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SENDETERMIN Di, 3.9.2019 | 16:15 Uhr | 3sat

Schätze der Welt Spezial mit Max Moor Fjorde, Felsen und Eisberge - Europas Norden

Ausgangspunkt dieser Reise zu UNESCO Welterbestätten in Europas Norden ist Deutschlands nördlichster Punkt. Der Ellenbogen. So genannt nach der Form einer Halbinsel im Norden von Sylt. Von hier aus reist Max Moor über Irland, Schottland und Norwegen nach Island. Enden wird die Reise in Grönland, dem Geburtsland der Eisberge.

Wattenmeer bei Ebbe

Im Rhythmus von 12 Stunden fällt und steigt das Meer, Ebbe und Flut - die Gezeiten.

Fast das gesamte deutsche und niederländische Wattenmeer steht unter Naturschutz und ist, seit 2011, auch ein UNESCO Weltnaturerbe. Neben den Hochalpen ist das Wattenmeer die einzige weitgehend naturbelassene Großlandschaft Mitteleuropas. Ein Watt ist eine Fläche die sich bei Flut im Wasser und bei Ebbe oberhalb des Wasserspiegels liegt. Der zeitliche Abstand zwischen einem Hoch- und einem Niedrigwasser liegt im Schnitt bei sechs Stunden um zwölf Minuten. Salzwasser, der Wechsel der Gezeiten und stürmische Winde prägen das Wattenmeer. Es ist ein Lebensraum für fast 5.000 verschiedene Lebewesen. Dazu gehören unzählige Algenarten, Würmer, Krebse, Plankton und natürlich jede Menge Vögel und Fische.

Blick von Skellig Michael auf Nachbarinsel

Blick von Skellig Michael auf Nachbarinsel

"Es ist eine Stätte, deren Magie weit aus Raum und Zeit, weit aus dieser Welt hinaus führt !", so der irische Schriftsteller George Bernard Shaw über die irische Insel Skellig Michael. Diese Insel kann man vom kleinen Ort Portmagee nur erreichen, wenn sicher ist, dass dort angelegt werden kann. Stündlich kann hier im äußersten Südwesten Irlands die Witterung wechseln. Skellig Michael ist nach dem Erzengel Michael benannt, dem Bekämpfer des Teufels und Fürsprecher der Menschen bei Gott. Niemand lebt auf dieser Insel. Stein auf Stein haben irische Mönche die dicken Mauern ihres Klosters gebaut das von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Es gibt wenig Überliefertes. Ein paar Schriften. Eintragungen. Die Gründer des Klosters aber sind unbekannt. Warum die Mönche das Kloster verlassen haben weiß man auch nicht. Wie muss man sich die Mönchsgemeinschaft vorstellen? Wie haben sie hier gelebt? Wie lange ist der Einzelne hier geblieben? Wie viele waren es? Es gibt viele Fragen zu Skellig Michael, auf die es keine Antworten gibt.

Schon die ersten Siedler vor mehr als 5.000 Jahren waren Ackerbauern. Was von ihnen geblieben ist sind Zeugnisse aus Stein.

Zeugnisse aus Stein...

Eijar – westlich über dem Meer – nannten die Wikinger ein Inselarchipel, zehn Meilen nördlich vom heutigen Schottland. Der heutige Name, Orkney, hat sich vermutlich von dem norwegischen Wort für Seehund, "Orkn", abgeleitet. Orkneyjar – die Seehundsinseln. 77 größere und kleinere Inseln, davon nur 29 bewohnt. Seit dem 15. Jahrhundert gehören die Orkney Inseln zu Schottland. Für Archäologen ist Orkney ein Paradies.Von den ersten Siedlern sind 5.000 Jahre alte Zeugnisse aus Stein geblieben. Der Ring of Brodgar etwa. Steine gesetzt wie zur Akupunktur der Erde. Ein Versammlungsplatz früher Inselgemeinschaften. Errichtet zeitgleich zu den ägyptischen Pyramiden. Oder das am besten erhaltene prähistorische Dorf Nordeuropas. Skara Brae. Sieben Behausungen, durch Passagen miteinander verbunden, gebaut aus Bruchsteinplatten, die an den Küsten überall verfügbar sind. In Skara Brae stehen die ältesten Möbel Großbritanniens. Das ganze Dorf ist in die Tiefe gebaut, zum Schutz gegen den Wind.

