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14:47 min | Sa, 25.8.2018 | 8:30 Uhr | SWR Fernsehen

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Kotor: Bucht und Region von Kotor, Montenegro, Folge 294

SWR

Zum Kulturdenkmal erklärt wurde die Bucht und historische Stadt von Kotor. Die bewegte Geschichte von über zweitausend Jahren hat die beiden Städte Perast und Kotor geprägt. Erst gehörte die Region zum illyrischen, dann zum römischen, später zum byzantinischen Reich. Dreihundert Jahre herrschten die Venezianer bis Ende des 18. Jahrhunderts, dann kamen die Österreicher, danach die Russen und die Truppen von Napoleon. Die Region war stets Grenze und Bindeglied zwischen Okzident und Orient, auch zwischen Katholiken und Orthodoxen, zwischen dem Christentum und dem Islam.

Filmtext

Wie ein Fjord schneidet sich diese dreißig Kilometer lange, tiefe, eng verzweigte Bucht in die Berge an der dalmatinischen Küste. Gletscher haben die Täler geformt. Dann ist das Meer eingedrungen.

Günstige Verbindungen zum Hinterland gibt es keine. Es ist, als wäre immer schon das Glück und das Unglück von außen durch die Meerenge in die Bucht gekommen.

Die Bucht von Kotor ist geprägt von ihrer Geschichte: Fremde Herrschaft. Krieg. Seuchen. Überschwemmungen. Das verheerende Erdbeben von 1979 zerstörte zwei Drittel der Kulturgüter.

Die Aufnahme der Städte Perast und Kotor auf die UNESCO Liste des Weltkulturerbes sollte ein Anschob sein für Wiederaufbau und Erhaltung - aber dann kam der jahrelange Krieg in Jugoslawien und der Ruin des ganzen Landes Montenegro.

Wo die Seefahrt Geschichte schreibt, entstehen Legenden. So soll die illyrische Königin Theuta hoch über den Hängen mit lauter Stimme die Bucht verflucht haben, als die Römer ihre Piratenflotte vernichteten - bevor sie sich dann selbst über eine steile Wand ins Meer stürzte. Die zwei Inseln sind das Herz der Bucht. Die größere ist ein natürliches Landstück, die kleinere wurde von Seefahrern über Jahrhunderte Stein auf Stein aufgeschichtet. Die Legende erzählt, dass zwei Fischerbrüdern die Heilige Maria drei Mal auf dem kleinen Felsen inmitten der Bucht erschienen ist. Die Brüder fingen an, Steine um den Felsen anzulegen - eine Insel für die Heilige Mutter Gottes zu bauen.

Die kleine Insel und die Kirche tragen den Namen "Maria vom Felsen" - es ist ein Wallfahrtsort geworden, hier verbindet sich der Mensch mit dem Meer - der Ort birgt ein Stück Seefahrergeschichte und einen silbernen Schatz. Die Wände des Kirchenschiffs sind beschlagen mit über zweitausend Votivtafeln - Gaben und Weihgeschenke von Seefahrern an die Heilige Maria vom Felsen, - in Silber gefertigt von den Kunstschmieden im nahen Perast. Es ist der Dank für Rettung oder Heilung - und auch Bitte um göttlichen Schutz auf See.

Die Stadt Perast war Zentrum der Seefahrt und des Schiffbaus. Die Venezianer förderten die Entwicklung der Flotte von Perast, die nicht nur dem Handel diente. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts gab es hier eine Werft. Perast hatte gute Marinesoldaten. Der russische Zar, der kriegerische Peter der Grosse, ließ die Besten seiner Seeleute in der hiesigen Marineschule ausbilden. In der Blütezeit der Stadt, Mitte des 18. Jahrhunderts, fuhren auf den Weltmeeren mehr als fünfzig Schiffe unter der Flagge von Perast. Die noble Architektur und der Reichtum von Perast unter venezianischer Herrschaft überstrahlte alle anderen Küstenorte. Der 55 Meter hohe Glockenturm, Wahrzeichen der Stadt und Peilmarke für die Fahrt durch die gegenüberliegende Meerenge.

