Bitte warten...

SENDETERMIN Mo, 7.12.2015 | 2:15 Uhr | 3sat

Schätze der Welt Spezial Von Aphrodite bis Theoderich – Das Erbe der Antike

Küste von Paphos

Laut der Sage soll Aphrodite an dieser Küste aus dem Wasser gestiegen sein...

Paphos auf der Insel Zypern ist seit fast 9000 Jahren ein Wallfahrtsort. Bereits in der Megalithzeit wurde hier eine Fruchtbarkeitsgöttin verehrt, deren Kult um 3000. v. Chr. ihren Höhepunkt erreichte. Zypern war für die antiken Seefahrer ein Kreuzungspunkt. Einwanderer aus allen Himmelsrichtungen aus Europa, Asien und Afrika nahmen hier ebenfalls den Göttinnen-Kult an. Nur der letzte Name der Göttin ist überliefert: Die Griechen, die schließlich die Insel beherrschten, nannten sie "Aphrodite". Hesiod ließ sie in seiner "Theogonie" am Strand von Paphos "schaumgeboren" aus dem Meer entsteigen. Neben den Ruinen der prächtigen öffentlichen und privaten Gebäude haben zahlreich Bodenmosaiken aus den griechischen und römischen Villen einen besonderen handwerklichen und künstlerischen Wert. Ihre Inhalte beziehen sich vornehmlich auf die griechische Sagenwelt. Ihre farbenfrohe Frische lässt es kaum glaubhaft erscheinen, dass sie 2000 und mehr Jahre alt sind.

Der Mythologie zufolge ließ Zeus zwei Adler von je einem Ende der Welt fliegen. Sie trafen sich in Delphi. Seither galt dieser Ort als Mittelpunkt der Welt. Hier hat sich die Erdmutter Gaia mit dem Schlamm der Erde vereinigt und Python, die geflügelte Schlange geboren. Python konnte die Zukunft voraussagen. Als die Schlange von Apollo, dem Sohn des Zeus, getötet wurde, übertrug das vergossene Blut die hellseherischen Fähigkeiten auf den Ort. Fortan stand Delphi unter dem Schutz Apollos. Über tausend Jahre war das Heiligtum Anlaufstelle für Ratsuchende. Die ausführlichen Orakelsprüche waren meist rätselhaft. Diese Zweideutigkeit war ihre Macht, so waren sie beinahe unfehlbar. Laios, dem Vater des Ödipus, wurde in Delphi prophezeit, dass er von seinem Sohn getötet werde und dieser dann seine Frau, also die eigene Mutter, heiraten werde. Das delphische Orakel entschied auch, dass kein Mensch weiser sei als Sokrates. Dieser erklärte die Antwort damit, dass er sich stets bewusst sei, dass er nichts wisse, und genau dies sei die Voraussetzung für die Erlangung von Weisheit.

August, flimmernde Hitze, 40.000 Menschen im Stadion, Kopfbedeckung verboten, Wasser ist knapp, aber es ist Volkfeststimmung in Olympia. Zelte, Buden und Kleinkunst. Und fünf Tage lang sportliche Glanzleistungen. Ein Bestechungsskandal ist bekannt geworden, ein Fünfkämpfer wurde bestraft. Ein Ringkämpfer hat seinen Gegner durch Fingerbrechen besiegt. Am Rande der Wettkämpfe Gespräche von Politikern. Ein Historiker stellt sein neustes Werk vor... So ähnlich könnte sich die Chronik ganz gewöhnlicher Olympischer Spiele lesen, wie sie seit 776 vor Christus auf dem Peleponnes abgehalten wurden. Rund 1000 Jahre lang, bis Erdbeben, historische Umwälzungen und die schlammigen Fluten des Flusses Kladeos das Feld der Ehre versinken ließen. 1000 Jahre sportliche Großtaten, Ringen um Ehre und Ölzweig. Geschichten von Helden und Halbgöttern und - von Skandalen. Bis zur Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert schlummerten die heilige Hallen, Siegerstatuen, Trainingslager, Schatzhäuser und vieles mehr vier Meter unter der Erde.

