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SENDETERMIN Di, 10.7.2018 | 21:40 Uhr | 3sat

Asien: Iran Die Freitagsmoschee in Isfahan

Tausend Jahre islamische Kunst

Die Freitagsmoschee ist eines der größten und ältesten Gotteshäuser des Iran. Bereits hundert Jahre nach Mohammeds Tod, gab es in der Oasenstadt Isfahan an diesem Platz eine umfriedete Gebetsstätte. Die gegenwärtige Anlage entstand im 10. und 12.Jahrhundert. Von den Seldschucken, über die Timuriden, bis zu den Safawiden, bis heute, immer waren es die besten Künstler und Handwerker ihrer Zeit, die die Bauten weiter ausschmückten oder restaurierten.

Der Film nähert sich dem Welterbe um vier Uhr früh. Zum Morgengebet sind nur einige Duzend Männer und Frauen in den riesigen Innenhof gekommen. Letztere verfolgen die Predigt hinter einem Vorhang, doch den hat der Wind beiseite geblasen. Noch lässt sich, im schwachen Licht, die Pracht der mit Kachelfayence und Stuckornamentik verschwenderisch geschmückten Fassaden nur erahnen. Dann geht über dem weitläufigen Lehmdach mit seinen Kuppeln und Minaretten die Sonne auf.

Für die Gläubigen beginnt ein harter Tag. Es ist Ramadan, jetzt mitten im Sommer dürfen sie sechzehn Stunden nichts essen und bei 40 Grad Hitze nichts trinken. Alles läuft langsamer. Dort wo sonst überwiegend Touristen das Bild bestimmen, findet religiöses Leben statt. Die ganze Moschee, auch der Hof, wird mit Teppichen ausgelegt. Überall liegen Koranausgaben, in die sich Menschen jeden Alters vertiefen.

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Freitagsmoschee Isfahan

Freitagsmoschee Isfahan

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Die Freitagsmoschee ist das prächtigste Bauwerk der Stadt Isfahan. Acht Tore führen ins Innere der Moschee. Sie wurde im 755 n. Christus erbaut und immer wieder vergrößert und umgestaltet.

Die Freitagsmoschee ist das prächtigste Bauwerk der Stadt Isfahan. Acht Tore führen ins Innere der Moschee. Sie wurde im 755 n. Christus erbaut und immer wieder vergrößert und umgestaltet.

Ein Puzzle ganz anderer Dimension sind die bunten Fayencefronten zum Hof der Moschee. Sie bestehen aus Millionen unterschiedlicher, von Hand geschlagener Kacheln.

Blaue Fayencen sind ein typischer Wandschmuck für Moscheen und Paläste

Kachelfayende am Hauptliwan aus der Safawiden-Timuriden-Epoche.

Meister Bahram Assadi bearbeitet ein Gipsteil, eine Technik, die schon vor 650 Jahren angewandt wurde.

Tausende sind zum Abendgebet in die Freitagsmoschee gekommen. Es ist der 19. Tag des Ramadan, ein Trauer- und Freudentag in einem.

Mittagsgebet unter der fast tausend Jahre alten Nizam al-Molk Kuppel

Meister Bahram und sein Geselle beim Abendgebet.

Gläubige beim Morgengebet um vier Uhr früh. Es ist Fastenzeit, 14 Stunden dürfen sie nichts essen und nichts trinken, bei 40 Grad im Schatten

Meister Bahram genießt in der Freitagsmoschee hohes Ansehen als Restaurator. Das wissen auch die Geistlichen zu schätzen.

Nur wenige hundert Meter von der Freitagsmoschee entfernt lesen Juden in der Thora. Es gibt vier Synagogen und dreizehn Kirchen in Isfahan.

Die lebendige jüdische Gemeinde in Isfahan unterhält 13 Synagogen. Ca. 1500 Juden leben in Isfahan.

Die Harmonie und Geschlossenheit ihrer Anlage, mit den vier Kuppelhallen, den sog. Liwanen, lässt auf den ersten Blick, die Planung eines einzigen, genialen Baumeisters vermuten.

