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Filmtext & Video

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Filmtext

Als David Livingstone am 16. November 1855 jenen Ort in Afrika erreichte, an dem heute seine Statue steht, war er schon mehrere Jahre im südlichen Afrika unterwegs. Die Tage um den 16. November aber haben ihn so nachhaltig beeindruckt, dass sie in seinen Reisebeschreibungen immer wieder Erwähnung finden. Seit 1841 war der schottische Missionar und Arzt in Afrika tätig.

1849 entschloss er sich zu seiner ersten großen Reise ins Landesinnere. Die Forschungsergebnisse dieser Reise faßte er in seinem berühmten Werk, "Missionsreisen und Forschungen im südlichen Afrika" zusammen und weckte damit das Interesse der Welt an diesem bisher unbekannten Teil Afrikas.

Kein Kapitel seiner Aufzeichnungen aber erregte soviel Aufsehen wie die Beschreibung der Entdeckung - zu der er in den frühen Morgenstunden des 16. November aufbrach.

Der Forscher ließ sich von Einheimischen stromabwärts bringen und beschreibt in seinem Tagebuch die Annäherung so:

" ... der Sambesi selbst nimmt hier einen nordöstlichen Lauf und erhält von der Nordseite mehrere Zuflüsse, deren einen man benutzen muss, um wieder auf dem Hauptstrom einzulenken. Die Szenerie, die sich jetzt im Auge eines Europäers spiegelt, ist eine außerordentlich schöne. Hier ist für den Pflanzen- und Tierforscher ein weites Feld ausgebreitet, auf dem in vielleicht nicht zu ferner Zeit ein Begünstigter reiche wissenschaftliche Ernte zu halten vermag."

"Das Erste was aus einer Entfernung von etwa zwei Stunden zu erblicken ist, gleicht in der Tat ganz und gar den riesigen Rauchsäulen, wie sie bei dem in Afrika so gewöhnlichen Wegbrennen des dürren Graswuchses auftreten. Vom Winde gebogen und sich anscheinend mit den Wolken vermischend, leibhaftiger Rauch! Die Eingeborenen nennen das Naturwunder, dem sie aus Furcht nicht gerne nahekommen, "Donnernder Rauch", wörtlich, -Rauch lärmt hier- und diese Benennung kann nicht anders als passend gefunden werden."

Der niedrige Wasserstand erlaubte es, dass die Einheimischen ihn auf die später nach ihm benannte Insel "Livingstone Island" führen konnten, die direkt an den Abgrund grenzt.

"Kein Mensch", schrieb er in sein Tagebuch "wird auf dieser Stelle begreifen, wo die Menge Wasser auf einmal herkommt; der Strom scheint von der Unterwelt verschlungen zu werden, denn die Hügelreihen an beiden Ufern werden durch einen querlaufenden Hügelwall scheinbar verbunden und abgeschlossen und der jenseitige Rand des Schlundes, worin das Wasser verschwindet, ist nur 27 m entfernt". "Die Fälle sind nichts weiter als ein Riss in den harten Basaltfelsen vom rechten nach dem linken Ufer des Sambesi;

Die ganze erstaunliche Szene ist das Werk einer ehemaligen Bodenerhebung, infolge derer sich ein tiefer Sprung in dem untenliegenden harten Basaltfelsen aufgetan hat. In diesen Schlund stürzt sich der Strom in einer Breite von wenigstens 1000 Schritten tief hinunter". Die Neugier trieb den Forscher dazu, bis an den äußersten Rand zu kriechen, um festzustellen, was er da vor sich hatte.

Um an die gegenüberliegende Seite der Schlucht zu gelangen, musste Livingstone von der Insel aus zurück über die zahlreichen Wasserarme des Sambesi, um schließlich von dieser Stelle aus die Wasserfälle in ihrer ganzen Gewalt und Schönheit aufnehmen zu können. Die englischen Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts hatten die Unsitte, jedes Inselchen und jede Landspitze mit einem englischen Namen zu belegen. Größtenteils enthielt sich Livingstone dieser Unsitte, hier jedoch machte er eine Ausnahme und nannte diesen majestätischen Ort zu Ehren seiner Königin "Victoria-Falls".

Natürlich war David Livingstone, der als wahrscheinlich erster Europäer am 16. November 1855 bis an diesen Ort vordrang, nicht der Entdecker der Wasserfälle des Sambesi. Schon lange vor ihm stand ein unbekannter Schwarzer vor dem "mosi wa tunya" - dem "Donnernden Rauch".

Im Vorwort des ersten Bandes der "Forschungsreise, ...." wird David Livingstone mit folgenden Worten beschrieben, ...."Unter den großen Entdeckungsreisenden, welche uns in neuer Zeit unter Mühen und Todesgefahren das rätselhafte Afrika kühnen Mutes erschlossen, wird der Name des Schotten David Livingstone immerdar mit Ehren als der Ersten einer genannt werden. Fast ein Vierteljahrhundert setzte er daran, edlen Eifers voll, die verschlossenen Tore des schwarzen Kontinents zu sprengen.

