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Filmtext & Video

15:16 min | Do, 22.12.2016 | 21:40 Uhr | 3sat

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Die Peterskirche und die Vatikanstadt von Rom, Folge 57

SWR

Heute steht an der vermuteten Grabesstelle von Petrus der Petersdom, der von zehntausenden von Pilgern und Touristen täglich aufgesucht wird. Der majestätische Bau liegt inmitten des kleinsten souveränen Stadtstaates der Erde - der Vatikanstadt. Hier residieren die Päpste als Nachfolger Petri, sein 500 Jahren beschützt von der Schweizer Garde. Der Film von Rolf Pflücke gibt einen Eindruck vom prachtvollen Zentrum der katholischen Welt, indem er uns auf einen Rundgang vom Petersdom, über die Vatikanischen Gärten und Museen, der Vatikanischen Bibliothek und der Sixtinischen Kapelle entführt.

Filmtext

Er ist wie ein Vater, der seine Arme ausbreitet, als wollte er seine Kinder zu sich rufen: Der Petersdom, das Zentrum der katholischen Welt. 132 Meter hoch ragt das Kuppelkreuz in den römischen Himmel. Die berühmtesten Baumeister der Renaissance - allen voran Michelangelo - haben diesen gewaltigen Dom erstellt; die Steine holten sie aus dem Kolosseum und dem Forum Romanum, die Marmorplatten aus Tempelruinen.

Bernini erstellte Mitte des 16.Jhs. die Kolonnaden rund um den ägyptischen Obelisken. Nördlich der Kolonnaden liegt der Papstpalast, in denen der Bischof von Rom residiert. Der Obelisk steht auf blutgetränktem Boden: noch zu Zeiten Neros wurden hier, westlich des Tibers und vor den Mauern Roms religiöse Eiferer gefoltert und hingerichtet - Petrus war einer von ihnen. Heute strömen an warmen Tagen zehntausende von Pilgern und Touristen aus aller Welt zu seinem Grab im Petersdom. Petrus, der Fels, auf dem in 2000 Jahren ein Imperium des Glaubens entstand.

Bis weit ins Mittelalter wohnten die Nachfolger Petri im Osten Roms, im Lateran. Erst nach Ende der "babylonischen Gefangenschaft der Kirche" in Avignon 1377, nahmen die Päpste hier Residenz.

Der einstige Zirkus des Nero am gleichen Ort. Und - die von Kaiser Konstantin um 350 erbaute erste Basilika. Der vatikanische Hügel ist seit den Lateranverträgen von 1929 ein souveräner Staat.

Und dieser Kleinstaat hat einen großen Park - die Vatikanischen Gärten hinter dem Petersdom. Dort finden sich - wie der Blick von der Kuppel des Doms zeigt - die Staatsverwaltung im Governatoratspalast, ein Bahnhof und eine Rundfunkstation - Radio Vatikan. Viele Päpste haben sich diese Gärten zunutze gemacht: Pius IV etwa baute Mitte des 16.Jhs. dieses hübsche Sommerhaus, die "Casina". Für den "Galeerenbrunnen" unweit des Papstpalastes haben Sträflinge eine bleierne Caravelle geschmiedet.

Sechsundneunzig Heiligenstatuen krönen Berninis Kolonnaden: Wie majestätisch muss den Pilgern dies alles erschienen sein, die den Dom nach seiner Vollendung um 1600 erstmals sahen. Majestätisch wirkt er noch heute.

In seinem Innern verlieren sich die Menschen. Der Statue des Petrus - ein Werk des Bildhauers Arnolfo di Cambio - werden wundersame Kräfte zugeschrieben. Das Grab des Heiligen wird in einer nahen unterirdischen Krypta vermutet. Den Hochaltar im Mittelschiff krönt das von Bernini 1624 geschaffene Ziborium: allein der Papst darf hier die Messe feiern. Die Säulen dieses Papstaltars stehen über dem Petrusgrab; in tiefer Andacht verweilen hier die Pilger. Ein paar Schritte weiter: Michelangelos berühmte Pieta, die vor Jahren ein Verrückter mit dem Hammer zerschlug.

Die Basilika hat elf Kapellen und 45 Altäre: Einige davon liegen unter der Erde. Hier in der Krypta fanden Archäologen nicht nur die Fundamente der ersten Kirche sondern auch griechische Lettern, die auf Petrus hinwiesen - und auf seinen Begräbnisort. Michelangelos Kuppel hat zwei Schalen, zwischen der inneren und äußeren windet sich eine Treppe hinauf: Von hier hat man den besten Blick auf Rom. Zum nahen Tiber und zur Engelsburg.

