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Filmtext & Video

14:00 min | So, 7.7.1996 | 21:00 Uhr | 3sat

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Die Felsenklöster von Meteora, Griechenland, Folge 42

SWR

Bizarre geologische Formationen sind sie, die Felssäulen im griechischen Thessalien. Riesig erheben sie sich unvermittelt aus der Ebene heraus. Schon gegen Ende des byzantinischen Reiches zogen Einsiedler in Höhlen in den Felsen, wo sie ein nicht ungefährliches Leben in absoluter Einsamkeit führten. Oben auf den Felsen stehen Klöster, die unter den schwierigsten Bedingungen gebaut wurden, Klöster mit Fresken des 16. Jh. als Zeugnisse postbyzantinischer Malerei u. a. Várlaam, Agía Triáda, Ágios Nikólaos Anapafsás (14. Jh.), Ágiosanos, Megálo Metéoro (Metamorphossis).

Filmtext

Die weite thessalische Ebene. Kornkammer Griechenlands. Dort, wo sie am Gebirge ihren Anfang nimmt, gibt es ein einzigartiges geologisches Phänomen. Steinerne Klippen. Bis 400 Meter hoch.

Die Felsen von Meteora. Bizarre Felssäulen, von Wasser und Wind geformt. Ein Wald aus Stein. Ablagerungen eines Flusses, in Millionen Jahren zum festen Fels gepresst, vom Regen heraus gewaschen, vom Wind geglättet, stehen geblieben wie zum Trotz gegen alle Vergänglichkeit. Traumziel vieler Bergsteiger. Einsamkeit. Die Verwitterung hat Höhlen hinterlassen. Unterschlupf für Tiere und Menschen. Seit dem 9. Jahrhundert, so nimmt man an, wurden sie auch von Einsiedlern benutzt.

Früh gab es im Christentum Männer und Frauen, die die Welt verließen, um ganz Ernst zu machen mit ihrem Glauben, um in der Einsamkeit Gott zu suchen, im Verzicht auf jede Annehmlichkeit. Sie gingen in die Wüste, in abgelegene Gegenden, sie fasteten, sie schwiegen. Die Meteora-Felsen waren ihnen gerade recht. Sie suchten und fanden Wege, ihre Klausen in der steilen Felswand zu errichten, unzugänglich für andere. Radikale Einsamkeit. An einigen Felswänden von Meteora sieht man noch Reste der Klausen, Klausen wie Schwalbennester. Welches Spiel mit dem Tod war notwendig, um diese Konstruktionen zu errichten.

Aber sie fragten ja nicht nach dem Leben. Sie lebten nur, um sich auf den Tod, auf den Heimgang zu Gott, vorzubereiten. In der äußersten Gefährdung erlebten sie sich und erlebten sie ihren Gott, in dessen Hand sie sich ganz gaben.

Am Sonntag aber feierten sie in der Kapelle der Mutter Gottes von Doupiani gemeinsam die Messe, um im heiligen Mahl von Brot und Wein miteinander und mit Gott eins zu werden.

Dann stiegen sie wieder hinauf in ihre Höhlen, in denen es sicher nicht viel mehr gab als eine Öllampe und ein Kreuz, um eine Woche lang zu fasten und zu beten, zu frieren und zu wachen. "Schwer ist der Winter, doch süß das Paradies", sagten sie. Erste Formen der Gemeinschaft. Lehrer und Schüler. Das Lesen der heiligen Schrift und das Schreiben von Büchern. Das Herstellen von einfachen Gegenständen, die man gegen Lebensmittel tauschen kann: Brot, Öl, Oliven, Käse. Das Vorbild, die Säulenheiligen der frühchristlichen Zeit. Das Ziel, Christus zu werden, sein unerschaffenes Licht zu sehen. Im Verzicht auf alle irdische Annehmlichkeit. Was durch die Nähe der Klausen begonnen worden war, was sich als überaus hilfreich erwiesen hat für das geistliche Leben, die Gemeinschaft nämlich, das wurde in Klöstern verwirklicht. Das Kloster Hypapanti ist eine konsequente Fortführung der "Schwalbennester", hineingebaut in eine Höhle, aber als Wohnort mehrerer Mönche, vor allem mit einer eigenen Kirche.

Dann aber geschah das, was fast an Wunder grenzt. Auf den höchsten Felsnadeln entstanden Klöster, wie zum Beispiel das Kloster Metamorphosis oder das große Meteoron. Meteoron bedeutet über der Erde schwebend. Gegründet wurde es vom heiligen Athanasios von Meteora.

