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14:01 min | Fr, 10.6.2016 | 7:35 Uhr | SWR Fernsehen

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Die Altstadt von Straßburg, Frankreich, Folge 93

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Straßburg - Hauptstadt des Elsass und Stadt im Herzen Europas: Eine kleine Idylle an der Ill: die Altstadt mit Münster und dem Viertel "Petit France" mit dem Haus der Gerber. Jahr für Jahr kommen Millionen von Touristen hierher, um den Zauber dieses "Dorfes in der Stadt" und vor allem Kulinarisches zu genießen: Das Essen und den Vin d'Alsace.

Filmtext

Straßburg 1793. Auf den Straßen und Kanälen der Stadt wird gefeiert. Die Französische Revolution hat das Elsaß erreicht. Doch die Menge will nicht nur feiern. Die Revolutionäre bewaffnen sich und ziehen zum Münster. Mehr als 200 Statuen werden vom Sockel gerissen, und der Spuk sollte noch kein Ende haben. "Reißt den Münsterturm nieder", ruft einer der Anführer. Der Sturm auf die Kirche beginnt.

Gerade noch gelingt es den Stadtoberen, das Schlimmste zu verhindern. So einigt man sich in letzter Stunde auf einen Kompromiss. Der Turm darf stehen bleiben, unter einer Bedingung: Das Münster soll von nun an selbst zum Wahrzeichen der neuen Zeit werden. Hoch über Straßburg soll die Farbe der Revolution leuchten.

Mehr als 2000 Jahre ist es her, dass die Römer hier den Rhein entlang kamen. In den Sümpfen der Ill schlugen sie ihr Heerlager auf. Später rückten die Franken nach, und aus der Kaserne wurde eine Stadt. Die günstigen Wasserwege und die kreuzenden Handelsrouten gaben der Siedlung jetzt ihren Namen: Strateburgum, die Burg an den Straßen.

Manch altes Lied erzählt hier noch von der Freiheit der Zünfte, es erzählt aber auch davon, wie es einem erging, wenn er sich einmal nicht an ihre Regeln hielt.

Wo heute Elsässer Spitzenjahrgänge ausgeschenkt werden, waren früher auch schon mal Weinpanscher am Werke. Und die mußten büßen. Man tauchte sie kräftig in die stinkende Brühe der Gerbereien, bis ihnen klar war, was es mit dem Reinheitsgebot auf sich hatte.

Vergangene Zeiten, denn aus dem "Gerberhaus" ist eine Spezialitätenküche geworden, und niemand muss heute mehr die Nase rümpfen, wenn er auf den Kanälen der Ill unterwegs ist. Im Oberstock der Fachwerkhäuser werden schon lange keine Felle mehr getrocknet, und die Abwässer sind zusammen mit den Färbereien verschwunden.

Schlag Mitternacht in der Johannisnacht. Jedermann in Straßburg weiß, welche Stunde hier geschlagen hat. Die Geister der Baumeister und Künstler kehren zum Münster zurück.

Schon immer ging ein ganz besonderer Zauber vom Münster aus. Noch in seiner Todesstunde wollte der erste Baumeister die Rosette und sein ganzes Werk im Blick haben, und Goethe sah hier alles wie "durchbrochen" und "doch für die Ewigkeit" gemacht.

Während der Reformation hatte man aus dem Innenraum Schmuck und Figuren entfernt. Später kam mit der Silbermann-Orgel wieder barocker Glanz in die Kirche. Den Bildersturm überlebt hatte der alte Chor mit seinen Goldmosaiken.

Diese Kanzel wurde selbst den Reformatoren zum Denkmal. Gebaut wurde sie für einen Prediger. Doch, wie sich später zeigen sollte, nicht nur für ihn. Denn immer wenn der Gottesmann auf die Kanzel stieg, soll ihm sein Hund in die Kirche nachgelaufen sein. Das Tier soll übrigens auch seelsorgerisches Gespür bewiesen haben. War die Gemeinde während der Predigt einmal eingenickt, bellte der Hund so lange, bis alle wieder dem Wort Gottes gerne zuhören wollten.

Auch der Engelspfeiler sollte mit seiner Botschaft den Straßburgern ins Gewissen reden. Die göttlichen Boten kündigen das Jüngste Gericht an.

Unter den Trompetenstößen der Engel wird der Tag des Zornes eingeläutet. Dennoch sieht man vom Engelspfeiler aus auch wieder auf den Beginn einer ganz neuen Welt. Die Renaissance hält Einzug in das Münster - mit der astronomischen Uhr. Sie ist ein technisches Kabinettstück aus dem Jahre 1547.

