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Filmtext & Video

14:58 min | Mo, 12.3.2018 | 12:45 Uhr | 3sat

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Afrika: Namibia

Die Namib - Der Ort an dem Nichts ist

Ein Film von Rüdiger Lorenz und Faranak Djalali

Ein grünes Paradies, wie die Sahara noch vor Zehntausend Jahren, war die Namib am südlichen Ende von Afrika nie. Mit Landschaften deren Ursprünge mehr als eine halbe Milliarde Jahre zurückreichen, ist die Namib eine der ältesten Wüsten der Erde.

Filmtext:

Der Weg in die Vergangenheit, der zugleich in die Zukunft weist, der Weg eine halbe Milliarde Jahre zurück, er führt über einen Ort, der hier am südlichen Ende von Afrika, wie von einem anderen Stern zu sein scheint.

Swakopmund - Spuren eines kurzen, wenig ruhmreichen deutschen Kolonialabenteuers. Die Menschen hier gehen erstaunlich entspannt mit diesem Erbe um. Gleich hinter dem, fast an ein Ostseebad erinnernden Vorposten imperialer Eroberungsphantasien, ein Grund des Scheiterns: Wüste, die Namib. ‚Mondlandschaft’ heißt dieser Gebirgszug entlang des ausgetrockneten Swakop-Flusses. Ob das Chamäleon ihn mit seinem 360 Grad Auge eher nah oder wie durch ein Weitwinkel sieht? In dieser kargen Gegend gedeiht auch ein anders Methusalem, die Welwitschia. Bis zu Tausend Jahre alt kann sie werden. Ein See am Ende der Piste entpuppt sich als Fatamorgana. Die Zebras scheinen unwirklich nah, und doch sind sie weit weg.

Am Horizont das Gamsberg-Plateau, Teil der Großen Randstufe. Gams heißt in der Sprache der Ureinwohner ‚Flacher Stein’. Inselberge , 500 Millionen Jahre alte Überreste des einstigen Damara-Hochgebirges. Der Pass ist nach dem Fluss benannt: Kuiseb. Selten füllt sein trockenes Bett Wasser – und trotzdem leben Menschen hier, seit der frühen Steinzeit. Zuerst die Buschleute, und jetzt seit hundert Jahren die Topnaar. Ein solarbetriebener Brunnen lässt sogar einen kleinen Garten mitten in der Wüste blühen. Heute lebt niemand näher an ‚dem Ort, wo nicht ist’, wie die Namib in der Sprache der Urbevölkerung heißt. Es sind nur wenige Schritte durch den Sand ‚nach Hause’. Anna, die sogar ein paar Worte Deutsch spricht, könnte mit Willem, ihrem Mann auch am Rand von Swakopmund wohnen, wie viele der jungen Leute. Sie sind hier geblieben, weil sie dieses Leben in Freiheit lieben, auch wenn sie nicht wissen, wie lang der hundert Meter tiefe Brunnen noch ausreichend fließt. Immer seltener werden die großen Regen, die die trockenen Flussbetten für einige Wochen mit Wasser füllen. Sie sind auf der Suche nach der i-Nara, einem Kürbisgewächs, das es sonst nirgends auf der Welt gibt. Sie finden nur die Wurzel, die soll bei Diabetes und Bluthochdruck helfen.

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Die Namib - Der Ort an dem nichts ist

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Blick von den Dünen ins Naukluftgebirge bei Solitaire.

Blick von den Dünen ins Naukluftgebirge bei Solitaire.

Anna gehört zum Stamm der Topnaar. Sie lebt mit ihrem Mann am Rande der Namib und dank eines solarbetriebenen Brunnens und ihrer Arbeit gedeiht der Garten.

30 Millionen Jahre alte Ablagerungen des Tsauchab Flusses im Sessriem Canyon.

Über 4000 Kilometer war das Filmteam in Namibia unterwegs, hauptsächlich auf Sandpisten.

Mondlandschaft’ heißt dieser Gebirgszug entlang des ausgetrockneten Swakop-Flusses. Das Chamäleon ist an die karge Natur angepasst.

Das Naukluftgebirge begrenzt im Osten den 50.000 qkm großen Nationalpark.

