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14:44 min | So, 8.9.2019 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Lalibela, Äthiopien, Folge 203

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Engel sollen am Bau beteiligt gewesen sein, weil keiner sich vorstellen konnte, dass Menschen derartiges zu schaffen fähig sind, wie die Felskirchen von Lalibela. Abgelegen, auf 2600 Meter Höhe, begannen vor über 800 Jahren, unbekannte Handwerker, auf Geheiß eines christlichen Königs, elf mehrstöckige Kirchen in den roten Basaltlava zu meißeln.

Filmtext

Wochen der Entbehrung liegen hinter ihm, Hunger, Durst, Hitze und Kälte. Durch tiefe Täler, über endlose Gebirgspässe führt der Weg seit Jahrhunderten die Pilger in die heilige Stadt Lalibela. Vorbei an einem Fluss mit Namen "Jordanos", und dem heiligen Kreuz, steigt der Gläubige bis auf eine Höhe von 2600 Metern. Der Berg mit den neun Felskirchen. Blechdächer schützen teilweise die empfindlichen Gebäude.

Es war die Zeit, da die Kreuzritter vor 800 Jahren die Heilige Stadt an die Muslime verloren. Im Traum sei Gott einem König mit Namen "Lalibela" erschienen. Ein neues Jerusalem solle er bauen, hier in Afrika. Orte und Gebäude erhalten symbolträchtige Bezeichnungen.

Der Pilger schreitet den "Jordan" entlang. Findet Kirchen benannt nach Golgata, Sinai, erhofft sich im Gebet die Nähe zum Grab Christi.

Holz, Lehm, Stroh, gebrochener Stein, sind Materialien mit denen in Afrika und sonst auf der Welt seit Menschen Gedenken gebaut wird. Auch die Mauern und Paläste von Jerusalem bestehen aus einzelnen, behauenen Steinen. Die Kirche "Beta Georgis" hier aber ist aus einem einzigen, riesigen Felsblock herausgehauen, dem sie umgebenden Berg. Wie die Baumeister des 13. Jahrhunderts dieses Gigantenwerk angingen, ist nicht überliefert. Geblieben sind Mythen und Spekulationen. Am Anfang steht die Suche nach einem geeigneten Ort im Fels. Sie erfordert ein hohes Maß an geologischem Wissen und Erfahrung. Erfolg und Dauerhaftigkeit des ganzen Werkes hängen davon ab. Der eigentliche Bau beginnt mit dem Herausschlagen eines riesigen Monolithen. Dabei arbeiten sich die Steinmetze mit einfachen Meißeln erst einmal dreizehn Meter in die Tiefe. Dann rüsten sie den Steinwürfel ein und nehmen die Kreuzform samt aller Treppen, Gesimse und Fenster in Angriff. Keiner durfte auch nur für einen Augenblick das Ganze vergessen. Immer musste einer da sein, der noch das kleinste architektonische Detail abrufbereit gespeichert hat.

Jedes einmal zuviel weg geschlagene Stück Fels war unwiederbringlich verloren. Gleichzeitig arbeiten sich bergmännisch geübte ins Innere des Blocks vor, schaffen durch die Fenster in mühseliger Kleinarbeit den Abraum nach draußen. Welch genialer Geist, der auch das Innere dieses Felsgebäudes bereits in seiner Entstehung, als fertig gestalteten Kirchenraum vor sich sah, fähig den ausführenden Handwerkern jeden Bogen, jeden Radius, jede Säule samt dazu gehöriger Apsis zentimetergenau vorzugeben.

Seit dem vierten Jahrhundert ist der christliche Glaube Staatsreligion in Äthiopien. Seine Kaiser sahen sich als Nachkommen aus dem Stamm Davids. Noch heute bekennt sich die Hälfte der Bevölkerung zum Christentum. Erst die Eingeweide der Felsen, das Auf und Ab der Gänge und Treppen, verbindet die, im Berg versteckten heiligen Plätze zu einer geheimnisvollen, labyrinthischen Stadt.

