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SENDETERMIN Mo, 15.4.2019 | 12:45 Uhr | 3sat

Europa: Niederlande Die Van Nelle Fabrik in Rotterdam

Monument aus Glas und Stahl

Die Van Nelle Fabrik, erbaut 1926-1931, verkörpert wie das deutsche Bauhaus die architektonische Avantgarde der Klassischen Moderne. Funktionalität und Ästhetik gehen eine Symbiose ein, die bis heute Architekten inspiriert.

Der Industriebau wurde nach dem amerikanischen Vorbild der Daylight Factory konzipiert. Um die Fabrikräume optimal zum Licht hin zu öffnen, fanden neue Techniken Anwendung. Dabei wurden Vorhangfassaden mit durchgehenden Fensterbändern vor eine tragende Konstruktion mit pilzförmigen Stahlbetonsäulen montiert.

Rotterdam, der größte Seehafen Europas, wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig durch deutsche Bomben zerstört. Heute zeigt es sich mit spektakulären Bauten, entworfen von Stars der zeitgenössischen Architekturszene. Doch Architektur-Avantgarde bietet die Seemetropole nicht nur an der Nieuwe Maas. In Schiedam, einem westlichen Vorort, steht die Van Nelle Fabrik. Der elegante Industriebau aus Glas, Stahl und Beton verkörpert wie das Bauhaus in Weimar die Avantgarde der Klassischen Moderne in der Architektur. Kurz vor ihrer Vollendung im Jahre 1931 feiert Architekturvisionär Le Corbusier die Van Nelle Fabrik als „der schönste Anblick der modernen Zeit“.

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Die Van Nelle Fabrik in Rotterdam

Monument aus Glas und Stahl

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Technik im Eingangsbereich demonstriert Fortschritt und Modernität.

Technik im Eingangsbereich demonstriert Fortschritt und Modernität.

Die Van Nelle Fabrik in Rotterdam gehört seit 2014 zum UNESCO-Welterbe.

Von weitem sind die großen Leuchtbuchstaben der Van Nelle Fabrik zu sehen.

An dem Betonskelett ist eine dünne Vorhangfassade mit Glasfenstern angehängt.

Zur Schau gestellte Technik im Kraftwerk demonstriert Fortschritt und Modernität

Zur Schau gestellte Technik im Kraftwerk demonstriert Fortschritt und Modernität.

Von der Teestube der Van Nelle Fabrik aus reicht der Blick bis zur Skyline von Rotterdam.

Cafeteria im den Räumen der ehemaligen Kaffeerösterei.

Das Sonneveld House wurde entworfen von dem Chefarchitekt der Van Nelle Fabrik Leendert van der Vlugt.

Die Vorhangfassaden der Vaan Nelle Fabrik ließen sich leicht öffnen, um anzuschließen.

Das Sonneveld House ist mit Möbeln des Designers Willem Hendrik Gispen ausgestattet, der auch die Interieurs der Van Nelle Fabrik entworfen hat.

Das Sonneveld House ist mit Möbeln des Designers Willem Hendrik Gispen ausgestattet, der auch die Interieurs der Van Nelle Fabrik entworfen hat.

Funktionalität und Ästhetik – Chrom und Keramik schaffen Eleganz.

Die Sanitäranlagen wurden von den Tabakschiffen aus den USA mitgebracht.

Die Vorhangfassaden der Vaan Nelle Fabrik ließen sich leicht öffnen, um anzuschließen.

