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SENDETERMIN So, 18.11.2018 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

Asien: Russische Föderation Kamtschatka

Ein höllisches Paradies

Gomulen, Erdgeister lauern in den Kraterhöhlen der rauchenden Vulkane. Sind sie hungrig, jagen sie Wale im Pazifischen Ozean, greifen mit ihren riesigen Lanzenfingern nach den Tieren und rösten sie auf mächtigen Feuern in den Kratern der Vulkankegel.

Am Kraterrand des Gorely Vulkans

Am Kraterrand des Gorely Vulkans

Wolken von Rauch und Dunst steigen zum Himmel auf, kochend heißes Walfett ergießt sich die Abhänge hinunter. Die Erde bebt und Walknochen wirbeln durch die Lüfte. Dann folgt dampfendes Schweigen.

Eine Legende, ein Mythos und dennoch: bis vor 200 Jahren konnten sich die Ureinwohner Kamtschatkas ihren unsicheren Lebensraum rational noch nicht erklären.

Die säbelförmige Halbinsel gleicht einem gigantischen Pulverfass am östlichen Ende der Welt.

11 Zeitzonen liegen zwischen Moskau und dem letzten Außenposten des russischen Riesenreiches.

Reich der Vulkane

Auf dem Kraterrand des aktiven Avachinsky Vulkans

Auf dem Kraterrand des aktiven Avachinsky Vulkans

Auf dem Eiland zwischen der Beringsee im Westen und dem Ochotskischen Meer im Osten markieren über 160 Vulkane, unzählige Geysirtäler und Schwefelseen auf knapp 370.000 Quadratkilometern den sichtbaren Rahmen für ein Phänomen, das Geowissenschaftler als Herz des "Pazifischen Ring des Feuers" bezeichnen.

Seit über zwei Millionen Jahren schieben hier tektonische Urkräfte die Pazifische Platte jedes Jahr um 10 Zentimeter auf breiter Front unter den Rand Eurasiens. Die Folge: Erdbeben und Vulkaneruptionen erschüttern die 1.200 Kilometer lange Halbinsel nahezu täglich. Zu den momentan 29 aktiven Vulkanen gehören die unberechenbarsten Schlote der Welt.

Ein Inferno, das Kamtschatkas Ureinwohner bereits seit knapp 14.000 Jahren als "Tor zur Hölle" fürchten. Die Fischer und Rentierhirten leben im Einklang mit den Elementen. Ihr Schicksal delegieren sie in eine Götterwelt, die sie vielfach noch heute aus der unberechenbaren Natur rekrutieren.

Sperrgebiet

Team bei Dreharbeiten im Krater des Mutnovsky Vulkans

Team bei Dreharbeiten im Krater des Mutnovsky Vulkans

Von all dem wusste man bis 1991 nahezu nichts. Die Russen riegelten die Halbinsel vor allem wegen ihrer Bodenschätze hermetisch ab. Im kalten Krieg war sie militärisches Sperrgebiet. In der Bucht vor der Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatskji lag die atomgetriebene U-Bootflotte der Sowjetmarine.

Erst im Zuge des politischen Tauwetters zu Beginn der 90er Jahre fiel auch hier der Eiserne Vorhang. Geowissenschaftler und Völkerkundler entdecken nun allmählich ein nahezu unberührtes Paradies, dessen Einzigartigkeit die UNESCO seit 1996 als Weltnaturerbe schützt.

Bildergalerie

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Asien: Russische Föderation

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Am Fuße des Avachinsky Vulkans

Am Fuße des Avachinsky Vulkans

Am Kraterrand des Avachinsky Vulkans

Am Kraterrand des Gorely Vulkans

Am Kraterrand des Mutnovsky Vulkans

Auf dem Kraterrand des aktiven Avachinsky Vulkans

Dalina Geysera - Geysirtal auf Kamtschatka

Gletscher am Ausläufer des Mutnovsky Kraters

Im Krater des Avachinsky Vulkans

Rentierherde im Bystrinsky Naturreservat

Schwefelfumarole im Krater des Mutnovsky Vulkans

Team bei Dreharbeiten im Krater des Mutnovsky Vulkans

Vulkangruppe um den Vulkan Tolbacik

Daten & Fakten
Kulturdenkmal: Naturerbe Vulkanlandschaft Kamtschatka mit dem Naturpark Kluchevskoy
UNESCO-Ernennung: 1996, erweitert 2001
Urbevölkerung
Itelmenen, Ewenen, Korjaken, Tschuktschen, Aleuten
16. und 17. Jhd.
Erforschung und Eroberung der Halbinsel Kamtschatka durch russische Kosaken
1740
Große Expeditionen durch W. Bering und A. Tschirikow
ca. 1939 bis 1990
Militärisches Sperrgebiet
Flora
Hochgras, Zedern, Erlen, Pappeln, am Meer Heckenrosen, zahlreiche Beerenarten.
Fauna
60 Säugetierarten und 170 Vogelarten, Es gibt u.a. Zobel, Polarfuchs, Wolf, Luchs, Elche. Braunbären werden bis zu 3 Meter groß.

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