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Filmtext & Video

14:07 min | Mi, 12.10.2016 | 7:35 Uhr | SWR Fernsehen

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Santo Domingo, Dominikanische Republik, Folge 47

SWR

Kolumbus selber leitet uns durch die Hauptstadt der heutigen Dominikanischen Republik, wo er einst auf seiner vermeintlichen Fahrt nach Indien landete. Dieser Ort ist das beste Beispiel für eine spanische Stadt in der Neuen Welt. Der Entdecker selber verlieh der Insel ihren Namen, denn er kam hier am Ostersonntag an, am "Santo Domingo". Er nannte sie "Hispaniola", kleines Spanien. Geprägt von der Kolonialzeit hat sich Santo Domingo neben seiner Königsresidenz, Gotteshäusern, Klöstern und Plätzen auch eine Befestigungsanlage und die ersten Verwaltungsgebäude erhalten.

Filmtext

Santo Domingo - meine Stadt, in der ich begraben sein wollte, du erste und älteste Stadt in der neuen Welt, was haben sie aus dir gemacht, ich kenne dich fast nicht mehr wieder, so groß und verworren und unübersichtlich bis du geworden. Da haben sie mir zu allem Überfluss so ein grässliches Denkmal hingestellt, ein Zwitterding, halb Schwert, halb Schiff.

Da drin soll jetzt also mein Leichnam liegen, was noch übrig ist davon. Aber das ist auch so eine Geschichte. Die Spanier, in deren Diensten ich stand, die Anderen hatten mir alle kein Schiff geben wollen, nannten mich Cristóbal Colón.

Ich würde ja gern behaupten, dass man nach diesem Namen die überseeischen Gebiete Kolonien nannte. Aber das wäre wohl doch ein zu dickes Seemannsgarn. Man kennt mich ja heute auch eher als Christoph Kolumbus. Als solcher wurde ich in Genua geboren. Aber das wissen Sie ja sicher. Ich hatte damals fest geglaubt, ich wär in Indien gelandet. Wer konnte denn auch wissen, dass da noch was dazwischen war.

Als wir 1492 zu dieser Insel kamen, nach der ewig langen Seereise ins Ungewisse, war ich gerührt. Die Felder sahen aus wie die von Cordoba im Mai, dabei war doch Dezember, also Winter. Vielleicht war es nur Heimweh. Jedenfalls gab ich der Insel den Namen, den sie heute noch trägt, Hispaniola, "Kleines Spanien". Im Norden waren wir gelandet, da gab es aber Sümpfe, das war nicht sehr gesund. So schlug man sich nach Süden durch und legte da den Stützpunkt an. Am "Santo Domingo", am Ostersonntag kam man hier an und hatte auch schon den Namen für die Stadt gefunden, Santo Domingo.

Das sieht ja schlimm aus. Grässlich. Noch schlimmer als die primitiven Hütten der Eingeborenen, als wir hier ankamen. So will ich meine Stadt nicht sehen. Ich sage: meine Stadt. Obwohl - ich hab hier nie gelebt. Ich musste ja die Welt entdecken. Doch ohne mich gäb's das hier alles nicht. Mein Bruder Bartolome war hier der erste Gouverneur. Mein Sohn Diego wohnte hier, im ersten Steinhaus in der Neuen Welt, der Casa del Cordon, benannt nach der Kordel, die sie schmückt. Nach meinem Tod wurde Diego mein Nachfolger als Vizekönig. Da war ihm dieses Häuschen natürlich zu klein.

Er baute sich einen Palast, den prächtigsten in ganz - wie sagt ihr heute? - Amerika. Als hätte dieser Maultiertreiber die Neue Welt entdeckt. Für mich war das Westindien und wird es immer bleiben.

So lebte man damals in der Kolonie. So ungefähr. Ein wenig steif und unbequem. Aber fast so wie zu Hause.

