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SENDETERMIN So, 6.12.2015 | 22:30 Uhr | 3sat

Schätze der Welt Spezial Die Tore zur Welt - Hafenstädte

Hafenszene Hoi An

Hafenszene Hoi An

Die historische Altstadt von Hoi An in Zentral-Vietnam liegt, von Reisfeldern umgeben, bildschön am Thu-Bon-Fluss, der sie mit dem nahen Meer verbindet. Die Kleinstadt war einst eine Station der "Seidenstraße des Meeres", über 2000 Jahre reichen ihre Ursprünge zurück. Schon als vom 04.- 10. Jahrhundert in Zentral-Vietnam das Reich der Cham blühte, ankerten hier Segler aus Arabien und Persien, aus Indien und China. Seine Blütezeit erlebt der Hafen vom 16. bis 19. Jahrhundert, als sich immer mehr japanische, vor allem chinesische Seefahrer niederließen. Sie handelten mit hochwertiger Seide, mit Porzellan, Lacken und chinesischer Medizin. Schiffe aus Portugal, Holland, Indien, Siam, England und Frankreich liefen den kleinen, aber legendären Umschlagplatz an. Hoi An war auch der Hafen der Ngyuen-Kaiser, die im 150 km entfernten Hué residierten. Dann versandete der Thu-Bon-Fluss und das nahe Danang übernahm Rolle und Funktion Hoi Ans in der Neuzeit. Hoi An fiel in eine Art Schönheitsschlaf, der den Vietnamkireg sowie die harten sozialistischen Jahre überdauerte und aus dem das Städtchen erst in den 90er- Jahren durch den Weckruf des Tourismus erwachte.

In Hoi An (d.h. "friedvoller Treffpunkt") glaubt man sich in alte Zeiten zurückversetzt, um sogleich durch knatternde Mopeds und klingelnde Rikschas aufzuwachen. Laut, lärmend und quirlig ist der alte Markt am Fluss. Er zählt zu den lebhaftesten Vietnams. Faszinierend, wie das geschäftige, knallbunte und doch völlig normale vietnamesische Alltagsleben in den historischen Gassen spielt. Das macht den Charme der Stadt aus.

Im ausgehenden 15. Jahrhundert hatten die Portugiesen es geschafft: Afrikas Südspitze war umschifft. Jetzt trennte sie nur noch der Ozean und seine Monsunwinde von den ersehnten Schätzen Indiens. Als Vasco da Gama und seine Mannen auf der Insel an der ostafrikanischen Küste landeten, staunten sie über fein gekleidete Menschen, arabische Händler, und über reich beladene Schiffe im Hafen. Hier werden sie Proviant laden, die Boote reparieren lassen und mit Hilfe der arabischen Seefahrer die Route nach Indien finden, die „carreira da India“. Das riesige Fort Sao Sebastiao an der Nordspitze der Insel bezeugt bis heute die Stellung der Ilha de Moçambique im Handelsdreieck Europa-Afrika-Asien. Ein Meisterwerk der Renaissance-Architektur . Die Ilha war bis Ende des 19.Jahrhunderts die Hauptstadt der Portugiesen in Ostafrika. Heute ist der ehemalige Glanz verblasst und blättert wie der Putz an den Steinbauten. Afrika, mit seinen Palmen gedeckten Hütten, hat sich sein Erbe zurück geholt. Aber die Weltkultur, die ist geblieben. Weniger in den Gebäuden. In den Gesichtern der Menschen spiegelt sie sich. Eine arabisch-indisch-europäische Melange.

Was mag die Franzosen nur bewogen haben, 1659 einen Sandhaufen zu besiedeln, den die Stämme am Kap Vert in Westafrika immer gemieden haben. Ein Sandhaufen, der nichts Nützliches hergab, wie der Duc de Lauzun im 18. Jahrhundert trocken bemerkte. Keine Bäume, keine Kräuter, kein Gemüse. 92.000 Taler und wahrscheinlich ein paar Fässer Branntwein zahlten die Franzosen für das 300 mal 2500 Meter schmale Handtuch in der Mündung des Senegal Flusses. Ile Saint Louis wurde ihr Ankerplatz, ihre Bastion auf der Handelsroute Indien - Südamerika. Ein Handelskontor und ein Fort. Als Verteidigung ein Witz und als Wohnstatt bar jeglichen Komforts. „Le tombeau des Européens“, als Grab der Europäer wurde Saint Louis auch bezeichnet. Trost gab es nur für diejenigen, die zu schnellem Reichtum gelangten oder jene, welche die Stationierung in den Häusern und Armen einheimischer Frauen überlebten. „Marriage à la mode du pays", mit der Hochzeit nach Landessitte erlangten schwarze Frauen gesellschaftliche Anerkennung und die französischen Besatzer eine vorübergehende Annehmlichkeit ihres Aufenthalts. Die gemeinsamen Kinder bildeten im 18. Jahrhundert eine aufstrebende Mischlingsaristokratie. Mit ihr entwickelte sich die Insel Saint Louis zu einer Stadt mit ganz eigener Architektur und bis ins 19. Jahrhundert zur Hauptstadt des französischen Kolonialreichs in Westafrika.

