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SENDETERMIN So, 7.7.2019 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

Nordamerika: USA Mesa Verde

Der Geist der Anasazi

Steinerne Städte voller Geheimnisse und spektakulär in die Felswände eines Bergmassivs hineingebaut - das ist Mesa Verde. Der Name "Grüner Tisch" stammte von den ersten spanischen Einwanderern. Sie charakterisierten damit treffend die Tafelberge des Hochplateaus im Westen der USA.

Cliff Palace

Cliff Palace

An einem kalten Dezembertag im Jahr 1888 entdeckten zwei Cowboys - auf der Suche nach entlaufenen Rindern in Mesa Verde - Pueblosiedlungen, in denen einst Hunderte von Indianern gelebt haben mussten. Doch wo waren die Bewohner? Erst Wissenschaftler gelang es das Rätsel zu lösen. Die geheimnisvollen Bauwerke wurden einem, bis dahin ebenso geheimnisvollen Indianerstamm zugeschrieben, dessen Name "Anasazis" nur aus Legenden bekannt war. Die "Ahnen" oder "ehrwürdigen Alten" sollten sich vor über 1400 Jahren auf der fruchtbaren Hochebene niedergelassen - und eine, im Norden Amerikas völlig untypische - fast städtische Kultur entwickelt haben.

Zunächst noch verschlungen - wurden die Schalen, Töpfe und Schüsseln später glattgestrichen und mit den, für die Anasazi charakteristischen Designs verziert.

Die Schalen mit den charakteristischen Designs ...

Ob in ihrem sozialen Gefüge, der Architektur, oder ihren Kunstwerken, in allen Bereichen schienen sie, den zur gleichen Zeit durch das Land ziehenden Nomadenstämmen, weit überlegen. Vor allem in ihrer Töpferkunst zeigten die Anasazis eine faszinierende Formensprache, die gleichzeitig so revolutionär und einfach war, dass sie sogar noch heute ungewöhnlich modern wirkt. Die Ornamentik - meist nur schwarz-weiß, schien die harten Lichtkontraste in den Siedlungen und Canyons zu spiegeln. Nach einer langen Blütezeit von fast 700 Jahren verließen die Anasazis um 1200 plötzlich ihre Siedlungen in Mesa Verde und über die Gründe für diesen plötzlichen Exitus wird auch heute noch spekuliert.

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass im Untergang dieses Indianerstammes auch das Geheimnis des Erhalts seiner Siedlungen steckte. Hätten die Anasazis in Mesa Verde ihren Traum von einer sesshaften und blühenden Gemeinschaft verwirklichen können, wären sie von den Einwanderern aus Europa genauso gnadenlos bekämpft worden, wie alle anderen Stämme des nordamerikanischen Kontinents. So blieben ihre Bauten aber jahrhundertelang vergessen und zeugen auch heute noch von ihrer einmaligen und unvergleichlichen Kultur.


Kulturdenkmal: Nationalpark seit 1906, 600 sogenannte "Klippenwohnbauten"
Unesco-Ernennung: 1978
Um 750
Beginn der Anasazi- oder Pueblo-Kultur
Um 1150
Anlage von Wohnbauten in Kavernen und unter Felsüberhängen
Um 1200
Anlage größerer Wohnkomplexe in den Cliff und Fewkes Canyons mit 33 Baukomplexen für bis zu 800 Einwohner
1277
Erweiterung von Mug House auf 94 Räume und 8 Ritualkammern
1874
im Auftrag von U.S. Geological and Geographic Survey of the Territories erste photographische Aufnahmen der Klippensiedlungen
1890
Charles Mason und die Gebrüder Wetherill entdecken Mug House

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