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Asien: China Filmtext & Video

Die Tulou-Rundhäuser in Fujian

14:55 min | So, 21.1.2018 | 19:40 Uhr | 3sat

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Die Tulou-Rundhäuser in Fujian, China, Folge 379

SWR

Die Lehmrundbauten des Volkes der Hakka in Südost China bieten Lebensraum für mehrere Hundert Menschen. Kreisrund, bis zu fünf Stockwerke hoch, mit einem Durchmesser von über 100 Metern, kreist die Gruppen - Wohnanlage um einen runden Innenhof. Ein einziges Haus - ein ganzes Dorf.

Filmtext

Die Mitte zu finden, eine Balance in der Bewegung von Zeit und Raum, ein Gleichgewicht, ein Miteinander, eine Harmonie in sich selbst, der Gemeinschaft und in der kosmischen Ordnung - das hat Konfuzius den Menschen Chinas ratsam mit auf den Weg gegeben. Im Einklang mit der Natur und ihren Lebensquellen - und mit Respekt davor - Geist und Bildung veredeln. So steht es auch in den Schriften des Volkes der Hakka. Im Südosten Chinas, in den Bergen der Provinz Fujian, haben sie eine Kultur im Geiste Konfuzius etabliert, deren Architektur eine vollendete Harmonie mit ihrer Umgebung sucht - die Lehmrundhäuser der Hakka, Tulou genannt. Das Ensemble von Tianloukeng hat die Form einer Pflaumenblüte.

Ein Gruppe von Tulou-Rundhäusern

Festungen - die Häuser der Hakka

"Hakka" bedeutet 'an fremdem Ort'. Im 4. Jahrhundert hatte die Flucht des Volkes begonnen, das aus der nördlichen Ebene des Gelben Flusses kam, verfolgt von den Herrschern der Tang Dynastie. In den unzugänglichen Tälern Südostchinas fanden Hunderttausende Zuflucht. Sie bauten versteckt ihre autonome Kultur auf. Die Knochen ihrer Vorfahren nahmen sie mit auf die tausende Kilometer lange Reise, ihren Hausstand und ihr Vieh, Hühner, Enten, Hunde und Schweine. Aber auch ihre Tugenden brachten sie mit in das neue ferne Land: Fleiß, Tapferkeit, Gemeinschaftsgeist.

Es steht an erster Stelle ihrer Schriftrollen: Nur der Glücksuchende und Strebsame wird in der Gemeinschaft persönliche Erfüllung finden. Das soziale, auf Großfamilien- und Dorfstrukturen gegründete Netz fand eine entsprechende Bauweise in ihren Häusern. Die Tulou-Rundbauten, entfalten in ihrem Inneren eine einmalige für Familien konzipierte Architektur - eine Art Reihenhäuser im geschlossenen Kreis. Nichts anderes bedeutet das Wort Tulou: "Runde-Stockwerk-Dörfer". Einzigartig auf der Erde.

Cheng Qi Lou im Tal von Yongding ist ein vollendetes Beispiel. 73 Meter im Durchmesser, 300 Räume, Platz für 800 Menschen. Im Innenhof ziehen die Gassen aus Lagergebäuden konzentrische Kreise, ein geordnetes Labyrinth. Wie alle Tulou findet auch Cheng Qi seine geografische Lage nicht zufällig. Sein Standort richtet sich nach den Kräften der Natur. Ein Berg im Hintergrund, ein Wasser an der Seite, Sonne und Erde im Dialog. Ohne die Kräfte des Fengshui entsteht hier nichts.

In der Mitte des geschlossenen Kreises der Tempel. Gewidmet der Erinnerung an die Ahnen, aber auch Versammlungsort und Festplatz für die Belange der Gemeinschaft. Hier schreibt der Kalligraph die Geschichte der Hakka nieder. So offen und lebendig die Tulou im Inneren sind, so abweisend verschlossen sind sie nach außen. Burgartige Festungen, für Verteidigung und Schutz konzipiert. Fenster gibt es nur ganz oben. Gewaltig sind die Mauern, bis zu zwei Meter dick, fünf Stockwerke hoch. Gebaut aus Lehm, vermischt mit Bambussplittern, braunem Zucker, Eiweiß und Reispaste. Wie eine gigantische Torte.

