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Filmtext & Video

14:57 min | So, 13.10.2019 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Mtskheta: Historische Kirchen von Mtskheta, Georgien, Folge 280

SWR

Der Film führt nach Mtskheta, der alten Hauptstadt Georgiens. Sie gilt als heiligster und geschichtsträchtigster Ort des Landes. Hier entstanden die ersten Kirchen und von hier aus begann im 4. Jahrhundert die Christianisierung, um die sich - typisch georgisch - wundersame Geschichten ranken. Oft ist dabei von der kräuterkundigen Heilerin "Nino" die Rede, der auch eine Beteiligung am Bau der Kirchen nachgesagt wird.

Filmtext

"Damals lebte eine junge Frau in Georgien, die ein ehrbares Leben führte und ihrem Gott diente. Da sie Kranke heilen konnte, erweckte sie die Neugierde der Barbaren." So fangen die Geschichten an, die von der Christianisierung Georgiens erzählen. Und immer ist von dieser jungen Frau die Rede, die als "heilige Nino" verehrt wird. Bis heute! Und tatsächlich soll Nino im 4. Jahrhundert in Mtskheta gelebt haben.

Die Stadt innerhalb des Zusammenflusses von Kura und Aragwi gilt als geschichtsträchtigster und wohl heiligster Ort Georgiens. Alte Handelswege führten hier entlang, brachten Gold und Seide, Edelsteine und Gewürze. Mtskheta war "Hauptstadt" fast ein Jahrtausend lang. Heute wäre Mtskheta ein unbedeutendes Dorf, gäbe es nicht die alten Kirchen und Klöster. Und um alle ranken sich "Nino-Geschichten".

Die Sweti-Zchoweli-Kathedrale. Beim Bau bat Nino einen Engel um Hilfe. Die Dschvari- Kirche. Nino ließ dort ein großes Kreuz errichten. Und hier, in Sichtweite fast, soll die hl. Nino gelebt haben. Eine kleine Kuppelkirche ist nach ihr benannt. König Mirian soll sie an der Stelle errichtet haben, wo Nino betete und wirkte. Nino war eine kräuterkundige Heilerin. Die todkranke Königin Nana ließ sich zu ihrer Hütte tragen und wurde nach einem Gebet bald geheilt. König Mirian wollte Nino mit Gold und Silber belohnen. Doch sie verwies auf ihren Gott, der ihr die Kraft zur Heilung gegeben hat.

Daraufhin machte König Mirian das Christentum zur Staatsreligion.

700 Jahre später wurde um Ninos Kapelle das Kloster Samtawro gegründet. Seine "Erlöserkirche" gehört zu den prächtigen Kreuzkuppelkirchen, die in der damaligen Blütezeit Georgiens überall im Land gebaut wurden. Heute hat das Kloster Zulauf fast wie in alten Zeiten. In der Sowjetzeit wurden Gläubige verfolgt. Die georgische Kirche fristete nur noch ein Schattendasein. Jetzt suchen immer mehr junge Frauen im Kloster eine Lebensperspektive.

Einen Ort der Zuflucht in unsicheren Zeiten. In Georgien verehrt man wundertätige Ikonen und Kreuze, schätzt geheimnisvolle Geschichten. So ist es kein Wunder, dass sich um die Hauptkathedrale der georgischen Kirche bis heute Legenden ranken. Beim Bau der Sweti- Zchoweli- Kathedrale soll sogar ein Engel geholfen haben. "Sweti- Zchoweli", das heißt "lebende Säule" und erinnert an ein Ereignis beim Bau der Kirche: Als Nino im 4. Jahrhundert Königin Nana geheilt und zum Christentum bekehrt hatte, wollte König Mirian ihr zum Dank ein besonderes Denkmal setzen: Eine prächtige Kirche. Aber eine als "Säule" vorgesehene Zeder ließ sich nicht fällen. Erst nach langen Gebeten erschien ein Engel, hob die Arme und der Baum stellte sich an den vorgesehenen Platz. Tatsächlich hat man beim Bau der Steinkirche Überreste jener Holzkiche gefunden, die damals gebaut wurden. Aber was hatte es mit dieser Zeder auf sich? Auch dazu eine Geschichte:

Als man in Jerusalem über Jesus zu Gericht saß, ging auch Elias aus Mtskheta dahin, um für Jesus zu sprechen. Er kam zu spät. Jesus war bereits gekreuzigt. Elias kehrte mit dessen Leichenhemd zurück und gab es seiner Schwester Sidonia. Die drückte das Hemd an sich und verstarb. Aber aus ihrem Grab wuchs eben jene Zeder, die sich 300 Jahre später nicht fällen ließ. Und die Sweti-Zchoweli Kirche ist also über dem Leichenhemd Christi gebaut worden.

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Asien: Georgien

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Heute wäre Mtskheta ein unbedeutendes Dorf, gäbe es nicht die alten Kirchen und Klöster. Und um alle ranken sich "Nino-Geschichten", wie beispielsweise die Sweti-Zchoweli-Kathedrale.