Der Deadvlei muss einst eine Oase gewesen sein, über einen längeren Zeitraum, bis eine riesige Düne dem Wasser den Weg versperrte und alles Leben auslöschte.

Der Namib-Rand-Naturpark war noch im letzten Jahrhundert Farmland. Als immer längere Trockenperioden die landwirtschaftliche Nutzung erschwerten, vereinten die Besitzer ihre Flächen zu einem viele hundert Quadratkilometer großen Naturreservat.

Die Landungsbrücke von Swakopmund ist 100 Jahre alt.

Seit 1962 wird in Gobabeb geforscht. Klima und Wüstenökologie gehören zu den Forschungsbereichen.

Die Sandviper hat sich ihrer Umgebung angepasst.

"Mondlandschaft" heißt dieser Gebirgszug entlang des ausgetrockneten Swakop-Flusses.

Drei Männer, zum Stamm der Topnaar gehörend, suchen nach der i-Nara, einem Kürbisgewächs, das es sonst nirgends auf der Welt gibt.

Die Wurzel der iNara Pflanze soll bei Diabetes und Bluthochdruck helfen.

Unsere Filmemacher: Rüdiger Lorenz und Faranak Djalali.

Die Dünen der Namib gehören zu den größten der Welt. Sie tragen Namen wie: Big Dady oder Big Mama , oder sind einfach nummeriert, wie hier die "45".

Die Wanderdünen der Namib verändern die Flussläufe. Sie sind für die Flüsse unüberwindbare Hindernisse und versperren den Weg zum Meer.

Am Fuß einer Düne sucht der kleine Palmatogecko nach Nahrung.

Ein Chamäleon wartet auf Beute. Dank der beweglichen Augen haben diese Tiere fast 360° Rundumblick und können blitzschnell reagieren.

Plötzlich auf der Kameralinse, die Spinne mit dem Namen "Tanzende, weiße Dame".

Die Namib, endlose Weite, karge Gebirge und einsame Sandpisten.

Anna und Willem leben mit ihren Kindern in der Einsamkeit der Namib. Sie sind hier geblieben, weil sie dieses Leben in Freiheit lieben,
auch wenn sie nicht wissen, wie lang der hundert Meter tiefe Brunnen noch ausreichend fließt.

Oryxantilopen suchen unter einer Akazie Schutz vor der sengenden Sonne.

Sandsturm im ausgetrockneten "Tsauchab" Fluss.

Nicht nur das Team brauchte einen Schirm gegen die Hitze in der Namib.

Hundertfünfzig Kilometer vom Atlantic landeinwärts: das Naukluftgebirge, die östliche Begrenzung der Namib, auf der Höhe von Solitaire. Die Schatten werden länger. Eine Dancing White Lady hat ihr Sandversteck verlassen. Sie lauert auf Beute. Die Eidechse scheint schon satt zu sein. Manche hinterlassen nur ihre Spuren. Andere verschwinden gleich ganz von der Oberfläche. Im Angesicht der Sandviper vielleicht keine so schlechte Idee. Das Namaqua-Chamäleon hält Ausschau nach Schwarzkäfern. Die Felsmassive der Naukluft sind vor etwa einer halben Milliarde Jahre entstanden. Damals wurden sie beim Zusammenstoß zweier Erdkrusten aus der Gegend des Gamsbergs in ihre heutige Position geschoben.

Am südlichen Ende der Gebirgskette der Sessriem-Canyon. Er erhielt seinen Namen von den ersten Weißen, die hier durchkamen. Auf Afrikaans bedeutet Sessriem sechs Riemen. Die wurden gebraucht um aus der Schlucht das kostbare Wasser hochzuziehen. Die Anfänge des Canyons reichen dreißig Millionen Jahre zurück.
Der Tsauchab-Fluss brachte von der großen Randstufe Gesteinsschutt mit und lagerte ihn hier ab.

Als vor etwa zwei Millionen Jahren der Meeresspiegel wegen einer Eiszeit sank, wurde das Gefälle zur Küste steiler. Der Fluss begann sich in seine eigenen Ablagerungen einzuschneiden. So ist in den Wänden des Canyons, wie in einem Archiv, die Klimageschichte der ganzen Region gespeichert. Sie kämpfen sich durch Sand und Staub, die Flüsse der Namib. Der Kuiseb bei den Topnaar, der Tsondab und hier der Tsauchab und alle verlieren sie.

