Bitte warten...

Filmtext & Video

14:39 min | Di, 18.8.2015 | 7:35 Uhr | SWR Fernsehen

Mehr Info

Moghulstadt Fatehpur Sikri, Indien, Folge 267

SWR

Ganz aus rotem Sandstein errichtet und mit allem Komfort ausgestattet, war Fatehpur Sikri Hauptstadt des Mogulreiches und wurde aber nach kaum zehn Jahren wieder verlassen. Zurück blieb eine Geisterstadt. Heute kann man, ganz wie vor vierhundert Jahren, durch eine intakte, hochherrschaftliche Stadt wandeln: Mehrstöckige Paläste, Gärten und ein Marktplatz, ein Wasserwerk, unzählige überdachte Gänge, Treppen und Terrassen. Sie sind Zeugnis der architektonischen Meisterleistung Akbars. Die untergegangene Metropole vereint zwei Gegensätze: die figurative Architektur der Hindus und die geometrische des Islam.

Filmtext

Dies ist die Geschichte von Akbar, Kaiser und Großmogul Indiens, und seiner Stadt: Fatehpur Sikri. Der Herrscher, seit 14 Jahren Regent und in seinem achtundzwanzigsten Jahr, sehnte sich nach einem Thronerben. Der Eremit Sheik Salim Chisti weissagte ihm die Geburt dreier Söhne. Kaum war die Gattin des Herrschers guter Hoffnung, so sandte er sie nach der Klause des Sheik Salim Chisti. Und bald darauf gebar die Kaiserin einen gesunden Sohn.

Aus Dankbarkeit und Freude errichtete Akbar am Wohnsitz des Weisen eine ganze Stadt. Als erstes wurde 1571 eines der wichtigsten Bauwerke fertig gestellt: Die "Große Moschee".Auf dem höchsten Punkt gelegen, überragte sie alle späteren Bauten. Wie schon im 16. Jahrhundert der Mogulkaiser Akbar, so pilgern auch heute Männer und Frauen nach Fatehpur Sikri: Zur Moschee und zum Grab des Sheik Salim Chisti. Man betet um die Gnade des Heiligen und um männliche Nachkommen. Vor dem Grabmal preist ein Musikant den Eremiten mit seinem Gesang.

Obwohl muslimische Andachtsstätte, erinnert der Eingangsbereich an einen hinduistischen Tempel - elegant geschwungen die marmornen Bögen des kleinen Vordachs. Eine gründliche Reinigung vor dem Besuch der Moschee. Sie war weithin bekannt, in zeitgenössischen Texten wird sie bewundert: "Eine so hohe und weite Moschee aus Stein, so groß, als sei sie Teil eines Berges. Nur selten hat man bisher in der ganzen bewohnten Welt dergleichen gesehen."

Unter dem Hof befindet sich ein riesiger Regenwassertank. Die Stadt wurde nach einem einzigen Bauplan konstruiert. So konnte vom höchsten Punkt, der Moschee, das Wasser in die tiefer gelegenen Teile der Stadt gelangen. Aquädukte und unterirdisch verlegte Rohre brachten es überall hin - besonders wichtig in dem trockenen Wüstenklima im nördlichen Indien, der Grenze Rajasthans. Zusätzlich wurden Sammelbecken, Pumpwerke und Brunnen wie dieser angelegt. Arbeiter und Baumeister aus ganz Indien schufen die unzähligen Gebäude und Paläste. Alles ist es aus Stein: Gitterwerk, Fenster, selbst Dachbalken sind aus dem roten Fels gemeißelt.

