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SENDETERMIN So, 22.9.2019 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

Europa: Rumänien Sighisoara

Ort der kleinen Ewigkeiten

In Transsilvanien messen die Uhren nicht die Zeit, sondern die Ewigkeit, sagt ein rumänisches Sprichwort. Wer sich den Weg durch dieses Land bahnt, über Schlaglöcher hinweg und vorbei an Ochsenkarren, hat bisweilen tatsächlich das Gefühl, dass die Zeit hier stehengeblieben ist. Irgendwo im Mittelalter.

Wie von Kinderhand geschaffen, sieht der Ort auf den ersten Blick aus: Klein, schief und bunt sind die Häuser.

Wie von Kinderhand geschaffen, sieht der Ort auf den ersten Blick aus: Klein, schief und bunt sind die Häuser.

In Sighisoara, einem kleinen Städtchen im Tal der Kokel, ist fast alles noch so, wie es um 1200 war, als sich vor allem Siedler hier niederließen. Die von ihnen gebaute Burganlage mit sieben Wehrtürmen und rund 150 Wohnhäusern ist das einzig erhaltene Ensemble dieser Art in Transsilvanien, zu deutsch Siebenbürgen.

Was unzählige Kriege, Verwüstungen und Plünderungen im Laufe der Geschichte nicht geschafft haben, wäre einer abrisswütigen Diktatur beinahe gelungen. Bevor deren letztes Stündchen geschlagen hatte, wollten die Schergen Ceaucescus' die geschichtsträchtige Stadt niederwalzen. Sie schafften es nicht mehr. Das Regime ging zu Bruch und nicht Sighisoara.

Nach dem großen Mongoleneinfall sind es vor allem die Türken, die die aufstrebende Handelsstadt das Fürchten lehren.

Die Türken lehren das Fürchten ...

Heute ist es der Zeitgeist, der dem Städtchen zu Leibe rückt. Ausländische Investoren haben die Stadt als Ziel für den Tourismus entdeckt und beginnen an manchen Stellen, die morbide Schönheit Sighisoaras wegzusanieren. Noch erkennt man ihr altes Gesicht, noch spricht es Bände. Jedenfalls für die, die hinsehen können.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: hervorragend erhaltene, mittelalterliche Stadt
UNESCO-Ernennung: 1999
Ende 12. Jh.
Gründung der Stadt durch deutsche Kolonisten
1298
erste urkundliche Erwähnung der Stadt in einem Ablassbrief unter dem Namen »Schespurch«
14. Jh.
Erbauung des Stundturms (Wahrzeichen der Stadt)
Mitte 15. Jh.
erstmalige Erwähnung des rumänischen namens der Stadt, Sighisoara
1483
Fertigstellung der evangelischen Bergkirche
1676
Vernichtung des Stundturms und einem Großteil der Burg und der Stadt durch einen Großbrand
1677
Wiederaufbau des Stundturms
1886-1888
Bau des Rathauses

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