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Filmtext & Video


Filmtext

Damals bin ich die Treppe der Erde emporgestiegen zwischen grausem Gestrüpp verlorener Wälder bis zu Dir, Machu Picchu.

Hohe Stadt aus stufigem Gestein. In dir wiegte sich wie zwei parallele Linien des Blitzes und des Menschen Wiege in einem Dornenwind. Mutter des Steins, Schaumkrone des Kondors."

Hoch über Wolkentürmen, geheimnisvoll und weltentrückt: Machu Picchu.

Kein Bericht kündete von dieser Stadt. Kein Europäer, auch kein spanischer Eroberer hatte je den Weg durch das wilde Urubambatal gefunden. - An einem Julitag des Jahres 1911 bahnte sich der amerikanische Archäologe und Historiker Hiram Bingham, im Geleit eines eingeborenen Führers, als erster den Weg über zugewachsene Inka-Pfade, an steilen Berghängen entlang. Auf der Gipfelhöhe fand er die damals vom Dschungel überwucherten Ruinen einer längst verlassenen Stadt.

War dies das lang gesuchte Vilcabamba, wohin die Inka ihren Goldschatz vor den eindringenden Spaniern in Sicherheit gebracht hatten? Es wurde kein einziger goldener Gegenstand gefunden. Niemand weiß, wer hier gewohnt hat und warum die Stadt verlassen wurde.

Sicher ist:

Machu Picchu, "Alter Berg", wie nach Bingham das Gebiet und die Stadt genannt werden, wurde Mitte des 15. Jahrhunderts gebaut. Es war die Blütezeit der Inkakultur und des Inkareiches.

Machu Picchu wurde bis ins letzte Detail geplant. In ihrer architektonischen Anlage spiegelt sich die dreiteilige gesellschaftliche Struktur wieder: Auf der einen Seite die Häuser der Adligen mit dem Palast und den Tempeln, dann - durch den Hauptplatz getrennt - die Viertel der Gelehrten und Handwerker. Darunter im Süden die Häuser und Terrassen der Bauern, mit den Vorratskammern und Ställen.

Die Städte der Inka waren hierarchisch geordnete Gebilde, außen wie innen.

Im Stadtgebiet von Machu Picchu gab es Steinbrüche, aus denen die Inka die zum Bauen verwendeten Steine herausgebrochen haben. Es gab regelrechte Bauhütten mit Architekten, Baumeistern, erfahrenen Bauarbeitern und Hundertschaften von Arbeitern - so, wie man es von den Dombauhütten des Mittelalters kennt. An den Inka-Häusern lassen sich auch Standesunterschiede ihrer Bewohner ablesen.

Im Gegensatz zu den Häusern der Handwerker sind die Mauern im Gelehrtenviertel und vor allem im Palast und Tempel von unglaublicher handwerklicher Präzision. Stein für Stein wurde millimetergenau bearbeitet. Die inkaische Baukunst mit ihrem fugenlosen Mauerwerk gilt bis heute als unübertroffen.

Versuch einer Rekonstruktion: Die Giebeldächer waren mit Stroh gedeckt, das auf Holzbalken lag. Die Balken wurden mit Pflanzenschnüren an Steinstützen befestigt.

Die landwirtschaftlichen Terrassen: Sie wurden mit Erde gefüllt, die man aus dem fruchtbaren Urubambatal heraufschaffte. Sie heißen "andenes", daher der Name des Gebirgsmassivs "Anden". Die Abstufungen erleichterten die künstliche Bewässerung und verhinderten das Abschwemmen des wertvollen Mutterbodens.

Für die Ernährung der Gesamtbevölkerung von Machu Picchu haben diese Terrassen wahrscheinlich nicht ausgereicht. In einem Umkreis von fünf Kilometern hat man zahlreiche Plätze gefunden, die ausschließlich der Landwirtschaft gedient haben. Die Bauern, die dort wohnten, müssen "mitmas" gewesen sein, Angehörige unterworfener Indianerstämme, die von den Inkas zwangsumgesiedelt wurden.

Diese rekonstruierten Häuser waren Vorratskammern. Daneben befanden sich Ställe für Lamas, die für den Transport der Ernte eingesetzt wurden. Das Wasser wurde aus den Bergen in die Stadt heruntergeleitet. Das Bewässerungssystem der Inka funktioniert heute noch wie vor 500 Jahren.