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Afrika: Äthiopien - Lalibela

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Wochen der Entbehrung liegen hinter ihm, Hunger, Durst, Hitze und Kälte. Durch tiefe Täler, über endlose Gebirgspässe führt der Weg seit Jahrhunderten die Pilger in die heilige Stadt Lalibela.

Wochen der Entbehrung liegen hinter ihm, Hunger, Durst, Hitze und Kälte. Durch tiefe Täler, über endlose Gebirgspässe führt der Weg seit Jahrhunderten die Pilger in die heilige Stadt Lalibela.

Vorbei an einem Fluss mit Namen "Jordanos", und dem heiligen Kreuz, steigt der Gläubige bis auf eine Höhe von 2600 Metern.

Der Berg mit den neun Felskirchen. Blechdächer schützen teilweise die empfindlichen Gebäude.

Orte und Gebäude erhalten symbolträchtige Bezeichnungen.

Holz, Lehm, Stroh, gebrochener Stein, sind Materialien mit denen in Afrika und sonst auf der Welt seit Menschen Gedenken gebaut wird.

Die Kirche "Beta Georgis" hier ist aus einem einzigen, riesigen Felsblock herausgehauen, dem sie umgebenden Berg.

Wie die Baumeister des 13. Jahrhunderts dieses Gigantenwerk angingen, ist nicht überliefert. Geblieben sind Mythen und Spekulationen.

Seit dem vierten Jahrhundert ist der christliche Glaube Staatsreligion in Äthiopien.

Erst die Eingeweide der Felsen, das Auf und Ab der Gänge und Treppen, verbindet die, im Berg versteckten heiligen Plätze zu einer geheimnisvollen, labyrinthischen Stadt.

Ein lesender Mönch vor der Beta Maryam Kirche. Wie die ganze Anlage der Monolithkirchen nach außen hin ihren prächtigen Kern zu verstecken sucht, so tarnt sich die Marienkirche mit einer schlicht gestalteten Außenfassade.

Ein wichtige Station auf dem Weg des Pilgers ist die Doppelkirche Debre Sina und Beta Golgata. Im Allerheiligsten birgt sie nach äthiopischer Auffassung das Grab Christi. Auch Lalibela, der später heilig gesprochen wurde, liegt hier begraben.

Der Gebetsstab und das Kreuz des heiligen Königs. Unter einem Tuch verborgen, im Hintergrund sein Thron. Jerusalem war nicht nur religiöser Mittelpunkt, die Stadt war ebenso ein politisches Zentrum.

Lalibela in der Nachfolge von Axum. Ist es eine Legende? Für die äthiopischen Christen ist es Tatsache: In vorchristlicher Zeit, unter König Salomon, wurde das Original der Bundeslade aus Jerusalem nach Axum entführt.

"Beta Medhane Alem", "Kirche des Erlösers der Welt", das weiträumigste Gotteshaus Lalibelas, ist vom Grundriss her eine Basilika. Pfeilerreihen gliedern das Innere in fünf Schiffe. An Stelle von Malereien wurden feine Ornamente in den gewachsenen Fels gemeißelt.33 Meter lang ist dieser Kirchenraum, gestaltet und gebaut aus einem einzigen, gigantischen Steinblock. Sein flaches Satteldach erinnert an die längst verfallene Kathedrale von Axum. Die Beta Maryam Kirche. Wie die ganze Anlage der Monolithkirchen nach außen hin ihren prächtigen Kern zu verstecken sucht, so tarnt sich die Marienkirche mit einer schlicht gestalteten Außenfassade. König Lalibela schenkt aber gerade dieser Kirche eine besondere Aufmerksamkeit. Gegenüber dem Haupteingang lässt er seine königliche Loge in den Fels schlagen. Wie ein Gewölbe wirkt die Decke und doch ist sie, wie jedes architektonische Detail in diesem Raum aus dem gewachsenen, Jahrmillionen alten Fels geschnitten, gemeißelt. Mit der Ausgestaltung des Kirchenschiffs beauftragt der König die besten Kirchenmaler seiner Zeit. Beinahe 800 Jahre zieren ihre Werke jetzt die Decke der Marienkirche.

