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SENDETERMIN So, 20.1.2019 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

Europa: Schweden Öland

Blumenpracht auf kargem Felsen

Verlässt man das schwedische Festland mit seinen dichten Wäldern auf der Kalmarsundbrücke gen Osten, begibt man sich schlagartig in eine andere, fast fremdartige Welt. Fast endlos zieht sich Stora Alvaret hin.

Alvar

Frühjahrserwachen auf der Stora Alvaret

Die baumlose große Felsebene im Süden Ölands ist eine der bizarrsten Landschaften Nordeuropas, ein extremer und nur schwer zu besiedelnder Lebensraum. An den meisten Tagen im Jahr weht ein unablässiger Wind über sie hinweg. An vielen Stellen tritt nacktes Gestein zu Tage. Eisige Stürme begraben im Winter die Alvar unter Eis und Schnee, während sie im Frühjahr an vielen Stellen unter Wasser steht. Und schon zeitig im Sommer liegt brütende Hitze über dem Land, lässt alles im Staub versinken.

Bezaubernde Blumenpracht

Orchidee u. Küchenschelle

Orchidee u. Küchenschelle

Doch wie durch Zauberhand verwandelt sich Stora Alvaret immer wieder in einen Blumengarten. Es ist ein Frühling fast wie am Mittelmeer. An trockeneren Stellen Wiesen voller Orchideen im Wechsel mit Küchenschellen und Sonnenröschen. An feuchten Stellen kleine Moore, dort wiegen sich Wollgräser sanft im Wind. Und überall erklingt der melancholische Ruf der Goldregenpfeifer, in einer Landschaft, jetzt voller Leben.

Siedler in karger Landschaft

Gettlinge

Gräberfeld bei Gettlinge

Trotz der Widrigkeiten wurde die Alvar schon früh von Menschen besiedelt. Waren es zunächst große Trutzburgen, in denen sie wohnten, kamen später Streusiedlungen und in der fruchtbareren Küstenebene Reihendörfer hinzu. Dort wurde neben Gemüse vor allem Getreide angebaut und in hölzernen Bockwindmühlen gemahlen. Ihren bescheidenen Wohlstand erwirtschafteten die Öländer vor allem durch Vieh, das sie auf die unfruchtbare Alvar trieben. Und selbst dem Fels konnten sie, wenn auch mit großen Mühen, noch etwas abgewinnen, denn gebrochen war der Kalkstein als Baumaterial im ganzen Ostseeraum begehrt. In Genügsamkeit und kluger Anpassung verstanden sie es, mit der kargen Alvar zu leben, einer archaischen Landschaft, die sich über Jahrtausende fast unverändert erhalten hat.

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Europa: Schweden

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In der Nähe der Stora Alvaret liegt das kleine Dorf Frösslunda. Die Frösslundabrücke ist eine alte steinerne Bogenbrücke.

In der Nähe der Stora Alvaret liegt das kleine Dorf Frösslunda. Die Frösslundabrücke ist eine alte steinerne Bogenbrücke.

Byrums Raukar - die vom Meer ausgewaschene Felsküste beeindruckt durch die bizarren Felsformationen.

Die Alvar ist eine der letzten naturbelassenen Karstlandschaften Europas. Im Winter ist sie großer Kälte, eisigen Winden und Schnee ausgesetzt. Im Sommer wird es heiß und staubig. Doch im Frühjahr entfaltet sie eine ganz besondere Blumenpracht.

Rekonstruierte Steinhäuser im Innern der Burganlage Eketorp.

Burg Eketorp - eine auf den Ruinen einer Wikingerburg aus der Eisenzeit erbaute Fluchtburg.

Das Gräberfeld bei Gettlinge stammt aus der Bronze- und Eisenzeit. Heute sind noch ca. 200 Gräber auf dem Feld erhalten. Charakteristisch ist die sogenannte Schiffsetzung, die langgestreckte Anordnung der Steine. Brand und Urnengräber wurden so markiert.

Die Graborg war eine große Burganlage, die wohl auch als Handelsplatz diente. Sie war von 4 Meter hohen Mauern umgeben.

Ismantorp: die Wallburg hat einen Durchmesser von 125 Metern. Innerhalb der Burgmauern befinden sich die Reste von 88 Häusern. Zu Bedeutung und Zweck der Burg gibt es verschiedenen Theorien.

Die Inschrift lautet ungefähr so: „Der Krieger, dem die größten Taten folgten - die meisten wissen das - liegt verborgen in diesem Hügel. Kein kampfstarker und rechtschaffener Krieger wird über ein Land in Dänemark herrschen.

Die Källa ödekyrka trägt den Namen einer heidnischen Quelle. Die Kirche stammt aus dem 12. bzw. 13. Jahrhundert und ist nur noch eine Ruine.

Küchenschellen sind erste Frühlingsboten nach einem eisigen Winter. Und an geschützten Stellen, für nur wenige Tage im Jahr, blühen die kostbarsten Schätze der Insel, farbenprächtige Orchideen.

Trotz der widrigen Umstände wurde die karge Insel Öland schon früh besiedelt. Die Alvar wird in erster Linie für das Weiden der Tiere genutzt. Ackerbau wird an der Küste betrieben.

Stora Alvaret: die baumlose große Felsebene im Süden Ölands ist eine der bizarrsten Landschaften Nordeuropas.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: Süd-Öland: Agrarlandschaft von Süd-Öland
UNESCO-Ernennung: 2000
Öland ist die zweitgrößte schwedische Insel, liegt in der Ostsee und ist durch die Brücke Kalmarsund vom Festland getrennt; 135 km lang, aber nur bis 16 km breit

1982 24 000 Einwohner; Das Innere ist weitgehend verkarstet, auf Moränenflächen im zentralen Teil wird Ackerbau betrieben; die Heidelandschaft Alvar im Süden hat eine eigenartige Steppenvegetation (Florenelemente der Fjällregion und mediterraner Karstgebiete). Insgesamt sind 47% der Fläche Ölands Heide, 15% Wald.

An der Südspitze befinden sich der höchste Leuchtturm Skandinaviens (42m) und eine Vogelwarte.
Von einer frühen Besiedlung der Insel zeugen bronzezeitliche Hügelgräber, Gräberfelder, Runensteine und Fluchtburgen.

1569-1801 Öland war königlicher Wildpark

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