Binghams Ausgrabungen brachten nicht nur Erkenntnisse über die Lebensweise der Inka, sondern gaben auch neue Rätsel auf. Der sogenannte "Saal der Mörser" beispielsweise könnte astronomischen Zwecken gedient haben. Die ausgehöhlten Steine waren zu bestimmten Zeiten mit Wasser gefüllt. Durch die Lage der Fenster und mit Hilfe der Sonneneinstrahlung konnten Berechnungen für die Landwirtschaft gemacht werden.

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Südamerika: Peru

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Im Jahre 1911 bahnte sich amerikanische Archäologe und Historiker Hiram Bingham als Erster einen Weg durch das wilde Urubambatal und fand auf dem Gipfel die Ruinen einer längst vergessen Stadt.

Im Jahre 1911 bahnte sich amerikanische Archäologe und Historiker Hiram Bingham als Erster einen Weg durch das wilde Urubambatal und fand auf dem Gipfel die Ruinen einer längst vergessen Stadt.

Auf einem schmalen Gebirgsstock haben die Inka eine Stadt angelegt, die von keinem Punkt des Tales aus zusehen ist.

Der Sonnentempel ist ein Meisterwerk der Inka-Architektur. Durch das Halbrund des Turms konnten die Priester astronomische Beobachtungen anstellen, die Sonnenwende ermitteln oder den genauen Sonnenstand feststellen. Sonne und Mond standen im Mittelpunkt aller Kulthandlungen der Inka.

Machu Picchu wurde bis ins letzte Detail geplant. In ihrer architektonischen Anlage spiegelt sich die dreiteilige gesellschaftliche Struktur wieder: Auf der einen Seite die Häuser der Adligen mit dem Palast und den Tempeln, dann die Viertel der Gelehrten und Handwerker. Darunter die Häuser und Terrassen der Bauern, mit den Vorratskammern und Ställen.

Die Mauern im Palast, Tempel und Gelehrtenviertel sind von unglaublicher handwerklicher Präzision. Stein für Stein wurde millimetergenau bearbeitet. Die inkaische Baukunst mit ihrem fugenlosen Mauerwerk gilt bis heute als unübertroffen.

Die Steine, die die Inkas zum Bauen verwendet haben, kamen aus Steinbrüchen, die innerhalb der Stadtgebiets lagen.

Die verschiedenen, streng voneinander getrennten Stadtviertel waren durch eine Vielzahl von Treppen miteinander verbunden.

Die landwirtschaftlichen Terrassen wurden mit Erde gefüllt, die man aus dem fruchtbaren Urubambatal heraufschaffte. Die Abstufungen erleichterten die künstliche Bewässerung und verhinderten das Abschwemmen des wertvollen Mutterbodens

Man vermutete, dass Machu Picchu das lang gesuchte Vilcabamba war, wohin die Inka ihren Goldschatz vor den eindringenden Spaniern in Sicherheit gebracht hatten. Tatsächlich wurde hier kein einziger goldener Gegenstand gefunden.

Inka-Webarbeit

Auf einem steilen Gebirgsstock haben die Inka eine Stadt angelegt, deren einziger Zugangsweg, ein schmaler Pfad, wohl schon zu spanischer Zeit durch einen Bergrutsch versperrt war.

Eine zweite Theorie besagt, dass Priesterinnen in den Mörsern Pflanzen und Mineralien zerstampft hatten, um Farben zur Bemalung der Webstoffe und Gefäße zu gewinnen.

Ob in Machu Picchu je ein Inka-Herrscher regiert hat, ist unbekannt. Das Wort "Inka" bedeutet "der Einzige", der "Sohn der Sonne". Gold und Silber, für die Inka die Tränen der Sonne und des Mondes, haben oft sakralen Charakter. Die Kultgegenstände zeugen vom hohen Niveau des inkaischen Kunsthandwerks.

Zurück zum "Saal der Mörser". Die Einheimischen erzählen sich über ihn noch eine andere Geschichte: Die beiden wassergefüllten Mörser sollen demnach an zwei große offene Augen erinnern, die sich nach Sonne und Himmel sehnen.

Die verschiedenen, streng voneinander getrennten Stadtviertel waren durch eine Vielzahl von Treppen miteinander verbunden.

Der sogenannte "Kondorstein" zeigt einen Vogelkopf mit Schnabel. Die beiden Felsen dahinter stellen die Flügel dar. Die Rinne unterhalb des Schnabels könnte ein Ablaufkanal für das Blut geopferter Tiere gewesen sein. Für die Inka war der Kondor das Symbol der Freiheit - der Luft.

