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Filmtext & Video

14:49 min | So, 7.12.2014 | 7:15 Uhr | SWR Fernsehen

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Krumau, Tschechische Republik, Folge 110

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Am Rande des Böhmerwaldes, nahe der Stadt Budweis, liegt das mittelalterliche Krumau. Es steht auf beiden Seiten der Moldau, und auf einer felsigen Anhöhe erhebt sich Böhmens zweitgrößtes Schloss. Drei mächtige Herrschergeschlechter, die Rosenberger, die Eggenberger und zuletzt die Schwarzenberger, haben Burg und Stadt geprägt. Durch seine lange Geschichte bietet Krumau ein einzigartiges Ensemble aus Gotik, Renaissance, Barock und Rokoko.

Filmtext

Versprach ich nicht einmal etwas aus Böhmen zu erzählen?

"Wenn ein Zufall, müßige Reiselust oder der Tod Ihrer verehrten Frau Erbtante sie nach Südböhmen führt, lassen Sie es sich nicht verdrießen, einen Tag in dem malerisch gelegenen Städtchen Krumau Aufenthalt zu nehmen." Mehr als hundert Jahre ist es her, seit der große Lyriker Rainer Maria Rilke diese Empfehlung aussprach. Und bis heute hat diese Stadt nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Zu den vielen Bewunderern der malerischen Moldaustadt zählte auch der österreichische Künstler Egon Schiele. An einen Künstlerfreund schreibt er: "Ich möchte fort von Wien, ganz bald... In Wien ist Schatten, die Stadt ist schwarz, alles heißt Rezept. Ich will allein sein. Nach dem Böhmerwald möcht ich." Und bald darauf meint Schiele enthusiastisch: "Ich war also in Krumau, um eine Arbeits- und Wohnstätte zu suchen, und siehe, es ist das schönste gefunden!"

In zahlreichen Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen hat Schiele der Heimatstadt seiner Mutter ein einzigartiges Denkmal gesetzt. "Auf der krumben ouwe"; so wurde jener Ort auf mittelhochdeutsch genannt, an dem die Witigonen ihren Herrschaftssitz errichteten. Die enge Moldauschlinge, die Krumau umschließt, verleiht der Stadt den Charakter einer Insel. Im dreizehnten Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, entwickelte sich Krumau bald zu einem wichtigen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zentrum des mittelalterlichen Böhmen. Der Aufstieg von Krumau war vor allem Heinrich von Rosenberg zu verdanken, der die Burg zu seinem Stammsitz machte und der Siedlung nur wenige Jahre später das Stadtrecht verlieh. Drei Jahrhunderte lang lenkten die Herren von Rosenberg die Geschicke der Stadt und prägten ihren unverwechselbaren Charakter. Die "fünfblättrige Rose", das Signet des mächtigen Fürstengeschlechts, ist im Schloss ebenso omnipräsent wie in den Straßen, Gassen und Plätzen der Stadt. Noch heute kann man jene Mischung aus Bewunderung und ehrfurchtsvollem Schauder nachfühlen, die Rilke bei seinem ersten Krumau-Besuch erfasst hat: "Denkt euch nur das Schloss auf dem steilen Felsen, diese hohen Höfe, die großen Kanonen auf den Schanzen... alles wie für Riesen gemacht!", notierte er. Die Besichtigung der weitläufigen Schlossanlage entwickelt sich zur faszinierenden Zeitreise durch die Geschichte der Kunst und Architektur. Das gotische Kreuzgewölbe in der kleinen Burgkapelle zeugt ebenso vom hohen kulturellen Niveau der Rosenberger wie diese Renaissance-Fresken von Gabriel de Blonde. Wen stört es heute noch, dass solche Kostbarkeiten ihre Entstehung einer geschickten Heiratspolitik, skrupellosen Machtstreben, ja sogar einer Dokumentenfälschung verdanken? Von manchen bildlichen Darstellungen sagt man, sie seien "täuschend echt". Mit Krumau verhält es sich genau umgekehrt: hier ist die ganze Stadt zu einem einzigen Kunstwerk geworden. Die St. Veitskirche, letzte Ruhestätte der Rosenberger und ein eindrucksvolles Beispiel für die böhmische Baukunst zur Zeit der Gotik. "Die graue Witwe der verblichenen Rosenberger" - So nannte ein Dichter das böhmische Schloss. Und tatsächlich: Mit dem Rückzug des letzten "Herren von der Rose" brach eine düstere Zeit über die Stadt herein.

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Krumau - Juwel an der Moldau

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Im dreizehnten Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, entwickelte sich Krumau bald zu einem wichtigen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zentrum des mittelalterlichen Böhmen.

Im dreizehnten Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, entwickelte sich Krumau bald zu einem wichtigen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zentrum des mittelalterlichen Böhmen.

Auf einem Felsvorsprung über der Stadt Krumau liegt eine der größten Burg- und Schlossanlagen Europas: Schloss Krumau. Bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts war es im Besitz der Herren von Rosenberg. Die Blütezeit des Schlosses ist mit ihnen verbunden.

Ein Bewunderer Krumaus: Egon Schiele. In zahlreichen Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen hat er der Heimatstadt seiner Mutter ein einzigartiges Denkmal gesetzt.

