Bitte warten...

Filmtext & Video



Filmtext

"Trompeter, Pauker, Pfeiffer, Harfenschläger, und andere dergleichen Spielleute gingen vor Ihro Majestät her, und machten ein nicht unebenes Spiel". Ich musste mit denen Hof-Fürsten in der ersten Reihe, gleich nach dem Kaiser gehen". So erlebt der französische Arzt Jakob Poncet im Juli 1699 als einziger europäischer Gast ein großes religiöses Fest in der afrikanischen Kaiserstadt Gondar. Nach einer über ein Jahr dauernden Reise über Kairo, das Rote Meer, die Gebirge des heutigen Eritrea, die Stadt Adua, war er im abessinischen Hochland eingetroffen. Er hatte sein Zelt in menschenleeren Wüsten aufgeschlagen, oder wenn er Glück hatte die Gastfreundschaft in einer Stroh bedeckten Hütte genossen. Seine Vorstellung von Zivilisation lag beinahe ein Jahr hinter ihm.

Und jetzt traf er mitten im tiefsten Afrika auf eine richtige Stadt, ja eine Residenz, die sich in ihren Ausmaßen und ihrer Pracht mit jedem Fürstenhof Europas messen konnte . . ."Der Patriarch in seiner bischöflichen Kirchentracht und Messgewand, welches ebenmäßig mit guldenen Kreuzlein gesteppt und gestickt war, stunde mit ungefähr hundert weiß gekleideten Mönchen bey dem Eingang. Ordens-Geistliche machten zwei lange Reihen ... ein jeglicher mit einem eisernen Kreuz in der Hand". Ob Karl Poncet das Masqualfest beschreibt, das hier gerade zu Füßen der Burg stattfindet, bleibt offen. Ihn haben die Prachtentfaltung beeindruckt, die Menschen und die Monumentalität der Gesamtanlage.

1636 hatte Fasilidas I. beschlossen auf 2300 m eine Residenz zu errichten. Die jährlich wiederkehrenden Regen zwischen Juni und September mit ihren unentrinnbaren, alles mitreißenden Wasserfluten, waren wohl der endgültige Auslöser für den Bau einer festen Anlage. Ein zu Stein gewordenes Feldlager, das sind die Paläste von Fasil Ghebbi eigentlich. Die Kaiser vorangegangener Perioden hatten in mobilen Zeltstädten gelebt, weitläufigen Anlagen mit Palastbezirk, Märkten und Militärlagern, bis zu 100.000 Menschen vorübergehend auf einem Platz. Ihre Aufgaben waren Feldzüge, Eroberungen und die Verteidigung der Grenzen des Reiches.

"Die kaiserliche Burg ist groß und weitsichtig auf einem sehr luftigen Lager erbaut. Sie liegt in Mitten der Stadt auf einem Hügel, welcher die ganze Stadt übersieht. Sie begreift in ihrem Umfang etwa eine Stunde Wegs. Die Mauern sind aus Quadersteinen aufgeführt, und werden von dergleichen Türmen bestrichen, auf derer jedem ein steinernes Kreuz pranget".

Vielleicht ist der Ursprung dieses Bauwerkes, das in ganz Afrika nicht seinesgleichen findet, aber auch im Mythischen zu suchen?

Es wird erzählt, dem jungen Kaiser sei im Gebirge oberhalb des Tana-Sees ein alter Mann erschienen, der ihm gebot, hier an der Stelle eines Teiches ein Schloss zu bauen. Ganz im Sinne seiner Vorgänger, von denen jeder ein neues Lager errichtet hatte, gehorcht der Herrscher.

Er baut aber nicht mit Holz, Lehm und Stroh, wie seine königlichen Vorfahren, sondern in Stein. Und seine Burg überdauert die Zeiten. Zuerst läßt er nur vier Türme errichten, einen für sich selbst und zwei für seine Frau, einen zur Rechten und einen zur Linken, dann einen vierten Turm für Audienzen und Gerichtsverhandlungen. Der Raum dazwischen wird überdacht, als Festsaal und für Bankette. 25 x 25 Meter mißt dieser "Palast des Fasilides".

1/1

Afrika: Äthiopien - Fasil Ghebbi

In Detailansicht öffnen

"Trompeter, Pauker, Pfeiffer, Harfenschläger, und andere dergleichen Spielleute gingen vor Ihro Majestät her, und machten ein nicht unebenes Spiel". Ich musste mit denen Hof-Fürsten in der ersten Reihe, gleich nach dem Kaiser gehen".

