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14:40 min | So, 18.2.2018 | 19:40 Uhr | 3sat

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Rocky Mountains, Kanada, Folge 211

SWR

Eigentlich reichen die Rocky Mountains von Alaska bis Neu Mexiko, 4500 Kilometer weit. In diesem Film geht es um die naturgeschützten Teile der kanadischen Rockies und ihre atemberaubende Schönheit. Zum Naturdenkmal erklärt wurde der Nationalparks Banff (seit 1885), Jasper (seit 1907), Kootenay (seit 1920) und Yoho (seit 1920) sowie Mount Robson, Mount Assiniboine und Hamber Provincial Parks, zudem die 1909 entdeckte Fossilienlagerstätte Burgess Shale am Mt. Field.


Filmtext

Ein Gebirge, eine Barriere aus Fels und Eis. Als Kanada 1871 ein Staat geworden war vom Atlantik bis zum Pazifik, da waren die Berge und die Gletscher der Rocky Mountains der neuen nationalen Einheit im Weg. Wer von irgendwo in Kanada nach Vancouver an der Westküste wollte, der musste einen Umweg durch die USA nehmen, weil hier, im eigenen Land, kein Durchkommen war. Um nicht auf Dauer vom Nachbarn abhängig zu sein, begannen die Kanadier, ihre Rockies per Bahn zu erschließen. Ein gewaltiges Projekt, das in Rekordzeit gelang, trotz Steinlawinen im Frühjahr - und Schneemassen im Winter.

Die Canadian Pacific Railway blieb lange die einzige Verbindung zwischen der Westküste und dem übrigen Kanada. Eine Straße quer durch das Gebirge gab es erst viel später. Inzwischen transportiert die Canadian Pacific nur noch Fracht, davon aber so viel, dass der Betrieb sich auch ohne Passagiere lohnt. Zwei der zahlreichen Tunnel sind spiralförmig gebaut. Der Zug fährt im Berg einen Kreis zur Überwindung des Gefälles. Die Schweizer haben das erfunden und auch hier beim Bau geholfen. Die Güterzüge sind so lang, dass oben das Ende noch aus dem Spiraltunnel herausschaut, während weiter unten die Lokomotiven längst schon wieder draußen sind. Der Erschließung für die Bahn folgte Jahrzehnte später die Erschließung fürs Auto - besonders fürs Touristenauto. Zuvor hatte man große Teile der kanadischen Rocky Mountains unter Naturschutz gestellt. Jetzt führt eine 300 Kilometer lange Panoramastraße durch diese grandiose Landschaft - nur für Touristen. Und es kommen jedes Jahr Millionen.

Die Saison ist kurz zwischen der Schneeschmelze im Juni und dem ersten Neuschnee Ende September. Wo das Schmelzwasser der Gletscher kraftvoll zu Tal stürzt, wo immer die Natur ein Schauspiel bietet, da stehen für die Besucher Tribünen bereit, alle vom Parkplatz bequem zu erreichen. Perfekt, wie auf der Panoramastraße der Massentourismus in diese Landschaft geholt wird - ohne dass unter den Touristenmassen die Natur zu Schaden kommt.

Das Türkis des Peyto Lake ist nur von dieser einen Stelle aus zu bewundern. Das Seeufer unten bleibt unberührt. In Lake Louise hält schon lange kein Personenzug mehr. Der Bahnhof ist jetzt ein Restaurant der besseren Sorte. Das Schlosshotel, einst von der Canadian Pacific für die Bahnreisenden gebaut, ist jeden Sommer ausgebucht. Die Gäste werden per Bus vom Flughafen Calgary hergebracht. Der Maligne Lake. Noch ein Postkartenmotiv, so kitschig, dass man es kaum fotografieren möchte. In der Sonne leuchtet das Gletscherwasser in einem Türkis, das einem ohnehin niemand glaubt. Nur ein kleiner Teil des Sees ist für Motorboote frei. Der größere Teil bleibt unberührt.

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Nord-Amerika: Kanada

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Weltkulturerbe: Rocky Mountains

Weltkulturerbe: Rocky Mountains

Als Kanada 1871 ein Staat geworden war vom Atlantik bis zum Pazifik, da waren die Berge und die Gletscher der Rocky Mountains der neuen nationalen Einheit im Weg.

Die Canadian Pacific Railway blieb lange die einzige Verbindung zwischen der Westküste und dem übrigen Kanada.

Was hier so schroff gen Himmel ragt, hat einmal waagerecht auf dem Meeresgrund gelegen. Bis zur Kreidezeit - vor 135 Millionen Jahren.

Der Erschließung für die Bahn folgte Jahrzehnte später die Erschließung fürs Auto - besonders fürs Touristenauto. Zuvor hatte man große Teile der kanadischen Rocky Mountains unter Naturschutz gestellt. Jetzt führt eine 300 Kilometer lange Panoramastraße durch diese grandiose Landschaft - nur für Touristen. Und es kommen jedes Jahr Millionen.

