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Filmtext

Wasser sucht sich seinen Weg. Wasser, das verändert, formt und gestaltet: Ein Wunder der Natur – die Wasserwelt der Plitvička Jezera – der Plitvicer Seen.

Unweit der Grenze zu Bosnien und Herzegowina liegen die Karstberge Mittelkroatiens. Ein gigantischer Wasserspeicher. Regenwasser versickert im spröden Kalkstein, sammelt sich in einem Labyrinth mit unzähligen Grotten und Höhlen. Treffen die unterirdischen Flüsse auf undurchlässigen Fels, treten sie an die Oberfläche.
In der Geschichte unserer Erde sind die Plitvicer Seen eine relativ junge Erscheinung: zum Ende der Eiszeit begannen sich Barrieren aus Kalksinter – Travertin – zu bilden und sich dem Wasser entgegen zu stellen.

Der Veliki Slap – der Große Wasserfall. Über 78 Meter fällt das Flüsschen Plitvica in den Canyon, den sich das Wasser gegraben hat. Unter den insgesamt sechzehn Plitvicer Seen ist der Kozjak-See der größte und mit 47 Metern auch der tiefste. Bis an die Ufer reichen dichte Buchenwälder. Zusammen mit den Seen gehören sie zu dem 1949 gegründeten Nationalpark Plitvička Jezera – der älteste und zugleich größte in Kroatien. Dreißig Jahre später wurden die Plitvicer Seen als eines der ersten Naturdenkmale in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Zahllose kleine und große Wasserfälle verbinden die terrassenartig, dicht aneinander gelegenen Seen. Voneinander getrennt werden sie nur durch schmale Barrieren aus Kalksinter – Travertin-Gestein. Die Plitvicer Seen sind keine stehenden Gewässer. Wasser, das ihnen ober- und unterirdisch zufließt, verändert ihr Aussehen sowie die sie umgebende Landschaft stets von neuem. So entsteht ein eigener, geheimnisvoller Kosmos, der auch Menschen, die ihm täglich begegnen, immer wieder überrascht. – Für Ranger Ante Bionda Momente ehrfürchtigen Staunens.

Off Ton Ranger Ante Bionda: In meiner ersten Zeit habe ich nicht bemerkt, wie sich hier alles verändert und ich habe auch nicht die bio-dynamischen Prozesse dahinter verstanden. Aber dann habe ich ein Gefühl dafür entwickelt, wie sich die Plitvicer Seen verändern und dabei immer schöner werden. Das Wasser, die Barrieren. Es ist alles in Bewegung. Und begründet so eine neue Schönheit. Im Wasser passieren verschiedene Dinge. Wenn ein Baum hineinfällt, dann geht es nicht mit seinem Verfall zu Ende. Er wird durch die Ablagerung von Calciumcarbonat – durch Kohlensäure gelöste Kalkkristalle – konserviert. Auf diese Weise entstehen neue Barrieren, neue Anordnungen. So dass dieser Baum nicht umsonst stirbt. Er spielt eine Rolle in der Zukunft – bei der Neubildung der Seen.

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Die Plitvicer Seen (Kroatien)

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Kalksinterbarrieren trennen die einzelnen Seen voneinander.

Kalksinterbarrieren trennen die einzelnen Seen voneinander.

Wasserfall an der Barriere von Galovac.

Bis zu drei Zentimeter wachsen die natürlichen Barrieren pro Jahr.

Über zahllose Kaskaden fließt das Wasser durch das Plivicer Seengebiet.

Grandioses Naturschauspiel: Die Wasserfälle der Plitvicer Seen.

Ranger Ante Bionda und seine Kollegin Katica Poljak erleben die Plitvicer Seen immer wieder neu.

Die sauberen Gewässer sowie das warme, feuchte Klima schaffen die Bedingungen für ein einzigartiges Zusammenspiel von Wasser, Luft, Gestein und Vegetation.

Bakterien und Algen begünstigen die Ablagerung von Kalk auf Moosen und Wasserpflanzen. Sie versteinern und formen natürliche Barrieren, die jährlich bis zu drei Zentimeter in die Höhe wachsen. Man nennt die Wasserwelt von Plitvice auch das Land der fallenden Seen. Kristallklares Wasser fällt wie hier bei den Barrieren von Prštavci von einem Seebecken in das nächste, überwindet auf seinem Weg durch die oberen und unteren Seen einen Höhenunterschied von über 130 Metern. Höhepunkte innerhalb dieser wechselnden Szenarien sind mächtige Wasserfälle, wie die Barriere von Galovac.

