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Filmtext & Video

14:48 min | Sa, 21.10.2017 | 8:30 Uhr | SWR Fernsehen

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Petra, Jordanien, Folge 135

SWR

Vom dritten Jahrhundert v. Chr. bis zur Übernahme durch das Römische Imperium im Jahre 106 unserer Zeitrechnung war Petra das Zentrum eines mächtigen Stammes im vorderen Orient, der Nabatäer. "Fels" bedeutet der Name der Totenstadt Petra im Tal Moses in Jordanien. Als Johann Ludwig Burckhardt, verkleidet als Scheich Ibrahim, 1812 die ehemalige Kultstätte der Nabatäer entdeckte, hatte die Natur diesen Platz bereits zurückerobert. Die hohen Fassaden, Gesimse, Halbsäulen und Giebel, der aus dem Stein herausgehauenen Monumente waren mit dem Stein gealtert. Wind und Regen haben ihr übriges getan. Natur und Kultur waren eins geworden.

Filmtext

Am Anfang war der Stein, und der Stein war bewohnt von den Göttern.

Heilig waren die Berge um Wadi Musa, das Moses Tal in der jordanischen Wüste, den Beduinen. Petra - 'Fels' nannten griechische Geschichtsschreiber den Ort, - Kultstätte der Nabatäer, die vor 2000 Jahren ein mächtiger Nomadenstamm im Orient waren. Die Nabatäer gibt es nicht mehr, keine Opferfeiern werden auf den Berggipfeln gehalten, doch der Fremde empfindet Ehrfurcht, wenn er die erhabene Felswelt bei Sonnenaufgang betritt. Schweigend scheint der Beduine zu mahnen:

"Beginne früh deinen Weg, denn der Pfad durch die Schlucht ist mühsam und lang, nur im ersten Morgenlicht kannst du das Wunder des Schatzhauses erleben...."

Stufen im Fels, Wahrzeichen der geheimnisvollen Welt der Nabatäer. Mächtige Würfel, aus den Felsen geschlagen, mit geglätteten Wänden - haushoch, doch ohne Eingang und Ausgang, so scheint es. Sie haben nur keinen Ausgang, denn es sind 'Häuser für immer.' Wer diese Wohnungen bezog, dessen Pferd blieb herrenlos zurück. Blockgräber am Eingang von Petra: Wegweiser ins Totenreich der Nabatäer. Nekropolis - Stadt der Toten - In früher Zeit, so heißt es, war es den Nomaden, die in diesem Gebiet lebten, bei Todesstrafe verboten, Häuser für Lebende zu bauen. Wenn sie zum heiligen Bezirk kamen, um in der Nähe der Götter und ihren Toten nahe zu sein, schlugen sie Zelte auf, oder fanden Schutz in den Höhlen der Berge. Wie eine natürliche Schutzburg ragt das verwitterte Sandsteinmassiv aus der Ebene, - bizarre Felsinseln. Bis zu 300 Meter türmen sich die unwegsamen Gipfel, wer hier zuhause war, war vor Feinden sicher und zum göttlichen Territorium gab es nur einen einzigen Zugang: 'As sharah' - 'Felsen' nannten die Nabatäer dieses schluchtenreiche Gebirge und: 'Du s sharah' - 'der im Stein lebt', hieß ihr höchster Gott. Der Siq: die Schlucht der Prüfung. Fast einhundert Meter steigen die Wände senkrecht auf. Als ob die Berge über dem Eindringling zusammenwüchsen. Beklommenheit und Staunen überkommt den, der allein den über 1200 Meter langen Felstunnel durchquert. "Der Pfad durch die Schlucht ist mühsam und lang." Hatte nicht der unbekannte Beduine auf dem Felsen gewarnt?

