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13:36 min | Sa, 8.9.2018 | 8:30 Uhr | SWR Fernsehen

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Die Felsentempel von Abu Simbel, Ägypten, Folge 50

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"Erbaut" ist nicht das richtige Wort für die Entstehung der Felsentempel von Abu Simbel. Hier, am westlichen Nilufer, meißelten Arbeiter unter Ramses II die Tempel direkt in den Kalkstein und drangen so bis zu 60m tief in das Gebirge vor.

Er ist ein Meister in der Kunst der Diplomatie und der politischen Strategie. Aber er ist in die Geschichte eingegangen als der größte Bauherr Ägyptens. 66 Jahre lang herrscht Ramses II. über Ägypten und seine Nachfolger werden auf seine Regierungszeit zurückblicken wie auf ein Goldenes Zeitalter. In der 4000 Jahre währenden Geschichte der Pharaonen regiert nur ein einziger Gott-König länger als Ramses II. Ramses regiert ein Land, dessen Lebensader der Nil ist. Die regelmäßigen Überschwemmungen des göttlichen Flusses lassen Palmen und Gärten ergrünen. Hier am fruchtbaren Nilufer lassen sich Mensch und Vieh nieder. Und dort, wo der Nil das Land nicht mehr erreicht, beginnt die unbewohnte Wüste. In Nubien, im heutigen Süd-Ägypten, befindet sich vor 3000 Jahren das Tor zum Handel mit Afrika. Große Steinbrüche versorgen die Ägypter mit Baumaterial und ertragreiche Goldminen sorgen für zusätzlichen Glanz und Wohlstand.

Hier am Oberlauf des Nils lässt Ramses seine 'Göttlichen Häuser' errichten: Die großen Tempel von Abu Simbel.

In der ägyptischen Mythologie heißt es, der Sonnengott Re selbst sei es, der dem Pharao eine Himmelsleiter in Gestalt der Strahlen der aufgehenden Sonne bis ins Innere des Tempels errichtet.

In dieser Jenseitswelt herrscht Osiris, der Gott der Auferstehung. Und wenn Ramses den Tempel betritt, befindet er sich im Reich der Toten. Und Osiris ist es, der den Pharao mit den Sonnenstrahlen des beginnenden Tages jeden Tag verjüngt wieder auferstehen lässt.

Wie in einem Spalier führen acht Meter hohe Stützpfeiler in den hinteren Tempelbereich. Es sind Darstellungen des Gottes Osiris, verewigt mit den Gesichtszügen Ramses II. Und ganz hinten im Allerheiligsten: vier Statuen in den Stein gemeißelt. Die Schöpfer-Götter Re-Harachte, Ptah und Amun-Re. Und unter ihnen der Gott-König selbst: Ramses II.

In seiner Regierungszeit im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gründet er eine neue Hauptstadt, verändert schon bestehende Tempel und übersät ganz Ägypten mit Riesenstatuen, riesigen Obelisken und riesigen Tempelanlagen.

Im nach ihm benannten Ramesseum in Theben finden wir den Kopf einer zerbrochenen Statue, einst 17 m hoch und 1000 Tonnen schwer. In Luxor lässt er schon in seinem 2. Regierungsjahr den Amun-Tempel erweitern. Ein von ihm errichteter 15 m hoher Obelisk schmückt den Eingangsbereich. Der Pharao muss sich bewusst sein, welche übermenschlichen Leistungen er von seinen Arbeitern verlangt. Er würdigt sie mit folgenden Worten:

"O ihr Arbeiter,

ausgewählt, stark, in den Händen tüchtig,

die ihr für mich Denkmäler errichtet in jeder Zahl,

erfahren mit der Arbeit an kostbaren Steinen,

Granitsorten erkennend und mit Sandstein vertraut".

"O ihr Tüchtigen und Fleißigen beim Bauen von Monumenten!

Solange wie sie werde ich leben!"

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Afrika: Ägypten

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Eine 20 m hohe Statue mit dem »vergöttlichten Abbild« Ramses' II.

Eine 20 m hohe Statue mit dem »vergöttlichten Abbild« Ramses' II.

Hier am Oberlauf des Nils lässt Ramses seine 'Göttlichen Häuser' errichten: Die großen Tempel von Abu Simbel.

Großes Heiligtum der Isis von Philae ist der 93 m lange westliche Säulengang und das 45,5 m breite und 18 m hohe, von zwei Türmen flankierte Erste Eingangstor, dem sogenannten »Ersten Pylon«

In dieser Jenseitswelt herrscht Osiris, der Gott der Auferstehung. Und wenn Ramses den Tempel betritt, befindet er sich im Reich der Toten.

In seiner Regierungszeit im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gründet Ramses eine neue Hauptstadt, verändert schon bestehende Tempel und übersät ganz Ägypten mit Riesenstatuen, riesigen Obelisken und riesigen Tempelanlagen.

Ramses macht ganz Ägypten zu einem Denkmal seines eigenen Schaffens. Die Tempel von Abu Simbel überragen an Größe und Bedeutung alle Felsentempel, die sowohl seine Vorgänger als auch er errichtet haben.

Ramses regiert ein Land, dessen Lebensader der Nil ist. Die regelmäßigen Überschwemmungen des göttlichen Flusses lassen Palmen und Gärten ergrünen.

Vier Statuen in den Stein gemeißelt. Die Schöpfer-Götter Re-Harachte, Ptah und Amun-Re. Und unter ihnen der Gott-König selbst: Ramses II.