Die Stabskirche von Urnes

Die Stabskirche von Urnes

Mit dem Schiff kam einst das Christentum nach Norwegen. Es wurde zur nützlichen Ideologie bei der Staatsbildung. Ein Gott, ein König, ein Reich. In den entlegenen Buchten wurden viele Dörfer und Sippschaften mit Gewalt bekehrt. Und sie werden gezwungen Kirchen zu bauen. Die älteste von ihnen, und auch deswegen von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt, ist die Stabkirche von Urnes. Auf dem Altar dieser Stabkirche steht ein Kerzenleuchter in Form eines Wikingerschiffs, eine mittelalterliche Eisenarbeit, nicht viel jünger als die Kirche selbst. Neun Kerzen auf einem Boot, das bedeutet, das Licht des Christentums ist mit einem Boot nach Norwegen gekommen. Die Wikinger sind von ihren Raubzügen in die Fjorde heimgekehrt mit Blut an den Händen – aber auch mit einer neuen Religion. Ein ganz besonderer Norwegenliebhaber war Kaiser Wilhelm II., der letzte deutsche Kaiser. Er fuhr jeden Sommer auf seiner Yacht „Hohenzollern“ durch die Fjorde und verfasste Gedichte zu Ehren der Wikinger und schwärmte von der "Mannestreue" dieses "kernigen Volkes". Von einer der Reisen brachte er auch eine altnordische Stabkirche als Souvenir mit. Wilhelm wusste, dass Norwegen nicht nur schön, sondern auch gefährlich ist.

Berglandschaft Geirangerfjord

Berglandschaft Geirangerfjord

Als 1904 die Stadt Aalesund nieder brannte, eilte Wilhelm sofort zu Hilfe. Und auch am Geiranger Fjord half er mit Geld aus, als 1907 eine Lawine einen Bauernhof mit sich riss. Von allen norwegischen Fjorden ist der Geiranger der berühmteste. Seit mindestens fünftausend Jahren leben Menschen am Ufer des Fjords und in den Hochtälern.

Island wurde von Norwegen aus besiedelt. In Reykjavik, wo heute zwei Drittel der rund 300.000 Isländer leben, lässt sich um 870 nach Christus als erster der Wikinger Ingolfür Arnarson nieder. Island gilt als ein Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Bevölkerungszahl wuchs nach der ersten Besiedelung schnell. Rund um die Insel werden regionale Versammlungsplätze, Thingstätten, gegründet. Anfang des 10. Jahrhunderts wird der Ruf nach einem gemeinsamen Thing, dem Althing laut.

Eisberge

Eisberge

Als Ort für die zentrale Versammlung wird Thingvellir gewählt. 930 trat unter freiem Himmel das erste gemeinsame Parlament, das Althing zusammen und markiert damit die Gründung des isländischen Staates. Im Nationalpark Thingvellir, trifft Islands Geschichte auf Islands Geologie. Hier stoßen die eurasische und die nordamerikanische Erdplatte aufeinander. Die "Grenze" zwischen den beiden Kontinenten ist eine fünf bis sechs Kilometer breite Zone, durchzogen von mehr oder weniger parallelen Klüften. Sie sind die Sollbruchstellen zwischen den Kontinenten. Noch immer driften Amerika und Europa um etwa zwei Zentimeter pro Jahr auseinander. Auseinandergedrückt von der mit aller Kraft nach oben strebenden Magma im Inneren der Erde. Thingvellir ist der zentrale Ort dieses Grabensystems.

Fischer im Ilulissat Eisfjord

Fischer im Ilulissat Eisfjord

Als Entdecker Grönlands gilt Erik der Rote. Seinen Beinamen verdankte er seinen Haaren und weil Blut an seinen Händen klebte. Um 970 floh Eriks Vater aus Norwegen nach Island. Er hatte dort einen Mord begangen. Auch Erik wurde zwölf Jahre später aus Island verbannt weil er ebenfalls mordete. Ohne Frau und Kinder fuhr er nach Westen und verbrachte drei Jahre auf Grönland. Dort erkundete er die Küsten. Danach kehrte er nach Island zurück und warb Kolonialisten an. Mit 25 Schiffen fuhr er 985 nach Grönland. Nur 14 Schiffe kamen dort an. Erik der Rote gab dem Land seinen Namen, grönne Land, "grünes Land". Die Inuit Grönlands, die "Kalaallit", siedelten hier bereits 3.500 Jahre vor den Wikingern. Eisberg heißt auf grönländisch Ilulissat. Dies ist auch der Name einer Stadt an der Westküste, 250 Kilometer nördlich des Polarkreises und mit 4.500 Einwohnern die drittgrößte Stadt Grönlands. Vom Containerhafen werden die Fänge der Fischer verfrachtet und nach Europa verschifft, insbesondere Garnelen, Heilbutt und Krabben. Die Welt beneidet Grönland um die ertragreichen Fischgründe. Viele Grönländer hoffen, bald auch Öl zu fördern. Unmittelbar vor Ilulissat, in der Diskobucht, tummeln sich Buckelwale. Man erkannt sie am typischen einstrahligen Blas. Die Gezeiten fördern das Kalben der Eisberge. Zudem schiebt der Gletscher nach. So entstehen Risse im Eis, an denen sich ganze Eisberge lösen. Das grönländische Inlandeis kalbt an mehreren Orten ins Meer. Der Klimawandel hat im Weltnaturerbe Ilulissat Eisfjord längst einen Dominoeffekt ausgelöst. Weniger Eis reflektiert weniger Sonnenlicht und das Meerwasser erwärmt sich. Dadurch schmilzt das restliche Eis noch schneller. Die Arktis ist aus ihrer eisigen Starre erwacht. 1000 Jahre nach seiner Entdeckung durch die Wikinger wird Grönland wohl doch ganz allmählich grün.