Die überhängenden Dächer schützen den porösen Lehm vor der Feuchtigkeit monatelanger Monsunregen. Die Architektur der Hakka musste sich wehren, gegen Taifune, Überschwemmungen und Erdbeben, aber vor allem gegen die Aggressionen angreifender einheimischer Völker, die sie, die zugewanderte Minderheit, wieder vertreiben wollten. Cheng Qi Lou, im 17. Jahrhundert gebaut, widerstand bis heute. Über seinem Eingang steht ein Zitat aus ihren Schriften: "Bewahrt die Werte eurer Ahnen, Fleiß und Sparsamkeit. Ermutigt eure Kinder zu lernen und das Land fruchtbar zu erhalten."

Der natürliche Reichtum an Wasser und die subtropischen Klimabedingungen machten es den Hakka leicht ihre Lebensgrundlagen an Nahrung im südöstlichen China zu finden. Im Hochland von Fujian entstanden malerische Ensembles von Tulou Dörfern, die entlegen von größeren Zivilisationen völlig autonom seit Jahrhunderten existieren. Der Rest der Welt scheint wie auf einem anderen Planeten zu Hause zu sein. Chuxi - ein Dorf, das seine Tulou so natürlich aneinander reiht wie Pilze nach einem Spätsommerregen.

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Asien: China

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Im Südosten Chinas, in den Bergen der Provinz Fujian, haben die Hakka eine Kultur im Geiste Konfuzius etabliert, deren Architektur eine vollendete Harmonie mit ihrer Umgebung sucht - die Lehmrundhäuser der Hakka, Tulou genannt.

Im Südosten Chinas, in den Bergen der Provinz Fujian, haben die Hakka eine Kultur im Geiste Konfuzius etabliert, deren Architektur eine vollendete Harmonie mit ihrer Umgebung sucht - die Lehmrundhäuser der Hakka, Tulou genannt.

Es steht an erster Stelle ihrer Schriftrollen: Nur der Glücksuchende und Strebsame wird in der Gemeinschaft persönliche Erfüllung finden.

Im Hochland von Fujian entstanden malerische Ensembles von Tulou Dörfern, die entlegen von größeren Zivilisationen völlig autonom seit Jahrhunderten existieren. Der Rest der Welt scheint wie auf einem anderen Planeten zu Hause zu sein.

Der Standort eines Gebäudes richtet sich nach den Kräften der Natur. Ein Berg im Hintergrund, ein Wasser an der Seite, Sonne und Erde im Dialog. Ohne die Kräfte des Fengshui entsteht nichts.

Die Architektur der Hakka musste sich wehren, gegen Taifune, Überschwemmungen und Erdbeben, aber vor allem gegen die Aggressionen angreifender einheimischer Völker, die sie, die zugewanderte Minderheit, wieder vertreiben wollten.

Der Tempel. Gewidmet der Erinnerung an die Ahnen, aber auch Versammlungsort und Festplatz für die Belange der Gemeinschaft.

Die Werte ihres Gemeinschaftssinnes werden jedes Jahr in Schriften über ihren Haustüren erneuert - und ihre Gelöbnisse Tüchtigkeit und persönliche Fähigkeiten zu nutzen.

Sie bieten Lebensraum für mehrere Hundert Menschen. Kreisrund, bis zu fünf Stockwerke hoch, mit einem Durchmesser von über 100 Metern, kreist die Gruppen - Wohnanlage um einen runden Innenhof. Ein einziges Haus - ein ganzes Dorf.

Konfuzius schrieb einst: "Der Mensch, der schreit, wird zwar gehört, aber seine Worte werden vergessen. Der ruhige Mensch braucht gar nicht zu sprechen, denn seine Taten sprechen für sich."

Man sagt den Hakka nach, dass niemand den Reisanbau so virtuos beherrsche wie sie. Die Bewässerung von Terrassen ohne hydraulische Hilfsmittel bis in Schwindel erregende Höhen der Gebirge - diese Kunst haben sie über ganz Südost Asien verbreitet - und den Anbau von Tabak und grünem Tee. Ihre Sorten zählen zu begehrtesten Chinas.

Die Tulou-Rundbauten, entfalten in ihrem Inneren eine einmalige für Familien konzipierte Architektur - eine Art Reihenhäuser im geschlossenen Kreis. Nichts anderes bedeutet das Wort Tulou: "Runde-Stockwerk-Dörfer".

Die Lehmrundbauten des Volkes der Hakka in Südost China bieten Lebensraum für mehrere Hundert Menschen.

Tulou sind die Häuser der Hakka, eines chinesischen Volksstammes, der ursprünglich aus dem Norden kam.

