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Filmtext & Video

14:12 min | Sa, 31.3.2012 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Marrakesch, Marokko, Folge 68

SWR

Marrakesch, die Stadt der Berber und Normaden, gilt als Schönste Marokkos. Im Zentrum der Altstadt von Marrakesch liegt die Djemaa el Fna. Noch am Anfang dieses Jahrhunderts wurden hier die Köpfe der Hingerichteten zur Schau gestellt. Heute wartet der Platz der Gehenkten mit anderen Vergnügungen auf. Frühmorgens dient er als Markt. Den Gauklern und Artisten bietet er tagsüber eine Arena und abends wird er zum riesigen Freiluftrestaurant. Vom Markt führt der Weg zur Medrassa Ben Youssef, einer Koranschule aus dem 14. Jahrhundert und zum Palais de la Bahia, dem Königspalast mit seinem prachtvollen Harem.

Filmtext

Marrakesch. Früher Morgen. Die Djemma el Fna, im Herzen der Stadt, liegt noch fast wie im Schlaf. Nur die verzweifelt Verliebten holen sich schlaflos vermeintlich besseren Rat. Bald schon wird aber der Platz der Gehenkten von geschäftigem Treiben erfüllt sein.

Auch die Madrasa Ben Jussef würde zum Leben erwachen. Wäre sie heute nicht gänzlich verwaist. Koranschüler würden, wie Schatten vergangener Zeit, die Zellen verlassen und gingen durch Gänge, eng und verwinkelt, um im Gebet Gott zu lobpreisen, als Einen, als ewig Reinen, als groß und als gut.

Vom Sultan Abou el Hassan, der auch der "Schwarze Sultan" genannt wird, Mitte des Vierzehnten Jahrhunderts gegründet, war die Koranschule 600 Jahre lang ein Ort des Gebets, der Unterweisung, eine Art Internat, Schule und Kloster zugleich, mit zeitweise bis zu 900 Schülern. Seit 1960 ist die Madrasa Ben Jussef nur noch ein Museum.

Verschwiegen harrt der Bahia-Palast des Erwachens. Erschöpft und ermattet hängt noch die Nacht erinnerungstrunken in duftenden Zweigen. Hier war einst ein Harem. Hoffnung, Triumph und Enttäuschung liegen noch heute, wie Tau längst vergangener Zeit, auf den Fliesen aus Marmor. Des Sultans Großwesir indessen, um dessen nächtliche Gunst die Haremshoffnungen kreisten, - er zöge sich jetzt, ruhebedürftig womöglich, zurück in sein eigenes Reich, das für jegliches weibliche Wesen tabu ist.

Nicht einmal seine Lieblingsfrau, der der Palast seinen Namen verdankt, Bahia, hätte dort Zutritt. Er dächte vielleicht, bevor ihn der Schlaf übermannt, an die Kosten des Baus und die endlose Zeit, sieben Jahre, die es brauchte, um ihn zu errichten.

Mittag. Dieselben Gesichter. Die gleichen Geschichten. Touristen schlängeln sich über den Platz. Leichte Beute den Beutelbeschwörern.

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Marrakesch - Perle des Südens

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Der Bahia Palast - einst Harem des Großwesirs. Dessen Lieblingsfrau war die Namensgeberin.

Der Bahia Palast - einst Harem des Großwesirs. Dessen Lieblingsfrau war die Namensgeberin.

Der Königspalast - hier weilt Marokkos Königsfamilie, wenn sie sich in Marrakesch aufhält.

Prachtvolle Räume im Innern des Palastes. Sie dienen repräsentativen Zwecken.

1870 ließ Sultan Mohammed der Zweite in den Menara-Gärten vor den Toren der Stadt am Rande eines riesigen Wasserbeckens einen Pavillon errichten mit nur einem einzigen Raum im ersten Stock. Ein Liebesnest.

Störche auf dem El Badii Palast - ein beliebtes Fotomotiv für Touristen.

Der El-Badii-Palast war eine der prächtigsten Palastanlagen des Maghreb. In den Ruinen findet jährlich ein Folklore-Festival statt.

