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Filmtext & Video

13:49 min | Mi, 1.7.2015 | 7:35 Uhr | SWR Fernsehen

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Epidauros, Griechenland, Folge 43

SWR

Der Halbgott Asklepsios, Sohn des Musengottes Apollon, bekam hier eine Kultstätte mit einem Tempel errichtet, zu der in der Antike kranke Menschen zogen, um sich heilen zu lassen. Das Kulturdenkmal ist ein Heiligtum und »antikes Lourdes« der Ort der Asklepieia mit sportlichen Wettkämpfen, die stets im Schatten der Olympischen und Delphischen Spiele standen.

Filmtext

Die Geschichte von Epidauros fängt an wie viele Geschichten in Griechenland: eine wunderschöne Sterbliche und ein verliebter Gott. Sie hieß Koronis. Er war Apollon, Gott der Musen.

Das Kind brachte sie im schönen Argolis zur Welt, dort, wo heute Epidauros liegt. Sie setzte es aus. Eine Herde Ziegen nährte das Kind. Der Hirtenhund schützte und wärmte es. Als der Hirt seine Tiere suchte, fand er das Kind, Blitze gingen von ihm aus. Das Kind war Asklepios, der Gott der Heilkunst. Obwohl er ein Gott war, musste er sterben. Zeus erschlug ihn, weil er Menschen vom Tod erweckte. Er lebt weiter in den heiligen Schlangen.

Früh gab es hier eine Kultstätte. Zuerst wurde ein Held namens Maleatas verehrt. Ihm folgte Apollon. Und als sich im 5. Jahrhundert der Asklepios-Kult in Griechenland ausbreitete, trat Asklepios neben Apollon. Der Sohn ersetzte schließlich den Vater. War Apollon der Gott aller Künste, auch der Heilkunst, war Asklepios allein der Gott der Therapie. Im 4. Jahrhundert wird das Heiligtum zum Pilgerzentrum und Kurort, eine Art Lourdes der Antike. Was heute den Touristen, den modernen Pilger anzieht, sind weniger die Reste des Heiligtums als das besterhaltene Theater der Antike. Eine der Hauptsehenswürdigkeiten Griechenlands. Was soll man auch anfangen mit einem Feld voller Steine. Es braucht viel Phantasie, um genau hier sich das eigentliche Zentrum des Heiligtums vorzustellen.

Den Asklepios-Tempel mit seinen Votivgaben. Das Abaton, die Halle für den Heilschlaf, die Tholos, ein geheimnisvoller Rundbau.

Die Zeit hat nur wenige Steine aufeinander gelassen: die verheerenden Erdbeben von 522 n.Chr. und 551. Um einen Eindruck der vergangenen Pracht zu gewinnen, muss man ins Museum gehen und das wenige Erhaltene anschauen. Der Pilger der alten Zeit kam von Norden. Hier, am Propylon, trat er in den heiligen Bezirk ein, in dem eigene Gesetze galten. Neben dem Heiligtum befindet sich ein antiker Brunnen, eine Wasserleitung und Waschbecken. Hier musste der Pilger sich waschen. Denn wie heißt es auf einem Stein: "Du musst rein sein, um in das weihrauchduftende Haus des Gottes einzutreten. In den Hallen des Propylon hieß es nun warten, bis eine Pilgergruppe versammelt war. Dann zogen sie, geleitet von den Priestern des Asklepios, über die heilige Straße zum zentralen Platz, dort, wo der Tempel des Asklepios stand, das Abaton und die Tholos.

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Epidauros - Heilzentrum und Heiligtum der Antike

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Blick vom Theater aus auf die Ruinen von Epidauros

Blick vom Theater aus auf die Ruinen von Epidauros

Darstellung eines Mannes, der dem Gott Asklepios ein riesiges Bein zum Dank für die Heilung opfert.

Fundstücke: "Die reitende Amazone" und Torso des Kriegers.

Skulptur einer Frau.

Das Theater wurde zwischen dem dritten und zweiten Jahrhundert vor Christus gebaut. Es fasste ursprünglich 6.200 Zuschauer, wurde dann aber erweitert, so dass über 12.000 Menschen Platz fanden. Theater war Teil de Heilkunst.

Unter dem wunderschönen Rundbau Tholos befinden sich labyrinthartig drei Mauerringe, die miteinander in Verbindung stehen. Niemand weiß, wozu dieser Bau diente. War es vielleicht die unterirdische Wohnung der heiligen Schlangen?

Die Schönheit der griechischen Plastik: Jüngling

Wasserleitung neben dem Heiligtum

Inschrift an einer Ruine des Tempels des Aslklepios

Am Propylon, traten die Kranken in den heiligen Bezirk ein, in dem eigene Gesetze galten. Neben dem Heiligtum befindet sich ein antiker Brunnen, eine Wasserleitung und Waschbecken. Hier mussten sich die Pilger waschen. Denn wie heißt es auf einem Stein: "Du musst rein sein, um in das weihrauchduftende Haus des Gottes einzutreten.

Weihrelief, auf dem der Heilgott Asklepios mit Schutzflehenden dargestellt wird.

Ein Relief im Museum am Eingang zur Stätte.