"Trompeter, Pauker, Pfeiffer, Harfenschläger, und andere dergleichen Spielleute gingen vor Ihro Majestät her, und machten ein nicht unebenes Spiel". Ich musste mit denen Hof-Fürsten in der ersten Reihe, gleich nach dem Kaiser gehen".

So erlebt der französische Arzt Jakob Poncet im Juli 1699 als einziger europäischer Gast ein großes religiöses Fest in der afrikanischen Kaiserstadt Gondar.

Und jetzt traf er mitten im tiefsten Afrika auf eine richtige Stadt, ja eine Residenz, die sich in ihren Ausmaßen und ihrer Pracht mit jedem Fürstenhof Europas messen konnte . . .

Ordens-Geistliche machten zwei lange Reihen ... ein jeglicher mit einem eisernen Kreuz in der Hand". Ob Karl Poncet das Masqualfest beschreibt, das hier gerade zu Füßen der Burg stattfindet, bleibt offen.

Ihn haben die Prachtentfaltung beeindruckt, die Menschen und die Monumentalität der Gesamtanlage.

1636 hatte Fasilidas I. beschlossen auf 2300 m eine Residenz zu errichten.

Die jährlich wiederkehrenden Regen zwischen Juni und September mit ihren unentrinnbaren, alles mitreißenden Wasserfluten, waren wohl der endgültige Auslöser für den Bau einer festen Anlage.

Ein zu Stein gewordenes Feldlager, das sind die Paläste von Fasil Ghebbi eigentlich.

Die kaiserliche Burg ist groß und weitsichtig auf einem sehr luftigen Lager erbaut. Sie liegt in Mitten der Stadt auf einem Hügel, welcher die ganze Stadt übersieht.

Sie begreift in ihrem Umfang etwa eine Stunde Wegs.

Die Mauern sind aus Quadersteinen aufgeführt, und werden von dergleichen Türmen bestrichen, auf derer jedem ein steinernes Kreuz pranget.

Zur Ruine wird das 24 x 40 Meter große Schloss erst im zweiten Weltkrieg, durch Bombardierung der Engländer, die den Italienern ihre Bastionen in Afrika streitig machen. Für Fasilidas Nachkommen brechen unruhige Zeiten an. 1708 wird auch der Nachfolger Iyasus ermordet.

Er steht am Beginn einer umfangreichen Burganlage, dem "Gemp". Zu den Architekten gibt es viele Spekulationen. Doch über ihre Namen und woher sie kamen ist nichts bekannt. Jemenitische Einflüsse werden genauso vermutet wie portugiesische oder indische. Für alles gibt es Indizien. Am stärksten verbunden fühlt sich der Bauherr der eigenen, lokalen Tradition, die viele Jahrhunderte zurückreicht. Bis in die Zeit der längst verfallenen Paläste von Aksum.

"Am Vormittag des 10. August 1699 gab er mir eine öffentliche Audienz. Durch mehr als zwanzig Stuben und Zimmer geführt, kam ich in einen großen Saal, in welchem der Kaiser auf seinem Ehrenbette saß. Der Kaiser selbst war mit einem engen, Gold gestickten Rock gekleidet. Ein großer Smaragd schimmerte auf seiner Stirn und vermehrte sein herrliches Aussehen".

Rund um die Mauern der Burg geht das Fest weiter. Mit Gesängen erinnern die Priester an die Widerauffindung des heiligen Kreuzes vor 1700 Jahren. Ganz Gondar hat sich jetzt um ein riesiges Holzkreuz versammelt. In die Privatgemächer des Kaisers dringt der Lärm des Festes nur verhalten.

War dies ein Wohn- oder Schlafzimmer? Auf eine schöne Aussicht legte der Herrscher besonderen Wert. An seltenen Tagen reicht sein Blick bis zum 60 Kilometer entfernten Tana-See. Das Badehaus mit Sauna. Es kann von einem tiefer gelegenen Keller beheizt werden. Ein raffiniertes System von Zu- und Abluftkanälen sorgt für die richtige Temperierung. Zebuhörner dienen als Kleiderhaken. Der Löwenkäfig. Wappentier der äthiopischen Kaiser, Signum ihrer Macht. Der letzte Löwe lebte hier bis 1965. Die Zeit unter Kaiser Fasilidas und seiner nächsten Nachfolger ist nicht nur eine Phase relativer politischer und territorialer Stabilität in Äthiopien, Kunst und Literatur entwickeln sich zu einer neuen Blüte. Wenige Schritte gegenüber des Palastes entsteht eine Bibliothek, vollendet von Kaiser Yohannes.