Am Abend gehört der Platz der Gehenkten dem Volk. Wo einst auf Spießen die Köpfe der Gerichteten ausgestellt wurden, speisen die einfachen Leute und feiern, wenn keine Touristen mehr stören, ihr tägliches Fest.

Des heutigen Königs Palast liegt wie meistens verlassen. Hierher setzt keiner den Fuß, der wie wir zu den einfachen Menschen gehört. Staatsgäste ja, Bittsteller manchmal, niemals Touristen. Traurige Diener folgen uns träge auf Schritt und auf Tritt, begleiten mit Argwohn jede unserer Gesten. Als würden wir nicht nur mit unseren Augen zu stehlen versuchen.

Diese Räume haben bisher nicht Viele zu sehen bekommen. Erwartungsvoll prunken sie für sich allein vor sich hin. Der König kann jederzeit kommen. Der Garten, in den sich der König zurückzieht mit seiner Familie, wenn er in Marrakesch weilt. Privatestes Reich. Wir sind die Ersten und Einzigen, denen königliche Gnade hier einen Einblick gewährt. Neben den Störchen. Die sie nicht brauchen.

Am Abend des Lebens trifft uns der Tod. Mancher wird da von selber vergessen und Mancher, der vergessen sein soll, erhält sich erst recht im Gedächtnis. Aus Hass auf den Sultan Ahmed el Mansour ließ sein Nachfolger Moulay Ismail alle seine Paläste zerstören. Das Grab des Gehassten dem Erdboden gleich zu machen, davor schreckte Ismail zurück, aber er ließ es mit hohen Mauern umschließen, auf dass kein Lebender mehr und kein Toter den Weg hinein fände und keine Spur des Gedenkens heraus. Auf diese Weise erhielt sich das Grab unzerstört bis auf den heutigen Tag.

Am Abend gehört der Platz der Gehenkten dem Volk. Wo einst auf Spießen die Köpfe der Gerichteten ausgestellt wurden, speisen die einfachen Leute und feiern, wenn keine Touristen mehr stören, ihr tägliches Fest.

1870 ließ Sultan Mohammed der Zweite in den Menara-Gärten vor den Toren der Stadt am Rande eines riesigen Wasserbeckens einen Pavillon errichten, mit nur einem einzigen Raum im ersten Stock. Wozu der diente, kann man sich denken.

Da der Sultan in seinem Liebesnest, das er fast täglich mit einer neuen Geliebten aufsuchte, nur Jungfrauen duldete, soll er, so sagt man, nach vollzogener Liebesnacht seine Gespielin, da sie nun nicht mehr jungfräulich war, ins Wasser geworfen haben. Ob die vom Sultan Verworfenen des Schwimmens mächtig den Rand des Beckens erreichten, ob von wilden Tieren Gefahr ihnen drohte - das trübe Gewässer hüllt sich in Schweigen.

Buch und Regie: Josef Becker

Filmmusik & Stab

Rabih Abou-Khalil
Tarab: After Dinner Take 2
Georg Friedrich Händel
Flavio: Ouverture, Take 8
Ensemble 415, Rene Jacobs
Claudio Monteverdi
L'Orfeo: Ritornello, Take 2
Concerto Vocale, Rene Jaobs
Rabih Abou-Khalil
Blue Camel: Sahara, Take 1
Büdi Siebert
Schätze der Welt/Eigenkomposition I
Rabih Abou-Khalil
Blue Camel: Sahara
Rabih Abou-Khalil
Blue Camel: Sahara
Claudio Monteverdi
L'Orfeo: Toccata, Take 1
Concerto Vocale, Rene Jaobs
Rabih Abou-Khalil
Blue Camel: Rabou-Abou-Kabou, Take 7
Henry Purcell
Music for the Funeral of Queen Mary-March
Monteverdi Orchestra, John Eliot Gardiner
Rabih Abou-Khalil
Blue Camel: Rabou-Abou-Kabou
Georg Friedrich Händel
Giulio Cesare: Priva son d'ogni conforto
Bernarda Fink, Concerto Köln, Rene Jacobs
Rabih Abou-Khalil
Blue Camel: Rabou-Abou-Kabou

Buch und Regie: Josef Becker
Kamera: Holger Schüppel

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