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Filmtext & Video

14:22 min | So, 10.3.2019 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Kandy, Sri Lanka, Folge 219

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Im Herzen Sri Lankas, im gebirgigen Dschungel, liegt "Kanda-uda-pas-rata, einst das "verborgene Königreich in den Bergen". Die Briten eroberten 1815 die Stadt und verkürzten den Namen zu "Kandy". Bedeutendstes Bauwerk im Mittelpunkt der lebendigen Stadt ist der Tempel des Zahns, der Dalada Maligawa. Hier wird die wichtigste Reliquie des Buddhismus in Sri Lanka aufbewahrt: Ein Zahn Buddhas, zugleich ein bedeutendes Symbol des Nationalstolzes. Zum Kulturdenkmal wurden auch zwei buddhistische Mönchsklöster und Hindutempel Natha Dewale erklärt.

Filmtext

Im Dschungel Sri Lankas liegt "Kanda-uda-pas-rata", das "verborgene Königreich in den Bergen", in alter Zeit eine sichere Zuflucht fernab von den europäischen Handelskolonien an der Küste. Die Briten verkürzten den Namen zu "Kandy". Das Königreich trotzte zwei Jahrhunderte lang dem Ansturm der Portugiesen, Holländer und Engländer. Ein Volksglaube besagte: Solange keine Straße nach Kandy führt, bleibt Sri Lanka unbesiegbar.

Die Briten überwanden 1815 alle Hindernisse: Sie eroberten die Stadt und bauten eine Straße durch die Berge. Bis dahin galt Kandy als die Stadt freien buddhistischen Denkens, bevölkert von Menschen, "die behende und geschmeidig sind, gegen schlechte Kost und Wetter gefeit, sowie nie tückisch gegeneinander. Sie sind nicht nachtragend und es gibt wenig Verschwender und schlechte Ehemänner", so der britische Seefahrer Robert Knox, im 17. Jahrhundert Gefangener des Königs von Kandy und Verfasser eines umfangreichen Werkes über Sri Lanka.

Im Tempel des Zahns, dem Dalada Maligawa, wird die wichtigste Reliquie des Buddhismus in Sri Lanka aufbewahrt: Ein Zahn Buddhas, zugleich ein bedeutendes Symbol des Nationalstolzes. Aus aller Welt pilgern die Gläubigen zu den täglichen Andachten und verbringen oft den ganzen Tag im Tempelbezirk. Rhythmische Trommeln und Flötenspiel kündigen die bevorstehende Zeremonie an. Ein zweistöckiges Gebäude im Innenhof des Tempels birgt den Schrein. Ganz aus Holz errichtet, ist es der älteste Teil des Tempels. Musikanten umrunden das Heiligtum, während im Obergeschoss der Höhepunkt, der Blick auf die Zahn-Reliquie vorbereitet wird. Bedeutende Gäste und Würdenträger wie diese weitgereisten Mönche dürfen durch die unteren Räume eintreten und hinter den silberbeschlagenen Türen in aller Ruhe ihre Opfergaben darbringen. Auch ungebetene Besucher haben sich eingefunden.

Im oberen Stockwerk befindet sich die Zahnreliquie. Dort findet auch der wichtigste Teil der Andacht statt. Höhepunkt des Tempelbesuchs ist der Blick in das Allerheiligste und das Überreichen von Opfergaben, meist Lotusblumen, Räucherstäbchen, Reis und Früchten. In sieben kostbaren Behältnissen, nach dem Prinzip der russischen Puppe in der Puppe, wird der heilige Zahn verwahrt. Die eigentliche Reliquie ist niemals zu sehen. Nur einmal, nach der Eroberung Kandys, geschah das Ungeheuerliche: Die Briten raubten das Heiligtum und öffneten das Reliquiar. Zum Vorschein kam ein Zahn von erstaunlicher Größe: 5 cm soll er lang gewesen sein. Im Neuen Schrein, einem Tempelteil aus jüngerer Zeit, befinden sich Buddhafiguren aus allen Ländern, in denen Buddhisten leben. Ähnlich den Christen, die sich im Kreuzgang oder vor den reich bebilderten Altären versammeln, rufen sich die Gläubigen anhand der Malereien die Geschichte Buddhas und der Zahnreliquie in Erinnerung. Nach der Einäscherung Buddhas wurde ein Zahn aufgehoben und gelangte - so heißt es - versteckt im Haar einer Prinzessin über das Meer von Indien nach Sri Lanka. Dem Heiligen Zahn wurde ein Tempel errichtet. In einer Vollmondnacht fand die erste Perahera statt, ein Umzug zu Ehren des Zahns.