Reste Friedhofanlagen Pompeij

Pompeij - Zeitreise an die Antike

Farblos, abstrakt, eine Angelegenheit für Geschichtsforscher wäre das große römische Reich ohne Pompeji geblieben. Aber die Ausgrabung dieser Geisterstadt im Golf von Neapel macht die alten Römer wieder lebendig - zumindest in den Vorstellungen der Besucher. Sie können römische Straßen auf Trittsteinen überqueren, luxuriöse Villen besichtigen, Fresken, Statuen und Graffitis bestaunen. Tempel, Theater, Fisch- und Brotläden, Tavernen und Bordelle - alles ist da. In 600 Jahren Stadtgeschichte haben viele Kulturen Pompeji auf- und umgebaut: im Jahre 62 nach Christus hatte ein Erdbeben die Stadt verheert. Der Wiederaufbau war noch gar nicht abgeschlossen, als am 24. August 79 der Vesuv ausbrach und Pompeji unter einer sechs Meter dicken Schicht aus Asche und Bimssteinkieseln verschüttete - und konservierte. Der Kaiser entschied, die von den Göttern verfluchten Orte nicht wieder aufzubauen. Pompeji geriet in Vergessenheit. Jährlich kommen heute Millionen Touristen. Lust am Morbiden treibt die meisten Besucher, sie sind unmittelbar am Ort der Katastrophe - nur durch die Zeit vom Tod getrennt. Aber Archäologen können eine Geisterstadt nicht instand halten. Die Besucher und die Zeit vernichten, was der Berg bei seinem kurzen Ausbruch noch stehen ließ. Und so mancher Freund der alten Römerstadt hofft zuweilen, die Götter mögen sich erbarmen, und die Reste der unglücklichen Stadt ein zweites Mal begraben.

In Jacob Burckhardts Cicerone, dem unentbehrlichen Begleiter kunstbeflissener Italienreisender des 19. Jahrhunderts, steht der Neptuntempel von Paestum auf Seite eins. Es sei kein Zweifel, meint Burckhardt, dass das Buch mit diesem Gebäude beginnen müsse. Er hält es für das bedeutendste Bauwerk auf italienischem Boden, dabei ist es eigentlich gar kein italienisches, auch kein römisches Gebäude, sondern ein griechisches. Denn das antike Griechenland beschränkte sich keinesfalls nur auf die Ägäis, sondern griff weit nach Westen aus, und einige der bedeutendsten griechischen Städte lagen in Unteritalien. Zu ihnen gehört Paestum, das um 500 v. Chr. gegründet wurde. Seine drei großen Tempel sind in beeindruckenden Ruinen erhalten geblieben - im 18. Jh. wiederentdeckt, wurden sie schnell zu einem unverzichtbaren Bestandteil jeder italienischen Bildungsreise. Die Philosophen aller Jahrhunderte wussten nicht, wo Elea lag, aber sie wussten, was Elea war: Der Ort, an dem die philosophische Schule der Eleaten beheimatet war. Ihr Gründer hieß Parmenides. Bis heute beschäftigt sich die Philosophie unablässig mit diesem großen Denker. Und auch die Naturwissenschaften, die sich erst im Versuch entwickelten, Parmenides zu widerlegen, sind immer noch nicht über ihn hinweg. Unter den wenigen Büsten, die Archäologen hier ausgruben, ist auch eine des Parmenides. Das einzige Bild, das wir von ihm haben.               

Als das Römische Reich bereits dem Untergang geweiht war und weder Rom noch Mailand dem Hofe Sicherheit bieten konnte, wurde Ravenna zur Hauptstadt des Weströmischen Reichs. Ihre Kirchen und Mausoleen stammen alle aus dieser Zeit. Vor allem die Kirchen bestechen durch ihre farbenprächtigen Mosaiken, denen man ihr Alter nicht ansieht. Das Mausoleum der Römischen Kaiserin Galla Placidia entstand in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts, der große und prächtige Zentralbau von S. Vitale einhundert Jahre später. Dazwischen lag die Zeit der Goten. 26 Jahre lang herrschte der Ostgote Theoderich der Große von Ravenna aus über Italien und bot dem Kaiser in Konstantinopel die Stirn. Nach seinem Tode zerfiel die Herrschaft, die Goten wurden von Kaiser Justinians Armeen vernichtet. Nicht ein einziges Bild Theoderichs blieb in Ravenna erhalten. Sein mächtiges Mausoleum aber steht noch heute unversehrt da, ein Denkmal aus der Zeit der Sagen.

Sendung vom

Mo, 7.12.2015 | 2:15 Uhr

3sat

Zurück zur Startseite von:

Sendezeit

3sat
Sonntags:
19.40 Uhr

SWR Fernsehen
Sonntags:
6.00 Uhr
Torii
Gesamtliste - alle Folgen