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14:58 min | Do, 4.7.2019 | 5:45 Uhr | SWR Fernsehen

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Rhätische Bahn in der Albula/Bernina Landschaft, Schweiz, Folge 372

3Sat

Die Albula- und Berninastrecke der Rhätischen Bahn hat mit ihrem Personen-und ihrem Gütertransport bis heute die wichtige Erschliessungsfunktion für die Bündner Bergtäler und der übrigen Schweiz. Sie ist bis heute die einzige zuverlässige Verbindung über das ganze Jahr. Imposante Viadukte, enge Kurven, Kehrtunnels und Galerien, eine Streckenführung mit zum Teil bis zu siebzig Promille Steigung gehören zu den Pionierleistungen moderner Ingenieurskunst und architektonischer Konstruktion zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts.

Filmtext

Die Reise durch die Rhätischen Alpen beginnt im Norden am Hinterrhein, in Thusis. Die 62 Kilometer lange Albulastrecke führt durch das Tal des Albulaflusses bis zum Inn - im Hochtal Engadin. Dabei überwindet sie einen Höhenunterschied von knapp elfhundert Metern. Der erste dampfbetriebene Zug fuhr diese Strecke bei der Eröffnung 1903 in vier Stunden. Die Zeit der Postkutschen - sie brauchten bis zu 14 Stunden - gehörte damit der Vergangenheit an. Für Lokomotivführer wie Heinz Bürgi ist es immer wieder ein besonderes Erlebnis, die Krokodillok aus dem Jahr 1929 auf der anspruchsvollen Albulastrecke zu fahren. Diese Zugmaschine ist noch regelmässig im Einsatz.

Gelber Personenzug in winterlicher Landschaft

Gelber Personenzug in winterlicher Landschaft

Im Mittelalter wurden die Waren mit Pferd und Maulesel über die Alpen gebracht. Mit der Rhätischen Bahn kam der Wohlstand in die Täler. Die Täler sollten weniger abhängig von Italien werden. Wirtschaftlich wollte man mit der Eisenbahn den Tourismus fördern. Aber auch das Militär war an einer Nord-Süd-Achse interessiert. Bis Mitte der 19-zwanziger Jahre waren fast überall im Kanton Graubünden Autos verboten.

Dampflokomotiven mussten vor den großen Steigungen gegen Stärkere ausgetauscht werden. Oder der Zug brauchte eine zweite Lok. Die Bahnhöfe liegen meist abseits der Dörfer. Vorrang bei der Streckenführung hatte die gleichmäßige Steigung.

Die Zugstrecke ist zweimal so lang wie das Albulatal. Nur so können die extremen Höhenunterschiede überwunden werden. Das geschieht vor allem in den Kehrtunnel auf beiden Talseiten. Sie machen die notwendigen Richtungswechsel möglich.

Die Viadukte mit ihren bis zu 42 Meter breiten und 60 Meter hohen Brückenbogen führen über tiefe Schluchten. Steile Berghänge mit starkem Steinschlag oder Lawinenabgängen werden umfahren. Oder die Strecke wird durch Galerien geschützt. Die Albulastrecke führt über 144 Brücken und durch 42 Tunnel und Galerien. An den Bergen wurden Verbauungen gegen Steinschlag und Lawinen bis auf 2300 Meter über Meer errichtet.

Seit der Eröffnung ist die Albulastrecke unverändert. In diesem Tal wären Korrekturen unmöglich. Zu groß der Aufwand für Erdverschiebungen, zu hoch die Kosten für neue Tunnels und Viadukte oder gar für einen Basistunnel. Die Einfahrt in den Albulatunnel liegt auf 1823 Meter über dem Meer. Kein Eisenbahntunnel der Alpen liegt höher. Über der Tunnelröhre türmen sich noch einmal fast 1000 Meter hohe Granitfelsen. 1899 wurde mit dem Bau des Tunnels begonnen.

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Haltestelle der Rhätischen Bahn

Haltestelle der Rhätischen Bahn

Roter Zug in Schneelandschaft

Gelber Personenzug in winterlicher Landschaft

E-Lok mit der Aufschrift "UNESCO-Welterbe"

Alte Lokomotive im Bahnhof

Eine Lok mit Schneepflug

Die Rhätische Bahn über einer Bogenbrücke

600 Arbeiter waren beschäftigt. Die meisten aus Italien. Während der vierjährigen Bauarbeiten waren wegen Steinschlag und Explosionen unzählige Verletzte und einundzwanzig Tote zu beklagen. Auch auf der Südseite droht Lawinengefahr. Damit die Schneemassen die Schienen nicht verschütten, hat man mit dem Ausbruchsmaterial des Albulatunnels in der Talmitte einen hohen Damm für das Gleis errichtet. Die Schiene ist auch heute noch die einzige zuverlässige Verbindung ins Engadin. Die Güterzüge transportieren hauptsächlich Lebensmittel und Baumaterial. Nach Italien wird Holz geliefert. Von dort kommt Mineralöl in Zisternenwagen.

Das dicht besiedelte Oberengadin ist eine touristische Hochburg. Das war die Region auch schon im 19. Jahrhundert. Aber erst mit der Bahn konnten die Gäste auch im Winter anreisen und die Hotels mit Heizkohle beliefert werden. Nach eineinhalb Stunden endet die Fahrt auf der Albulastrecke im mondänen Nobelort St. Moritz. Hier beginnt die Strecke über den Berninapass durchs Puschlav nach Tirano im italienischen Veltlin. Der Plan, die Strecke bis zum Comersee über den Malojapass und durch das Bergell zu bauen wurde vor dem Ersten Weltkrieg verworfen.

Die Rhätische Bahn ist die Lebensader für die Täler im Kanton Graubünden. Konstruktion und Bau dieser Bahnstrecken gelten als technische und logistische Pionierleistung. Wie kaum eine andere Gebirgsbahn fügt sie sich harmonisch in die Hochgebirgslandschaft. Die Berninastrecke von St. Moritz nach Tirano ist 60 Kilometer lang. Die Fahrt dauert fast zweieinhalb Stunden. Auf über 2000 Meter liegt in strengen Wintern der Schnee meterhoch und es ist bis minus 20 Grad kalt. Ospizio Bernina auf 2256 Meter über dem Meer ist der höchst gelegene Bahnhof Europas, mit Gaststätte und Briefkasten. Es kommt öfter vor, dass auf den Strassen nichts mehr geht, als dass bei der Rhätischen Bahn die Strecke unterbrochen ist.

Man sprach vom „Verlorenen Tal“, wenn man das Puschlav meinte. Schmuggel war hier das einzige Gewerbe, das ein halbwegs sicheres Auskommen versprach. Zigaretten und Kaffee wurden über die abgelegenen Bergpfade nach Italien gebracht. Aus Italien kam der Wein nach Norden. Mit der Gewinnung von Elektrizität durch Wasserkraft änderte sich alles im Val Poschiavo. Das Kraftwerk und die Bahn sind bis heute die wichtigsten Arbeitgeber im Puschlav. Das Kraftwerk bestimmt auch die Linienführung der Strecke. Das Wahrzeichen der Berninastrecke: Das Kreisviadukt in Brusio. Dreissig Meter Höhenunterschied werden durch den Wendekreis überwunden. Vier Stunden Fahrzeit von Thusis bis Tirano. Das lombardische Städtchen gehört zur italienischen Provinz Sondrio im Veltlin.

Buch und Regie: Werner Zeindler

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann
Oliver Kraft

Soundtrack Rhätische Bahn:
Jürgen Kramlofsky



Buch und Regie: Werner Zeindler
Kamera: Burkard Kreisel

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