Das Hochland von Fujian ist reich an Wasser und die subtropischen Klimabedingungen machten es den Hakka leicht ihre Lebensgrundlagen an Nahrung im südöstlichen China zu finden.

Kaum ein Fremder hat sich je in das Bergnest verirrt. Aber die Hakka selbst sind auf ihre Weise ein wanderndes Volk geblieben. Sie hatten einst den Gelben Fluss und den Yangtze nach Süden überquert und waren zu einem stattlichen Volk von über 50 Millionen angewachsen. Im 18. und 19. Jahrhundert machten sich viele Mitglieder ihrer Gemeinschaften wieder auf, um in anderen Regionen, in Hongkong, Macao oder Taiwan Anerkennung, Erfolg und Wohlstand zu erreichen. Mehr als 10 Millionen Hakka leben heute außerhalb Chinas, aber pflegen und erhalten die Tulous in ihrer Heimat wie ewige Nester einer besonderen Zugvogelart, die immer wieder an den gleichen Nistplatz zurückkehrt.

Die Werte ihres Gemeinschaftssinnes werden jedes Jahr in Schriften über ihren Haustüren erneuert - und ihre Gelöbnisse Tüchtigkeit und persönliche Fähigkeiten zu nutzen. Man sagt den Hakka nach, dass niemand den Reisanbau so virtuos beherrsche wie sie. Die Bewässerung von Terrassen ohne hydraulische Hilfsmittel bis in Schwindel erregende Höhen der Gebirge - diese Kunst haben sie über ganz Südost Asien verbreitet - und den Anbau von Tabak und grünem Tee. Ihre Sorten zählen zu begehrtesten Chinas.

Im Einklang mit der Natur zu arbeiten und zu leben, liegt im Blut des Volkes, das sich einst aufmachte, um sich aus Unterdrückung und Fremdherrschaft zu befreien. Es sind daraus Lebensgemeinschaften entstanden, die, baulich gesehen, eine kreisrunde Sache wurden.

Man sieht es der Idylle nicht an, dem ländlichen Frieden und der Leichtigkeit der Existenz, aber gebaut wurde das Dorf Hukong erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Gerade vollendet als die Kulturrevolution ausbrach. Die Zivilisation der Hakka hat jedoch unabhängig von Mao und allem, was in der chinesischen Geschichte danach kam, scheinbar unberührt überlebt. Zu stark, zu eigenwillig, zu gewappnet gegen Irritationen von außen, als dass sie sich vereinnahmen ließe von Ferne durch unnötigen Lärm in den stillen Tälern von Fujian. Es ist dem Volk zueigen, was Konfuzius schrieb: "Der Mensch, der schreit, wird zwar gehört, aber seine Worte werden vergessen. Der ruhige Mensch braucht gar nicht zu sprechen, denn seine Taten sprechen für sich."

Über sechs Jahrhunderte haben die Hakka Tausende von Rundhäusern gebaut, ihren Stil entwickelt, verfeinert und den landschaftlichen Möglichkeiten angepasst. Es führt in der Regel nur ein Tor hinein, versehen mit den Leitsätzen ihrer Kultur, wie jenen: "Ehre deine Vorfahren" oder "Stille den Hunger deiner Kinder nach Wissen". Die Tulou sind Gebäude, in denen ihre Bewohner in einer großen architektonischen Geste der Umarmung behütet aufgenommen werden.

In einer Natur, die üppig, aber auch voller Gefahren ist, bietet die geschlossene Architektur Schutz, auch vor den klimatischen Extremen von Hitze und Sturm. Aber vor allem sind die Tulou zur Abwehr gebaut - aus Trotz zum Trutz. Gegen Verfolgung, Vereinnahmung, Vernichtung. Es ist eine selten erfolgreiche Architektur, deren Qualität sich über Hunderte von Jahren bewährt hat. Denn in ihrem Inneren sind nicht nur Schutzräume entstanden, sondern lebendige Organismen eines sozialen Miteinanders. Das Herz der Hakka Kultur schlägt hier, im Rund der Innenhöfe, wo es keine Hierarchien gibt.

Eyri Tulou, bewohnt seit 300 Jahren von den gleichen Familien. Sie leben die Harmonie, die die Architektur in einer vollkommenen Kreisform zum Ausdruck bringt und an der sämtliche Stürme von außen abzuprallen scheinen.

Buch und Regie: Horst Brandenburg

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Traditionals



Buch und Regie: Horst Brandenburg
Kamera: Thomas Ch. Weber

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