Er bricht als erster mit der Tradition während der Regenzeit, an immer neuen Plätzen Lager zu errichten, baut an der Burg seines Vaters Fasilidas weiter. Von dem Staatsarchiv, gleich neben der Bibliothek stehen nur noch die Außenmauern. Zerstörungen und Brandschatzungen im 18.Jahrhundert haben nichts übrig gelassen von den Unterlagen und Akten, die erzählen könnten aus einer der erfolgreichsten und zugleich spannendsten Perioden Äthiopiens.

"Äthiopien ist ein weitläufiges Reich, welches über viel große Landschaften und Königreich zu gebieten hat, deren eines Namens Tigra vier und zwanzig Fürstentümer und eben so viel Land-Vögt unter sich hat. Das Königreich "Ago" hat der heut regierende Kaiser unlängst erobert . . ."

So berichtet der Franzose Jakob Poncet. Erfolgreich kehrt Fasilidas von zahlreichen Auseinandersetzungen mit den Stämmen der Oromos in seinen Gemp, die Burg von Gondar zurück. Was ihn allerdings dann zu Hause, innerhalb seiner Mauern erwartet, dürfte seine Energien nicht weniger beansprucht haben: Seit Jahrhunderten versuchen portugiesische Missionare die orthodoxen Christen Äthiopiens zu spalten und zum Katholizismus zu bekehren. Bis in die Familie des Kaisers reicht dieser Konflikt, bietet Stoff für Intrigen, ja sogar Morde. Gleich unterhalb der Burg, ein riesiger Feigenbaum, der ehemalige Richtplatz.

Daß ein Mitglied der kaiserlichen Familie, die Frau Iyasus I. dort für den Mord an ihrem Gatten büßen muss, geschieht allerdings nicht mehr zu Fasilidas Lebzeiten. Der Palast dieses Iyasu liegt gleich hinter dem des Fasiladas. Welche Tragödie mag sich dort 1706 abgespielt haben?

Zur Ruine wird das 24 x 40 Meter große Schloss erst im zweiten Weltkrieg, durch Bombardierung der Engländer, die den Italienern ihre Bastionen in Afrika streitig machen. Für Fasilidas Nachkommen brechen unruhige Zeiten an. 1708 wird auch der Nachfolger Iyasus ermordet. Immer mehr gewinnen die Provinzfürsten an Macht, degradieren die Herren in der Burg zu Marionetten. Trotzdem ist die Bautätigkeit auf der Residenz ungebrochen. Sollten große Schlösser und gigantische Prachtentfaltung vielleicht auch einfach über den rapiden Machtverfall der Kaiser hinweg täuschen? Als eine der letzten Gondar-Dynastien regiert Kaiserin Welata Georgis, genannt Mentewab.

Ihr Palast ist Ausdruck eines weiter verfeinerten Lebensstils, letzter glanzvoller Höhepunkt, vor dem endgültigen Sturz der Metropole in die provinzielle Bedeutungslosigkeit. Noch ist Fasil Ghebbi Zentrum der Eliten des Landes. Neben zahlreichen Schulen gibt es Fakultäten für Theologie, religiöse Musik und Recht. Am Hof erhält jeder der lernen will eine freie Mahlzeit. Wer lesen und schreiben kann bekommt noch ein Bier dazu, für Künstler und Dichter sogar Honigwein. Auch heute beherbergt der Palast der Mentwab eine gut besuchte Bibliothek. Für äthiopische Verhältnisse ist das moderne Gondar mit beinahe 100.000 Einwohnern eine große Stadt und ein regionales Verwaltungszentrum. Die Burg wirkt mit den sie umgebenden Palästen immer noch wie aus einer anderen Welt, ... steht heute wie damals in krassem Gegensatz zu der einfachen Bebauung des Umlandes. Türme und Mauern sind Touristenattraktion und Kulisse für Hochzeiten. Auf ihre Burg sind die Äthiopier stolz, versuchen sie mit allen Mitteln vor dem Verfall zu bewahren.

Das Masqual-Fest geht seinem Höhepunkt entgegen. Wie zu Zeiten des Fasilidas vereinen Religiosität und die Freude über den kommenden Frühling alle Äthiopier, Bauern, Priester und Könige.

Buch und Regie: Rüdiger Lorenz

Filmmusik & Stab

Kraft, Oliver
Schätze der Welt II
Awdamet Ethiopia
Fasil Ghebbi

Buch und Regie: Rüdiger Lorenz
Kamera: Erwin Lanzensberger

Zurück zur Startseite von:

Sendezeit

3sat
Sonntags:
19.40 Uhr

SWR Fernsehen
Sonntags:
6.00 Uhr
Torii
Gesamtliste - alle Folgen