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SENDETERMIN Fr, 19.7.2019 | 13:20 Uhr | 3sat

Schätze der Welt Spezial Der Duft des Orient - Die Weihrauchstraße

Brennender Weihrauch

Weihrauch

Weihrauch stimmt die Götter gnädig. Weihrauch reinigt die Lebenden wie die Toten. Max Moor folgt den Spuren dieses gleichermaßen mythischen wie aromatischen Rauchs auf einer der ältesten Handelsstrasse der Geschichte. Weihrauch wächst ausschließlich in Somalia, im Jemen und in der Provinz Dhofar im Sultanat Oman auf der südlichen arabischen Halbinsel. Ganzjährige Temperaturen um die 30 Grad und der karge Wüstenboden sind ideal für die Weihrauchbäume. Weihrauch ist der Wundsaft eines knorrigen, in der Trockenzeit laublosen, Baumes, des boswellia sacra. Er gehört zur Familie der Balsambaumgewächse und kann bis zu fünf Meter hoch wachsen. Der Baum ist nicht kultivierbar, das heißt man kann ihn nur schwer gezielt anpflanzen. Beduinen ernten den Weihrauch genauso wie vor 2000 Jahren.

Heute sind die meisten der alten Karawanenwege der Weihrauchstrasse verweht, ihre Städte im Sand versunken. Aus dem Nichts tauchen ab und an Oasen auf. 1984 wurde auf Satellitenaufnahmen eine Kreuzung von drei Handelswegen geortet. Man begann mit Ausgrabungen und fand die Ruinen einer Stadt, die manche für das sagenhafte Wubar halten. In den Märchen aus "Tausendundeiner Nacht" wurde der Ort ebenso erwähnt wie im Koran. Dort steht, dass die Stadt wegen ihres Hochmuts von Allah persönlich vernichtet wurde. Für Lawrence von Arabien war Wubar das "Atlantis der Wüste". Er hatte den Ort vergeblich gesucht.


Skyline

Skyline

Folgt man den alten Karawanenwegen, flimmert im heißen Süden Arabiens, im Nirgendwo zwischen der Wüste Rub al Kahli und dem Golf von Aden, die Silhouette von Shibam.
500 Hochhäuser. Die Skyline erinnert an Chicago. Mit dem Unterschied, im Jemen baute man schon vor 2000 Jahren so hoch - aus Lehm. Durch Weihrauch wurde Shibam zu einer wohlhabenden Stadt. Man wohnte eng, Hochhaus an Hochhaus. Vielleicht hat es deshalb viele Söhne der Stadt hinausgetrieben in die Welt. Sie waren es, die einst den Islam nach Nordafrika brachten, nach Spanien, Ostafrika und Indonesien. Heute verfällt Shibam. Touristen kommen so gut wie keine. Andere Arbeit gibt es kaum. Die Jungen ziehen weg. Etwas Landwirtschaft, ein klein wenig Entwicklungshilfe, Überweisungen, von denen die gegangen sind. Alles ein Tropfen auf einen heißen Stein. Shibam hat keine Zukunft mehr.

Die Altstadt

Die Altstadt

Um den Titel, "älteste bewohnte Stadt der Welt" streiten sich Jericho und Sanaa. Der Legende nach wurde Sanaa gegründet von Sem, der älteste Sohn des biblischen Noah, Von der "Stadt des Sem" wurde später Azal und dann erst Sanaa, "die Befestigte". Sanaa, die "Perle Arabiens". Sanaa "auserwählte Stadt, von Allah geliebt". Im Jahre 628 nach Christus nahmen die Bewohner den Islam an und die Anweisung zum Bau der ersten Moschee soll von Mohammed persönlich gekommen sein. Heute ist Sanaa die Hauptstadt des Jemen und nach wie vor dessen wichtigstes Handelszentrum. Wenn die Karawanen die Wüsten des heutigen Saudi Arabien und die heiligen Städte Mekka und Medina hinter sich gelassen hatten, dann kamen sie in die Berge.

Die Hazne al Fir’un - das Schatzhaus des Pharao. Ein Monolith, 40 Meter hoch - Der ganze Bau in einem Stück aus dem Berg geschlagen.

Die Hazne al Fir’un - das Schatzhaus des Pharao. Ein Monolith, 40 Meter hoch - Der ganze Bau in einem Stück aus dem Berg geschlagen.

Im Wadi Musa, dem Tal des Moses stießen sie auf eine Stadt, die griechische Geschichtsschreiber Petra genannt hatten - "der Fels". Dort herrschte vor 2000 Jahren ein mächtiger Nomadenstamm, die Nabatäer. Sie waren zu Reichtum gekommen durch die Zölle, die sie den vorbeiziehenden Karawanen abverlangten. Die Nabatäer waren Nomaden, In Petra aber wurde sie wohl sesshaft. Hier bauten sie Häuser für ihre Toten. Die meisten Gebäude Petras, etwa 600, sind Grabmäler. Petra aber war nicht nur eine Nekropole, die Stadt war einst auch eine luxuriöse Oase. Kaiser Trajan verleibte das Königreich 106 nach Christus in das Römische Reich ein. In der Folge verlor Petra seine Bedeutung als Knotenpunkt der Karawanenwege an Palmyra.


