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SENDETERMIN So, 26.8.2018 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

Afrika: Senegal Ile Saint-Louis

Stadt der Frauen

Was mag die Franzosen nur bewogen haben, 1659 einen Sandhaufen zu besiedeln, den die Stämme am Kap Vert in Westafrika immer gemieden haben. Ein Sandhaufen, der nichts Nützliches hergab, wie der Duc de Lauzun im 18. Jahrhundert trocken bemerkte. Keine Bäume, keine Kräuter, kein Gemüse.

Hafenszene Ile-Saint Louis mit Fischerboot

Hafenszene Ile-Saint Louis mit Fischerboot

92.000 Taler und wahrscheinlich ein paar Fässer Branntwein zahlten die Franzosen für das 300 mal 2500 Meter schmale Handtuch in der Mündung des Senegal Flusses. Ile Saint Louis wurde ihr Ankerplatz, ihre Bastion auf der Handelsroute Indien - Südamerika. Ein Handelskontor und ein Fort. Als Verteidigung ein Witz und als Wohnstatt bar jeglichen Komforts. Eine rein strategische Entscheidung der Franzosen im Kampf der europäischen Mächte um die Reichtümer des afrikanischen Hinterlands - Gold, Elfenbein, Gummi Arabicum.

Das Grab der Europäer

Drei Wochen und 4500 Kilometer von der Heimat entfernt litten die Franzosen unter dem Klima - feuchte Kühle vom Atlantik im rauen Wechsel mit heißen Sandstürmen von der Wüste, dazu Gelbfieber-Epidemien, Darmkrankheiten, Malaria. « Le tombeau des Européens », als Grab der Europäer wurde Saint Louis auch bezeichnet. Trost gab es nur für diejenigen, die zu schnellem Reichtum gelangten oder jene, welche die Stationierung in den Häusern und Armen einheimischer Frauen überlebten.

Aufstrebende Stadt im 18. Jahrhundert

Straße mit Kolonialhäusern

Straße mit Kolonialhäusern

"Marriage à la mode du pays", mit der Hochzeit nach Landessitte erlangten schwarze Frauen gesellschaftliche Anerkennung und die französischen Besatzer eine vorübergehende Annehmlichkeit ihres Aufenthalts. Die gemeinsamen Kinder bildeten im 18. Jahrhundert eine aufstrebende Mischlingsaristokratie. Mit ihr entwickelte sich die Insel Saint Louis zu einer Stadt mit ganz eigener Architektur und bis ins 19. Jahrhundert zur Hauptstadt des französischen Kolonialreichs in Westafrika. Mit dem Ende dieser Ära und der Verlegung der senegalesischen Hauptstadt nach Dakar 1958 endet ein Abenteuerroman. Saint Louis wird nach und nach wieder zurückgeholt von Afrika und dem Wüstensand.

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Afrika: Senegal

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Vom Glanz einer Hauptstadt ist auf der Insel Ile Saint-Louis nichts mehr zu spüren. Und die neue Hauptstadt des Senegal, Dakar, ist zwar nah, doch für viele Bewohner der Insel weit weg.

Vom Glanz einer Hauptstadt ist auf der Insel Ile Saint-Louis nichts mehr zu spüren. Und die neue Hauptstadt des Senegal, Dakar, ist zwar nah, doch für viele Bewohner der Insel weit weg.

92.000 Taler und wahrscheinlich ein paar Fässer Branntwein zahlten die Franzosen für das 300 mal 2500 Meter schmale Handtuch in der Mündung des Senegal Flusses. Ile Saint Louis wurde ihr Ankerplatz, ihre Bastion auf der Handelsroute Indien – Südamerika.

Die Insel Saint Louis entwickelte sich im 18. Jahrhundert zu einer Stadt mit ganz eigener Architektur und bis ins 19. Jahrhundert zur Hauptstadt des französischen Kolonialreichs in Westafrika.

Im 18. Jahrhundert entstand durch die Ehen zwischen Franzosen und Afrikanerinnen eine Mischlingsaristokratie. Heute sprechen die Menschen auf der Insel mit vielen Zungen: Wolof zu Hause, Französisch als Verwaltungssprache und Arabisch in der Koranschule.

Geschäfte, Geschäftigkeit und Improvisationstalent - das zeichnet die Frauen auf der Insel aus.

Auf dem Fischmarkt regieren die Frauen: Gesalzen und in der Sonnen getrocknet oder geräuchert, wird der Fisch angeboten. Auch das eine „affaire de femmes“. Frauensache.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal:Saint-Louis: Insel Saint-Louis (Senegal)
UNESCO-Ernennung: 30.11.2000
1659
Franzosen besiedeln die Ile Saint-Louis in der Mündung des Senegal FLusses als Bastion auf der Handelsroute Indien - Südamerika
1659-1779
halten die französischen Kompagnien das Handelsmonopol inne, bestimmen Politik und Verwaltung
im 18.Jh.
bildet sich eine aufstrebende Mischlingsaristokratie
1789
machen die Bewohner von Saint-Louis eine Eingabe in Paris, um mehr Rechte einzufordern
1854
Mit Gouverneur Faisherbe beginnt die Eroberung des Flussdeltas durch die Franzosen. Entlang des Senegalflusses entstehen imposante Forts.
1883
Die erste Bahnlinie Schwarzafrikas verbindet Saint-Louis mit Dakar
1895
Saint-Louis wird die Hauptstadt der französischen Kolonien in Westafrika
1897
Eröffnung der Eiffelbrücke (507m lang), welche die Insel mit dem Festland verbindet
1930
Der französische Pilot Jean Mermoz überquert von hier aus den Atlantik. Die Postfluglinie Frankreich-Brasilien ist geschaffen.
1958
Die senegalesische Hauptstadt wird nach Dakar verlegt; Saint-Louis verliert nach und nach an Bedeutung und regradiert zur Provinzhauptstadt
1960
Unabhängigkeit des Senegal von Frankreich

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© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010