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Europa: Rumänien - Sighisoara

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Der Uhrturm, in dem die kleinen Ewigkeiten tageweise gemessen werden, ist eines der beiden Wahrzeichen Sighisoaras.

Der Uhrturm, in dem die kleinen Ewigkeiten tageweise gemessen werden, ist eines der beiden Wahrzeichen Sighisoaras.

Der ganze Ort demonstriert den Willen, der Vergangenheit eine bleibende Form zu geben.

Mit ihrer Burganlage, den Wehrtürmen und etwa 150 Wohnhäusern, die den Anstürmen der Geschichte und denen der Witterung seit nunmehr über 300 Jahren standgehalten haben, ist die Stadt das einzige noch erhaltene architektonische Ensemble dieser Art in ganz Transsilvanien, zu deutsch, Siebenbürgen.

Wie von Kinderhand geschaffen, sieht der Ort auf den ersten Blick aus: Klein, schief und bunt sind die Häuser.

Bemalt in Farben wie aus einem Kindermalkasten: Himmelblau, himbeerrot, grasgrün, sonnengelb. Die Farben spielen gleichsam mit den Formen, weiche Linien tanzen unbekümmert mit den starren Regeln heutiger Baukunst.

Das windschiefste Beispiel dieser fröhlichen Bauanarchie ist der Zinngießer-Turm. Sein Obergeschoss hat irgendwann aufgehört, vor dem Diktat der Symmetrie strammzustehen uns bevorzugt seither eine bequem-kühne Seitenlage.

Nach dem großen Mongoleneinfall sind es vor allem die Türken, die die aufstrebende Handelsstadt das Fürchten lehren.

Der Blutsauger Dracula, heute kochfest auf T-Shirts und unbegrenzt haltbar auf Holztafeln gebannt, lässt sich gut vermarkten.

Auch im heutigen Dracula-Restaurant, in dem sich einst Fürst Vlad Dracul für ein paar Jahre niedergelassen haben soll, floriert das Geschäft mit dem schauderhaften Kick beim Mittagessen.

Dennoch spukt die Horrorgeschichte vom blutrünstigen Monster in diesem Gebäude weiter, das es damals noch gar nicht gab. Wie allerdings das Konterfei des Vlad Dracul, das man hier unter dem Putz gefunden hat, dorthin gekommen ist, bleibt eines der vielen wunderbaren Mysterien dieses Landes.

Sighisoara, diese morbide mittelalterliche Schönheit, glättet an manchen Stellen bereits ihre markanten Unebenheiten und Lebensfalten. Noch erkennt man ihr altes Gesicht, noch spricht es ganze Bände. Jedenfalls für die, die hinsehen können.

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