Bis 1995 werden hier Tabak, Kaffee und Tee verarbeitet. Dann schließt die Fabrik. 60.000 Quadratmeter müssen neu genutzt werden. Nachdem die Stadt Rotterdam den Kauf - und damit die Verantwortung für die Van Nelle Fabrik abgelehnt hat, kann ihre Zukunft nur durch die Transformation zu einem Ort der Kreativindustrie gesichert werden. Designateliers, Architekturbüros, Kanzleien, Werbe- und Filmproduktionen ziehen in den Industriebau ein. Hier zu arbeiten ist Teil ihrer Corporate Identity.
Der Name Van Nelle geht auf ein Kolonialwarengeschäft zurück, das 1782 in Rotterdam eröffnet wird. Als die Familie Van der Leeuw das Ruder übernimmt, beginnt mit Plantagengründungen in Niederländisch-Ostindien, dem Handel und der Verarbeitung von Tee, Kaffee und Tabak der Aufstieg zu einem global operierenden Unternehmen. Die Rohstoffe aus Übersee werden nach Rotterdam verschifft. Und dort in der Van Nelle Fabrik im alten Leuvehafen weiterverarbeitet. Das Geschäft floriert, die Kapazitäten reichen bald nicht mehr aus.
Der neue Standort liegt an einem großen Kanal, in Nachbarschaft zur Bahnstrecke Paris-Amsterdam. Jedes Produkt - ob Tabak, Kaffee oder Tee – erhält einen eigenen Bereich. Mit der Verwirklichung des Industriebaus profiliert sich Chefarchitekt Leendert van der Vlugt als vielversprechender Protagonist des Neuen Bauens. Doch die Van Nelle Fabrik ist eigentlich das Projekt des jungen Kees van der Leeuw, der von der Eigentümerfamilie bestimmt wird, die Verwirklichung in die Hand zu nehmen. Den Jungunternehmer interessieren amerikanische Produktionsmethoden. Er begeistert sich für moderne Architektur und abstrakte Malerei, ist Mitglied der Theosophischen Gesellschaft und Anhänger des spirituellen Lehrers Jiddu Krishnamurti. Mit der Van Nelle Fabrik verfolgt Kees van der Leeuw nichts weniger als ein Gesamtkunstwerk, das die Rationalität industrieller Produktion, die Kunst des Neues Bauens sowie die Suche nach einem ganzheitlichen Menschenbild in sich vereinen soll.

Der Bau selbst ist eine Pionierleistung der Ingenieurskunst. Um in dem schwammigen Boden ein sicheres Fundament zu gründen, werden Tausende über zwanzig Meter lange Stahlbetonnägel an Ort und Stelle gegossen und dann mithilfe der aus den USA eingeführten Thomson-Dampframme in den Untergrund gestoßen. Auch Pilzstützen aus Stahlbeton, die das Skelett des Industriebaus bilden, waren bis dahin in Europa nicht bekannt. Sie sind mit dem Fußboden vergossen und bilden so eine belastbare Einheit, die Träger für die Decken überflüssig macht. Vorhangfassaden auf beiden Seiten des 17 Meter breiten Industriebaus sorgen für optimalen Einfall des Tageslichts. Die Van Nelle Fabrik funktioniert nach dem amerikanischen Prinzip der Daylight Factory.
Alle Funktionen sind an dem Gebäude ablesbar. Die Form folgt der Funktion. In den Treppenhäusern schaffen Chrom und Keramik Eleganz. Die Fabrik soll schön sein, die Arbeit darin Freude bereiten. Dies zeigt sich auch bei der Ausstattung der Toiletten und Duschen. Die Sanitäranlagen kommen mit den Tabakschiffen aus den USA.
Für die Direktoren der Van Nelle Fabrik entwirft Hausarchitekt Leendert van der Vlugt auch Villen in der Stadt. Das Sonneveld House, eine Machine à Habiter, ist heute Museum. Es ist komplett im Stil der Neuen Kunst gestaltetet und befindet sich wieder in dem Zustand, wie es Direktor Bertus Sonneveld mit seiner Familie bezogen hat. Mit Möbeln des Designers Willem Hendrik Gispen, der auch für die Interieurs der Van Nelle Fabrik verantwortlich war.


Daten & Fakten:

Unesco-Ernennung: 25.06.2014

1782
Gründung der Firma Van Nelle in Rotterdam, die Firma vertreibt und produziert Kaffee, Tee und Tabak

1926 - 1930
Entwurf und Bau einer modernen Fabrikanlage durch das Architektenbüro Brinkman und Van der Vlugt

1931 - 1990
Kontor und Produktionswerkstätten sind in Betrieb

1986
Die Fabrik wird unter Denkmalschutz gestellt

1998 - 2004
Sanierung und Renovierung des Gebäudekomplexes, welches heute als Veranstaltungsort genutzt wird

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