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SENDETERMIN So, 10.6.2018 | 19:40 Uhr | 3sat

Europa: San Marino San Marino

Freiheit am Abgrund

Italien ringsum, schöne Aussicht von der Piazza della Liberta, auf der eine weiße Statue den Freiheitsgedanken der 'Republicca della Liberta' überlebensgroß in Marmor verkörpert. Gelegentlich ist sie vom Nebel verhüllt: Die Freiheit. Manchmal steht sie im Regen, natürlich ist sie vor allem hitzebeständig, denn der Sommer ist sehr heiß in San Marino.

Monte Titano: Blick über San-Marino

Monte Titano: Blick über San-Marino

Die Symbolfigur der kleinen Republik trägt eine Festung als Krone. San Marino verstand seine Unabhängigkeit stets zu verteidigen. Gegen alle Vereinnahmungsversuche von weltlichen Herrschaften, Fürsten und Königen, blieb sie ebenso immun, wie gegen die Ansprüche der Kirchenfürsten. Und Napoleon statuierte an ihr eine Geste der Großzügigkeit, er ließ sie links liegen bei der Eroberung der Welt.

Der Staat mit kaum mehr als 25.000 Bürgern, der bis heute nach einer eigenen und freiheitlichen Verfassung regiert wird, kann beanspruchen, die älteste Republik zu sein. Seit dem 13. Jahrhundert ist die Unabhängigkeit aktenkundig. Die Gründung San Marinos liegt natürlich viel weiter zurück. Das war um das Jahr 300 nach Christus, Legende und Historie sind sich ziemlich einig, und der Gründer war der Heilige Marinus. Und da man die Legende der Stadtgründung durch einen Heiligen nachhaltig bewahrheiten wollte, hat man in der Basilika mit ihrem wunderschönen, griechisch anmutenden Säulenaufgang die Statue des Marinus in den Mittelpunkt des Altarraums gestellt, dafür musste sein himmlischer Chef ein wenig in den Hintergrund treten.

Verkehrspolizist bei der Arbeit

Verkehrspolizist bei der Arbeit

Wenn im adriatischen Meer, das vom 756 Meter hohen Monte Titano in der Ferne sichtbar, die Sonne ihren Aufgang spiegelt, legt sie einen goldenen Teppich zwischen Rimini und die Inseln vor der kroatischen Küste. Rab ist eine dieser Inseln. Von dort war er gekommen, der Heilige, als er noch nicht heilig, sondern Steinmetz war, von Arbe, der Insel Rab. Marinus bearbeitete in der Hafenstadt Rimini Steine für Paläste und römische Tempel. Doch er war Christ, und es war die Zeit, als der römische Kaiser Diokletian die letzte Verfolgung gegen die Anhänger dieses neuen Glaubens ins Werk setzte. Marinus floh aus Rimini auf die damals noch namenlose Gebirgshöhe. Hier war er vor Verfolgung relativ sicher. Senkrecht stürzt der Felsen auf der Westseite des Monte Titano in die Tiefe. Im 13. Jahrhundert wurden direkt an diesem Abgrund drei befestigte Türme gebaut. Sie zählen heute zu den Sehenswürdigkeiten. Die beeindruckende Fernsicht, die der Besucher hier in schwindelerregender Höhe genießen kann, muss er allerdings mit etwas Atemlosigkeit erkaufen. Doch bei fast jeder der steilen Gassen San Marinos geht dem Besucher ein wenig die Puste aus. Aber wer möchte schon auf diesen weiten Blick verzichten, bei dem es einleuchtend erscheint, dass die Bewohner dieses Ortes, die Freiheit über alles stellten.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: San Marinos historische Altstadt und der Felskamm Monte Titano
UNESCO-Ernennung: 2008
Lage:
San Marino ist vollständig von Italien umgeben und liegt zwischen den Regionen Emilia-Romagna und Marken. Seine gleichnamige Hauptstadt mit 4800 Einwohnern, liegt auf dem Westhang des Monte Tirano.
Besonderheit:
San Marino ist die älteste Republik der Welt. Seine Hauptstadt ist von mittelalterlichen Stadtmauern umgeben: Tore, Türme, Wehrgänge, Kirchen und Häuser umfassen sie von drei Seiten.
301
Der Legende nach wurde die Stadt von einem erfahrenen Steinmetz namens Marino ins Leben gerufen. Auf dem Berg Titano gründete er eine kleine Gemeinschaft von einigen christlichen Flüchtlingen.
885
San Marino wird als Stadtstaat unabhängig. Andere italienische Städte widmeten ihre Freiheit oftmals einem Heiligen - die kleine Gemeinschaft auf dem Berg Titano dagegen gedachte der legendären Figur jenes Steinmetzen Marino: Sie nannte sie Terra di San Marino.
11. Jh.
Bau des ersten Schutzturmes namens Guaita. Dieser sollte die das ursprüngliche Herz der Stadt schützen.
13. Jh.
Während der Kreuzzüge, wurde es nötig einen zweiten Turm zu errichten: Den Turm Cesta.
14. Jh.
Erst mit dem dritten Turm Montale war das sanmarinische Verteidigungssystem vollendet.
ab 15 Jh.
Immer mehr Menschen siedelten in die Stadt ein. Mit den umliegenden Dörfern wurden Verträge geschlossen. Seit 1463 ist das Hoheitsgebiet des Staates unverändert geblieben.
Heute
San Marino ist nun eine unabhängige, demokratische und neutrale Republik.

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© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010