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SENDETERMIN So, 7.4.2019 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

Europa: Spanien Las Medulas und seine Goldminen

Zerstörung als Schöpfung

Der erste, faszinierende Eindruck: Die Farbe Rot. Seltsam geformte, rotleuchtende Bergspitzen stechen in den blauen Himmel Nordwest Spaniens. Eine bizarre Formenwelt ragt aus der gebirgigen Landschaft Kastilien-Leons: 'Las Médulas', ein Naturschatz als Welterbe der UNESCO.

Ein natürlich entstandener Bogen im Felsgestein von Las Medulas

Weltkulturerbe: Las Medulas

Ein seltsames Naturphänomen, denkt der ahnungslose Besucher, doch er steht vor einem Kunstwerk von Menschenhand, eigentlich einem Werk der Zerstörung. Nicht natürliche Erosion hat die merkwürdigen Kegel und Spitzen aus einem Gemenge von roter Erde, Steinen und Fels geschaffen, sondern menschlicher Erfindungsreichtum. High Tech vor zweitausend Jahren.

Sprengen mit Wasserkraft

'Ruina Montium' nannten die Römer die Bergbautechnik, mit der sie Berge in der eroberten Provinz Terraconensis durch Wasserkraft sprengten, um an die goldhaltigen Schichten zu gelangen. Wie mit Maulwurfsgängen wurde die Erde durchhöhlt.

Asturier im Dienst des Imperium Romanum gruben Tunnel und Schächte, in die zerstörerischen Wassermassen geleitet wurden.

Büsche und Sträucher im Schatten der Berge von Las Medulas

Weltkulturerbe: Las Medulas

Ob der Geschichtsschreiber Plinius übertrieb, als er notierte: 'Was in Las Médulas geschieht, übersteigt das Werk von Giganten. In die Berge werden Gänge und Stollen gegraben...monatelang sehen die Bergleute keine Sonne und viele von ihnen sterben in den Tunneln'?

Jedenfalls geschah dies 'Gigantenwerk', um den Bedarf und die Gier der römischen Herren nach dem Edelmetall, aus dem sie ihre Münzen prägten, und Schmuck fertigen ließen, zu sättigen.

Zugängliches Kunstwerk

Was wir heute sehen, blieb stehen, wenn der Druck der Wassermassen die Berge nicht vollständig zerreißen konnte, und es wirkt oft wie ein abstraktes Kunstwerk. Doch es ist ein zugängliches Kunstwerk mit Wanderwegen.

Wer durch die Schluchten, in denen die knorrigen Stämme der zahlreichen Esskastanien ebenfalls wie Kunstwerke erscheinen, den Windungen der Pfade folgt, bei dem erwacht Abenteuerlust.

Die gleiche kindliche Neugier, die ein Mädchen und zwei Jungen beseelt, denen die Kamera des SWR auf ihrer Entdeckungsreise in die geheimnisvollen Höhlen und unheimlichen Gänge unauffällig folgt.

Und wer noch Atem hat, um die steilen Wege zur Aussichtsplattform Mirador zu bewältigen, den erwartet bei Morgengrauen ein überwältigender Eindruck, wenn das erste Licht die Bergspitzen trifft, und wie die ungeschliffenen Perlen einer rot glühenden Korallenkette leuchten lässt.

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Europa: Spanien

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Las Medulas: Zu Natur gewordene Erinnerung an die Mühsal des römischen Bergbaus. Namenlos die Menschen, die die gefährliche Arbeit im Berg verrichten mussten.

Las Medulas: Zu Natur gewordene Erinnerung an die Mühsal des römischen Bergbaus. Namenlos die Menschen, die die gefährliche Arbeit im Berg verrichten mussten.

Das strahlende Sonnenlicht Spaniens lässt die roten Tonsteinberge erglühen.

Las Medulas ist geprägt von unterirdischen Stollen, Türmen und Schluchten aus rotem Tongestein, die von Edelkastanien gesäumt werden. Über 100 m hohe Berggipfel führen zum Zentrum der Goldvorkommen, der Cueva Encantada (Verzauberte Höhle) und der Cuevona.

Neben Plinius überliefert auch Diodor Details aus dem antiken Bergbau. So scheinen die Arbeiter in den Minen von Spanien zur Zeit der Römer durchaus nicht nur billige Sklaven ohne jede Vorkenntnis gewesen zu sein. Ganz ohne Fachleute wäre die risikoreiche und harte Arbeit im Berg nicht machbar gewesen.

60.000 freie Arbeiter waren an der Ausbeutung der Berge beteiligt, sie förderten in 250 Jahren 1635 Tonnen zu Tage.

Las Medulas war die wichtigste Goldmine im römischen Reich. Las Medulas liegt in der spanischen Provinz Leon.

An den Wundrändern der zersprengten Berge zeigt sich, dass das Goldgebirge nicht aus gewachsenem Felsen besteht. Die narbenreichen Wände sind geschichtet aus einem Gemenge von Lehm und roter Erde, in die verschieden große Kiesel eingelagert sind.

In Las Medulas ist die Grenze zwischen Natur und Kultur aufgehoben. Der von Menschen zerstörte Berg wird von den Kräften der Natur weitergestaltet.

Ob Plinius übertrieb, der römische Geschichtsschreiber, als er notierte: ‚Was in Las Médulas geschieht, übersteigt das Werk von Giganten. In die Berge werden Gänge und Stollen gegraben...monatelang sehen die Bergleute keine Sonne und viele von ihnen sterben in den Tunneln’. Das ‚Gigantenwerk’ hat die Landschaft völlig umgestaltet.

Beim Sprengen der Berge blieben die rotleuchtenden Kegelspitzen und schroffen Blöcke in dem weiten Halbrund stehen, weil der Wasserdruck die Berge nicht vollständig zerreißen konnte. Ein Denkmal menschlicher Zerstörungskraft – ein Kunst-Werk im eigentlichen Sinn.

Die Abendsonne verwandelt Las Medulas in eine goldene Fantasielandschaft, als ob die Natur an die Goldschätze erinnern wollte, die vor 2000 Jahren von den Römern aus dem Berg gegraben wurde.

Ein Denkmal menschlicher Zerstörungskraft – ein Kunst-Werk im eigentlichen Sinn, Las Medulas.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: Las Médulas und seine Goldminen
UNESCO-Ernennung: 06.12.1997
seit 25 v. Chr.
Goldabbau durch Bergbau in der spanischen Provinz Léon durch die Römer
1. Jhd. n. Chr.
Plinius der Ältere schildert die strapaziösen Bergbauarbeiten in Las Médulas
Ende 2. Jhd. bzw. Anfang 3. Jhd.
Aufgabe der Goldminen durch die Römer
1996
Das Gebiet wird zur archäologischen Zone erklärt
2002
Las Médulas wird auch Naturdenkmal
heute
Las Médulas ist Weltkulturerbe und Kulturpark

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