Schläge auf einen hölzernen Balken, das Ximantron, rufen die Mönche zum Gebet. Ein Kloster, das ist der Ort, wo Mönche miteinander leben, vor allem miteinander beten. Gemeinsam sorgen sie für ihren Lebensunterhalt, gemeinsam gehen sie in die Kirche.

Das Ziel ist, Gott zu werden, beim gemeinsamen Gebet ebenso wie beim einsamen Gebet in der Zelle. Ein Kloster mit seinem Abt und seinen Vätern ist wie Christus mit seinen Jüngern.

"Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, erbarme Dich unser." Dieses Meditationsgebet wird viele tausend Mal gebetet an jedem Tag, von jedem Mönch.

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Die Felsenklöster von Meteora

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Steinerne Klippen. Bis 400 Meter hoch. Die Felsen von Meteora. Bizarre Felssäulen, von Wasser und Wind geformt. Ein Wald aus Stein. Ablagerungen eines Flusses, in Millionen Jahren zum festen Fels gepreßt, vom Regen herausgewaschen, vom Wind geglättet, stehengeblieben wie zum Trotz gegen alle Vergänglichkeit.

Steinerne Klippen. Bis 400 Meter hoch. Die Felsen von Meteora. Bizarre Felssäulen, von Wasser und Wind geformt. Ein Wald aus Stein. Ablagerungen eines Flusses, in Millionen Jahren zum festen Fels gepreßt, vom Regen herausgewaschen, vom Wind geglättet, stehengeblieben wie zum Trotz gegen alle Vergänglichkeit.

Kloster Hypapanti erinnert an die Klausen der frühen Einsiedler. Sie suchten und fanden Wege, ihre Klausen in der steilen Felswand zu errichten, unzugänglich für andere. Radikale Einsamkeit.

Früher musste alles hochgetragen werden. Erst im 20. Jahrhundert wurden u.a. Treppen in die Felsen gehauen.

Die Seilbahn des Metamorphosis Klosters transportiert Mensch und Gut.

Kloster Stephanou: Junge Nonnen malen nach byzantinischer Manier neue Ikonen. Das Ikonenmalen, auf das sich der Maler durch Fasten und Gebet vorbereitet, ist eine geistliche Übung.

Fresko in der Kirche Katholikon: Darstellung des Lebens der ersten Eremiten in Meteora

Fresko "Pantokrator" in der Kuppel der Kirche Katholikon

Die weite thessalische Ebene. Kornkammer Griechenlands. Dort, wo sie am Gebirge ihren Anfang nimmt, gibt es ein einzigartiges geologisches Phänomen. Die Felsen von Meteora. Hier entstanden Klöster, christliche Gemeinschaften, dem Himmel nahe.

Ab dem 11. Jahrhundert entstanden insgesamt 24 Klöster auf den Meteorafelsen, von denen sich viele allerdings nicht halten konnten. Nach einer ersten Blüte waren im 16. Jahrhundert die Mehrzahl dieser Klöster verschwunden. Heute existieren noch sechs.

Die thessalische Ebene - Kornkammer Griechenlands.

Der Name Meteoron bedeutet über der Erde schwebend. Gegründet wurde es vom heiligen Athanasios von Meteora.

Auf dem Berge Tabor wurde Christus verklärt. Er zeigte sich als das, was er ist, der Sohn Gottes, und seine Jünger, die dabei waren, sahen das unerschaffene Licht, das von ihm ausgeht. Dieses Licht zu sehen, ist das höchste Ziel aller Mönche. Metamorphosis, der Name dieses Klosters bedeutet eben jene Verklärung des Christus.

Mönch, eine Gebetsschnur knüpfend.

Kloster Metamorphosis: mit dem Schlagen des Ximatron wird zum Gebet aufgerufen.

Kloster Meteoron: Immer wieder fragt man sich, wie diese zum Teil prächtigen Bauten auf dem unzugänglichen Fels entstehen konnten. Auf welche Weise der erste Mönch auf die Spitze kam, damit er ein Seil herablassen konnte für die anderen und zum Heraufziehen des Baumaterials.

Ein Kloster, das ist der Ort, wo Mönche miteinander leben, vor allem miteinander beten. Gemeinsam sorgen sie für ihren Lebensunterhalt, gemeinsam gehen sie in die Kirche. Das Ziel ist, Gott nah zu sein, beim gemeinsamen Gebet ebenso wie beim einsamen Gebet in der Zelle.