Der heimische Sandstein wird mühsam von Hand bearbeitet - damals wie heute. Kaiser Akbar - Bauherr, Architekt und Auftraggeber - auf der Baustelle. Nach nur 10 Jahren ist die Metropole vollendet. Den Baumeistern gelang die Verbindung zweier extremer Prinzipien: Die figurative Hindu-Architektur und die islamische - linear und geometrisch - wurden zu einem Ganzen. Wie in einem steinernen Zeltlager gibt es in der Stadt keine Straßen. Ihre Gebäude sind verbunden durch Wandelgänge, Treppen und Plätze. Hier feierten Akbar und sein Hofstaat rauschende Feste. Sklavinnen waren die Figuren auf dem Spielbrett im Palastbezirk. Das Spiel erinnert an unser "Mensch-Ärgere-Dich-Nicht". Es heißt, das jede Partie Stunden dauerte - für die "Spielsteine" in der sengenden Sonne eine Tortur. Eine spirituelle und politische Bestimmung hatte dieses Gebäude: Der Pfeiler im Zentrum ist einzigartig in der islamischen Architektur. Er erinnert an die altindische Weltsäule, die Himmel und Erde trägt. Ein Element, das nur von nicht-muslimischen Architekten konstruiert sein konnte. Und ein Indiz für Akbars Abkehr von der reinen Lehre des Islam. Es heißt, dass sich hier der Herrscher und seine Ratgeber versammelten. Der Mogulkaiser und gelehrte Gesandte der verschiedenen Religionsgemeinschaften - hier Christen mit ihrer Bibel - entwarfen eine neue Glaubenslehre. Sie sollte die Vorzüge aller Religionen in einer einzigen vereinen. Die kühne Idee hat die Zeit Akbars nicht überlebt.

Trotz aller Toleranz blieben Frauen ausgeschlossen. Sie lebten in ihrem Teil der Stadt: Im Harem.Von oben, versteckt hinter steinernen Fenstern, konnten die Haremsdamen auf das Treiben in den Höfen blicken - und auf diesen weiten Platz. Hier befand sich ein besonderer Markt, nur für Frauen. Eine zeitgenössische Chronik berichtet von den seltenen Gelegenheiten, zu denen die Frauen den Harem verließen: Händler boten Artikel aus aller Welt feil.

Die Haremsdamen waren geladen und auch die anderen Frauen. Der Charakter der Menschen und die Eigenschaften jeder Werkstatt kamen zum Vorschein.

1/1

Asien: Indien

In Detailansicht öffnen

Aus Dankbarkeit und Freude errichtete Akbar am Wohnsitz des Weisen eine ganze Stadt. Als erstes wurde 1571 eines der wichtigsten Bauwerke fertig gestellt: Die "Große Moschee".Auf dem höchsten Punkt gelegen, überragte sie alle späteren Bauten.

Aus Dankbarkeit und Freude errichtete Akbar am Wohnsitz des Weisen eine ganze Stadt. Als erstes wurde 1571 eines der wichtigsten Bauwerke fertig gestellt: Die "Große Moschee".Auf dem höchsten Punkt gelegen, überragte sie alle späteren Bauten.

1571 wurde eines der wichtigsten Bauwerke fertig gestellt: Die "Große Moschee"

Den Baumeistern gelang die Verbindung zweier extremer Prinzipien: Die figurative Hindu-Architektur und die islamische - linear und geometrisch - wurden zu einem Ganzen.

Eine spirituelle und politische Bestimmung hatte dieses Gebäude

Der Pfeiler im Zentrum ist einzigartig in der islamischen Architektur. Er erinnert an die altindische Weltsäule, die Himmel und Erde trägt.

Es heißt, dass sich hier der Herrscher und seine Ratgeber versammelten. Der Mogulkaiser und gelehrte Gesandte der verschiedenen Religionsgemeinschaften - hier Christen mit ihrer Bibel - entwarfen eine neue Glaubenslehre.

Hier befand sich ein besonderer Markt, nur für Frauen. Eine zeitgenössische Chronik berichtet von den seltenen Gelegenheiten, zu denen die Frauen den Harem verließen: Händler boten Artikel aus aller Welt feil.

Trotz aller Toleranz blieben Frauen ausgeschlossen. Sie lebten in ihrem Teil der Stadt: Im Harem.

Von oben, versteckt hinter steinernen Fenstern, konnten die Haremsdamen auf das Treiben in den Höfen blicken

Das "Haus der türkischen Ehefrau", wie es heute genannt wird. Hier befand sich wahrscheinlich eine kleine Bibliothek.

