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Europa: Schweden Filmtext & Video

Öland



Filmtext


Alvar

Frühjahrserwachen auf der Stora Alvaret

'Wir hatten die Ufer Ölands kaum berührt, da merkten wir schon, dass dieses Land völlig anders als die anderen schwedischen Provinzen war', schrieb der schwedische Naturforscher Carl von Linné, als er 1741 die Insel betrat. Nach den dichten Wäldern des Festlandes, ein jäher Wandel. Fast endlos erstreckt sich Stora Alvaret, die große Felsebene.

Das ganze Jahr über weht ein stetiger Wind. Der Boden, von tiefen Klüften durchzogen. Kaum gefallen ist der Regen schon versickert. Fast überall ist der karstige Grund nackt oder von einer nur dünnen Erdkrume bedeckt. Die Sommersonne heizt den Stein mächtig auf, lässt das spärliche Grün bald vertrocknen. Im Winter wiederum fegen polare Stürme über die Ebene hinweg, begraben die Landschaft unter Eis und Schnee. In dieser Zeit gleicht der Süden Ölands einer arktischen Tundra. Wer hier bestehen will, muss hart im Nehmen sein. Erst nach Monaten der Starre zieht sich die Kälte zurück. Mit der Schneeschmelze stehen die Mulden für Wochen unter Wasser, bis alles zu ertrinken droht. Dann aber zeigt die große Alvar ein ganz anderes, gar anmutiges Bild.

Sonnenröschen, wie von Zauberhand sind sie auf dem kargen Boden erschienen, ein Blumengarten, soweit das Auge reicht. Kalk begünstigt reiche Flora, ein Frühling wie am Mittelmeer.

Orchidee u. Küchenschelle

Orchidee u. Küchenschelle

Im silbrigen Glanz ihrer filigranen Haare: Küchenschellen, erste Frühlingsboten. Und an geschützten Stellen, für nur wenige Tage im Jahr, einer der kostbarsten Schätze der Insel, farbenprächtige Orchideen. Die Luft ist jetzt voller Stimmen, aus den Wipfeln der Wacholder, der Reviergesang der Heidelerche. An anderer Stelle wiegen sich Wollgräser sanft im Wind. Versteckt im Gewirr der Halme, Brachvögel. Sie lieben es nass, ein idealer Platz für die Aufzucht ihrer Jungen, tief gelegene Stellen, an denen sich vereinzelt sogar kleine Moore gebildet haben.

Wo sich an den Rändern gar offenes Wasser zeigt, leben einige der anmutigsten Bewohner der Alvar: Rothalstaucher. Das Nest, ein Floß, oft nur lose Ansammlungen von Blättern, die auf dem Wasser treiben. Die große Felsebene ist mehr als steppenartige Monotonie. Sie ist ein lebendiges Mosaik, aus Trocken und Nass.

Ölands Geschichte begann vor etwa 500 Millionen Jahren. Im warmen Meer der Urzeit formten sich mächtige Gesteinsschichten. Nach der letzten Eiszeit schoben sie sich aus dem Meer. Öland entstand. Während der Kalk an der Küste teils schroffe Säulen bildet, breitet er sich im Landesinneren als Ebene aus. Der Untergrund, porös und zerklüftet. Die kleinen Bäche sind schnell versiegt. Krüppelige Wälder und Gebüsche im Wechsel mit offenen Plateaus, ein Bild fast wie in den Savannen Ostafrikas.

Ismantorp

Burg Ismantorp - Überreste einer zerfallenen Wallburg

Früh wurde die Alvar auch von Menschen besiedelt. An vielen Stellen finden sich ihre Spuren, seit der Eisenzeit auch gewaltige Bauten, Trutzburgen. Eine weitläufige Ringmauer umgab die Häuser, deren Fundamente bis heute zu erkennen sind. In ihren Burgen lebten die Menschen zwischen Ställen, Vorratshäusern und Werkstätten. Die Mauern, errichtet aus den Steinen der Umgebung. Die Dächer aus Stroh oder Schilf. Im Mittelalter entstanden die ersten Holzhäuser. Der alles schützende, mit Zinnen bewehrte Wall, bis zu 7 Meter hoch, machte die Siedlung fast uneinnehmbar.