Der "Sonnentempel" ist ein Meisterwerk der Inka-Architektur. Er wirkt in den Felsen hineingesetzt wie das Nest eines Kondors. Durch das Halbrund des Turms konnten die Priester astronomische Beobachtungen anstellen, die Sonnenwende ermitteln oder den genauen Sonnenstand feststellen, der bei sakralen Handlungen eine wichtige Rolle spielte. Sonne und Mond standen im Mittelpunkt aller Kulthandlungen der Inka. Die halbkreisförmige Mauer schließt einen behauenen Granitstein ein, der einem Altar gleicht und sicher als Opfertisch gedient hat.

Unterhalb des großen Felsens, auf dem der "Sonnentempel" thront, befindet sich eine Höhle, die als königliches Grab oder Mausoleum gedeutet wurde. Archäologen glauben, dass hier die Mumie einer großen Persönlichkeit aufbewahrt wurde, vielleicht ein Inka-Herrscher?

Im Osten außerhalb der Stadt: der Zeremonienstein mit den drei Stufen: Eine für den Himmel - den Sitz der Götter, die zweite für die Erde, die "Pachamama", die dritte für die unterirdische Welt, wohin alles Leben zurückkehrt. Nach den Vorstellungen der Inka blieb die Seele des Menschen nach dem Tod unlösbar mit der Gestalt verbunden, solange der Körper erhalten blieb. Deshalb wurden die Toten aus der Adels- und Priesterklasse mumifiziert.

Die Mumifizierung geschah durch starke Sonneneinstrahlung am Tage und die kühlen Winde der Nacht, hier auf dem Zeremonienstein.

In der Mitte von Machu Picchu liegt der Palast, das politische Zentrum der Stadt. Die Kostbarkeit und Schönheit der Steinmauern zeigen an: Hier herrschte das Priestertum und der Adel. Heute weiß man, dass die Blöcke mit Hilfe von Bronze- und Steinwerkzeugen behauen und die einzelnen Stück aneinander gerieben wurden, bis sie schließlich wie ein Puzzle zusammenpassten. Typisch für die Inka-Architektur sind die trapezförmigen Tür- und Fensteröffnungen. Sie dienten der Statik der Durchgänge, die von zum Teil tonnenschweren Monolithen abgeschlossen werden.

Der "Heilige Platz", eine quadratische Fläche, wird auch das "Gehege der Sonne" genannt. Im Süden steht das "Haus des Priesters". Im Osten der "Tempel der drei Fenster". In ihnen spiegelte sich für die Inka die Unendlichkeit wieder. Im Norden erhebt sich der Haupttempel mit einer offenen Vorderseite.

Hinter dem Haupttempel der sogenannte "Zeremoniensaal". Die Innenwände haben 13 Nischen. Es wird vermutet, dass hier das Orakel befragt wurde, um den Rat der Götter einzuholen. Wer in eine dieser Nischen hineinspricht, hört seine Stimme, auf wundersame Weise verstärkt, überall im Raum.

Religiöser Mittelpunkt in Machu Picchu ist der Hügel, auf dem man sich vor der Sonne verneigte, der "Intihuatana".

Herzstück ist ein sakraler Stein, der einer Sonnenuhr ähnelt. In der Inka-Sprache bedeutet "Intihuatana" "der Ort, an dem man die Sonne fesselt".

Astronomen, Priester und Lehrer benutzten die Sonnenuhr, um den Sonnenlauf während des Jahres, die Monate und die Zeit zu berechnen. Wie, nach welchen astronomischen Methoden, ist uns nicht bekannt.

Das Ende von Machu Picchu ist bis heute ungeklärt. Mit dem Zusammenbruch des Inkareichs war vermutlich auch der Untergang dieser Stadt unabwendbar. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis der Urwald sich über die Häuser, Tempel und Mauern ausbreitete. Die Inka-Stadt Machu Picchu fiel in einen 300jährigen Schlaf.

Buch: Gustav-Adolf Bähr

Regie: Peter Wendt

Filmmusik & Stab

Musik:
Schätze der Welt I - Vor- und Abspann:
Büdi Siebert
Soundtrack Machu Picchu:
Trio: Pachatusan Inkari, Eber Almonacid, Raul Edgar Apaza + Manuel Cule Jurado


Buch und Regie: Gustav-Adolf Bähr und Peter Wendt
Kamera: Peter Wendt

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