, jenen blauen Glanz der Kuppeln, der später in seiner Hauptstadt Samarkand erstrahlen sollte. Ahmed Yasawi ist als "Heiliger des einfaches Volkes" bis heute hoch verehrt. Er gilt als Urvater des Sufismus, jener Richtung des Islam, die in Mittelasien bis heute vorherrscht Turkestan ist der wichtigste Pilgerort der Region, von weit her kommen die Menschen. Nach den 70 gottlosen Jahren der Sowjetzeit suchen die Kasachen an seinem Grab des Heiligen Besinnung und kasachische Identität.

Ein heiliger Fluss. Wenig erforscht und mythenumwoben durchquert er das Herz der Mongolei. Der Orchon ist die Lebensader der Region und seine Täler sind seit alters her Nomadenland. Hunnen und Uiguren siedelten hier, an den Ufern des Orchon wurden alttürkische Stammesfürsten bestattet und bis heute lebt man im Orchon-Tal fast ausschließlich von der Viehzucht. Umso verwunderlicher, dass bereits frühe nomadische Gesellschaften wie die Uiguren inmitten der zentralmongolischen Grassteppe die Stadt Karabalgas bauten, ein frühes Zentrum des Seidenstraßenhandels. Eine Stadt aus Lehm für mehr als 10.000 Bewohner. Karabalgas blieb nicht die einzige Stadt im Land der Nomaden: 1235 ließ Dschingis Khan im Orchon-Tal die Hauptstadt der Mongolen bauen, eine prachtvolle Palastanlage mit gepflasterten Strassen und luxuriösen Empfangshallen, die Voraussetzung für den ersten mongolischen Staat. Im Orchon-Tal lag das Verwaltungszentrum für ein Imperium, das vom Pazifik bis zum Mittelmeer reichte.