Tief unten im Fels, Beta Selassie und Beta Golgota, Orte des Martyriums, von Geheimnissen umgeben. Teile davon dürfen selbst von den meisten Priester nicht betreten werden. Ein wichtige Station auf dem Weg des Pilgers ist die Doppelkirche Debre Sina und Beta Golgata. Im Allerheiligsten birgt sie nach äthiopischer Auffassung das Grab Christi. Auch Lalibela, der später heilig gesprochen wurde, liegt hier begraben. Neben dem König sind noch sieben Heilige in Reliefs dargestellt. Ihre Identität ist unbekannt. Der Gebetsstab und das Kreuz des heiligen Königs. Unter einem Tuch verborgen, im Hintergrund sein Thron. Jerusalem war nicht nur religiöser Mittelpunkt, die Stadt war ebenso ein politisches Zentrum. Der Stadt Lalibela ist von ihrer einstigen Funktion als Hauptstadt eines mächtigen Reiches nichts geblieben, außer vielleicht einem Palast. Von der Georgskirche gen Sonnenaufgang geht der Blick auf eine mächtige Fassade. "Beta Gabriel Raffael", eines der geheimnisumwobensten Gebäude in Lalibela, eine Kirche, eine Burg? Achtzehn Meter tief ist der Hof. Noch weiter unten soll es Gewölbe geben. Verschollene Kostbarkeiten aus den Kirchen seinen dort versteckt, gerettet vor brandschatzenden Horden in vergangenen Jahrhunderten. Längst ist alles voll Wasser gelaufen. Auf eine frühere Nutzung des Komplexes als Wehr- oder Palastanlage deutet auch ein anderes Detail: der eingefallene Sockel eines Turmes. Beta Lehem ist der Name dieser Ruine, "Haus des Brotes". Hier wurden früher die Hostien für alle elf Kirchen gebacken. Einer Legende nach soll an dieser Stelle auch die Klause Lalibelas gewesen sein, in der er unablässig für die Fertigstellung seiner Kirchen betete. So konzentriert soll der König auf seine Bauaktivitäten gewesen sein, dass er sogar seine Frau vergaß und sie eifersüchtig wurde. Als sie jedoch die heren Absichten ihres Gatten erkannte, gelobte sie Buße und begann selbst mit Engelshilfe eine Kirche zu bauen: "Bet Abba Libanos".

Die kleine Kirche ist zwar an allen vier Seiten vom Fels getrennt, ihr Dach bildet jedoch eine Einheit mit dem ursprünglichen Fels. Der Pilger ist am Ende der heiligen Stationen angelangt. Die "Bet Emanuel" Kirche. Dieser Bau ist in seiner Perfektion am ehesten mit der kreuzförmigen Georgskirche am Anfang der Stationen vergleichbar. Sollte es die Palastkirche des Königs sein? Wollte er in ihrem Baustil der Hoffnung eines Widererstarkens des verlorenen axumitischen Großreiches in den Bergen von Lasta Ausdruck verleihen? Das Äußere des Baus ist eine geniale Kopie des altäthiopischen Fachwerkbaus in Stein. Die Fenster finden sich in ihren Grundelementen bereits an den tausend Jahre älteren Stelen des axumitischen Königreichs. Lalibela in der Nachfolge von Axum. Ist es eine Legende? Für die äthiopischen Christen ist es Tatsache: In vorchristlicher Zeit, unter König Salomon, wurde das Original der Bundeslade aus Jerusalem nach Axum entführt.

Dort wird sie angeblich noch heute in einer streng abgeschirmten Kirche aufbewahrt. Wollte der König ein würdiges Haus schaffen, um diese allerheiligste Reliquie heimzuführen in sein Jerusalem am Horn von Afrika?

Buch und Regie: Rüdiger Lorenz

Filmmusik & Stab

Kraft, Oliver
Schätze der Welt II
Awdamet Ethiopia
Lalibela

Buch und Regie: Rüdiger Lorenz
Kamera: Erwin Lanzensberger

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