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Das Wattenmeer, Deutschland-Niederlande, Folge 384

SWR

Die Hälfte der Zeit ist es nicht da, auch deswegen gehört es zu den Schätzen des Weltnaturerbes: Das Wattenmeer. Ebbe und Flut. Zweimal täglich zieht sich das Wasser an den Nordseeküsten zurück und gibt den flachen Meeresgrund frei. Eine weite graue Fläche, durch die sich schmale Flüsse winden, den Prielen, die im Sonnenlicht wie flüssiges Silber leuchtend. Dieses Naturdenkmal umschließt die Küsten Hollands, Niedersachsens und Schleswig-Holsteins. Da der Meeresboden eines Wattenmeeres nur ein geringes Gefälle hat, wirken sich hier die Gezeiten stärker aus. Bei Niedrigwasser fallen große Teile trocken und ein Watt entsteht. Innerhalb dieses sensiblen Lebensraums befinden sich Sandbänke, Seegras-Wiesen, Muschelgärten, Salzwiesen, Dünen, Prielen und Trichtermündungen. Das Wattenmeer bietet 2,300 Pflanzen- und Tierarten, die sich an die extremen Bedingungen auf oft außergewöhnliche Weise angepasst haben, einen Lebensraum.

Filmtext


wüst und leer erscheint die Erde – als stände die Schöpfung noch bevor... ein Winter, so kalt, dass an der Nordseeküste das Wasser gefriert. Eisschollen treibt die Flut ans Land. Eisblöcke bedecken das Wattenmeer bei Ebbe. Vor Zehntausend Jahren, in der Eiszeit, entstand hier das ausgedehnteste Gezeitengebiet unserer Erde... und hat seitdem seine ständig sich wandelnde Form angenommen: Das Wattenmeer.

‚... und es wird Morgen - ein neuer Tag’. Noch deutet das Licht den Horizont am vierundfünfzigsten nördlichen Breitengrad kaum an.... und über dem Spiegel des Himmels, dem Meeresspiegel, nehmen Zugvögel den Weg zu ihren Rast und Brutplätzen.

Seezeichen. Im Rhythmus von 12 Stunden fällt und steigt das Meer, Ebbe und Flut - die Gezeiten. Anziehungskräfte ... Schwerkraft des Mondes. Auf der ihm zugewandten Erdseite bildet sich ein Wellenberg, deshalb schwindet anderenorts wie von Geisterhand das Wasser, zwei mal täglich gibt das Meer das von schmalen Wasserrinnen und breiteren Prielen durchzogenen Watt frei, den weichen Meeresboden, den man durchwaten kann.

Was auf den ersten Blick wie eine tote Schlickmasse erscheint, ist der wohl dicht besiedelteste Lebensraum unseres Planeten.
Unter der Oberfläche, stellenweise mit Muschelbänken und Austernkolonien bedeckt, verbirgt sich artenreiches Leben.

Im flachen Gewässer vor den west- und nordfriesischen Inseln gehen Fischkutter auf Krabbenfang. Wattenmeer - vom nördlichen Küstensaum der Niederlande reicht das Weltnaturerbe bis zur dänischen Grenze. Seehundsbänke – wellenumspült. Wenn die den Insel vorgelagerten Sankbänke trockenfallen, sammeln sie sich die Robben auf ihren sandigen Ruheplätzen. Heute geschützt, ist die Zahl der Seehunde in der Nordsee wieder auf fünfzehntausend Tiere angewachsen.

Vom Festland aus erscheinen bei Ebbe die ostfriesischen Inseln wie eine Fata morgana. Fata morgana? - die Insel Spiekeroog - seeseitig. Ein weiter weißer Sandstrand, angeweht und aufgespült über Jahrtausende. Eine Sandbarriere vor Niedersachsens Küste. Dünen, ständig umgeformt vom Wind. Und die vorherrschenden Westwinde tragen immer neuen Sand heran, so vergrößerte sich diese Insel in den vergangenen einhundert Jahren um 4 Kilometer.

Barriere Inseln, ein natürlicher Schutzschild gegen die stürmische Nordsee. Wind, Sand, und Wellen. Ein Meter fünfzig beträgt hier der Tidenhub, der Unterschied der Wasserhöhe bei Ebbe und Flut, normalerweise. Nur aus der Höhe der Zugvögel lassen sich bei Niedrigwasser Form und Größe, Erhebungen und Senken in der phantastisch gegliederten, unterseeischen Landschaft erkennen.

Doch mit jeder Flut formt die Wasserkraft das Aussehen der Unterwasserlandschaft neu. Beständig ist nur die Veränderung. Auch wenn die Rippeln, die das Meer für den Atemzug einer Tide im Sand zurücklässt, fest geformt und hart erscheinen, schon die folgende Brandung bearbeitet unmerklich das Wellenprofil des Strandes, glättet, verwischt Spuren - und wie erst eine Sturmflut.

So unberechenbar die Gewalt des Meeres ist, berechenbar bleibt die Gesetzmäßigkeit der Gezeiten. Für wenige Stunden festen, wenn auch feuchten Boden unter den Hufen. Auf dem breiten, sandigen Wattrücken nahe der Elbmündung setzt sich bei ablaufendem Wasser ein Treck mit Pferdekutschen in Bewegung. Der Kundige kann das Wattenmeer an manchen Stellen bei Ebbe durchqueren.

Eineinhalb Stunden benötigen die Gespanne, um von Duhnen aus Neuwerk, eine 11 Kilometer entfernte Insel zu erreichen, und Besucher trockenen Fußes durchs Meer an Land zu bringen. Mehr als 2 Pferdestärke sind nötig, um andere Fracht in der Fahrrinne der Elbe durchs Wattenmeer zu befördern.