William Finch, anno 1610:"Wie eine öde Wüste liegt Fatehpur danieder. Die Gebäude sind verlassen, ihre Bewohner verschwunden. Ackerflächen sind überall, Getreide und Pflanzen." Die "Stadt des Sieges" wird zum Steinbruch.

Arbeiter und Baumeister aus ganz Indien schufen die unzähligen Gebäude und Paläste. Alles ist es aus Stein: Gitterwerk, Fenster, selbst Dachbalken sind aus dem roten Fels gemeißelt. Der heimische Sandstein wird mühsam von Hand bearbeitet - damals wie heute.

Seine Majestät nannte dies die Tage der Freude, da sie eine Quelle großen Genusses sind. Wie früher sitzen auch heute noch Frauen und Männer getrennt. Auf diesem Weg kehrte der Hof von Reiterspielen und Elefantenkämpfen zurück. Durch das Elefantentor betrat man die Stadt. Die Köpfe der Tiere wurden von einem Nachfolger Akbars zerstört. Der fromme Muslim duldete keine Abbildungen von Menschen und Tieren. Im Zentrum des Palastes, befindet sich das "Anup Talao", das "unvergleichliche Wasserbecken". Als Wasserspeicher für die trockene Jahreszeit, diente es nicht nur zur Zierde. Der kühlende Lufthauch erfrischte auch den Innenraum eines daneben gelegenen Gebäudes: Das "Haus der türkischen Ehefrau", wie es heute genannt wird. Hier befand sich wahrscheinlich eine kleine Bibliothek. In dem reich verzierten Pavillon wurde Akbar - er war Analphabet - aus Büchern vorgelesen. Die feinen Steinmetzearbeiten geben äußerst lebendig indische Dschungelszenen wieder. Exquisite Unterhaltung soll auch dieser kleine Palast dem Kaiser geboten haben. Als Wohnhaus oder als Audienzhalle und Forum für Poeten, Maler und Musikanten.

Und auch hier: Realistische Tier- und Menschendarstellungen - im Islam eigentlich nicht geduldet. Akbar drängt es in die Ferne - in andere Regionen Indiens. Sein Reich wächst, und Fatehpur Sikri verliert an Bedeutung. 1601 erringt der Mogulkaiser im fernen Süden Indiens einen entscheidenden Sieg und kehrt in einem Triumphzug zurück - nur zu Besuch. Aber er lässt ein mächtiges Tor errichten, das Buland Darwaza, Tor des Sieges. Ganz entgegen der Tradition überragt das Bauwerk, die Verherrlichung von Akbars Macht, die Moschee. Er verlässt Fatehpur. Und mit ihm sein ganzer Hofstaat. Zurück lässt er eine Inschrift - in das Buland Darwaza gemeißelt. Ein Nachruf auf die Stadt, die er nur ein Jahrzehnt bewohnte. Fatehpur, zu Mogulzeiten größer als London, verfällt. 25 Jahre nach Akbars Abreise besucht ein Weltreisender die einstige Metropole. William Finch, anno 1610:"Wie eine öde Wüste liegt Fatehpur danieder. Die Gebäude sind verlassen, ihre Bewohner verschwunden. Ackerflächen sind überall, Getreide und Pflanzen." Die "Stadt des Sieges" wird zum Steinbruch. Die mächtigen Zinnen umfrieden nun Kuhställe. Und das Leben geht weiter, so wie es immer war. Aus der Inschrift, die Kaiser Akbar am Buland Darwaza anbrachte: "Die Welt ist eine Brücke; gehe darüber, aber baue kein Haus darauf. Was vom Leben bleibt, ist ohne Wert."

Buch und Regie: Anja Freyhoff

Filmmusik & Stab

Kraft, Oliver
Schätze der Welt II
Schade, Jan Tilman
Fatehpur Sikri

Buch und Regie: Anja Freyhoff
Kamera: Thomas Stokowski

Zurück zur Startseite von:

Sendezeit

3sat
Sonntags:
19.40 Uhr

SWR Fernsehen
Sonntags:
6.00 Uhr
Torii
Gesamtliste - alle Folgen