Krumau - das ist ein seltener historischer Glücksfall: weder Brände noch Naturkatastrophen, ja nicht einmal die Verheerungen der Kriege vermochten dieses unvergleichliche architektonische Ensemble zu zerstören.

„Denkt euch nur das Schloss auf dem steilen Felsen, diese hohen Höfe, die großen Kanonen auf den Schanzen... alles wie für Riesen gemacht!“, notierte der Dichter Rilke bei seinem ersten Krumau Besuch.

Die St. Veitskirche, letzte Ruhestätte der Rosenberger und ein eindrucksvolles Beispiel für die böhmische Baukunst zur Zeit der Gotik.

Krumau hat seinen Charakter bewahrt - als ein über Jahrhunderte gewachsenes Gesamtkunstwerk, an dem Natur und Architektur, die schönen Künste und die oft weniger schönen Irrwege der Geschichte gleichermaßen Anteil haben.

1992 wurde Krumau in die Welterbeliste aufgenommen. Seitdem werden und wurden zahlreiche historische Gebäude restauriert.

Der "Bruderzwist im Hause Habsburg" führte zum Dreißigjährigen Krieg. Erst besetzten Passauer Truppen Krumau, danach veranstalteten bayrische Heere ein "furchtbares Strafgericht" in ganz Böhmen, zuletzt fielen die berüchtigten Schweden über die Stadt her - als größter Schrecken jenes Gemetzels, dem es an Schrecken ohnehin nicht mangelte. Doch Krumau hat auch das überstanden. Und so können wir uns - wie dereinst Egon Schiele - über ein architektonisches Juwel freuen, dessen Schönheit sich auch aus der Vogelperspektive erschließt.

Das Schlosstheater, nach aufwendigen Renovierungsarbeiten erst seit kurzem wieder zugänglich, ist das einzigartige Beispiel einer vollständig erhaltenen barocken Bühne, mit Schnürboden, Kulissen und Kostümfundus. Die Theaterleidenschaft der Herren von Krumau geht vor allem auf Johann Christian von Eggenberg zurück, der die Bühne um 1680 erbauen ließ, eine ständiges Ensemble beschäftigte und höchstpersönlich die neuesten Opernlibrettl in Venedig einkaufte. Dem Theater und den schönen Künsten wird auch hier gehuldigt: im weltberühmten "Maskensaal". Über Leben und Werk des kaffeetrinkenden Herren wissen wir nur wenig. Und doch hat sich Josef Lederer mit dieser einen Arbeit unsterblich gemacht. 125 Figuren schuf er in nur wenigen Monaten - eine Hommage an die Kunst der Komödie, ganz im Stile der Rokoko. Den verblüffend plastischen und lebendigen Eindruck erreichte der - vermutlich aus Tirol stammende - Künstler durch geschickten Einsatz von Spiegeln und Schatten. Rilke schwärmt: "Diese Figurengruppen sind in so reichem und überraschenden Wechsel komponiert, dass man - selbst am hellichten Tage - hinter jeder Figur immer noch neue, phantastisch verkleidete Gäste auftauchen sieht. Aus den Wänden steigend, erfüllen sie den Saal mit ihrem schimmernden Gewimmel. Wie der Maskensaal, so ist auch die von den Wiener Gärten inspirierte Parkanlage in der Ära der Fürsten Schwarzenberg entstanden, die erst 1947 ihr Ende fand, als das Schloss in staatlichen Besitz überging. Der prächtige Park war auch ein bevorzugtes Revier Egon Schieles. Von hier aus suchte und fand der Maler seine Motive; hier entstanden viele jener Krumau-Darstellungen, die heute in der ganzen Welt Bewunderung finden.Krumau - das ist ein seltener historischer Glücksfall: weder Brände noch Naturkatastrophen, ja nicht einmal die Verheerungen der Kriege vermochten dieses unvergleichliche architektonische Ensemble zu zerstören.

Drei mächtige Fürstengeschlechter drückten der Stadt und dem Schloss ihren Stempel auf, aber auch Glaubenskriege, der Streit zwischen Kaiser Rudolf und seinem Bruder Matthias; und nicht zuletzt der tschechisch-deutsche Nationalitätenkonflikt, der in Krieg Annexion und Vertreibung gipfelte. Und doch hat Cesky Krumlov seinen Charakter bewahrt - als ein über Jahrhunderte gewachsenes Gesamtkunstwerk, an dem Natur und Architektur, die schönen Künste und die oft weniger schönen Irrwege der Geschichte gleichermaßen Anteil haben.

Buch und Regie: Wolfgang Beyer

Filmmusik & Stab

Stivin, Jiri
Znavená kráska "System Tandem"
Prástky "System Tandem"
Coz ten slavicek vo pulnoci spiva "Syst. T"
Modrá ruze "System Tandem"
Inspiration 6, Inspiradion bei Folklore
Faunovo dopoledne "System Tandem"
Basalicka "System Tandem"

Kraft, Oliver
Schätze der Welt II

Händel-Arie (OT aus Schlosstheater)

Buch und Regie: Wolfgang Beyer
Kamera: Tom Liftwart

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