Der Container Gigant, der wie eine Sinnestäuschung über das trocken gefallene Meer zu schweben scheint, wird Überseegut im Hamburger Hafen löschen. Unbeeindruckt vom unablässigen Schiffsverkehr gehen Seeschwalben und Möwen im Watt auf Nahrungssuche, denn allein die Gezeiten bestimmen ihren Lebensrhythmus. Das Wattenmeer ist nicht nur Heimat zahlreicher Seevögel, die hier brüten. Es ist Rastplatz für Durchzügler in südliche Gefilde. Mehr als 10 Millionen Zugvögel finden sich im Jahreslauf an seinen Küsten ein.

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Das Wattenmeer

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Die untergehende Sonne taucht den Himmel über dem Wattenmeer in eine orange-gelbe Leinwand.

Die untergehende Sonne taucht den Himmel über dem Wattenmeer in eine orange-gelbe Leinwand.

Wechselhafte Lichtstimmungen am Wattenmeer. Besonders eindrucksvoll die Sonnenuntergänge.

Halligen sind Inseln, die sich kaum über den Meeresspiegel erheben, und nicht durch Deiche geschützt sind.
Auf Warften, künstlichen Hügeln, haben die Bewohner ihre Häuser gebaut, denn immer wieder bricht die Nordsee aus dem regelmäßigen Takt der Gezeiten aus, und steigt über den normalen Hochwasserstand an.

Mit jeder Flut formt die Wasserkraft das Aussehen der Unterwasserlandschaft neu. Beständig ist nur die Veränderung.

'Vom Festland aus erscheinen bei Ebbe die ostfriesischen Inseln wie eine Fata morgana.

Zwei mal täglich gibt das Meer, das von schmalen Wasserrinnen und breiteren Prielen durchzogenen Watt frei, den weichen Meeresboden, den man durchwaten kann.

Das Welterbe ist nicht nur ein naturwissenschaftlich erfassbares Ökosystem, es ist auch und vor allem ein sinnlich erfahrbarer Natur- und Lebensraum.

Dünen werden ständig vom Wind umgeformt. Die vorherrschenden Westwinde tragen immer neuen Sand heran und vergrößern im Laufe der Zeit die Inseln.

Das Wattenmeer ist nicht nur Heimat zahlreicher Seevögel, die hier brüten. Es ist Rastplatz für Durchzügler in südliche Gefilde. Mehr als 10 Millionen Zugvögel finden sich im Jahreslauf an seinen Küsten ein.

Der Himmel über der Nordsee - eine Leinwand, auf der das Licht die Skala der Farbe durchläuft.

Mit jeder Flut formt die Wasserkraft das Aussehen der Unterwasserlandschaft neu. Beständig ist nur die Veränderung. Sichtbar nur bei Ebbe


Der Himmel über der Nordsee - eine Leinwand, auf der das Licht die Skala der Farbe durchläuft. Das Welterbe ist nicht nur ein naturwissenschaftlich erfassbares Ökosystem, es ist auch und vor allem ein sinnlich erfahrbarer Natur- und Lebensraum. Wie einem Pastellgemälde entstiegen erscheinen bei bedecktem Himmel die Farben der Salzwiesen von der Höhe des Leuchtturms Westerhever am nördlichen Rand der Halbinsel Eiderstedt in Schleswig Holstein.

Angepasst an die salzige Lebensbedingung führt der Pflanzenbewuchs zur allmählichen Verlandung der Übergangszone zwischen Meer und Land. Was verheerende Sturmfluten seit dem Mittelalter dem Land geraubt, wird vom Menschen, mühsam, zurück gewonnen - im Laufe der Zeit. Zeit Räume im eigentlichen Sinn.

Um zu den Inseln und Halligen vor Schleswig Holsteins Küste zu gelangen, muss man eine Fähre besteigen, oder Segel setzen.


Unter Silberglanz begraben liegen weite Teile einstigen Festlands - versunken, bis auf die Halligen, Inseln, die sich kaum über den Meeresspiegel erheben, und nicht durch Deiche geschützt sind. Auf Warften, künstlichen Hügeln, haben die Bewohner ihre Häuser gebaut, denn immer wieder bricht die Nordsee aus dem regelmäßigen Takt der Gezeiten aus, und steigt über den normalen Hochwasserstand an.

Das flache Wattenmeer, die ausgedehnte Grenzzone zwischen Wasser und Land, an der die Dynamik der ständigen Veränderung sichtbar bleibt. Eine Meereslandschaft, in der sich Menschen seit der Jungsteinzeit mit der Naturgewalt arrangieren, um dem Ansturm der Wellen Stand zu halten. Und doch auch eine Landschaft, in der mit besonderer Deutlichkeit der friedliche Einklang der Natur spürbar ist.

Formationen von Zugvögeln schreiben Muster wie geheimnisvollen Chiffren in den Abendhimmel über der Hallig Langeness.
Entlang des Wassersaums zwischen den zahllosen Schlickringeln, die die Wattwürmer hinterlassen, und am Rande der Priele finden die heimischen Brutvögel eine reich gedeckte Tafel.

Über ihnen der Himmel, um sie das Meer. Wortkarg sind die Menschen, die am Wattenmeer leben. Vielleicht sind sie schweigsam, weil die überwältigenden Bilder im Wechsel der Gezeiten und der Jahreszeiten sie sprachlos machen. Und vielleicht ist es Ehrfurcht vor den Schönheit der Natur, die einen verstummen lässt.

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack Wattenmeer:
Philipp Noll, Axel Huber


Buch und Regie: Christian Romanowski
Kamera: Gerd Bleichert

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