Frösslunda

Frösslundabron - Brücke über den Frösslundabach, unweit des Dorfes Frösslunda

Die frühen Öländer waren vor allem Viehbauern. Ihre Tiere trieben sie auf die Alvar, die Felsebene. Das Ackerland an der Küste war zu wertvoll, um beweidet zu werden, das Innere der Insel wiederum für den Feldbau zu karg. Schlachtvieh, Pferde, Butter und Wolle wurden bis an die deutsche Ostseeküste exportiert, wo der Handel am lukrativsten war. Doch der Weg zu Wohlstand war lang und voller Entbehrungen. Nur zögerlich gab der Boden Erträge her. Bis das Vieh weiden konnte mussten die Bauern erst zahllose Steine entfernen. An den Rändern der Weiden wurden diese zu Mauern aufgeschichtet. Hunderte von Kilometern durchziehen diese Mauern die Insel.

Für den Kalkstein gab es aber noch weit lohnendere Verwendung. Im 12. Jahrhundert brachten Missionare die Steinmetzkunst auf die Insel. Bearbeitet wurde der Kalkstein bald exportiert und trug so zu einer langen Blüte Ölands bei.

Auf dem fruchtbaren Land aber, an der Küste, wird seit jeher Ackerbau betrieben. Die alten Streusiedlungen sind dort, seit dem frühen Mittelalter, Reihendörfern gewichen. Hofflächen und Wohngebäude, von Speichern umgeben. Zum Mahlen des Korns errichteten die Öländer Bockwindmühlen. In ihrer Blütezeit, im 19. Jahrhundert, sollen es bis zu 2000 gewesen sein. Oft standen sie dort, wo es Wind im Überfluss gab, in langen Reihen, auf den hohen Strandwällen. Der Wechsel in der Bauweise, von Stein zu Holz, veränderte die Insel stark, der Bedarf an Heizmaterial war enorm gestiegen, als man den Kalkstein für die Mörtelgewinnung zu brennen begann. Große, dichte Wälder hatte es noch um das Jahr 1000 gegeben, wenig später war der Holzreichtum dahin.

Kaum ein junger Trieb wuchs nach, denn unten weidete das Vieh. Aber aus der Zerstörung einer Landschaft wurde eine andere geboren. Alvar ist auch von Menschen gemacht. Selten war sie so weitläufig und offen wie in jenen Jahren.

Die Pflanzen der Alvar benötigen viel Licht und können ohne Beweidung nicht gedeihen. Im Schatten von Sträuchern und Bäumen würden sie verkümmern. Dank des Viehs steht der Lauch in voller Pracht. Zwischen seinen Blüten, kaum auszumachen, das Gelege eines der heimlichsten Vögel Ölands. Goldregenpfeifer brauchen freie Sicht und können nur in einer offenen Landschaft leben.

Anfang Juli, der sonst stets frische Wind ist stillen Tagen und großer Hitze gewichen, das Wasser - schon lange versiegt. In der bevorstehenden Dürre bleibt dem Vieh nur noch trocknes Gras. Bald wird es auf die Strandwiesen ziehen. Über viele Jahrtausende ist das nie anders gewesen. Ein eisiger Winter, dann Wasser im Überfluss und ein Sommer, der im Staub versinkt.

Doch wie durch ein Wunder entspringt der Kargheit immer wieder neues Leben und den Menschen ist sogar bescheidener Wohlstand erwachsen, durch Genügsamkeit und Anpassung, an eine der bizarrsten Landschaften Nordeuropas, Ölands Großer Alvar

Buch und Regie: Thomas Willers

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack Öland:
Gerd Gerdes



Buch und Regie: Thomas Willers
Kamera: Thomas Willers

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