Auf dem Berge Tabor wurde Christus verklärt. Er zeigte sich als das, was er ist, der Sohn Gottes, und seine Jünger, die dabei waren, sahen das unerschaffene Licht, das von ihm ausgeht. Dieses Licht zu sehen, ist das höchste Ziel aller Mönche. Metamorphosis, der Name dieses Klosters bedeutet eben jene Verklärung des Christus. Waren diese Felsnadeln nicht ideale Orte, um in Ruhe und Abgeschiedenheit, fern von dem Getriebe der Welt, solche Erfahrung zu machen? Ab dem 11. Jahrhundert entstanden insgesamt 24 Klöster auf den Meteorafelsen, von denen sich viele allerdings nicht halten konnten. Nach einer ersten Blüte waren im 16. Jahrhundert die Mehrzahl dieser Klöster verschwunden. Heute existieren noch sechs.

Immer wieder fragt man sich, wie diese zum Teil prächtigen Bauten auf dem unzugänglichen Fels entstehen konnten. Auf welche Weise der erste Mönch auf die Spitze kam, damit er ein Seil herablassen konnte für die anderen und zum Heraufziehen des Baumaterials. Haben Engel sie hinaufgetragen? Wie viel Glaubenskraft war notwendig und Askese, um diese Klosterburgen zu errichten. Und wie viel Geld, das von frommen Gönnern aufgebracht wurde und von den Mächtigen der Welt.

Unabhängig von ihrer Größe oder ihrer Kleinheit, alle Klöster enthalten eine Kirche für das gemeinsame Gebet, einen Speisesaal für das gemeinsame Essen, Zellen für das persönliche Leben der einzelnen Mönche, die in gewisser Weise auch im Kloster Einsiedler bleiben. So wie dieser Mönch, der meditierend eine Gebetsschnur knüpft. Erst in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts wurden Treppen in die Felsen geschlagen und Zugänge gemauert.. Vorher war die einzige Möglichkeit, in das Kloster zu kommen, das Emporziehen mit einem Netz oder der Aufstieg über schwankende Leitern. Mit dem Netz wurde alles emporgezogen, was für das Kloster unentbehrlich war, Nahrungsmittel vor allem und Wein. Soweit auf dem Felsen noch Platz war, bauten die Mönche ihr eigenes Gemüse an. Heute steht wenigstens genügend Wasser zur Verfügung, um das Gemüse zu gießen. In alter Zeit kam alles Wasser aus der Zisterne, in der das Regenwasser gesammelt wurde. Das Katholikon, die Hauptkirche des Klosters, ausgemalt mit Fresken, geschmückt mit den Bildern des Glaubens.

Neben Christus ist es vor allem die Mutter Gottes, die im Leben der Mönche eine besondere Rolle spielt. Sie, die Menschenfrau, hat den Gott geboren, Fleisch von ihrem Fleisch.

Sie hält ihn auf ihren Armen. Sie ist die Mittlerin, die Brücke, zwischen Gott und den Menschen, und in ihrem Tod findet der Mönch ein Vorbild für sein eigenes Sterben. Sein Leben, das der Mönch als Martyrium versteht, wird ihm gedeutet aus der Heils- und Leidensgeschichte des Herrn. Die Mönche, die diese Fresken gemalt haben, haben die ganze Intensität ihres Glaubens in diese Bilder gegeben. Sie sind es, die dem verurteilten Christus das Kreuz tragen helfen. Gott hat den Menschen vollkommen erschaffen als Krone der Schöpfung. Der Mensch hat seine Vollkommenheit verloren durch die Urschuld. Und doch bleibt ihm die Hoffnung, dass einst Abraham ihn mit den Heiligen in seinen Schoß aufnehmen wird. Davor aber steht der Engel des Gerichts, eines Gerichts, bei dem Engel und Teufel die guten und bösen Taten der Menschen abwägen. Diese Mutter-Gottes-Ikone des Klosters Stephanou wurde im Krieg mutwillig zerstört.

Heute malen in eben diesem Kloster junge Nonnen nach byzantinischer Manier neue Ikonen, setzen die alte Tradition fort.

Das Ikonenmalen, auf das sich der Maler durch Fasten und Gebet vorbereitet, ist eine geistliche Übung.

Und eigentlich ist es für jeden Mönch und jede Nonne der Sinn ihres Daseins, aus sich selbst eine Ikone des Christus zu machen.

So lebt im Kloster Stephanou die Hoffnung weiter, dass trotz der Probleme unserer Zeit, wozu der übergroße Andrang von Touristen gehört, Meteora weiterlebt als ein geistliches Zentrum in unserer Welt.

Buch und Regie: Brigitte Kramer und Werner O. Feißt

Filmmusik & Stab

Siebert, Büdi
Schätze der Welt I
Singender Mönch

Buch und Regie: Christine Stephan-Kaissis und Werner O. Feißt
Kamera: Jörg Jeshel
Produktionsjahr: 1995

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