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14:30 min | Mi, 21.6.2017 | 7:35 Uhr | SWR Fernsehen

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Puebla: Historisches Zentrum von Puebla, Mexiko, Folge 284

SWR

Zu Füßen des Popokatépetl, des rauchenden Vulkans, liegt in 2000 Metern Höhe Puebla, im 16. Jahrhundert von spanischen Mönchen gegründet, heute eine Zwei-Millionen-Stadt. Der historische Kern Pueblas zeugt mit seinen vielen Kirchen und Klöstern noch vom Geist der Gründerzeit. Doch daneben, unübersehbar, jener Meilenstein auf Mexikos Weg zur Industrienation, der VW-Käfer. Er wird neben ganz modernen Autos noch heute in Puebla gebaut, und er wird hier, wie in ganz Mexiko, hoch in Ehren gehalten.

Filmtext

Popokatépetl, der rauchende Vulkan. Meistens hält er sich hinter dem Dunst der Stadt verborgen. Dabei ist es hier mit dem Dunst noch lange nicht so schlimm wie in Mexiko-Stadt - zwei Autostunden nordwestlich von hier. Kein Ort im historischen Stadtkern, an dem der Blick nicht auf wenigstens eine Kirche fiele oder ein Kloster. Kirchen - wohin man schaut - und Käfer. Franziskanermönche im Gefolge der spanischen Eroberer gründeten die Stadt 1531, nachdem Engel zuvor dem Bischof im Traum den Grundriss vorgezeichnet hatten. Die Franziskaner nannten ihre neue Stadt "Puebla de los Angeles".

Es sollte eine besonders gottesfürchtige Stadt werden. Der da dem Indio seinen Segen erteilt, ist Bruder Sebastián de Aparicio, Franziskaner-Mönch und für die Entwicklung Pueblas von großer Bedeutung. Inzwischen wurde er selig gesprochen. Drinnen in der Kirche San Francisco liegt er, der selige Sebastián, in einem gläsernen Sarg, und die Leute pilgern von weit her, ihn zu sehen. Zu seinen Lebzeiten war er allen eine große Hilfe, die sich auf Rädern mühsam durch das noch unwegsame Mexiko quälten. Ohne Bruder Sebastián und seine hilfreichen Engel hätte manch Reisender sein Ziel nie erreicht. Deshalb lassen heute noch viele Poblaner ihr neues Auto auf dem Platz vor der Kirche von einen Franziskaner-Mönch segnen - und die ganze Familie dazu. Der Andrang ist groß.

Puebla aus der Käfer-Perspektive. Wir haben noch lange nicht alle Kirchen gesehen. Verkehrsstau auf dem Weg zu einem der schönsten Klöster der Stadt. Valet Parking an der Klosterpforte. Das Kloster ist kein Kloster mehr. Es ist ein Luxushotel. Schon die Nonnen aus reichem Hause, die hier ursprünglich lebten, wollten auf keine Annehmlichkeit verzichten. Sie hatten sogar ihr persönliches Dienstpersonal. Auch Pueblas viel gerühmt Küche ist das Werk raffinierter Nonnen. Von asketischer Entsagung hat man hier nie viel gehalten. Dagegen ist Taxifahren im Käfer durchaus eine Übung in Bescheidenheit. Freundlich und bescheiden tritt auch die städtische Polizei auf. Freundlich und bescheiden wirkt die ganze Stadt, von der freilich nur dieser historische Kern zum Weltkulturerbe zählt.

Wer käme hier auf den Gedanken, dass es sich um eine aufstrebende Industriemetropole mit zwei Millionen Einwohnern handelt? Puebla verströmt die heitere Gelassenheit einer Stadt, in der man gern lebt - und das nicht nur als wohlhabender Bürger im alten Patrizierhaus. Nur das Wasser, das hier so verschwenderisch sprüht, ist knapp. In vielen Häusern läuft es nur wenige Stunden am Tag.

Die besseren Leute, Hotels und Restaurants lassen sich mit Tankwagen beliefern. Ein kleiner Fluss, der einmal mitten durch die Stadt ging, ist ausgetrocknet. Der Eindruck dieses Brunnens trügt. Dennoch: In Puebla zu leben ist ein Vergnügen. Auch ästhetisch. Und dann das Klima! Zweitausend Meter über dem Meer lebt man, obwohl in den Tropen, sehr angenehm. Die frommen Gründer hatten bei der Wahl des Ortes auch an ihre Gesundheit gedacht. Heute ein Standortvorteil, den Investoren sehr schätzen. Nach Puebla gehen sie gern. Puebla wächst wie keine andere Stadt Mexikos - und bleibt sich dennoch treu. Hier gerät nichts aus den Fugen, nur weil die Stadt jetzt größer wird und wichtiger. Puebla besaß schon immer jene Art von Größe, die sich erst beim zweiten Hinschauen offenbart. Wer würde schon hinter den schlichten Mauern von Santo Domingo den verschwenderischen Prunk der Rosenkranzkapelle vermuten? Etwas außerhalb Pueblas steht diese Kirche - oben auf der Tepanapa-Pyramide.

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Mittelamerika: Mexiko

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Santa Maria de Tonantzintla

Santa Maria de Tonantzintla

La Victoria

VW Käfer

Kirche San Francisco

El Carmen

VW Käfer

Die große alte Pyramide, die jetzt zum Teil wieder freigelegt wurde, war seit Urzeiten ein wichtiges Heiligtum der Indios, dem Urgott Quetzalcóatl gewidmet.

Die Spanier bauten 1550 ihre Kirche oben drauf, um so die Indios möglichst rasch von ihrem "Unglauben" zu befreien. Kirchen auf heilige Stätten der Indios zu bauen, war überhaupt ein beliebtes Mittel der Missionierung. Santa Maria de Tonantzintla, nicht weit von der Pyramide, ist auch so eine Kirche. Nur durften hier die Indios ihr "heidnisches" Heiligtum selber entweihen. Ganz allmählich werden nun die Spuren von Kolonisierung und Missionierung verdrängt von einer neuen Entwicklung, der Industrialisierung, die auch von außen kommt, aber nicht aus Rom, nicht aus Madrid: der neue Wind weht aus Wolfsburg. In Puebla wird noch heute der gute alte Käfer gebaut, hundertsiebzig mal am Tag - nur für Mexiko. Und vom neuen Käfer bauen sie doppelt so viele - für die ganze Welt.

Buch und Regie: Albrecht Heise

Filmmusik & Stab

Kraft, Oliver
Schätze der Welt II
Klangraum
Puebla

Buch und Regie: Albrecht Heise
Kamera: Holger Schüppel

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