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SENDETERMIN Mo, 29.4.2019 | 21:45 Uhr | 3sat

Europa: Grönland Ilulissat Eisfjord

Wo die Eisberge zur Welt kommen

Nirgendwo auf der nördlichen Halbkugel lässt sich das Kalben eines Gletschers eindrucksvoller beobachten, als am Ilulissat Eisfjord an der grönländischen Westküste, 250 Kilometer nördlich des Polarkreises.

Eisberge im Ilulissat Eisfjord

Eisberge im Ilulissat Eisfjord

Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 35 Metern pro Tag schieben sich die Eismassen des Sermeq Kujalleq Gletschers unter mächtigem Getöse in den 1000 Meter tiefen Eisfjord. Nur aufgrund dieser Tiefe können die Eisberge, von denen nur rund ein Zehntel zu sehen ist, schwimmend den Fjord passieren, bis sie von der Isfjellbanken aufgehalten werden.

Ursprung des Titanic-Eisbergs

Eisscholle

Eisscholle

Die Isfjellbanken ist eine Moränenablagerung, 200 Meter unter der Wasseroberfläche. An ihr laufen die großen Eisberge auf Grund und bewirken einen Stau. Erst wenn der Druck zu groß ist oder die Eisberge auseinander brechen, können sie die Schwelle überwinden und gelangen ins freie Meer, wo sie über die Baffinbucht nach Süden driften.

Obwohl sie auf ihrer Reise immer kleiner werden und sich schließlich auflösen, können sie Schiffen gefährlich werden. So geschehen 1912, als an Bord der Titanic über 1.500 Menschen den Tod fanden.

Seit 250 Jahren unter wissenschaftlicher Beobachtung

Bedeutsam ist der Ilulissat Eisfjord, der seit 250 Jahren unter wissenschaftlicher Beobachtung steht, vor allem für die Gletscher- und Klimaforschung. So beobachten Wissenschaftler seit Jahren einen immer dramatischeren Rückgang des Sermeq Kujalleq Gletschers - Auswirkungen des globalen Klimawandels.

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Europa: Grönland

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Mit seinen schwimmenden Eispalästen, gewaltigen Gletschern und faszinierenden Polarlichtern, ist der Ilulissat Eisfjord ein beliebtes Ziel für Kreuzfahrtschiffe.

Mit seinen schwimmenden Eispalästen, gewaltigen Gletschern und faszinierenden Polarlichtern, ist der Ilulissat Eisfjord ein beliebtes Ziel für Kreuzfahrtschiffe.

Unmittelbar vor Ilulissat, in der Diskobucht, tummeln sich gerne Buckelwale. Man erkannt sie am typischen einstrahligen Blas.

Das Inlandeis Grönlands hat große Bedeutung für das Klima Europas, denn es wirkt als Barriere auf die Luftströmungen der nördlichen Halbkugel.

Ein Eisberg im Ilulissat Eisfjord - kaum vorstellbar, dass der größte Teil des Eisbergs unter Wasser ist.

3000 Meter dick ist das Inlandseis Grönlands. Durch die Wanderung zum Meer entstehen riesige, kilometerlange Eisberge.

Die bizarre Idylle mit den schwimmenden Eispalästen hat Risse bekommen, der Sermeq Kujalleq Gletscher zieht sich immer mehr zurück. 20 Kilometer schrumpfte der Gletscher bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Dafür brauchte er 10.000 Jahre. Für die letzten 10 Kilometer genügten 7 Jahre!

Früher war der Eisfjord auch den Sommer über mit Eis bedeckt – berichten die Eisfjordfischer. Tatsächlich hat der Klimawandel längst einen Dominoeffekt ausgelöst: Weniger Eis reflektiert weniger Sonnenlicht und das Meerwasser erwärmt sich. Dadurch schmilzt das restliche Eis noch schneller.

Eintausend Meter ist der Eisfjord tief! Nur deshalb können die riesigen Eisberge hier kalben und zum meerseitigen Fjordende, zur Isfjellbanken, schwimmen. Dafür benötigen sie etwa ein Jahr.

Würde der Eismantel, der Grönland bedeckt, tatsächlich abschmelzen, stiege der Meeresspiegel weltweit um 6-7 Meter an.

insbesondere Garnelen, Heilbutt und Krabben werden in Grönland gefangen und in den grönländischen Häfen weiterverarbeitet. Containerschiffe transportieren die Ware nach Europa.

Die vom Gletscher in den Fjord stürzenden Eismassen drücken an Mikroorganismen reiches Wasser nach oben, das Fischschwärme anzieht. Diese locken zunächst Robben und Seevögel und schließlich auch die Fischer an.

Die Fischer vom Eisfjord spüren die Auswirkungen des Klimawandels. Einige Fischarten gibt es hier nicht mehr. Dafür kommen andere zurück und vermehren sich rapide, etwa Dorsch.

Die an gewaltige Ungeheuer oder mächtige Kathedralen erinnernden Eisriesen, von denen nur etwa ein Zehntel über Wasser zu sehen ist, treiben über die Davisstraße nach Süden.

Eintausend Meter ist der Eisfjord tief! Nur deshalb können die riesigen Eisberge hier kalben und zum meerseitigen Fjordende, zur Isfjellbanken, schwimmen. Dafür benötigen sie etwa ein Jahr.

Das grönländische Inlandeis kalbt an mehreren Orten ins Meer. Doch nirgendwo geschieht dies so eindrucksvoll wie am Ilulissat Eisfjord, wo der Sermeq Kujalleq Gletscher mit einer Geschwindigkeit von bis zu 35 Metern pro Tag Unmengen von Eis in den Fjord schiebt.

Eisberg heißt auf grönländisch Ilulissat. Dies ist auch der Name der nahe gelegene Stadt. Ilulissat befindet sich an der Westküste, 250 Kilometer nördlich des Polarkreises.

Daten & Fakten

Naturdenkmal: Ein bis zu 1000 Meter tiefer Fjord, in den der Gletscher Sermeq Kujallec kalbt.
UNESCO-Ernennung: 2004

Durch den Ilullisat Eisfjord kalbt der Gletscher Sermeq Kujalleq ins Meer. Das ist einer der wenigen Punkte, an denen die Eiskappe Grönlands das Meer erreicht. Der Gletscher ist auch einer der aktivsten und schnellsten Gletscher der Welt, er bewegt sich mit 19 m pro Tag, wobei er 35 Kubikkilometer Eis pro Jahr ans Meer abgibt. Das sind 10% des Eises von Grönland, und mehr als jeder andere Gletscher außerhalb der Antarktis. Durch seine relativ gute Erreichbarkeit ist er sehr gut erforscht und trägt zum menschlichen Wissen über Eisberge bei.

Copyrightvermerk für Daten & Fakten
© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010

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