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Afrika: Sambia/Simbabwe

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Abendstimmung bei den Wasserfällen

Abendstimmung bei den Wasserfällen

Zwischen den Schluchten fließt das Wasser noch ruhig

Mit lautem Getöse stürzen die Wasserfälle hinunter

Wachstum am Wasserrand

Durch die Wasserfälle kann man viele Regenbogen entdecken

Ein fantastischer, aber gefährlicher Anblick

Durch den feinen Wassernebel entstehen schöne Regenbogen

Die Victoria-Wasserfälle

Ab in die Tiefe

Die Statue von David Livingstone

So ruhig kann das Wasser am Abend sein

Auch Elefanten gehören zu dem Landschaftsbild dazu

Wasser soweit das Auge reicht

Von dort, wo er den oberen Lauf des mächtigen Sambesi-Stromes und das Wunder desselben, die Viktoria-Katarakten, den größten Wasserfall unserer Erde entdeckte, tritt er jene weit ausgedehnten Querzüge an, die ihm den hohen Ruhm eintragen, als der erste wissenschaftlich gebildete Europäer den ganzen Kontinent von Ozean zu Ozean bereist zu haben."

Ausgelöst von Livingstones Schilderungen brachen zahlreiche Afrikaforscher zu den "Viktoria-Falls", wie sie von nun an hießen, auf. 1863 entdeckte Richard Glyn die Buchstaben "D. und L." auf der kleinen Insel, die Livingstone dort in einen Baum geschnitten hatte.

Von Thomas Baines, der etwa zur gleichen Zeit zu den Fällen vordrang, ist diese Schilderung überliefert: An dem sumpfigen Gelände leewärts der Schaumwolke vorübergehend, drangen wir in einen dichten Wald ein, der stets wie von heftigen Regenschauern nass erhalten ist und standen plötzlich vor dem westlichsten der Katarakten, in deren abhängigen Kanal sich der Fluss als eine schäumende Stromschnelle stürzt, bis er, mit dem Anprall, welchen er erlangt hat, plötzlich von dem Rand der Felswand in den Abgrund, 400 Fuß unter uns hinabschiesst.

Die Felswand hat hier ihre ursprüngliche Höhe und der Rand, welcher nicht ausgewaschen ist, zeigt keine Senkung, um die Strömung des Flusses zu beschleunigen, welcher ruhig weiterfliesst, bis er in schneeweißen Massen in die Tiefe unter ihm fällt, wo der verdichtete Gischt sich in die Höhe zieht und, zurückprallend von der gegenüberliegenden Klippe, im Aufsteigen in einem so glanzvollen Regenbogen schillert, wie ihn nur die von keinen Wolken abgeschwächte tropische Sonne hervorzubringen vermag.

David Livingstone hat das Wunder Natur - die Victoria-Fälle - für die europäische Wahrnehmung entdeckt.

Neuere geologische Forschungen haben ergeben, dass die Basaltfläche, die der Sambesi heute quert, im Oberen Jura entstanden ist. Im Verlauf der Erdgeschichte änderte der Sambesi immer wieder seinen Lauf, Bewegungen in der Erdkruste unterbrachen sein Flussbett und hinterließen tiefe Ost-West-Risse, die das Wasser über 500.000 Jahre freispülte und so die im Zick-Zack verlaufenden Schluchten sichtbar machte.

Die Längskanten dieser Schluchten markieren die Lage der sieben Vorgänger der heutigen, also der achten Wasserfälle. Wobei der neue Nord-Süd-Einschnitt bereits entsteht und die Bildung der neunten Fälle ankündigt. In einigen Jahrtausenden wird es einen Wasserfall mit so imposanter Breite wie heute hier nicht mehr geben.

Im folgenden Jahrzehnt unternahm David Livingstone weitere Forschungsreisen ins Innere des südlichen Afrikas. Inzwischen war der zweite Band seiner Reisebeschreibungen erschienen, der ihn auch in Amerika berühmt machte. Doch der Kontakt zu Livingstone war abgebrochen. 1871 beauftragte ein amerikanischer Zeitungsverleger den Reporter, Henry Morton Stanley, nach dem verschollenen Forscher zu suchen.

Stanley fand den kranken und so gut wie mittellosen Livingstone in Ujiji am Tangajikasee, aber er konnte Livingstone nicht dazu bewegen, nach Europa zurückzukehren. So reisten die beiden Forscher gemeinsam nach Tabora, von wo aus sich Livingstone wieder nach Süden wandte in der Hoffnung, doch noch das Geheimnis der Flüsse Luapula und Lualaba lösen zu können.

Im Jahre 1874 wurde eine weitere Hilfsexpedition für Livingstone ausgesandt. In der Nähe von Tabora begegnete man den Trägern Livingstones, die sich mit der einbalsamierten Leiche des Forschers auf dem Weg zur Küste befanden. Livingstone war am 1. Mai 1873 im Dorfe des Häuptlings Chitambo gestorben. Dort liegt in einer Grabstätte sein Herz begraben, die sterbliche Hülle wurde nach London überführt und in Westminster Abbey bestattet.

Buch und Regie: Hannes Schönemann

Filmmusik & Stab

Musik:
Schätze der Welt I - Vor- und Abspann:
Siebert, Büdi

Soundtrack Simbabwe:
Lambarena, Take 13:
Berthéas, Mariella
Lambarena, Take 8:
Berthéas, Mariella
Lambarena, Take 5:
Berthéas, Mariella
Lambarena, Take 11:

Zimbabwe, Take 6:
Mudhatera Muyinu
Zimbabwe, Take 7:
Mudhatera Muyinu

Buch und Regie:
Hannes Schönemann
Kamera:
Michael Lösche

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