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Europa: Island Filmtext & Video

Nationalpark Thingvellir

14:44 min | So, 7.10.2018 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Thingvellir: Nationalpark Thingvellir Island, Folge 339

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Geologisch liegt Thingvellir in der Grabenbruchzone. Europäische und amerikanische tektonische Platten driften hier auseinander. 4 aktive Vulkane, der Thingvallavatn See, der Öxará Fluss und der Wasserfall Öxaráfoss prägen die Landschaft. Um 930 fand hier die erste gesetzgebende Versammlung der Freien Islands statt, Althing genannt, in Vellir. Der Althing ist eines der ältesten Parlamente der Welt.

Filmtext

Island - Iceland – Isafold. Eine Insel, hart am nördlichen Polarkreis, zwischen Norwegen und Grönland. Eine Insel, die in der Eiszeit vollkommen vergletschert. Noch heute bedecken zahlreiche Gletscher mehr als zehn Prozent der Oberfläche.

Hier kalbt der Vatnajökull, fast so groß wie Korsika. Haushohe Eisberge treiben friedlich ins Meer.

Eisberge

Eisberge

Island wird von Norwegen aus besiedelt. In Reykjavik, wo heute zwei Drittel der rund 300.000 Isländer leben, lässt sich als erster der Wikinger Ingolfür Arnarson nieder. Schon bald folgen andere. Island gilt als ein Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten. In Norwegen ist der Raum zum Siedeln begrenzt, außerdem toben Machtkämpfe. Arnarsons Sippe errichtet die erste Siedlung auf Island. Über deren Reste steht heute das Museum 871, plus / minus zwei, benannt nach dem ungefähren Jahr ihrer Gründung. Viel ist nicht übrig geblieben von den Behausungen.

Kein Wunder, die Bedrohungen in Island sind vielfältig: Erdbeben, Lava, Treibeis, Gletscher, bitterkalte Winter, Monate der Dunkelheit, Hunger und Armut. Islands Landschaft ist vulkanischen Ursprungs. Zahlreiche aktive Vulkane prägen das Bild ebenso wie Flüsse, Seen und die mächtigsten Wasserfälle Europas. Das Zentrum der Insel ist so gut wie unbewohnt. Besiedelt sind allein die Küstenregionen. Nur hier ist in begrenztem Umfang Landwirtschaft und Viehzucht möglich Die Leitungen transportieren heißen Dampf. Dank der über 700 Quellen ist Island in seiner Energieversorgung weitgehend autonom von Öl und Gas. 93 % der Haushalte werden mit heißem Wasser beheizt. Offensichtlich wird die Energie bei den Geysiren, wie dem Strokkur. Ein bizarres Theater der Erdkräfte. Die Luft riecht, durch frei werdenden Schwefel, nach faulen Eiern.

Die Bevölkerungszahl Islands wächst sehr schnell. Rund um die Insel werden bald regionale Versammlungsplätze, Thingstätten, gegründet. Anfang des 10. Jahrhunderts wird der Ruf nach einem gemeinsamen Thing, dem Althing laut.

Die Bauernführer schicken einen Gesandten nach Norwegen. Er soll sich dort mit Gesetzen und Bräuchen vertraut machen und Anregungen für ein gedeihliches Zusammenleben mitbringen. Als Ort für die zentrale Versammlung wird das heutige Thingvellir gewählt. Die Ebene am Fuße der Allmännerschlucht eignet sich gut für den Althing. Hier gibt es Weideland, Feuerholz und ausreichend Wasser.

Der Platz gehört einem Bauern, der seinen Sklaven getötet hat. Zur Strafe wird sein Land konfisziert und dem Thing unterstellt. 930 tritt unter freiem Himmel das erste gemeinsame Parlament, das Althing zusammen und markiert damit die Gründung des isländischen Staates. Auf dem Gesetzesberg trifft sich die Versammlung, angeführt vom Gesetzessprecher. Er rezitiert die, noch nicht schriftlich niedergelegten, Gesetze und leitet die Versammlung. Für drei Jahre gewählt, ist er der einzige bezahlte Diener des jungen Staates.

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Europa: Island

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Nationalpark Thingvellir, Island

Nationalpark Thingvellir, Island

Die Wikinger kamen von Norwegen nach Island. In Reykjavik, wo heute zwei Drittel der rund 300.000 Isländer leben, lässt sich als erster der Wikinger Ingolfür Arnarson nieder.

Mit über 700 heißen Quellen ist Island in seiner Energieversorgung weitgehend autonom von Öl und Gas. 93 % der Haushalte werden mit heißem Wasser beheizt.

Der bekannteste Geysir Islands ist der Strokkur. Seine Ausbrüche erfolgen regelmäßig im Abstand von 3 bis 5 Minuten. Bis in 30 Metern höhe schießt das heiße Wasser aus dem Geysir.

Gletscher, Vulkane und Küsten prägen Island. Die wilde Landschaft ist nur teilweise bewohnbar.

Das Zentrum der Islands ist so gut wie unbewohnt. Besiedelt sind allein die Küstenregionen. Nur hier ist in begrenztem Umfang Landwirtschaft und Viehzucht möglich

Durch die Christianisierung im Jahr 1000 kam das lateinische Alphabet nach Island. Von da an wurden Gesetze niedergeschrieben.

Auf Island stoßen die eurasische und die nordamerikanische Erdplatte aufeinander. Die "Grenze" zwischen den beiden Kontinenten ist eine fünf bis sechs Kilometer breite Zone, durchzogen von mehr oder weniger parallelen Klüften. Sie sind die Sollbruchstellen zwischen den Kontinenten.