Auf einem Felsen im Meer an der Küste Dalmatiens wurde im 7. Jahrhundert diese Stadt gegründet und zum Schutz gegen Rivalen und Feinde mit kräftigen Wehrmauern versehen. Zudem sollten unwillkommene Gäste auch durch Forts und tiefe Gräben abgehalten werden. Das in Kroatien, zwischen Balkan und Westeuropa gelegene Dubrovnik erlebte seine Blütezeit im Mittelalter. Weitsichtige Politik sicherte 450 Jahre lang die Freiheit der Stadt. Aber eine große Feuersbrunst und ein Erdbeben im 17. Jahrhundert zerstörten einen Großteil der alten Bauwerke und tötete viele Menschen. Dennoch sind immer noch viele romanische, gotische und Renaissance-Kirchen, Plätze und Brunnen erhalten. Was Erdbeben, Feuer und der Zahn der Zeit nicht ausgelöscht haben, litt in den kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Balkan. Der Krieg hat hier schwere Spuren der Zerstörung hinterlassen. Heute wird die 1991 beschossene Stadt unter der Koordination der Unesco wieder restauriert.

Bauwerk in Le Havre

Bauwerk in Le Havre

Immer hatte der Architekt Auguste Perret davon geträumt Le Havre einmal mit einem der großen Ocean Liner zu verlassen, den Hafen hinter sich lassen, die Stadt, Frankreich, den Kontinent. Viele Träume haben hier begonnen, die der Auswanderer nach Amerika, der Kaffee- und Baumwollhändler, der Fischer und Marine Soldaten, der Franzosen und Engländer, die sich hier am Kanal dicht gegenüber liegen. Am 5. September 1944 sind alle Träume erst einmal vorbei. England vernichtet die deutschen Besatzer, die seit 1940 die Stadt Le Havre mit 40.000 Mann zum größten Kriegshafen am Atlantik ausgebaut hatten. In wenigen Stunden sterben mehr als 5000 Menschen und 12.500 Gebäude verschwinden im Bombenhagel – die Hälfte der Stadt. 80.000 Menschen verlieren über Nacht ihre Heimat.  Die französische Regierung reagiert mit einem radikalen Plan. 1945 beauftragt sie Regierung den Architekten Auguste Perret  mit einem Masterplan die Stadt Le Havre schnellstens wieder aufzubauen. Auf 130 Hektar soll Wohnraum für 60.000 Menschen entstehen, eine Stadtverwaltung, Schulen, Kirchen, Hafenanlagen, Gewerbegebiete und eine repräsentative Infrastruktur – eine komplett neue Stadt. Angesichts des riesigen Schutthaufens und in Ermangelung von Baumaterialien macht Auguste Perret aus der Not eine Tugend und verarbeitet den Schutt zu einzigartigen Betonvariationen: Zermahlen, nach Farben und Strukturen getrennt, mitunter wieder eingefärbt, vermischt mit feinen Glassplittern oder Kieselsteinen entstehen Betonoberflächen, die nahezu malerische Oberflächen  zeigen. Grob oder fein, gefärbt, gewachst, modelliert, mit Ornamenten, griechischen Säulenzitaten oder französischen, klassizistischen Elementen versehen – Auguste Perret schafft etwas total Neues. „Mein Beton ist schöner als Stein, dessen Schönheit die edelsten Baumaterialien übertrifft.“

„Die Stärke von Liverpool liegt in seinen Menschen", so definiert Paul McCartney gegenüber dem Team von "Schätze der Welt" das Besondere seiner Geburtsstadt. Liverpool ist aber nicht nur die Heimat der Beatles und des glorreichen FC Liverpool. Die Stadt am Mersey - River war im 18. Jahrhundert eine der bedeutendsten Städte des britischen Imperiums. Vierzig Prozent des Welthandels wurden damals über Liverpool abgewickelt. Ihren Wohlstand verdankte die Stadt auch dem Sklavenhandel. Zeugen dieser nicht immer ruhmreichen Vergangenheit sind die so genannten "Drei Grazien". Am Ufer des Mersey thronen prachtvoll das Royal Liver Gebäude, das Haus der Cunard - Reederei und das der Hafenbehörde. Sie sind das Wahrzeichen von Liverpool. "Liuerpool", zu deutsch "schlammiger Pfuhl" wurde um 1200 erstmals erwähnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem deutsche Bomben erhebliche Schäden anrichten, nimmt die Bedeutung Liverpools kontinuierlich ab. Liverpool war die ärmste Großstadt Europas. Heute schöpft die Stadt wieder Hoffnung. Langsam aber stetig entstehen wieder neue Arbeitsplätze. Liverpool setzt auf Dienstleistungsunternehmen, die IT - Branche und den Tourismus.