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Filmtext & Video

14:45 min | So, 18.8.2019 | 19:40 Uhr | 3sat

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Die Kathedrale von Reims, Frankreich, Folge 392

SWR

Sie ist von Weltruf, Grazie, Stolz und Selbstbewusstsein, von kunstvoller Eleganz, eine Dame mit Stil, Haltung und einer atemberaubenden Biographie - "Notre Dame" die Kathedrale von Reims.

Filmtext

Es ist das wandernde Licht. Es ist die frische Kühle hinter den Mauern. Es ist die leise atmende Stille.
Eintauchen aus dem Rauschen der Stadt in einen Raum, der aus jedem Flüstern eine Symphonie aus vibrierenden Echos zaubert. Es ist die Erhabenheit, die Ausgedehntheit, das Wandeln zwischen den Säulen wie durch einen betörenden Wald. Es ist die harmonische Schönheit, das Flirren der Farben durch die Fenster. Die Klarheit, die den Blick schärft.

Auch wenn man hier ganz alleine einträte, man fühlte sich niemals einsam. So viel Leben hat sich in den Steinen abgelagert. So viele Geschichten werden stumm erzählt. Erfindergeist und mühsames Handwerk blühen in irritierender Fülle - einfach überall. Die Menschen haben hier über Jahrhunderte ihr Bestes gegeben. Die Liebe, die sie zu ihrem Land haben, spiegelt sich wie die Farbe der Sonne in ihrer kunstvollen Arbeit.

Ein Ort voller Würde und Respekt, Voller Spiritualität und Menschlichkeit. Ganz erfüllt von den unendlichen Facetten des Lebens. Es gibt viele gute Gründe in die Kathedrale von Reims einzutreten.

Ob die Stadt schläft oder wacht, sie ist immer nah dabei, Notre Dame de Reims. Im Zentrum des Geschehens überragt sie den Alltag. hoch, graziös, anziehend und herausfordernd. Die Kathedrale im Fadenkreuz der Geschichte , Lebensmittelpunkt, Orientierungspunkt. Viele Energien strömen hier zusammen.

Ein Bauwerk, das auch mit großen Träumen errichtet wurde – sieben Türme sollten einst die Kathedrale von Reims näher an den Himmel rücken. Sie wurden niemals realisiert. Seit Erzbischof Albéric de Humbert den Beginn der Bauarbeiten am 6. Mai 1211 in Auftrag gab, ist die Kathedrale eine unvollendete Vision und Aufgabe geblieben. Ein Ort der Arbeit – bis heute.

Tradition und Gegenwart fließen hier täglich zusammen. - bei der « Maîtrise », dem Chor der Kathedrale, der seit
400 Jahren den Raum zum klingen bringt. Oder bei den Bildhauern, die ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten in geduldiger Präzision in Stein verewigen. Vieles lässt sich nicht mehr genau rekonstruieren. Zu lang und zu bewegt ist die 800jährige Geschichte der Kathedrale von Reims. Alles nimmt hier seinen Gang – wie ein ewiger Fluss – jeder tut, was er kann.
Jeder hat seinen Platz. Wie die 2300 Skulpturen, die die Kathedrale nicht nur zum Skulpturen – Wunder der Champagne machen. Weltberühmt, einzigartig ist die Fassade, ein über Jahrhunderte gewachsenes Gesamtkunstwerk, schier unüberschaubar die Mannigfaltigkeit der Figuren, von denen jede ihre eigene Geschichte erzählt.

„Die Jungfrau mit Kind“, empfängt die Besucher am Hauptportal – eine der beliebtesten Darstellungen. Notre Dame de Reims, ein einnehmender Ort, magisch, metaphysisch, leicht, zart, erhebt sie sich vogelgleich. Es sind nicht nur die Gottesgläubigen, die es hierher zieht. Hunderttausende Besucher aller Generationen pilgern nach Reims. Viele junge Menschen aus allen Erdteilen, die bewacht von Jeanne d´Arc den Platz vor Notre Dame genießen und sich einnehmen lassen.

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Die Kathedrale von Reims

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Das wandernde Licht, die frische Kühle hinter den Mauern und die leise atmende Stille. Kein Besucher kann sich der besonderen Stimmung im Innern der Kathedrale entziehen.

Das wandernde Licht, die frische Kühle hinter den Mauern und die leise atmende Stille. Kein Besucher kann sich der besonderen Stimmung im Innern der Kathedrale entziehen.

Die Kathedrale von Reims: ein Ort voller Würde und Respekt und Menschlichkeit.

Ab dem 11. Jahrhundert etablierte sich die Kathedrale von Reims als Krönungsort der französischen Könige. Das Ritual der Salbung legitimierte den Königsanspruch.

Da nicht mehr alle Originalfenster erhalten sind, werden heute auch zeitgenössische Künstler mit Fensterentwürfen beauftragt.

Die erste große Blütezeit der Glasmalerei begann im 13. Jahrhundert. Die prächtigen Glasfenster der Kathedralen waren Teil des Gesamtkonzepts. Denn die Kathedrale war ein himmlischer Ort auf Erden.

In Reims wurden zu Beginn des 13. Jahrhunderts das Maßwerk für Rosettenfenster erfunden.

Jeanne d'Arc, Bauernmädchen aus Lothringen. Ihre Visionen motivierten Karl VII und seine Truppen. Als er in Reims zum König von Frankreich gekrönt wurde, war Jeanne mit ihrer Fahne dabei.

