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SENDETERMIN Mo, 25.2.2019 | 12:45 Uhr | 3sat

Afrika: Kenia Lamu

Die magische Steinstadt

Lamu - eine Insel im indischen Ozean vor der ostafrikanischen Küste. Doch der Stempel der Republik Kenia im Pass besagt wenig, diesem Ort hat nicht nur Afrika, sondern auch Arabien und Indien seinen Stempel eingeprägt. Die Altstadt von Lamu ist einer der wenigen Plätze, an dem sich die über tausendjährige, aus vielen Einflüßen verschmolzene, Swahilikultur und ihre Bauwerke erhalten haben.

Die Fischer vor Lamu

Die Fischer vor Lamu

Wer hier an Land geht, dem fallen zunächst keine Denkmäler, sondern die Menschen ins Auge. Die Swahili, die Küstenbewohner, bewegen sich sicher und ohne Eile im planvollen Irrgarten der schmalen Gassen von Lamu. Und doch ist der Bauplan der 'Steinstadt' sehr regelmäßig, wenn auch nicht schematisch angelegt.

Die Stadt mit heute etwa 30 000 Einwohnern hat eine fast eintausendjährige Geschichte. Schon im 9. Jahrhundert traten arabische Kaufleute mit den Küstenbewohnern in Handelsbeziehungen. Viele ließen sich an der ostafrikanischen Küste nieder und bauten ein Fernhandelsnetz auf. So kam der Wohlstand nach Lamu - und der Islam. Vierstöckige, ohne Zement aus Korallenquadern geschichtete Häuser, deren Wände mit Kalkverputz geglättet sind, zeugen mit schönen Innenhöfen und offenen, Räumen, durch die der Wind zirkulieren und die Sonnenglut mildern kann, von einer hochentwickelten Baukunst. In den zur Gasse fensterlosen Fassaden: Die berühmten, hohen Türen von Lamu, ornamentreich geschnitzt. Bis auf den heutigen Tag beherrschen einige Handwerksmeister die traditionelle Schnitzkunst. Die Türen der Häuser der 'Steinstadt' sind mehr als ein Hauseingang, sie werden zum Sinnbild der formenreichen Swahilikultur.

Die Altstadt erscheint wie ein magischer Ort, in den leeren Gassen der Steinstadt tauchen Frauengestalten auf, die geheimnisvoll wieder entschwinden.

Geheimnisvoll ...

In den schmalen Gassen, in denen sich die Entgegenkommenden kaum ausweichen können, begegnet der Fremde schwarz verhüllten Frauengestalten, die ihm geheimnisvoll erscheinen, weil ihr Gesicht verschleiert ist. Die Swahilikultur wurde vom Islam geprägt, ja, sie definiert sich durch den gemeinsamen Glauben. Mehrmals am Tag schallt der Gebetsruf über die Stadt und sein Echo fängt sich in den schmalen Gassen. Dann sieht man die Männer in den knöchellangen, weißen Gewändern eine der 29 Moscheen der Stadt aufsuchen. Der gleichmäßige und sich nach ungebrochener Tradition vollziehende Lebensrhythmus der Menschen in dieser Stadt übt einen unwiderstehlichen Reiz aus.

Je höher die Sonne steigt, desto mehr verebbt der Menschenstrom in der Tiefe der Gassen

In der Tiefe der Gassen ...

Für den Fremden umgibt das tägliche Leben auf Lamu die Faszination des Besonderen. Wie lange noch? Zwar ist das Bild der Altstadt nicht durch störenden Neubauten zerstört, aber es wird vom Verfall bedroht. Viele Häuser sind zu Ruinen geworden, und die abblätternden Farben der Wände erscheinen dem Touristen reizvoll, für die Einwohner aber sind sie ein Spiegel des Niedergangs ihrer Kultur.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: Zentrum der islamischen Suahelikultur an der ostafrikanischen Südküste; geschlossenes unverfälschtes Stadtbild in arabischem Stil
UNESCO-Ernennung: 2001
14.Jh.
Gründung durch arabische Händler
1506
Eroberung der Stadt durch die Portugiesen
1698
Rückeroberung durch Araber aus Oman
1895
Lamu wird Teil des von den Briten geführten Ostafrika-Protektorats
1907
Abschaffung der Sklaverei

Copyrightvermerk für Daten & Fakten
© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010



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