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Asien: Sri Lanka

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Kandy: Aufsicht Zahntempel, Badehaus, See

Kandy: Aufsicht Zahntempel, Badehaus, See

Umgebung Kandy: Berglandschaft

Kandy: Straße Innenstadt, Bergbuddha

Kandy: Perahera, Elefanten

Kandy: Zahntempel vom See gesehen

Kandy: Achteckturm, Zahntempel

Kandy: Achteckturm, Zahntempel, Mauer

Kandy: Achteckturm nah, Mauer

Kandy: Eingang Zahntempel

Zahntempel : Andacht, Musikanten im Erdgeschoss

Kandy: Königspalast

Königspalast innen

Kandy: Sri Vikrama Rajasinha, letzter König

Kandy: "Wellenmauer" am Seeufer

Kandy: Badehaus, Mauer

Badehaus: Blick aus Tür auf See

Kandy: Badehaus, Säulen

Kandy: Insel im See bei Dämmerung, Bergbuddha

Seeufer: englischer Briefkasten

Kandy: Dagoba, Achteckturm

Zeremonien und Rituale sind über die Jahrhunderte unverändert geblieben. Die jährliche Veranstaltung ist eine riesige Bühne für die traditionelle Kunst und Kultur Kandys. Während des elftägigen Fests wird die Reliquie auf dem Rücken eines Elefanten durch die Straßen Kandys getragen. Dem heiligen Zahn galt immer die besondere Aufmerksamkeit der Könige Sri Lankas, da das Anrecht auf den Thron mit dem Besitz des Zahns verknüpft war. Getreu seiner politischen Bedeutung befanden sich die Repräsentations- und Wohngebäude des Königs immer in der Nähe des Heiligen Zahns.

Der Königspalast repräsentiert die Blüte der singhalesischen Architektur und Handwerkskunst. Im 17. Jahrhundert, zu Zeiten Robert Knox', waren die königlichen Räume raffiniert gestaltet: Im Innern gibt es viele gewundene Gänge und Flure. An allen Türen und Durchgängen stehen Wachen, niemand darf ohne Erlaubnis des Königs passieren. So weiß man nie, wo sich der Herrscher befindet und so ist es beabsichtigt. Der letzte König von Kandy, Sri Vikrama Rajasinha. Er war verantwortlich für umfassende bauliche Veränderungen in der Stadt. Der See, der heute das Stadtbild prägt, war in früheren Zeiten ein Reisfeld.

Sri Vikrama Rajasinha ließ einen Damm anlegen, um trockenen Fußes von seinem Palast auf die gegenüberliegende Seite des Tals zu gelangen.

Wasser sammelte sich, so dass ein kleiner See entstand. Der König taufte ihn Kiri Muhunda, das "Milchmeer". Ihm gefiel der See mitten in der Stadt so gut, dass er ihn vergrößern ließ. Mit den Arbeiten beauftragte er seinen Hofarchitekten, den man eines Morgens tot ihm See fand - er war - so vermutete der König - von seinen Konkurrenten ertränkt worden. Manche aber glauben, das sein Tod die Strafe dafür war, dass er das Volk mit dem Bau eines künstlichen Sees beschäftigte, obwohl das Königreich Kandy zu dieser Zeit schon von der britischen Kolonialmacht bedroht war. Am Ufer des Sees befindet sich ein kleiner Pavillon mit einem Dach im traditionellen Kandy-Stil. Einst das königliche Badehaus, erfrischten sich hier die Königinnen von Kandy. Und auch der Herrscher, so berichtet der Brite Robert Knox, vergnügte sich am Wasser: "In einem Teich züchtet der König Fische. Hier sitzt er und füttert sie mit Reis, Früchten und Leckereien. Sie sind so zahm, dass sie ihm aus der Hand fressen; und er erlaubt niemandem, die Fische zu fangen".

Der Tempelgraben mit seiner der Form von Wellen nachempfundenen Mauer entstand ebenfalls unter der Herrschaft des letzten Königs von Kandy, Sri Vikrama Rajasinha. Der gesamte Tempelkomplex - mit Ausnahme des viel älteren Schreins - erhielt zu seiner Zeit das heutige Aussehen. Er errichtete auch den mächtigen, achteckigen Turm, den Pattrippuwa. Von der Balustrade aus zeigte Sri Vikrama seinem Volk den heiligen Zahn ...... oder beobachtete das Bändigen der gerade gefangenen Elefanten. Der heilige Baum, ein Bodhibaum, hat die Zeit unbeschadet überdauert.

Unter einem solchen Baum wurde der meditierende Buddha in Indien erleuchtet. Ableger des Baumes gelangten auch nach Sri Lanka. Er ist ein fester Bestandteil jeden Tempelbezirks. Seit Alters her gedenken die Gläubigen bei Rundgang und Meditation der Lehren Buddhas. In der Magul Maduwa, der Audienzhalle, tagte das Hohe Gericht unter Vorsitz des königlichen Herrschers. Sie ist auch der Ort Sri Vikrama Rajasinhas letzter Amtshandlung: Hier unterzeichnete er am 2. März 1815 die Kapitulationsurkunde, die "Kandyan Convention". Mit ihr wurde Sri Lanka, damals Ceylon, der britischen Krone übereignet. Noch mehrere Jahrzehnte hielten die Engländer die Reliquie des heiligen Zahns unter strenger Bewachung und gaben sie erst 1846 - als sie sich der Herrschaft über die Insel wirklich sicher waren - dem Tempel zurück. 1972 wird in der Audienzhalle die unabhängige Republik Sri Lanka ausgerufen und damit der an die Kolonialzeit erinnernde Name Ceylon abgeschafft. Kandy, einst fernab in den Bergen verborgen, ist heute eine lebendige Stadt Herzen Sri Lankas.

Buch und Regie: Anja Freihoff

Filmmusik & Stab

Kraft, Oliver
Schätze der Welt II
Schade, Jan Tilman
Kandy

Buch und Regie: Anja Freyhoff
Kamera: Thomas Stokowski

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