Ökologisch von großem Wert sind die Wiesen und Weiden des Nationalparks. Heimat seltener Naturschönheiten wie der Wilden Hyazinthe – oder von Dactylorhiza maculata, dem Gefleckten Knabenkraut – einer Orchidee. Ranger Ante Bionda und seine Kollegin Katica Poljak dokumentieren das Vorkommen von solch gefährdeten Spezies. Sie sind stolz auf die mehr als 1300 Pflanzenarten im Park, darunter 55 verschiedene Orchideen.

Off-Ton Ante Bionda: Es macht mich glücklich wenn ich mich im Wald und um die Seen herum bewege. Ich fühle mich dabei frei von Zwängen unserer Zivilisation. In der Natur, die dem Menschen soviel gibt und nichts nimmt.

Mehr als 80 Prozent des Schutzgebiets sind mit dichten Wäldern bedeckt – Zufluchtsort großer Wildtiere wie Braunbär, Wolf oder Luchs. Mitten im Urwald mit jahrhundertealten Buchen und Tannen überprüfen Ante und Katica den Standort einer besonders attraktiven Spezies unter den Orchideen: Cypripedium calceolus - der Gelbe Frauenschuh. Ihr Name findet sich auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Und schon deshalb halten die beiden Ranger den Standort streng geheim. Doch nicht nur Orchideen sind bedroht.

Ranger Ante bereitet der Klimawandel Sorgen.

Off Ton Ranger Ante Bionda: In den letzten Jahren hatten wir dreißig Prozent weniger Niederschläge. Wenn wir unseren Nationalpark als ein Park des Wassers und die Plitvicer Seen als Phänomen eben dieser Wasserwelt verstehen, bedrohen ihn externe Faktoren. Die sind Folge eines globalen Prozesses - die trockenen Winter und andere Einflüsse des Klimawandels verändern sicherlich die Biodynamik unseres Parks.

Prošcansko Jezero – der höchstgelegene der Plitvicer Seen. In ihn münden die zwei wichtigsten Zuflüsse: Crna Rijeka und Bijela Rijeka – der Schwarze- und der Weiße Fluss. Seit dem Kroatienkrieg ist das Gebiet um die Seen noch menschenleerer geworden. Hier im Dorf Plitvički Ljeskovac – früher einmal der wichtigste Ort im Seengebiet – leben bis auf einen Bauern und seine Familie nur noch alte Menschen.

Ante und Katica schauen noch bei Dušan Končar – dem Müller vom Weißen Fluss – vorbei. Dušan hat lange im Nationalpark gearbeitet. Und nebenbei seine Mühle betrieben. Von weither seien die Bauern gekommen, erzählt er. Die Gegend sei bekannt für ihren Wasserreichtum, es habe hier einmal an die dreißig Mühlen gegeben. – Doch Dušan mit der Erfahrung von 85 Lebensjahren teilt die Sorgen von Ranger Ante. Er könne sich nicht erinnern, dass es jemals so wenig geregnet habe wie in den letzten Jahren. So wie immer mehr Menschen die Dörfer um die Seen verlassen haben, so hat auch die Mühle am Weißen Fluß ihre Kundschaft verloren. Aber der alte Dušan hat sie nicht aufgeben wollen. Immer wieder hat er das hölzerne Turbinenrad repariert, das die Mühlsteine zum Mahlen bringt. Ein Ersatzrad steht jederzeit bereit. Müller Dušan Končar wird noch so lange seinen Mais mahlen, wie er es schafft, seine Mühle in Schuss zu halten. Hauptsache: es gibt noch genügend Wasser.

Wasser – das auch das Naturwunder Plitvice speist. Sechzehn größere und kleinere Seen – aneinander gereiht wie auf einer Perlenschnur. An der Sastavci – Barriere vereinigen sich die Wasser der fallenden Seen noch einmal, um als Fluss Korana weiter zu strömen. Und als reiche das nicht, um den Betrachter zu beeindrucken, stürzt der Bergbach Plitvice über die Felswände des Canyons in die Tiefe. Grandioses Finale eines Schauspiels der Natur, das sich immer wieder aufs Neue erfindet.

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Ein Film von

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Torii
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