Vor ihrem Tod sollen die Apostel Petrus und Paulus 7 Monate im Mamertinischen Kerker geschmachtet haben; unter der Kirche San Giuseppe dei Falegnami. In diesem Verließ bekehrte Petrus nach der Legende nicht nur 47 Mitgefangene, sondern auch die beide Kerkermeister. Sie ließen ihn frei, er floh aus Rom - und begegnete an der Via Appia dem Herrn, der ihn vorwurfsvoll fragte: Quo Vadis Petrus? Wohin gehst Du? Er kehrte zurück und wurde gekreuzigt. Der Mamerinische Kerker war das Staatsgefängnis von Rom. Viele berühmten Gefangene sind hier verhungert oder wurden hingerichtet: So der Numiderkönig Jugurtha, so auch der Gallierkönig Vercingetorix, den Caesar gefangen nach Rom schleppte. Ihre Namen sind auf einer Votivtafel zu lesen. Die grausame Hinrichtung besiegter Feinde gehörte zu den martialischen Übungen im alten Rom.

Heilige wohin man auch sieht: Diese 6 Meter hohen Barockskulpturen stehen über dem Portal der Lateransbasilika, der von Kaiser Konstantin erbauten ersten Papstresidenz. Sie wurde mehrfach verwüstet und 1734 neu erbaut. Ihr Inneres soll schon in frühchristlicher Zeit von unglaublicher Pracht gewesen sein; marmorne Böden, reich vergoldete Kassettendecken, ein goldener Hauptaltar.

Hier hielten die Päpste ihre ersten Synoden und Konzile. Bis zum Jahre 1870 wurden alle Päpste in dieser Basilika gekrönt. Und noch heute kommt der Bischof von Rom am Gründonnerstag hierher - zur traditionellen Fußwaschung der Armen.

Die schönste Brücke Roms führt zur Engelsburg.

Jahrhunderte lang führte der Weg zum Vatikan über diese von zahlreichen Engeln geschützte Brücke: sie stammen aus der Werkstatt Berninis. Kaum ein anderer römischer Bau hat die Phantasie der Menschen lebhafter beschäftigt; der antike Grabbau des Kaisers Hadrian wurde im Mittelalter zur Festung ausgebaut und später mit einem päpstlichen Lustschloss gekrönt.

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Die Peterskirche und die Vatikanstadt in Rom

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Die berühmtesten Baumeister der Renaissance - allen voran Michelangelo - haben den Petersdom und den Petersplatz gestaltet.

Die berühmtesten Baumeister der Renaissance - allen voran Michelangelo - haben den Petersdom und den Petersplatz gestaltet.

Vor ihrem Tod sollen die Apostel Petrus und Paulus 7 Monate im Mamertinischen Kerker geschmachtet haben; unter der Kirche San Giuseppe dei Falegnami.

Eines von vielen prachtvollen Werken: Die "Historia Scholastica". Der Meister Pietro Comestore hat diese Handschrift zum Verständnis der biblischen Schöpfungsgeschichte geschrieben. "Das ist nicht die Bibel, sondern eine Sammlung biblischer Texte aus dem Jahre 1180.

Die Engelsburg war jahrhundertelang Zuflucht der Päpste; die Festung hielt den Vandalen stand, den Sarazenen, Normannen und zuletzt den Landsknechten Karls V.-, beim berüchtigten Sacco di Roma.

An der Stelle, wo er das Grab des im Jahr 67 gekreuzigten Apostels Petrus vermutete, ließ Konstantin der Große von 324 an eine fünfschiffige Basilika errichten. Im 15. Jahrhundert wurde eine neue Kirche konzipiert. Wesentlicher Bauherr des Doms: Michelangelo.

Die schönste Brücke Roms führt zur Engelsburg. Jahrhunderte lang führte der Weg zum Vatikan über diese von zahlreichen Engeln geschützte Brücke: sie stammen aus der Werkstatt Berninis.

An manchen Tagen strömen zehntausende von Pilgern und Touristen aus aller Welt zum Grab des Petrus im Petersdom.

Die Schönheit des barocken Ornaments und der Skulpturen - Wesentlichen Anteil an der Gestaltung des Petersplatzes und des Doms hatte der Architekt und Bildhauer Gian Lorenzo Bernini.

Petrus, der Fels, auf dem in 2000 Jahren ein Imperium des Glaubens entstand.

Der einstige Circus des Nero

Der vatikanische Hügel ist seit den Lateranverträgen von 1929 ein souveräner Staat.

Die Vatikanischen Gärten hinter dem Petersdom. Dort finden sich - wie der Blick von der Kuppel des Doms zeigt - die Staatsverwaltung im Governatoratspalast, ein Bahnhof und eine Rundfunkstation - Radio Vatikan.

Vatikanische Gärten: Sommerhaus, erbaut von Pius dem 4.

Papst Alexander VI. - Vater der Lucrezia Borgia - ließ die Innenräume der Festung prachtvoll gestalten. Hier hielt er Hof, hier spann er seine Intrigen; hier empfing er seine abgöttisch geliebte Tochter und seine zahlreichen Konkubinen.