Islands Küste beträgt fasst 5000 Kilometer. Fjorde prägen das Bild.

Island hat die mächtigsten Wasserfälle Europas.

Island hat viele karge, unbesiedelte Regionen. Landwirtschaft ist nicht überall möglich.

Noch heute bedecken zahlreiche Gletscher mehr als zehn Prozent der Oberfläche. Hier kalbt der Vatnajökull, fast so groß wie Korsika. Haushohe Eisberge treiben friedlich ins Meer.

Auf der Parlamentsversammlung ist der Gesetzessprecher die wichtigste Person, außerhalb hat er keine Macht. Sitz und Stimme haben die 48 Goden, die Häuptlinge Islands. An der Versammlung darf jeder teilnehmen und zuhören. Alle freien Bauern haben das Recht zu sprechen. Von 930 bis 1268, über 300 Jahre, ist diese Art von Parlament Islands wichtigste Institution. Dann verliert Island seine Unabhängigkeit zuerst an Norwegen, später an Dänemark. Erst 1944, in den Wirren des Zweiten Weltkriegs, erreicht Island erneut seine Freiheit. Die Feier findet in Thingvellir statt.

"Es wird eng auf dem Thing", so ein isländisches Sprichwort. Bis zu 4.000 Menschen kommen zusammen. Für viele ist es ein langer Weg. Eine Reise aus den östlichen Teilen der Insel nach Thingvellir dauert 17 Tage. Nicht nur Goden und Bauern kommen zum Althing. Torfstecher, Gerber, Bierbrauer und andere Handwerker ebenso wie Gastwirte, Bettler, Arbeitssuchende. Vierzehn Tage dauert die Versammlung. Buden werden errichtet, man amüsiert sich bei Spielen und Ringkämpfen. Geschichten werden erzählt, Neuigkeiten ausgetauscht, Ehen beschlossen. Übernachtet wird im Freien, in Zelten oder einfachen Hütten. Während des Things war Thingvellir der gesellschaftliche und politische Mittelpunkt Islands.

Im Jahre 1000 wird auf dem Althing über die Annahme des Christentums beraten. Aus den Islandsagas: "Am darauf folgenden Tag gingen Christen und Heiden zum Gesetzesberg und erklärten sich vom Glauben der anderen Partei ungebunden. Es herrschte so großer Lärm auf dem Gesetzesberg, dass keiner das Wort des anderen verstand." Ein Missionar deutscher Abstammung, hat sich beim König von Norwegen über die schlechte Behandlung in Island beklagt. Der droht mit einer Invasion, wenn sich die Bewohner nicht bald zum Christentum bekennen würden.

Der Konflikt wird durch einen Kompromiss gelöst. Der Gesetzessprecher der nichtchristlichen Asen soll eine Lösung suchen. Einen Tag und eine Nacht verbringt der Mann unter einem Fell. Dann verkündet er seine Entscheidung. Island soll das Christentum annehmen, doch die heidnischen Stämme dürfen weiter den Asen opfern, jedoch nicht in der Öffentlichkeit. Durch die unblutige Christianisierung kommt das lateinische Alphabet nach Island. Die Gesetze werden fürderhin schriftlich festgehalten. Durch die Schrift verbreiten sich bald auch die Literatur und die isländische Sprache.

Im Nationalpark Thingvellir, trifft Islands Geschichte auf Islands Geologie. Hier stoßen die eurasische und die nordamerikanische Erdplatte aufeinander. Die "Grenze" zwischen den beiden Kontinenten ist eine fünf bis sechs Kilometer breite Zone, durchzogen von mehr oder weniger parallelen Klüften. Sie sind die Sollbruchstellen zwischen den Kontinenten. Noch immer driften Amerika und Europa um etwa zwei Zentimeter pro Jahr auseinander. Auseinandergedrückt von der mit aller Kraft nach oben strebenden Magma im Inneren der Erde.

Thingvellir ist der zentrale Ort dieses Grabensystems. In Island kann man den Urgewalten bei der Arbeit zuschauen. Die Mechanik der Erde ist hier kaum verhüllt. Das Land ist eine ästhetische, todesverachtende Feier der Natur. Vielleicht glauben deshalb immer noch viele Isländer an die Existenz von Elfen - es gibt sogar einen offiziellen Beauftragten für Elfen und Trolle. Der achtet darauf, dass deren Wohnorte nicht zerstört werden.

Kein Zweifel, Islands Landschaft braucht die Menschen nicht. Aus unserer Sicht ist Islands Geschichte eine einzige Kette von Naturkatastrophen. 1783 sterben nach einem Vulkanausbruch fast 10.000 Menschen, ein Fünftel der damaligen Bevölkerung. 1996, nach einem Ausbruch auf dem Vatnajökull, werden weite Teile Südislands von hunderten Kubikmetern Eis, Schlamm und Wasser überschwemmt.

Wer wissen will, wie unser Planet entstanden ist, der muss nach Island kommen. Wir Menschen existieren in Island nur unter geologischem Vorbehalt. Jeden Tag zeigt die Natur unsere Grenzen und ihre wahre Macht. Island ist Paradies und Hölle zugleich.

Buch und Regie: Goggo Gensch

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack Thingvellir:
Philipp Noll



Buch und Regie: Goggo Gensch
Kamera: Burkard Kreisel

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