Seit hunderttausend Jahren erreicht keiner mehr das Meer. Gegen die wandernden Sanddünen haben sie keine Chance. Die Dünen der Namib gehören zu den größten der Welt. Sie tragen Namen wie: Big Dady oder Big Mama , oder sind einfach nummeriert, wie hier die ‚45’. Sossusvlei ‚blinder Fluss’, eine Tonpfanne. Dort endet der Tsauchab.

Etwa alle zehn Jahre verwandelt sich tatsächlich die Wüste in ein Paradies. Wasser aus des Bergen überspült wenige Tage den Sand, dann versickert es unerreichbar für die meisten Pflanzen in der Tiefe der Namib. Nur die uralten Kameldorn-Bäume können mit ihren langen Wurzeln noch eine Zeit lang überleben. Der Deadvlei muss einst eine Oase gewesen sein, über einen längeren Zeitraum, bis eine riesige Düne dem Wasser den Weg versperrte und alles Leben auslöschte. Strukturen, die sich noch im Verfall dem alles verschlingenden Sand widersetzen. Ob so die Erde aussieht, wenn die Menschheit sie längst verlassen hat?

Sie haben einen speziellen Gabelstock um die Früchte aus dem Dornendickicht zu lösen. Ob die iNara so schmeckt wie in den regenreichen Jahren? Ganze Körbe haben sie da manchmal aus der Wüste geholt. Der Namib-Rand-Naturpark war noch im letzten Jahrhundert Farmland. Als immer längere Trockenperioden die landwirtschaftliche Nutzung erschwerten, vereinten die Besitzer ihre Flächen zu einem viele hundert Quadratkilometer großen Naturreservat. Nur wenige Touristen dürfen zu Fuß, die sich langsam regenerierende Landschaft durchwandern. Farmland, endlose Zäune. Dann, Richtung Lüderitz die wilden Pferde von Garub. Keiner weiß genau, wie sie hier her kamen. Deutsche Kavallerie war einst hier stationiert, oder sollten sie die Überlebenden einer Schiffskatastrophe sein, Zuchtpferde deren eigentliches Ziel Australien war? Die Diamantenküste, auch sie ist Teil der Namib. Heute ein riesiges Sperrgebiet in dem der namibische Staat schürft.

Hier in Kolmanskop träumten die Entdecker der Steine vor hundert Jahren den kurzen Traum vom grenzenlosen Reichtum. Ihr Hafen ist noch heute in Betrieb:
Lüderitz , eine Stadt, die dem fünfhundert Kilometer nördlich liegenden Swakopmund sehr ähnlich ist. Nebel, aufgestiegen über dem Atlantic. Aus seinen feuchten Schwaden kondensiert Wasser, dort wo es fast nie regnet, mitten in der Wüste bei den Topnaar. Die iNara fängt die kostbaren Tropfen im stacheligen Geäst. Der Schwarzkäfer eilt auf die Kuppe der Düne, um zwischen seinen Beinen Nebel zu tanken. Sie sind immer auf der Suche nach Pflanzen, Essbaren, Heilenden.

Bei den Versuchskollektoren der Forschungsstation Gobabeb sind Tiere und Pflanzen Vorbild. Aber auch das Wissen derer, die hier am Rande der Namib wohnen, wird in dem Projekt gleich oberhalb des Kuiseb-Flusses seit den 60er Jahren gesammelt. Inwieweit der Klimawandel Einfluss auf dieses viele Millionen Jahre alte Ökosystem hat, lässt sich noch nicht absehen.

Die Tage mit Leben spendendem Nebel sind seltener geworden. Wie jeden Abend treiben Anna und Willem ihre Ziegen in den Pferch. Zu leicht würden sie sonst Opfer von Schakalen und Wüstenfüchsen.

Filmmusik & Stab

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft
Soundtrack "Die Namib":
Klaus Doldinger

Stab:
Autor und Regie: Rüdiger Lorenz und Faranak Djalali
Kamera: Rüdiger Lorenz, Philipp Lorenz
Schnitt: Rüdiger Lorenz

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