Das Türkis des Peyto Lake ist nur von dieser einen Stelle aus zu bewundern. Das Seeufer unten bleibt unberührt.

In Lake Louise hält schon lange kein Personenzug mehr. Der Bahnhof ist jetzt ein Restaurant der besseren Sorte.

Der Maligne Lake. Noch ein Postkartenmotiv, so kitschig, dass man es kaum fotografieren möchte. In der Sonne leuchtet das Gletscherwasser in einem Türkis, das einem ohnehin niemand glaubt. Nur ein kleiner Teil des Sees ist für Motorboote frei. Der größere Teil bleibt unberührt.

Als die Kanadier im vorigen Jahrhundert diesen Teil der Rocky Mountains unter Naturschutz stellten, da retteten sie diese Landschaft vor den Holzfällern, und sie retteten die fast schon ausgerotteten Elche, die sich das Revier jetzt mit Bären und Bergziegen teilen.

Bis zu 4000 Meter hoch und 4500 Kilometer lang, von Alaska bis Neu Mexiko, so kolossal sind die ganzen Rocky Mountains - und so jung. Erst vor 65 Millionen Jahren haben sie aufgehört zu wachsen. Andere Gebirge sind da viel älter, auch hier in Nordamerika.

Man kann vom Parkplatz direkt auf das Eis klettern und dabei sein Leben riskieren. Man kann aber auch den sicheren und bequemen Weg nehmen auf uraltes, 300 Meter dickes Gletschereis. Mit dem Omnibus in die Eiszeit.

Das Schmelzwasser dieser immer noch gewaltigen Eiskappe fließt in drei Richtungen ab: In den Atlantik, den Pazifik und ins Nordpolarmeer.

Ein Gebirge, eine Barriere aus Fels und Eis.

Wo das Schmelzwasser der Gletscher kraftvoll zu Tal stürzt, wo immer die Natur ein Schauspiel bietet, da stehen für die Besucher Tribünen bereit, alle vom Parkplatz bequem zu erreichen.

Was hier so schroff gen Himmel ragt, hat einmal waagerecht auf dem Meeresgrund gelegen. Bis zur Kreidezeit - vor 135 Millionen Jahren. Dann haben sich ganz langsam zwei Kontinentalplatten so zusammengeschoben, dass sich parallel zur Pazifikküste dieses Gebirge auftürmte: bis zu 4000 Meter hoch und 4500 Kilometer lang, von Alaska bis Neu Mexiko, so kolossal sind die ganzen Rocky Mountains - und so jung. Erst vor 65 Millionen Jahren haben sie aufgehört zu wachsen. Andere Gebirge sind da viel älter, auch hier in Nordamerika.

Ihre Geschichte haben die Rockies vom warmen Meeresgrund gleich mit heraufgebracht: Fossilien. Dinosaurierskelette, Abdrücke von Meerestieren. Versteinerte Zeugen der Herkunft dieser Berge. Als die Kanadier im vorigen Jahrhundert diesen Teil der Rocky Mountains unter Naturschutz stellten, da retteten sie diese Landschaft vor den Holzfällern, und sie retteten die fast schon ausgerotteten Elche, die sich das Revier jetzt mit Bären und Bergziegen teilen. Nie kommt das Auge des Reisenden zur Ruhe. Immer neue Bilder bietet diese Bergwelt dem Besucher. Dieser See trocknet jeden Winter vollständig aus, weil sein Zufluss zufriert, nicht aber der Abfluss, denn der fließt unterirdisch. Der Engelsgletscher, wegen seiner beiden Flügel so genannt, ist auf dem Rückzug - wie alle anderen Gletscher auch. Nur noch Reste der letzten Eiszeit stehen. Eineinhalb Millionen Jahre hat Sie gedauert und geht seit 10.000 Jahren allmählich zuende.

An dieser Stelle führt die Panoramastraße ganz dicht an einer Gletscherzunge des Columbia-Icefield vorbei. Man kann vom Parkplatz direkt auf das Eis klettern und dabei sein Leben riskieren. Man kann aber auch den sicheren und bequemen Weg nehmen auf uraltes, 300 Meter dickes Gletschereis. Mit dem Omnibus in die Eiszeit. Das Schmelzwasser dieser immer noch gewaltigen Eiskappe fließt in drei Richtungen ab: In den Atlantik, den Pazifik und ins Nordpolarmeer. Einmal von der Wasserscheide trinken...Wo das Eis schon abgeschmolzen ist, hinterlassen die Gletscher tiefe Täler -und Massen von Geröll.

Vom unüberwindbaren Verkehrshindernis sind die kanadischen Rocky Mountains zur perfekt erschlossenen Touristenattraktion geworden. Inzwischen ist es schwierig, noch einen Ort zu finden, an dem man mit so viel Schönheit ganz allein sein kann.

Buch und Regie: Albrecht Heise

Filmmusik & Stab

Kraft, Oliver
Schätze der Welt II
Klangraum
Rocky Mountains

Buch und Regie: Albrecht Heise
Kamera: Holger Schüppel

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