Der Bau des Assuan Staudamms Anfang der Sechziger Jahre bedroht den Tempel. Auf Initiative der UNESCO wird die Tempelanlage versetzt. Eines der gigantischsten Bauprojekte der Neuzeit beginnt. 20.000 Tonnen Stein werden zersägt, auseinander genommen und wieder zusammengesetzt.

In den Reliefs lässt Ramses sich als tapferer Krieger und tollkühner Schlachtenlenker darstellen. Und auf den Wänden kündet eine Inschrift vom Ruhm und von der Tapferkeit des Pharaos und gleichzeitig von der Feigheit seiner eigenen Truppen.

Hier am Oberlauf des Nils lässt Ramses seine 'Göttlichen Häuser' errichten: Die großen Tempel von Abu Simbel.

Ramses regiert ein Land, dessen Lebensader der Nil ist. Die regelmäßigen Überschwemmungen des göttlichen Flusses lassen Palmen und Gärten ergrünen. Hier am fruchtbaren Nilufer lassen sich Mensch und Vieh nieder.

Die von Ramses in Auftrag gegebene Säulenhalle in Karnak zählt zu den sieben Weltwundern: Ein Wald von 134 bunt bemalten Sandsteinsäulen steht im Amun-Tempel, in einer Halle so groß wie ein Fußballfeld. Unzählige Male schlagen die Arbeiter diese Hieroglyphe in den Stein, die Namenskartusche des Pharaos. Sie ist das Zeichen, mit dem Ramses alle seine Bauwerke schmücken lässt.

'Usermaat re-Setepen-Re Miamum, "der von Gott Re Auserwählte". Ramses ist Herrscher über die geordnete Welt: über Ober- und Unterägypten. Die Welt, das ist gleichbedeutend mit Ägypten, den weiten Wüsten und dem fruchtbaren Niltal. Um die Handelswege zu sichern, aber vor allem um ihr Land und die Menschen vor Angreifern zu verteidigen, ziehen die Pharaonen immer wieder zu Felde.

Ramses hat auf den Tempelwänden in Abu Simbel eine dieser Schlachten verewigt. Die 'Schlacht von Kadesch" gegen die Hethiter steht am Anfang der Herrschaft des jungen Königs.

In den Reliefs lässt er sich als tapferer Krieger und tollkühner Schlachtenlenker darstellen. Und auf den Wänden kündet eine Inschrift vom Ruhm und von der Tapferkeit des Pharaos und gleichzeitig von der Feigheit seiner eigenen Truppen.

Die heutige Geschichtsschreibung interpretiert den Ausgang der Schlacht von Kadesch durchaus widersprüchlich, denn in ihren Schrifttafeln sehen sich die Hethiter als Sieger dieser Schlacht.

Ramses macht ganz Ägypten zu einem Denkmal seines eigenen Schaffens. Die Tempel von Abu Simbel überragen an Größe und Bedeutung alle Felsentempel, die sowohl seine Vorgänger als auch er errichtet haben. Die Arbeiter dringen in Schichten von einhundert Mann sechzig Meter tief in den Stein des Gebirges vor. Zuerst schlagen sie mit einfachsten Bronze- und Steingeräten die Öffnungen aus dem Fels. Die Dunkelheit in der immer größer werdenden Höhle wird durch ein System von polierten Bronzespiegeln erhellt. Nur so können die Bildermacher die Wände im Inneren mit Reliefs und Figuren bedecken. 3300 Jahre später kommen wieder Arbeiter in die Nubische Wüste. Der Bau des Assuan Staudamms Anfang der Sechziger Jahre bedroht den Tempel. Auf Initiative der UNESCO wird die Tempelanlage versetzt. Eines der gigantischsten Bauprojekte der Neuzeit beginnt. 20.000 Tonnen Stein werden zersägt, auseinander genommen und wieder zusammengesetzt.

Eine große Tragekuppel stützt die Tempelanlage. Hunderttausende von Tonnen Felsen und Sand werden über der Kuppel abgelagert. Speziell zubereiteter Mörtel verbindet die Schnittkanten.

Nach vier Jahren Bauzeit ist im März 1968 die Versetzung des Tempels beendet. Für Ramses ist Abu Simbel ein Wohnsitz für die Ewigkeit. Ein Wohnsitz für den Pharao und für seine Familie. Und einer seiner Frauen, Nefertari, hat Ramses in Abu Simbel sogar einen eigenen Tempel errichtet. Kleiner zwar als der Haupttempel, ihm im Baustil aber ähnlich.

Am Haupttempel wacht der Ehemann stolz über die in den Stein gehauenen Figuren und Reliefs. Wie in einem Familienfoto hat er Frau und Kinder in den Stein meißeln lassen. Zwischen seinen Beinen steht der erstgeborene Sohn Amun-her-chopschef. Zu Füßen des linken Kolosses stehen drei seiner Töchter. Ramses II. ist als einer der kinderreichsten Herrscher in die Weltgeschichte eingegangen.

40 Töchter und 45 Söhne sind namentlich belegt. "Es ist schön, Denkmal auf Denkmal zu errichten, zwei herrliche Dinge zur gleichen Zeit". Diese Worte sind von ihm überliefert und charakterisieren wohl am Besten den Baulöwen der ägyptischen Antike und sein Tun. Neben den Tempeln von Abu Simbel hat er sieben weitere große Felsentempel hier in der nubischen Wüste bauen lassen. Doch die meisten sind nicht erhalten geblieben. 1213 vor unserer Zeitrechnung stirbt der greise und kranke König im Alter von 90 Jahren. Mit seinem Tod endet eine glanzvolle Epoche Ägyptens.

Buch und Regie: Wolfram Giese

Filmmusik & Stab

Buch und Regie: Wolfram Giese
Kamera: Eberhard Scheu

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