Die Engelsburg war jahrhundertelang Zuflucht der Päpste; die Festung hielt den Vandalen stand, den Sarazenen, Normannen und zuletzt den Landsknechten Karls V.-, beim berüchtigten Sacco di Roma. Ein Wehrgang, der "passetto" verbindet sie noch heute mit dem Vatikan: Fluchtweg der Päpste. Im Schatten dieser Mauer liegt das Borgo, ein volkstümliches Viertel, in dessen Herbergen und Kneipen schon im Mittelalter Pilger einkehrten. In den 30er Jahren wurden hier ganze Straßenzüge abgerissen, so blieb wenig vom alten Charme des Borgo übrig. Die gezinnte Mauer, von der aus das Viertel kontrolliert wurde, wird heute renoviert. Stumme Zeugin einer Zeit, in der die Päpste noch keine Bataillone hatten. Seit 500 Jahren aber sorgt die Schweizergarde für den Schutz des Bischofs von Rom. Im Jahre 1506 zogen die ersten 150 Gardisten in Rom ein, Papst Julius II. hatte sie von den schweizerisch-alemannischen Bundesstaaten zu seinem Schutz erbeten. Bis heute leisten katholische junge Schweizer Wehrdienst im Vatikan; ihre malerischen Uniformen hat kein Geringerer als Michelangelo entworfen. Die Schweizergardisten haben den Vatikan so manches mal in der turbulenten Geschichte heldenhaft verteidigt. Beim "Sacco di Roma" fielen 147 von ihnen in der Peterskirche.

Nördlich des Doms liegen die weitgestreckten vatikanischen Museen, sie waren einst Teil des Papstpalasts. Der streitbare aber auch weltoffene Papst Julius II. legte 1506 die ersten Sammlungen an.

Die wertvollsten Schätze stammen aus der griechischen und römischen Antike. Die Statuen des achteckigen Pavillons gehören zu den Kleinoden der abendländischen Kunst: Der Apoll von Belvedere.

Die Laokoon-Gruppe, von griechischen Steinmetzen aus Rhodos geschaffen, eine von mehreren mythologischen Figuren. In der Sala della Rotonda, von Michelangelo geschaffen, erlesene Mosaike und eine dem Pantheon nachempfundene Kuppel. Hier steht die größte aller antiken Bronzestatuen, ein griechischer Herkules. Der Schätze sind so viele, dass man Tage und Wochen in diesen Museen verbringen könnte.

Die Vatikanische Bibliothek, um 1450 von Papst Nikolaus V. gegründet. Wertvolle Handschriften, Evangeliarien, aber auch historische Dokumente aus anderthalb tausend Jahren der Papstgeschichte. Nicht alle Säle stehen den Besuchern offen; und selbst für die zugänglichen Bibliotheksräume braucht man Genehmigungen. Eines von vielen prachtvollen Werken: Die "Historia Scholastica". Der Meister Pietro Comestore hat diese Handschrift zum Verständnis der biblischen Schöpfungsgeschichte geschrieben. "Das ist nicht die Bibel, sondern eine Sammlung biblischer Texte aus dem Jahre 1180. Der Verfasser wollte den Scholaren im Spätmittelalter die Genesis erklären. Dieses Buch war zu seiner Zeit sehr beliebt, erlaubte es doch den Schülern die Welt mit Hilfe der Bilder zu verstehen, ohne sich tief in die Texte einzulesen.

Johannes Paul II. beim Einzug in die Sixtinische Kapelle. Zum Abschluss der langwierigen Renovierung hält der Papst einen Dankgottesdienst. Die Sixtinische Kapelle, in der seit Jahrhunderten die Päpste gewählt werden, ist der Höhepunkt jedes Besuchs im Vatikan. Die Fresken des Deckengewölbes und der Stirnwand - Meisterwerke Michelangelos - erstrahlen heute in neuem Glanz.

Da ist die Erschaffung Adams - nach der freizügigen Auffassung des Malers. Nicht Gottes Atem, sondern seine Berührung flößt Adam Leben ein. Die Stirnwand mit dem Jüngsten Gericht - und Jesus als Richter. Sieben Jahre lang war Michelangelo mit diesem Werk beschäftigt; 1541 wurde es fertig.

Ein Besuch im Vatikan sollte mit dem Angelus auf dem sonntäglichen Petersplatz enden. Da kommen Menschen aus aller Welt, um einmal im Leben den Papst zu sehen. Um zwölf öffnen sich die Fenster der Papstgemächer im vierten Stock, spricht das Oberhaupt von 800 Millionen zu seinen Gläubigen. Der Papst beendet sein Gebet mit dem Segen: zu Weihnachten und Ostern ist es der Segen Urbi et Urbi.

So ist es seit Jahrhunderten und so wird es auch im dritten Jahrtausend sein; das Papsttum ist schließlich die älteste Institution der westlichen Welt.

Buch und Regie:

Mary Villalobos und Rolf Pflücke

Filmmusik & Stab

Siebert, Büdi
Schätze der Welt I
Monteverdi, Claudio
L'Incoronazione di Poppia
Concerto vocale, Réné Jacobs
Buch und Regie:
Mary Villalobos und Rolf Pflücke
Kamera:
Meinolf Schmitz

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