Die Meerenge von Verige, einziger Zugang zur Bucht, ist rund 200 Meter breit. Im Mittelalter hat man, zum Schutz vor Feinden, von einem zum anderen Ufer eine Kette gelegt. Aber die Zeit der Segelflotten ist Ende des 19. Jahrhunderts vorbei. Die Seefahrerfamilien starben aus oder gingen weg. Seither wird Perast "die Tote Stadt" genannt.

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Europa: Montenegro

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Blick über Kotor

Blick über Kotor

Der Stadtturm (Kula gradskog sata)

Blick über die Altstadt

Blick auf Perast

Blick auf Kotor vom Schiff

Die Bucht von Kotor

Blick über Kotor

Blick über Perast vom Meer aus

Kircheninsel bei Perast

Kircheninsel bei Perast

Sicht über Stadtmauer von Kotor

Kirche mit Innenhof, Kotor Stadt

Über 2000 Jahre fremde Herrschaft und fremde Mächte - bis zum Ende des 2. Weltkriegs, als jugoslawische Partisanen die Städte Perast und Kotor von den deutschen Truppen zurückeroberten. Im Jugoslawien unter Marschall Tito war die Bucht von Kotor ein beliebter Touristenort - aber auch Marinestützpunkt der Sowjetunion in der Adria. Die Stadt Kotor gab der Bucht den Namen. Sie hatte ihre Hochkonjunktur als wichtiger Handelsumschlagplatz bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Karawanen mit bis zu 300 Pferden kamen von überall her über die unwegsamen Bergpässe zum Hafen.

Die Altstadt von Kotor ist umschlossen von einer vier Kilometer langen Festungsmauer - die Byzantiner haben sie errichtet und die Venezianer ausgebaut zum Schutz gegen die immer wieder angreifenden Türken. Kotor und Perast sind aber nie unter türkische Herrschaft gefallen. Auch Kotor litt unter den Auswirkungen des Erdbebens von 1979 - alle Einwohner wurden damals evakuiert. Die Region war stets Bindeglied zwischen abendländischer und orientalischer Kultur. Aber auch zwischen dem Christentum und dem Islam. Über die Jahrhunderte manifestierten die Christen mit immer neuen Gotteshäusern ihren Glaubensanspruch. Die UNESCO setzte die beiden Städte Kotor und Perast auf ihre "Rote Liste" der gefährdeten Natur- und Kulturgüter.

Die einzigartige Landschaft der Bucht von Kotor überstrahlt als Weltnaturerbe den fortschreitenden Zerfall des Weltkulturerbes, der baulichen Zeugen des vergangenen Reichtums.

Man sagt, dass die griechische Nymphe Akimi, die Mutter von Iason mit dem goldenen Vlies, hier in den Bergen eine sprudelnde Quelle mit frischem Trinkwasser gefunden haben soll und da die Fruchtbarkeit erlangte, um ihren Sohn zu gebären. Immer dann, wenn die Mondsichel über dem Gebirge steht, zeigt sich Akimi winkend in ihrem Schiff und lässt Gold auf die Städte regnen. Es heisst: In kalten Winternächten, wenn sich der Raureif über die Bucht legt und die See mit einer dünnen Eisschicht überzieht und sich dann am Morgen mit den ersten Sonnenstrahlen ein leichter Nebel bildet,

glaubten die Kapitäne, ihr Schiffe würde auf einer Wolke fahren. Erst wenn der Balkan politisch dauerhaft gefestigt ist, werden Perast und Kotor wieder aufblühen.

Buch und Regie: Werner Zeindler

Filmmusik & Stab

Francel, Mulo
Kotor
Kraft, Oliver
Schätze der Welt II

Buch und Regie: Werner Zeindler
Kamera: Christoph Feller

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