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Filmtext & Video

15:02 min | Di, 10.7.2018 | 21:40 Uhr | 3sat

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Asien: Iran

Die Freitagsmoschee in Isfahan, Iran / Schätze der Welt - Erbe der Menschheit

Ein Film von Rüdiger Lorenz und Faranak Djalali

Die Freitagsmoschee in Isfahan ist eines der größten und ältesten Gotteshäuser des Iran. Sie entstand im 10. und 12- Jahrhundert. Bis heute wurde sie immer wieder von den besten Künstlern und Handwerkern ausgeschmückt und restauriert.

Filmtext:

Es war ein spiritueller Ort, von Anbeginn. Das heilige Feuer der Zoroastrier loderte hier. Dann kaum hundert Jahre nach Mohammeds Tod, bauten seine Anhänger 773 an diesem Platz eine erste Moschee. Im 10. und 11.Jahrhundert kamen Säulenhallen und Bibliotheken dazu. Im Zwölften brannten die Assassinen alles nieder. Eine Inschrift und eine Jahreszahl an einem Tor aus dieser Zeit beziehen sich darauf: Die aber, die die Stätten Gottes zerstören, erwartet im Jenseits gewaltige Strafe.

Morgengebet, vier Uhr früh. Den Gläubigen steht ein harter Tag bevor. Es ist Ramadan, Fastenzeit. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dürfen sie nichts essen und vor allem nichts trinken, bei über 40 Grad Hitze. Die Oase Isfahan liegt inmitten von Wüsten an den Ausläufern des Zagros Gebirges, auf der zentraliranischen Hochebene. Nur wenige öffnen im alten Basar mit der aufgehenden Sonne ihre Läden. Schon die Händler, die von der Seidenstrasse kamen, boten unter diesen Kuppeln ihre Waren feil. Ob Marco Polo auch unter ihnen war? Noch heute zeugen die Muster, nach denen die Handwerker arbeiten, von einem einstmals regen Austausch der Kulturen zwischen China, Indien und dem Iran.

Wie ein Schutzschild aus Läden und Wohngebäuden umgeben Basar und Altstadt die Moschee. Das Hauptportal. Die einen kommen vom späten Gebet, die anderen nutzen die Kühle des Morgens, um mit ihrem Werk zu beginnen. Die Freitagsmoschee in Isfahan gilt als eines der ältesten Gotteshäuser des Iran. Die Harmonie und Geschlossenheit ihrer Anlage, mit den vier Kuppelhallen, den sog. Liwanen, lässt auf den ersten Blick, die Planung eines einzigen, genialen Baumeisters vermuten. Erst der Gang durch das Labyrinth der Säle und Säulenhallen offenbart die Vielfalt der Stile und Ideen, aus denen in über Tausend Jahren dieses Werk zur Ehre Allahs entstand.

Das safawidische Portal am Ostliwan war seine letzte Baustelle. Jetzt hat Meister Bahram eine vergleichsweise leichte Aufgabe: das Restaurieren eines 650 Jahre alten Seitenliwans. Schon damals wurde mit vorgefertigten Gipsteilen gearbeitet. Der Schmuck an diesem Liwan setzt sich aus vergleichsweise wenigen unterschiedlichen Teilen zusammen. Ein Puzzle ganz anderer Dimension sind die bunten Fayencefronten zum Hof der Moschee. Sie bestehen aus Millionen unterschiedlicher, von Hand geschlagener Kacheln. Tausende von Einzelteilen fügen sich zur Kalligraphie dieses Schriftbandes zusammen. Es preist Schah Abbas, der den Schmuck der Moschee im 16.Jahrhundert erneuern ließ. Das wichtigste Detail eines islamischen Gotteshauses ist das Mihrab. Es gibt die Gebetsrichtung vor. Ursprünglich nur eine Tür, entstanden daraus immer aufwendigere Kunstwerke.

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Freitagsmoschee Isfahan

Freitagsmoschee Isfahan

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Die Freitagsmoschee ist das prächtigste Bauwerk der Stadt Isfahan. Acht Tore führen ins Innere der Moschee. Sie wurde im 755 n. Christus erbaut und immer wieder vergrößert und umgestaltet.