Unter Schah Abbas kamen zu Beginn des 17. Jahrhunderts ca. 50.000 Armenier nach Persien. Seitdem gibt es eine armenische Gemeinde in Isfahan und dreizehn Kirchen im Stadtgebiet.

Die Vank-Kathedrale ist die prächtigse Kirche der armenischen Christen in Isfahan. Zur Kirche gehört ein frei stehender Glockenturm.

Minarette sind Türme, die zur Moschee gehören. Von oben ruft der Muezzin die Gläubigen fünfmal zum Gebet.

Die prächtigen Stalaktiten der Kuppel bestehen aus Gips.

Das Morgengebet beginnt mit dem Sonnenaufgang um vier Uhr früh.

Lehmziegel sind das älteste Baummaterial in den Wüsten des Orients.


Der Muezzin ruft zum Mittagsgebet. In der beinahe tausend Jahre alten Kuppelhalle Nizam al-Molk versammeln sich einige hundert Menschen und während sie sich vor einem kunstvoll mit Kacheln verzierten Mihrab gen Mekka niederwerfen, passiert nur wenige hundert Meter entfernt Unerwartetes: in einer Synagoge, in Isfahan gibt es vier, lesen Juden aus der Thora. Und über dem Fluss, im armenischen Viertel, feiern Christen das zwanzigjährige Jubiläum ihres Bischofs. Mit dreizehn Kirchen ist Isfahan seit Jahrhunderten so etwas wie eine multireligiöse Stadt.

Der Stuckateur Ostad Bahram Assadi beherrscht sein Handwerk noch wie die Meister früherer Jahrhunderte. Gerade hat er in dreißig Metern Höhe die Ostkuppel restauriert. Jetzt begleitet ihn der Film bei einer Arbeit an einem 650 Jahre alten Stalaktitengewölbe. Zusammen mit seinem Gesellen fertigt er nach altem Muster Gipsteile, die er sorgfältig in das beschädigte Gewölbe einsetzt. Gleich nebenan arbeitet ein Kachelfayencemacher. Wer ihm über die Schulter schaut, versteht wie das „Puzzle“ aus Millionen einzelner Kachelteile entstanden ist, aus dem die kunstvoll geschmückten Fassaden und Minarette bestehen.

Es ist der 19.Tag des Ramadan, der Tag an dem Ali, der umstrittene Nachfolger des Propheten ermordet wurde und der Tag an dem der Koran offenbart wurde. Trauer und Freude treffen sich. Tausende strömen in die Moschee. Nach Gesang und Gebet werden zum „Fastenbrechen“ Tee und Datteln gereicht. In der Kühle des Abends wird die Moschee zum Treffpunkt der halben Stadt. Bis zum Morgen dauert die Feier.


Daten & Fakten

Kulturdenkmal
Unesco-Ernennung: 01.07.2012

Jame-Moschee in Isfahan

755 n. Chr.
Bau der Moschee

um 1086/87
Ergänzung des Baus durch südlichen Anbau

11. und 12. Jhd.
Fassadengestaltung aus Marmor und Kachelmosaiken

1121
Brand und Zerstörung, Verlust der Bibliothek mit zahlreichen Handschriften (Literatur und Naturwissenschaften), Wiederaufbau

bis heute
Erweiterungen und Renovierungen der Gebäude, sie ist die wichtigste und historisch bedeutendste Moschee in Isfahan

Copyrightvermerk für Daten & Fakten
© Südwestrundfunk


Sendung vom

Di, 10.7.2018 | 21:40 Uhr

3sat

Filmmusik & Stab

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft
Soundtrack "Freitagsmoschee in Isfahan":
Afschin Mirlohi
Mojtaba Karami-Kharji

Stab:
Autor und Regie: Rüdiger Lorenz & Faranak Djalali
Kamera: Rüdiger Lorenz
Schnitt: Rüdiger Lorenz

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