Israeli auf einem Kamel mit verziertem Zaumzeug

Israeli auf einem Kamel mit verziertem Zaumzeug

Die Nabatäer waren im Beduinenzelt daheim. Von ihren wenigen Städten ist nur noch wenig geblieben. Oboda oder Avdat, wie die Stadt in der Negevwüste heute heißt, wurde nach einem ihrer Könige benannt. Die Römer herrschten nach dem Tod Kleopatras auch über Ägypten und wickelten ihre Handelsgeschäfte vermehrt über das Rote Meer ab. Das entzog den Nabatäern nach und nach ihre Geschäftsgrundlage. So wurde ihr Reich doch noch ein Teil der Römischen Provinz Arabia. Die nunmehr sesshaft gewordenen Nomaden verloren endgültig ihre Freiheit. Die Nabatäer wurden Landwirte und bauten Wein an. Shivta war das landwirtschaftliche Zentrum. In ihrer Blütezeit hatte die Stadt bis zu 7000 Einwohner. Ein Reservoir für das kostbare Wasser und ein ausgeklügeltes Kanalssystem ermöglichten Obst und Weinanbau. Die Stadt lag etwas abseits der eigentlichen Weihrauchstraße. Auf einer geschichtlich neuen Fernroute, einer religiösen, dem Pilgerweg zum Sinai.


Quasr Amra, im Jahr 711 erbaut: 80 Quadratmeter groß, ein Empfangsaal, 2 kleine Räume, ein Bad.

Quasr Amra, im Jahr 711 erbaut: 80 Quadratmeter groß, ein Empfangsaal, 2 kleine Räume, ein Bad.

In der jordanischen Wüste, dort wo die antiken Karawanenwege die heutige Strasse nach Bagdad kreuzen, findet sich ein Schloss wie aus tausendundeiner Nacht, Q`seir Amra. Im Jahr 711 erbaut, 80 Quadratmeter, ein Empfangssaal, zwei kleine Räume, ein Bad. Angeblich hat Kalif Walid, ein Omajjaden-Herrscher, dieses Schloss bauen lassen. Die Omajjaden kamen aus Mekka und stammten von dem gleichen Stamm wie Mohammed. Im siebten und achten Jahrhundert herrschten sie als Kalifen in Damaskus. Damaskus war schon immer ein Handelszentrum gewesen. Hier machten die Karawanen mit den Gewürzen und dem Weihrauch Station, die Brokat- und Seidenhändler. Das Gewebe Damast ist ebenso nach dieser Stadt benannt wie auch der legendäre Damaszener Stahl. In vorchristlicher Zeit stand an der Stelle der Omajjaden-Moschee in Damaskus ein semitischer Tempel, im 2. Jahrhundert bauten die Römer an gleicher Stelle einen Jupitertempel. Später wurde daraus eine Kirche für Johannes den Täufer.


Betender Mann

Impressionen aus Damaskus

Heute gehört es zu den islamischen Pflichten, nach Mekka, einmal in die große Moschee nach Damaskus zu pilgern. Damaskus, das ist eine Stadt in die man eintaucht. In die Gassen, die Bazare. Es riecht nach Jasmin und Koriander, nach Zimt und Weihrauch. Legenden und Heldengeschichten nähren seinen Ruf. Hier wurde Saulus zum Paulus. 1918 eroberte Lawrence von Arabien Damaskus während des arabischen Aufstands gegen die osmanische Herrschaft. Das Wort Weihrauch entstammt dem Althochdeutschen "Wihrouch" und meint "heiliges Räucherwerk". Die genaue Herkunft des Weihrauches wussten die damaligen Händler lange geheim zu halten. Sie wollten sich schützen vor den Begehrlichkeiten anderer und mit ihrem Exklusivwissen die Preise hoch halten. Das Geheimnis um seine Herkunft des Gummiharzes hat wesentlich beigetragen zu seinem Mythos der sich bis in unsere heutigen Tage gehalten hat.

Junge mit älterer Dame

Menschen des Oman

In Südarabien heißt der Weihrauch "Liban", das Wort für weiß. Je heller seine Farbe, desto besser seine Qualität. Salalah im Oman ist berühmt für seine exotischen Räuchermischungen die in Familienarbeit hergestellt werden. Nach alten, mündlich weitergegebenen, Geheimrezepturen werden Sandelholz, Myrrhe, Moschus und natürlich Weihrauch gemischt. Weihrauch, der Duft den die heiligen drei Könige in den Stall von Bethlehen gebracht haben sollen, narkotisiert und reinigt nicht nur die Seele. Im Oman weiß man auch um die medizinischen Vorzüge. Er desinfiziert Wunden und hilft bei Magenbeschwerden.