Über Jahrhunderttausende hatten Sturzbäche und Wind die natürliche Felsspalte vergrößert und ein Flussbett gegraben - dann leiteten die Nabatäer den Fluss um, sein Bett aber bauten sie zu einer Prozessionsstraße aus. Wie aus dem Boden gewachsen, weist reglos der stumme Begleiter den Weg. "Geh weiter," doch wie angewurzelt bleibst du stehen: Es ist kein Traum, keine Täuschung: Durch einen schmalen Spalt - als ob der Siq nicht auf einmal das Wunderwerk freigeben möchte: die Hazne al Fir’un - das Schatzhaus des Pharao. Ein Monolith, 40 Meter hoch - Der ganze Bau in einem Stück aus dem Berg geschlagen. Kaum wahrzunehmen: die Gestalt des Weggefährten im Totenreich. Wie Bildhauer haben Steinmetze die Prunkfassade der Hazne aus dem unförmigen Felsen gemeißelt. Hinter den rosa leuchtenden Säulen - dunkel und leer: Drei hohe Räume: Grabkammern und Versammlungsort für Totenfeiern. Welcher der Herrscher ließ sich dies Grabmal errichten? Hazne al Fir’un. Das berühmteste Monument des 'nabatäischen Barocks', geschaffen im ersten Jahrhundert vor Christus, als die Nabatäer begannen, neben den 'ewigen Häusern' eine Stadt für die Lebenden im Wadi Musa zu bauen,... auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Unbeantwortet bleiben viele der Fragen. Jahrhundertelang war Petra vergessen...bis im Jahr 1812 ein Europäer, der im Gewand eines Beduinen Arabien bereiste, die Denkmäler der Nabatäerkultur wiederentdeckte. Arme Nachfahren der mächtigen Araber waren in die 'ewigen Häuser' eingezogen. Der Entdecker, der sich Scheich Ibrahim nannte, fand keine Schätze in den riesigen Blockgräbern - mit einfachen Treppenmustern und Zinnenfriesen geschmückt, den ältesten Gräbern, so glaubt man. Hohe Fassaden, Gesimse, Halbsäulen und Giebel - und mit dem Stein gealtert und von der Natur zurückerobert. Wo Geologen verfestigten Quarzsand, verfärbt durch Beimischung von Eisenoxyd oder -hydroxyd analysieren... da sehen die Bewohner der Felswelt Formen und Farben und liebevoll nannten schon die Nabatäer den Ort 'raqmu', 'den Buntgestreiften'.

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Asien: Jordanien

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Am Anfang war der Stein, und der Stein war bewohnt von den Göttern.

Am Anfang war der Stein, und der Stein war bewohnt von den Göttern.

Nekropolis - Stadt der Toten - In früher Zeit, so heißt es, war es den Nomaden, die in diesem Gebiet lebten, bei Todesstrafe verboten, Häuser für Lebende zu bauen. Wenn sie zum heiligen Bezirk kamen, um in der Nähe der Götter und ihren Toten nahe zu sein, schlugen sie Zelte auf, oder fanden Schutz in den Höhlen der Berge.

Fast einhundert Meter steigen die Wände senkrecht auf. Als ob die Berge über dem Eindringling zusammenwüchsen. Beklommenheit und Staunen überkommt den, der allein den über 1200 Meter langen Felstunnel durchquert. "Der Pfad durch die Schlucht ist mühsam und lang."

Hinter den rosa leuchtenden Säulen - dunkel und leer: Drei hohe Räume: Grabkammern und Versammlungsort für Totenfeiern. Welcher der Herrscher ließ sich dies Grabmal errichten?

Die Hazne al Fir’un - das Schatzhaus des Pharao. Ein Monolith, 40 Meter hoch - Der ganze Bau in einem Stück aus dem Berg geschlagen.

Jahrhundertelang war Petra vergessen...bis im Jahr 1812 ein Europäer, der im Gewand eines Beduinen Arabien bereiste, die Denkmäler der Nabatäerkultur wiederentdeckte.

Arme Nachfahren der mächtigen Araber waren in die 'ewigen Häuser' eingezogen. Der Entdecker, der sich Scheich Ibrahim nannte, fand keine Schätze in den riesigen Blockgräbern - mit einfachen Treppenmustern und Zinnenfriesen geschmückt, den ältesten Gräbern, so glaubt man. Hohe Fassaden, Gesimse, Halbsäulen und Giebel - und mit dem Stein gealtert und von der Natur zurückerobert.

Über 600 Grabmonumente haben die Steinmetzen aus den Felsen geschlagen. Woher dieser Reichtum?

Die Stadt, die sie im Mosestal bauten, die Hauptstadt von Arabia Peträa - verfiel, wie die Macht der Nabatäer und nur ihre Grabmonumente, die 'ewigen Häuser' hatten Bestand.

Als der Tourismus Petra als Einnahmequelle entdeckte, wurden die Bewohner der denkmalgeschützten Totenstadt aus den Grabkammern gewiesen.

Bei den Nabatäern war auch das Wohnrecht der Toten streng reglementiert. Über allem, was im heiligen Bezirk geschah, stand die Vorschrift des Totenkults: "Dieses Grab...und all das übrige Besitztum an diesem Platz sind Dusarah geweiht, dem Gott unseres Herrn. Und es ist die Verpflichtung von Dusarah und allen Göttern, dass alles so geschieht, wie es in dieser Urkunde steht.

Ist es ein Nomade oder der Scheich Ibrahim, der sich vom Zauber des Ortes, den er vor fast zwei Jahrhunderten entdeckte, nicht lösen kann?

Die Beduinen hielten den weißgekleideten Fremden für einen Zauberer, der ihnen die Schätze, die sie selber nicht fanden, rauben wollte. Der Schatz, den er mitnahm, war wertvoller als goldene Grabbeigaben: Es war die Kunde von Petra.