Heute wäre Mtskheta ein unbedeutendes Dorf, gäbe es nicht die alten Kirchen und Klöster. Und um alle ranken sich "Nino-Geschichten", wie beispielsweise die Sweti-Zchoweli-Kathedrale.

Seit der Unabhängigkeit Georgiens 1991 erlebt die orthodoxe georgische Kirche eine Renaissance. Sie ist wichtig für die Identität aller Georgier, stärkt ihr Nationalgefühl.

"Damals lebte eine junge Frau in Georgien, die ein ehrbares Leben führte und ihrem Gott diente. Da sie Kranke heilen konnte, erweckte sie die Neugierde der Barbaren." So fangen die Geschichten an, die von der Christianisierung Georgiens erzählen. Und immer ist von dieser jungen Frau die Rede, die als "heilige Nino" verehrt wird. Bis heute!

In Georgien verehrt man wundertätige Ikonen und Kreuze, schätzt geheimnisvolle Geschichten.

Oder die Dschvari-Kirche in der die heilige Nino ein großes Kreuz errichten ließ.

Seit der Unabhängigkeit Georgiens 1991 erlebt die orthodoxe georgische Kirche eine Renaissance. Sie ist wichtig für die Identität aller Georgier, stärkt ihr Nationalgefühl.

Die 1000 Jahre alte Kathedrale wurde mehrmals durch Kriege und Erdbeben zerstört, aber die Georgier bauten ihr Nationalheiligtum immer wieder auf. Schmückende Bandornamente symbolisieren die Unendlichkeit göttlicher Verheißung. Und immer wieder "Pfauen". Ihre stilisierten Schwanzfedern stehen für die 12 Apostel oder die 13 syrischen Väter. Das waren Wandermönche, die Georgien missioniert haben. Erlösung verheißt der reiche Skulpturenschmuck an den Außenwänden. Bildergeschichten: Der Heilige Georg, Weinranken , Paradiesvögel... Auch der Baumeister Arsukidse hat sich verewigt. Sein Meister soll ihm die rechte Hand abgehackt haben. Aus Neid über sein Können.

All diese Pracht ist umgeben von einer wehrhaften Ummauerung : 5 Meter hoch, zinnenbewehrt. Im 18. Jahrhundert baute man die georgischen Kirchen und Klöster zu Wehranlagen aus. Die fruchtbare Gegend, die Lage zwischen Orient und Okzident, die alten Handelswege brachten nicht nur Reichtum und Wohlstand. Völker zogen durch, eroberten: Perser, Araber, Mongolen, Türken und schließlich die Russen. Allen widerstand die hoch über Mtskheta gelegene Dschwari-Kirche. Dschwari heißt Kreuz. Nino soll damals ein riesiges Holzkreuz errichtet haben, als weit sichtbares Zeichen für den Sieg des Christentums. Die kleine Kreuzkuppelkirche entstand schon um 600. Sie war Vorbild für viele Kirchen in Georgien. Die Kuppelwölbung sollte den Himmel und damit die "Wohnung" Gottes symbolisieren. Auf dem mächtigen Steinsockel stand wohl schon jenes Holzkreuz, das Nino aufstellen ließ.... Die 1400 Jahre haben Spuren hinterlassen. Seit der Aufnahme in die Welterbeliste der Unesco, kann man mit dem Geld die Dschwari - Kirche erstmals originalgetreu renovieren.

Das Kreuz gilt als Symbol des paradiesischen Lebensbaumes. Das macht es für Georgier so bedeutsam. Denn Bäume werden hier seit Alters her verehrt.

Oft werden sogenannte "Wunschbäume" mit Stoffresten geschmückt. Jedes Fähnchen ein Wunsch, eine Bitte, vielleicht ein Schicksal.

Die georgische Kirchengeschichte erlaubt eigentlich keine Zweifel: Georgien wurde durch Laienpriester aus Armenien christianisiert. Doch das konnten die stolzen Georgier nicht zulassen, als sie mit dem Nachbarn im Streit lagen. Dann wollten sie doch lieber von einer Frau bekehrt worden sein. Und so kamen ihnen die Legenden von der "heiligen Nino" gerade recht.....

Auch über die Schönheit ihres Landes erzählt man sich Geschichten: Nachdem Gott die Welt geschaffen hatte, rief er alle Völker zu sich, um Land zu verteilen. Die Georgier kamen zu spät. Sie hatten in der Sonne gefaulenzt. Doch anstatt zu klagen, begannen sie zu singen und zu tanzen. Das bereitet dem Schöpfer so viel Freude, dass er dem lebensfrohen Volk den Winkel der Erde gab, den er für sich selbst reserviert hatte. Und so kamen die Georgier zu ihrem kleinen "Garten Eden" auf Erden.......

Buch und Regie: Reinhild Dettmer-Finke

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack Mtskheta:
Axel Schmidt, Frank Droll (Wakanoa)


Buch und Regie: Reinhild Dettmer-Finke
Kamera: Thomas Ch. Weber

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