800 Jahre alt wird die Kathedrale in 2011. Ein Bauwerk, das heute dem französischen Staat gehört.

Die Kathedrale von Reims ist bis heute unvollendet. Auch die Fassade muss stetig restauriert werden.

1974 gestaltete der Künstler Marc Chagall mehrere Fenster in der Kathedrale von Reims.

In der Kathedrale von Reims wurden die französischen Könige gekrönt. So Karl VII, dessen Krönung zum König von Jeanne d'Arc prophezeit wurde.

Nicht stehen bleiben, sondern nach vorne, nach oben schauen, die Schwerkraft überwinden, sich vom Boden zum Himmel bewegen. Das war der Traum der gotischen Architektur, in der Kathedrale Notre Dame verwirklicht.

Notre Dame de Reims. Im Herzen der Stadt Reims überragt sie den Alltag. hoch, graziös, anziehend und herausfordernd.

Die Fassade des Doms aus dem 13. Jahrhundert ist ein herausragendes Beispiel der französischen Hochgotik. Ein neues Element waren die runden Rosettenfenster.

Seit Erzbischof Albéric de Humbert den Beginn der Bauarbeiten am 6. Mai 1211 in Auftrag gab, ist die Kathedrale eine unvollendete Vision und Aufgabe geblieben. Denn der Zahn der Zeit nagt an der Kathedralenfassade.

Weltberühmt, einzigartig ist die Fassade, ein über Jahrhunderte gewachsenes Gesamtkunstwerk, schier unüberschaubar die Mannigfaltigkeit der Figuren, von denen jede ihre eigene Geschichte erzählt.

Weit geht der Blick von der Kathedrale über die Stadt und die Champagne. Es gibt nichts Höheres in Reims. Weder in architektonischer noch in geistiger Sicht.

Schwindel erregend schwebt sie über der Stadt, die sich gerne in den Schatten ihrer Kathedrale stellt. Das Alltagsleben ist nicht direkt um sie herum organisiert, aber man spürt sie – engelsgleich– überall. Seit dem Säkularisierungsgesetz nach der französischen Revolution gehört die Kathedrale dem französischen Staat. Sie ist nicht nur über 1000 Jahre Sitz des Erzbischofs von Reims, sondern vor allem das staatliche, nationale Heiligtum der Franzosen. Ein Identitätspunkt, ein Lebensbegleiter, der stets behütet wurde. Deshalb war der Schock umso größer als im September 1914 das Unheil nicht abgewendet werden konnte. Die schonungslosen Angriffe des deutschen Heeres vernichten im Laufe des 1. Weltkrieges große Teile der Kathedrale und der Stadt. Die Wunden sind noch immer sichtbar.

Die Deutschen hatten Frankreich ins Herz geschossen - der berühmte lächelnde Engel von Reims, das Wahrzeichen der Kathedrale aber, hatte die Zerstörung überlebt. Das war für die französische Nation ein gutes Ohmen und machte Mut zum Wiederaufbau. Der geniale Architekt Henry Deneux schuf einen neuen Dachaufbau, der in die Architekturgeschichte einging. Eine Konstruktion, die statt Holz Zement- Pfeiler benutze, um somit einer erneuten Brandgefahr zu widerstehen.

Der Wiederaufbau verlieh der Kathedrale in vielerlei Hinsicht ein revidiertes Gesicht, das die Geschichte neu interpretierte. So kehrten die goldenen Lilien als Insignien königlicher Macht zurück auf das Dach.


Zwischen dem 11. und 19. Jahrhundert wurden hier die französischen Könige gekrönt. Von Heinrich I. 1027 bis Karl X. 1825. Die mächtige Königsgalerie, die die Türme der Kathedrale umzieht, demonstriert unübersehbar : dies ist der königlichste Ort Frankreichs.

Gleich neben der Kathedrale das Palais du Tau. In der Renaissance, Ende des 15. Jahrhunderts erbaut, war es Sitz des Erzbischofs von Reims. Für alle Krönungszeremonien ein bedeutender Ort. Im Palais du Tau wird auch die Heilige Ampulle aufbewahrt, die das legendäre Salbungsöl der Könige Frankreichs enthält, mit dem bereits der heilige Remigius im 5. Jahrhundert den Frankenkönig Klodwig I. gesalbt haben soll.

Heute ist die Kathedrale vor allem ein Mahnmal des Friedens. In Reims wurde mit der Unterzeichnung der deutschen Kapitulation der 2. Weltkrieg beendet, hier trafen sich 1962 de Gaulle und Adenauer zur deutsch-französischen Versöhnung.

Immer wieder wurden in Reims bedeutende Anfänge gemacht, 1220 zum Beispiel das Maßwerk für Rosetten Fenster erfunden. Sie machten die Kathedrale zum Vorbild für Kreativität.

Ein Kunstwerk, das bewegt, das durch die Zeit flaniert und neue Perspektiven in den Menschen erweckt.
Weitergehen, weiterleben. Auch dafür ist die Kathedrale mit ihrer turbulenten Geschichte ein Symbol. Nicht stehen bleiben, sondern nach vorne, nach oben schauen, die Schwerkraft überwinden, sich vom Boden zum Himmel bewegen. Das war der Traum der gotischen Architektur, den Notre Dame de Reims noch immer träumen lässt – egal woran man glaubt.

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack: Kathedrale von Reims:
Marc Feigenspan


Buch und Regie: Horst Brandenburg
Kamera: Gregory Schiementi
Schnitt: Thilo Brethauer

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