Es wird ein armseliger Zug gewesen sein, der da hustend und keuchend, hinkend in das Heiligtum einzog. Männer und Frauen, Junge und Alte, die meisten mit Hoffnung im Gesicht, manche mit Skepsis, einige, die die Erfahrung anderer Asklepios-Heiligtümer hinter sich hatten, denen der Gott dort nicht geholfen hatte und die es jetzt an diesem berühmten Ort versuchten. Manche gestützt von ihren Begleitern, andere auf Bahren, wieder andere mit Krücken, und alle hatten sie Tiere dabei, die Opfertiere für den Gott. Die Reichen einen Ochsen, die Armen ein Lamm oder eine Taube.

Vor dem Tempel des Asklepios hieß es noch einmal, sich waschen. Und dann traten sie, einer nach dem anderen, zum Opferpriester, um ihm ihr Tier zu übergeben, das er auf dem Altar hier im Freien vor dem Tempel des Gottes schlachtete. Priester vollzogen die heilige Handlung auf dem Altar inmitten des Platzes. Dann waren sie aufgenommen in den heiligen Bezirk, beteten im Tempel und legten sich zum Schlaf ins Abaton. Das ist das, was vom Asklepios-Tempel übrig geblieben ist, Fundamente, Mauern, die Sockel von Votivgaben. Der antike Schriftsteller Pausanias hat eine Schilderung des Tempels hinterlassen. 420 v.Chr. wurde mit dem Bau begonnen. Ein Tempel im dorischen Stil. Er stand auf einem dreistufigen Podest. Einiges wenige seines Giebelfrieses ist erhalten. So kann der Giebelfries ausgeschaut haben: eine Schlacht. Gekrönt war der Tempel mit einer Figur der Nike, der Göttin des Sieges.

Die Computer-Animation macht es möglich, den Tempel zu betreten. Seine hölzerne Tür war mit Elfenbein und Gold verziert. Ebenso wie die von dem Bildhauer Thrasimedes aus Paros geschaffene Figur des Gottes mit der heiligen Schlange und dem Hirtenhund. Vom Asklepios-Tempel gehen wir hinüber zur Tholos. Unter diesem wunderschönen Rundbau befinden sich labyrinthartig drei Mauerringe, die miteinander in Verbindung stehen. Niemand weiß, wozu dieser Bau diente. War es vielleicht die unterirdische Wohnung der heiligen Schlangen? Oder stiegen die Asklepios-Priester mit den Kranken hinunter in das Labyrinth, in die Unterwelt, ließen sie dort im Labyrinth den Weg des Menschen zu sich selbst begreifen? Wir werden es wohl nie erfahren.

Der Grundriss des unterirdischen Gebäudes, der Grundriss des oberirdischen. In der Mitte die Steinplatte, die den Zugang zur Unterwelt verschloss. Ein Kapitell, das sich von der Tholos erhalten hat. Korinthisch, einzigartig in seiner verspielten Pracht. Reste des Gebälks. Arkanthus Ornamente, schmückende Rosetten, ein Löwenkopf als Wasserspeier.

Von der Tholos hinüber zum Abaton. Weiß man nicht, welche Funktion die Tholos und ihre unterirdische Anlage hatte, so ist auch das Abaton mit seinem Heilschlaf ein Geheimnis. Man sagt, die Pilger hätten in der ersten Nacht eine Erscheinung des Gottes gehabt, der ihnen die Therapie erläutert hat. Oder waren es maskierte Priester, die in der Nacht zu den Kranken traten? Und welche Funktion hatten die heiligen Schlagen? Kamen sie wirklich und saugten die Krankheit aus den Körpern der Kranken? Aber geholfen hat es offenbar. Dieser Mann opfert dem Gott ein riesiges Bein zum Dank für die Heilung.

In Epidauros wird das Abaton rekonstruiert. Unter Verwendung erhaltener Steine.

Auch das gehörte zu einem griechischen Heiligtum, ein Stadion, in dem alle vier Jahre dem Gott geweihte Wettkämpfe stattfanden. Wie in Olympia, wie in Delphi.

Und dann das Theater. Es wurde zwischen dem dritten und zweiten Jahrhundert vor Christus gebaut. Es fasste ursprünglich 6.200 Zuschauer, musste dann aber erweitert werden. so dass es 12.300 Personen fasste. Und doch ist das Theater eben nicht nur der Unterhaltung der Kurgäste gewidmet, das griechische Theater spielte in der Heilkunst durchaus eine Rolle.

Die Tragödie mit ihren Geschichten voll Schuld und Sühne hatte den Sinn, die menschliche Seele durch das Mitempfinden an der Schuld, an der Söhne, am Gang des Schicksals zu berühren und

Griechische Ärzte unterschieden vier Stufen der Therapie: Tragödie, richtige Ernährung, heilende Pflanzen, das Messer des Chirurgen.

Heute wird im Theater von Epidauros mit seiner großartigen Akustik wieder gespielt.

Buch und Regie: Christine Stephan-Kaissis und Werner O. Feißt

Filmmusik & Stab

Siebert, Büdi
Schätze der Welt I
Taburis, Petros
Greek Classic, Take 14
Griechische Musik der Antike
Papyrus Oslo (22)
Atrium Musicae
Theodorakis, Mikis
Take 2
Theodorakis, Mikis

Buch und Regie: Christine Stephan-Kaissis und Werner O. Feißt
Kamera: Jörg Jeshel
Produktionsjahr: 1996

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