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SENDETERMIN Mi, 16.8.2017 | 7:30 Uhr | SWR Fernsehen

Europa: Deutschland Regensburg

Aus tiefem Schlaf erwacht

Heute denken wir an Bratwurst und Domspatzen. Früher dachte man an Silber und Seide, an Heilige und gekrönte Häupter. Früher da war Regensburg noch nicht der Ostzipfel Bayerns, sondern die Mitte.

Regensburg: Blick zum Dom St. Peter

Regensburg: Blick zum Dom St. Peter

Kloster neben Kloster zog Künstler und Wissenschaftler an, gewiefte Kaufleute verteilten Luxusgüter in Europa und bauten hochmütig ihre Geschlechtertürme in den blau-weißen Himmel. Und die steinerne Brücke schwang sich stolz über die Donau - als einziger befestigter Übergang zwischen Ulm und Wien. Kaiser zogen durch die Stadttore, um Reichstage abzuhalten und alles, was ihnen untertan war in diesem nicht immer nur heiligen Reich, zog mit.

Aber irgendwann lief der Handel an der Donau und Regensburg vorbei und die bayerischen Herzöge versuchten immer wieder, der freien Reichsstadt in ihrer Mitte die Luft zum Atmen zu nehmen. Die stolze Schöne reckte zwar weiter ihre Türme in den Himmel, aber ringsum sah sie nur Bayernland und keine Chance zu wachsen. In ihren Mauern tagten und tanzten noch bis 1806 die Gesandten des Reichstags und auch die Künstler und Wissenschaftler kamen in die "multikulturelle" Stadt, aber dann senkte sich der Dämmer über sie. So wie Regensburg mit dem Handel erst groß, dann arm geworden war, so stieg und fiel sie mit den Machtverhältnissen im tausendjährigen Reich. Ein Spiegel seiner wechselvollen Geschichte.

Blick durch die Steinerne Brücke

Blick durch die Steinerne Brücke

Eine Geschichte, die bis heute in mittelalterliche Gewölben begehbar ist, sich in Türmen zuspitzt, in Innenhöfen versteckt, barocke Fassaden ziert und sich schließlich im alten Reichstagsgebäude mit ganzem Stolz präsentiert. Gerettet, bewahrt in einem langen Dornröschenschlaf, der wiederum durch neue Machtverhältnisse beendet wurde: Regensburg ist zurück in unserer Mitte, der Mitte Europas.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: Regensburger Altstadt
UNESCO-Ernennung:13.07.2006
5.Jh v.Chr.
die keltische Ortsbezeichnung "Radaspora" soll sich auf hier gefundenen Siedlungsspuren beziehen
179 n.Chr.
der römische Kaiser Marc Aurel gründet am nördlichsten Punkt der Donau das Legionslager Castra Regina
5.Jh. n.Chr.
Bedrohung durch germanische Stämme, Abzug der Römer
739
der Heilige Bonifatius stiftet das Bistum Regensburg
bis 788
Hauptsitz der bayuwarischen Herzöge (Agiolfinger)
9.Jahrhundert
wichtige Pfalzstadt des Ostfrankenreiches und Bischofssitz
1245
durch König Philipp II zur Freien Reichstadt erhoben
1260
ungefährer Baubeginn des Regensburger Doms
1541/42
das Regensburger Religionsgespräch zwischen Melanchthon und Johannes Eck - die Stadt wird schliesslich 1542 protestantisch
1618-1648
im Dreissigjährigen Krieg 1633 von schwedischen Truppen erstürmt, 1634 aber von kaiserlichen und bayrischen Truppen zurückerobert
seit 1663
Immerwährender Reichstag im Reichsaal des Rathauses, 70 Staaten haben ständige Gesandtschaften in der Stadt
1806
Auflösung des Heiligen Römischen Reiches, es entsteht das Fürstentum Regensburg
1809
Die Franzosen unter Napoleon erstürmen die Stadt, geben sie dann an Bayern ab
1338
Regensburg wird Hauptstadt der Oberpfalz.
1945
Die Bevölkerung setzt gegen die Nazionalsozialisten durch, dass die Stadt kampflos an die bereits vor der Stadt liegenden amerikanischen Truppen übergeben wird

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© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010


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