Die Freitagsmoschee ist das prächtigste Bauwerk der Stadt Isfahan. Acht Tore führen ins Innere der Moschee. Sie wurde im 755 n. Christus erbaut und immer wieder vergrößert und umgestaltet.

Ein Puzzle ganz anderer Dimension sind die bunten Fayencefronten zum Hof der Moschee. Sie bestehen aus Millionen unterschiedlicher, von Hand geschlagener Kacheln.

Blaue Fayencen sind ein typischer Wandschmuck für Moscheen und Paläste

Kachelfayende am Hauptliwan aus der Safawiden-Timuriden-Epoche.

Meister Bahram Assadi bearbeitet ein Gipsteil, eine Technik, die schon vor 650 Jahren angewandt wurde.

Tausende sind zum Abendgebet in die Freitagsmoschee gekommen. Es ist der 19. Tag des Ramadan, ein Trauer- und Freudentag in einem.

Mittagsgebet unter der fast tausend Jahre alten Nizam al-Molk Kuppel

Meister Bahram und sein Geselle beim Abendgebet.

Gläubige beim Morgengebet um vier Uhr früh. Es ist Fastenzeit, 14 Stunden dürfen sie nichts essen und nichts trinken, bei 40 Grad im Schatten

Meister Bahram genießt in der Freitagsmoschee hohes Ansehen als Restaurator. Das wissen auch die Geistlichen zu schätzen.

Nur wenige hundert Meter von der Freitagsmoschee entfernt lesen Juden in der Thora. Es gibt vier Synagogen und dreizehn Kirchen in Isfahan.

Die lebendige jüdische Gemeinde in Isfahan unterhält 13 Synagogen. Ca. 1500 Juden leben in Isfahan.

Die Harmonie und Geschlossenheit ihrer Anlage, mit den vier Kuppelhallen, den sog. Liwanen, lässt auf den ersten Blick, die Planung eines einzigen, genialen Baumeisters vermuten.

Unter Schah Abbas kamen zu Beginn des 17. Jahrhunderts ca. 50.000 Armenier nach Persien. Seitdem gibt es eine armenische Gemeinde in Isfahan und dreizehn Kirchen im Stadtgebiet.

Die Vank-Kathedrale ist die prächtigse Kirche der armenischen Christen in Isfahan. Zur Kirche gehört ein frei stehender Glockenturm.

Minarette sind Türme, die zur Moschee gehören. Von oben ruft der Muezzin die Gläubigen fünfmal zum Gebet.

Die prächtigen Stalaktiten der Kuppel bestehen aus Gips.

Das Morgengebet beginnt mit dem Sonnenaufgang um vier Uhr früh.

Lehmziegel sind das älteste Baummaterial in den Wüsten des Orients.

Gleich wird hier das Mittagsgebet stattfinden. Das wertvollste und schönste Mihrab Persiens, das Oldjaitu-Mihrab, verbirgt sich in einem unscheinbaren Raum hinter dem Westliwan: Es ist eine Stuckarbeit aus dem Jahr 1310. Blumenmuster und kalligraphische Koranverse bilden eine raffinierte Komposition. Die beiden Kanzeln aus dem 14.Jahrhundert. Das Feuer das Assasinen, 1121, verschonte nur die linke Kuppel und die Richtung Mekka, die Südliche. Zwei gegensätzliche Pole, dazwischen in der Mitte der Ostliwan gen Sonnenaufgang und der Westliwan mit dem Türmchen für den Gebetsrufer.

Im Schnittpunkt dieser zwei Achsen der Brunnen für die rituellen Waschungen. Zwei Kuppeln. Einst bauten sie im 11.Jahrhundert zwei miteinander konkurrierende Wesire:

Tadj al-Molk, die Nördliche. Sie gehörte ursprünglich gar nicht zur Moschee. Freistehend, diente der prunkvolle Raum dem Schah als Audienzsaal. Es war die Zeit, als Isfahan eine erste Blüte in Kunst und Wissenschaft erlebte. Als Firdause sein berühmtes Königsbuch schrieb und Abu Mansur den islamitischen Philosophen Avicenna an seinen Hof berief. Es war aber auch die Zeit, als die Seldschuken Isfahan eroberten und zur Hauptstadt ihres neuen Großreichs machten, das von China bis Syrien und von Zentralasien bis Arabien reichte. Nizam al-Molk, war der Einflussreichere der beiden Wesire. Er bestimmte weitgehend die Politik des Schah. Die Kuppel hinter dem Südliwan durfte er bauen. Noch heute trägt sie seinen Namen. Dort findet jeden Tag das Mittagsgebet statt, seit beinahe Tausend Jahren.