Calle Las Damas. Die Stadt der Frauen. Kaum war man gelandet, stolzierte man hier an den Häusern vorbei, auf schwankenden Beinen und ließ sich beschauen. Hier hat sich manch Einer eine goldene Nase verdient. Selbst ein einfacher Schreiber konnte sich nach kurzer Zeit schon einen solchen Prachtbau leisten. Mit gotischem Fenster und Innenhof und allem, was an Luxus damals möglich war. Die wirklich wichtigen Leute lebten bescheidener. Die Häuser stammen noch aus meiner Zeit, ich meine, die sind schon alle vor 1507 errichtet worden. Die Straße führt zum Hafen. Hier wohnten die Handwerker, die die Schiffe wieder auf Vordermann brachten. Das wichtigste war natürlich die Verteidigung. Wir waren ja nicht die einzigen, die die Neue Welt erobern und ihre Schätze nach Hause schleppen wollten. Das Fort Ozama haben afrikanische Sklaven gebaut. Die musste man importieren, weil die Indios nichts taugten. Die starben irgendwie einfach so weg. Da musste man meistens gar nicht nachhelfen. Ich weiß, man denkt da heute anders drüber, aber Sklaven waren damals einfach unentbehrlich. Und außerdem ein gutes Geschäft. Später hat man den Turm als Gefängnis benutzt. Mein Sohn schmachtete da eine Weile, bevor man ihn nach Spanien verbannte. Aber so ist das Leben. Einmal oben, dann wieder unten. Was bleibt, ist entweder der Ruhm oder der Irrtum, manchmal beides. Am schlimmsten ist das Vergessen. Geholfen hat es ja alles nichts. Dieser englische Pirat, na ja im Grunde hat er ja nichts anderes gemacht wie ich, der hat ja mit größtem Erfolg die Insel überfallen und ausgeraubt. Und ausgerechnet in der Casa del Cordon hat er sich eingenistet, dieser Francis Drake, und hat die Damen antanzen lassen und ihren Schmuck abliefern.

Auch das ist jetzt Vergangenheit. Wie so vieles.

Wo jetzt die Tauben wohnen, war einmal ein Hospital, ein Krankenhaus. Und groß war das. Für 700 Kranke war hier Platz. Es war überhaupt das erste Hospital in der Neuen Welt. Na ja, so Vieles gab es in der Neuen Welt zuerst in Santo Domingo. Ohne die Kirche lief gar nichts. Selbst die Ruinen zeugen von ihrer Macht, ihrem Einfluß. Eine Klosterkirche, vor 300 Jahren durch ein Erdbeben zerstört.

Ja, aber dankbar muss ich der Kirche schon sein. Da gab's ein paar Leute, die waren schon damals sehr weit blickend. Ohne die wäre ich gar nicht zu meinen Schiffen gekommen. Die wussten, wo was zu holen ist. Seelen natürlich nur. Für das Andere sorgten so Leute wie ich. Und natürlich ging da die Kirche nicht leer aus. Sieht man ja. Überall. Selbst im Zerfall. Nein, das ist kein antiker Tempel, auch wenn hier griechische Götter die Jahreszeiten verkörpern. Das ist die Rosenkranzkapelle im Dominikanerkloster. Ich weiß ja nicht, was die alten Götter im Haus des Einen Gottes machen. Aber die Dominikaner konnten das sicher theologisch erklären und christlich deuten, schließlich wurde ihr Kloster zur ersten Universität in Westindien.

Die Kathedrale. Dass das die erste in der Neuen Welt war, wird Sie jetzt wohl nicht mehr wundern. Den Altar für die Kapelle der Heiligen Jungfrau habe ich selbst mit dem Schiff aus Spanien gebracht.

Weil ich das so wollte, hat man mich hier beigesetzt. 1540. Man hat sich Zeit gelassen. Immerhin bin ich ja schon 1506, wie Sie sicher wissen, gestorben. Später haben dann die Franzosen meinen Sarg verschleppt nach Kuba. Von da kam er nach Spanien. Aber wie es aussieht, hat man sich vertan. Man hat einen Enkel von mir durch die Gegend geschleppt. In Santo Domingo zumindest denkt man bis heute, dass meine Überreste sich noch in den Mauern der Stadt befinden. Aber was meinen Leichnam angeht, meine Gebeine, meinen Staub, meine Asche, was immer sie wollen, wenn sie erst mal so weit sind wie ich, dann wird auch Ihnen das so was von egal sein. In diesem Sinne: auf zu neuen Ufern, es gibt noch viel zu entdecken.

Buch und Regie: Hannes Spring und Josef Becker

Filmmusik & Stab

Siebert, Büdi
Schätze der Welt I
Anonymous
Lamento di Tristano
Ensemble Unicorn, Vienna
Anonymous
Ghaetta
Ensemble Unicorn, Vienna
Encina, Juan del
Ollademe, gentil dona
Anonymous
In Pro, Chominciamento di gioia
Ensemble Unicorn, Vienna
Anonymous
Lamento di Tristano
Ensemble Unicorn, Vienna
Xidmeno, Fabian
Ay Ay galeguinos, Nueva Espana
The Boston Camerata, Joel Cohen

Buch und Regie: Hannes Spring und Josef Becker
Kamera: Dieter Wolf

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