Wenn auch die Nachfahren nicht mehr an Du-s-sharah, den Gott im Fels glauben, der heilige Ort ist ihre Heimat, sie sind mit dem 'Buntgestreiften' verwachsen, und diese farbige Welt, die sie in Armut vergessen lässt, wollen sie sich nicht nehmen lassen. Ist es ein Märchen, dass ein Nomadenstamm in dieser Steinwüste so reich war, dass er die Berge ausmeißeln lassen konnte als Wohnungen für Tote?

Über 600 Grabmonumente haben die Steinmetzen aus den Felsen geschlagen. Woher dieser Reichtum? An den heiligen Bergen der Nabatäer führte die Weihrauchstraße vorbei und wichtigsten Handelswege nach Afrika und Europa und die geschäftstüchtigen Araber verlangten Zoll von den Karawanen und legten selber Warenlager mit Luxusgütern an. So kamen die Vorfahren der jordanischen Beduinen zu Wohlstand und Macht. Die Stammesführer der Kameltreiber, Viehzüchter und Räuber konnten sich Könige nennen. Bis nach Damaskus reichte ihr Herrschaftsgebiet. Die Stadt, die sie im Mosestal bauten, die Hauptstadt von Arabia Peträa - verfiel, wie die Macht der Nabatäer und nur ihre Grabmonumente, die 'ewigen Häuser' hatten Bestand. Als der Tourismus Petra als Einnahmequelle entdeckte, wurden die Bewohner der denkmalgeschützten Totenstadt aus den Grabkammern gewiesen. Bei den Nabatäern war auch das Wohnrecht der Toten streng reglementiert. Über allem, was im heiligen Bezirk geschah, stand die Vorschrift des Totenkults: "Dieses Grab...und all das übrige Besitztum an diesem Platz sind Dusarah geweiht, dem Gott unseres Herrn. Und es ist die Verpflichtung von Dusarah und allen Göttern, dass alles so geschieht, wie es in dieser Urkunde steht.

Regen, Sonne und Wind haben in Petra phantastische Formen geschaffen und verändern sie ständig. Wie zutreffend ist der arabische Name des Ortes: "Der Buntgestreifte" -ocker, rosa, malvenfarbig, braun und tiefrot leuchtet der hellgrau geäderte Stein. Phantasievoller, als jeder Architekt baut die Natur auch das Menschenwerk um. Wie gut kann auch der Fremdling verstehen, warum die Nabatäer ihre Toten in den Felsgräbern besuchten.

'Am Anfang war der Stein und der Stein war bewohnt von den Göttern.' In den Triclinien, den offenen Felssälen, versammelten sich stets 13 Personen, so ist überliefert, zu Kultfeiern und Festen. Auf steinernen Bänken nahmen sie ein rituelles Mahl ein und gedachten beim Spiel zweier Musiker der Toten.

In Petra werden Ausblicke zu Einsichten. Natur und Kultur sind eins geworden, die Grenzen zwischen innen und außen verwischen sich. Vergangenheit und Gegenwart fallen zusammen. Die Trennung von Leben und Tod ist aufgehoben. Die Nabatäer wollten für immer im gottbeseelten Stein ruhen, Gabal ad Djer, das höchstgelegene Königsgrab dem vergöttlichten Herrscher Odobas geweiht. Erst im Licht der sinkenden Sonne tritt die fast 50 Meter hohe Fassade aus dem Schatten. Unglaublich erscheint die Präzision, mit der Baumeister und Steinmetze den ebenmäßigen Baukörper im lebenden Felsen sahen und aus dem Sandstein herausmeißelten. Ad Djer - Prunkgrab von monumentaler Schlichtheit und strenger Symmetrie, gekrönt von einer riesigen Urne. Hier, von wo aus man die Felswelt der Nabatäer überblickt, scheint er gewartet zu haben, der unnahbare Begleiter, der meist unsichtbare Weggefährte im Labyrinth der Felsarchitektur. Ist es ein Nomade oder der Scheich Ibrahim, der sich vom Zauber des Ortes, den er vor fast zwei Jahrhunderten entdeckte, nicht lösen kann? Die Beduinen hielten den weißgekleideten Fremden für einen Zauberer, der ihnen die Schätze, die sie selber nicht fanden, rauben wollte. Der Schatz, den er mitnahm, war wertvoller als goldene Grabbeigaben: Es war die Kunde von Petra.

Buch und Regie: Christian Romanowski

Filmmusik & Stab

Kraft, Oliver
Schätze der Welt I
Büchele Armin
Petra

Buch und Regie: Christian Romanowski
Kamera: Gerd Bleichert

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