In gewisser Weise ist Isfahan eine multireligiöse Stadt, zumindest im Bezug auf die Konfessionen, die an einen Gott glauben, wie Mohammedaner, Christen und Juden.

Nur wenige hundert Meter von der Freitagsmoschee entfernt, eine Synagoge. Vier weitere gibt es und dreizehn Kirchen. Der armenische Bischof feiert sein zwanzigjähriges Jubiläum. Die Moschee ist nicht nur der Ort des Gebets, sie ist auch ein Ort der Ruhe, der Entspannung und Kontemplation. Ihre meterdicken Kuppeln mildern die Hitze des Sommers und die Kälte des Winters. Lehmziegel sind das älteste Baummaterial in den Wüsten des Orients. Oft einfach in der heißen Sonne getrocknet, halten sie als konstruktive Elemente in tragenden Wänden und Kuppeln viele Jahrhunderte auch extremer Witterung stand.  Dann zerfallen sie wieder zu dem, was sie einmal waren, zu Erde. Die Ziegel der Freitagsmoschee sind größtenteils gebrannt. Sie dienen als Baumaterial und Schmuckdekor, oft in einem.

Wie Intarsien wirken die Ornamente an Säulen und Bogen. Es sind alles Backsteine. Manche wurden sogar türkis glasiert, wie hier die stilisierte kufische Schrift am Minarett. Sie verherrlicht die vielen Namen Allahs. Der Schutzschild um die Moschee aus traditioneller Lehmarchitektur bekommt Risse. Immer mehr historische Wohnhäuser fallen der Spitzhacke zum Opfer. Aber auch die Wenigen, die noch da sind, wie hier das 400 Jahre alte Scheik-Bahai-Haus, das der Planer der Königsmoschee bewohnt haben soll, sind in ihren Grundmauern gefährdet. Feuchtigkeit steigt auf und zersetzt Lehmmauern und Gipsstuck. Wo das Wasser herkommt, in der ansonsten unter extremer Trockenheit leidenden Oase, weiß keiner. Die Freitagsmoschee in Isfahan befindet sich trotz der intensiven Nutzung, oder vielleicht gerade deswegen, in einem baulich guten Zustand. Immer noch restauriert wird in einem Seitentrakt hinter dem Ostliwan. Ursprünglich eine Madrese, eine religiöse Schule aus der Zeit Al-Musaffurs vor 650 Jahren, soll langfristig hier ein Museum entstehen. Die Gipsteile sind getrocknet. Stück für Stück setzt sie Ostad Bahram in das beschädigte Stalaktitengewölbe ein. Die Teppiche für das Abendgebet werden ausgerollt. Für heute Nacht erwarten sie Tausende. Es ist ein besonderer Tag, der 19. des Ramadan. Ali der Schwiegersohn des Propheten, der gegen den Willen eines Teils der damaligen Anhängerschaft Mohammeds, dessen Nachfolge angetreten hatte, wurde während des Gebets ermordet. Der Ursprung des Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten. Es ist aber auch der Tag an dem die Offenbarung des Koran gefeiert wird.

Trauer und Freude treffen sich. Koranverse werden rezitiert. An die Stelle der steinernen Kalligraphie ist ein Beamer getreten. Die Synchronübersetzung des Arabischen ins Persische mag den, der der Sprache des Propheten nicht mächtig ist, mit der modernen Technik versöhnen. Und doch werden die steinernen Schriftzeichen auch dann noch da sein, wenn die digitalen Speicher längst gelöscht sind.

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft
Soundtrack: Matthew Jones

Stab:
Buch und Regie: Werner Meyer
Kamera: Paul Ree
Schnitt: Melanie Sandford, ASE

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