Mit geübtem Auge kann man hier Namenstage, Wochentage, die Tierkreiszeichen und sogar die Mondphasen bestimmen.

Doch über allem Lauf der Dinge steht einmal mehr die Erinnerung, dass es auch mit dieser Welt ein Ende haben mag.

Weit weniger ernst ging es oben auf der Terrasse des Münsters zu. Den Blick in die Ferne schweifen lassen, das wollte außer Voltaire und Wagner hier auch Goethe. Aber er war nicht wie die anderen nur zum Feiern hierher gekommen. Wie er sagte, wollte er sich von seiner Höhenangst kurieren. Offenbar fand der diesen Ausblick im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend.

"Welch schöner Garten" hatte Ludwig XIV gemeint, als er nach manchem Hin und Her das Elsaß wieder für französisch erklärte. Und mit dem Sonnenkönig kam auch die feine Pariser Gesellschaft nach Straßburg.

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Die Altstadt von Straßburg

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Vom Münsterturm aus liegt die Stadt dem Betrachter zu Füßen. Goethe hat hier oben seine Höhenangst bewältigt.

Vom Münsterturm aus liegt die Stadt dem Betrachter zu Füßen. Goethe hat hier oben seine Höhenangst bewältigt.

Schon immer ging ein ganz besonderer Zauber vom Münster aus. Noch in seiner Todesstunde wollte der erste Baumeister die Rosette und sein ganzes Werk im Blick haben, und Goethe sah hier alles wie "durchbrochen" und "doch für die Ewigkeit" gemacht.

Das "Petite France", das Herzstück der Altstadt. Im Mittelalter war es das Gerberviertel der Stadt.

Im ehemaligen Gerberhaus werden heute elsässische Spitzenweine ausgeschenkt.

Vor über 2000 Jahren ließen sich die Römer nahe des Flusses Ill nieder. Strateburgum, die Burg an den Straßen, nannten sie die Siedlung.

"Welch schöner Garten" hatte Ludwig XIV gemeint, als er nach manchem Hin und Her das Elsaß wieder für französisch erklärte.

Unweit vom Straßburger Münster erstreckt sich das ehemalige Gerberviertel mit seinen mittelalterlichen Gassen und Fachwerkhäusern.

Palais Rohan: Gaston-Armand de Rohan-Soubise gab dem Palast am Fuß des Münsters seinen Namen.

Joséphine, Napoleons Frau, wollte ihre Empfänge lieber umgeben von einem großen Park geben, und so entschlossen sich die Straßburger, die Orangerie für die Kaiserin auszubauen und ihr einen eigenen kleinen Palast zur Verfügung zu stellen, seitdem genannt "Pavillon Joséphine".

Die "Marseillaise", die Nationalhymne Frankreichs, wurde in Straßburg komponiert. Am 14. Juli feiert Frankreich die Französische Revolution mit diesem Lied.

Das Palais Rohan gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der Stadt Straßburg.

Das Palais Rohan beherbergt heute verschieden Museen. Napoleon gehörte zu den Gästen dieses Hauses.

Werktage wurden nun zu Festtagen, zumindest für alle, die es sich leisten konnten, und an manchem Palast gingen nachts nun die Lichter schon gar nicht mehr aus. Die Stadt mit ihren Kanälen wurde zu einem kleinen Venedig.

Der Prunk machte selbst vor den Toren der Bischofsresidenz nicht halt. Kein anderer als der Architekt des Königs war für den Bau des Palasts gut genug.

Und wie selbstverständlich schaute man hier zu den Herren in Paris auf. Ludwig XIV. thront noch in der Galerie, sein Nachfolger, Ludwig XV. war dann hier selbst bereits zu Gast.

Als die Könige mitsamt ihrem Pomp schon abgedankt hatten, wollte es sich einer doch nicht nehmen lassen, hier zu übernachten. Napoleon Bonaparte, Kaiser und Kriegsherr schlief in diesem Bett.

Schon ein halbes Jahrhundert lang wurde von hier aus das Elsaß regiert. Gaston-Armand de Rohan-Soubise gab dem Palast am Fuß des Münsters seinen Namen.

Joséphine, Napoleons Frau, drängt es aber vor die Tore der Stadt. Sie wollte ihre Empfänge lieber umgeben von einem großen Park geben, und so entschlossen sich die Straßburger, die Orangerie für die Kaiserin auszubauen und ihr einen eigenen kleinen Palast zur Verfügung zu stellen, seitdem genannt "Pavillon Joséphine".

Auch hatten sich nun die Zeiten geändert. Das Volk hatte sich seine Rechte genommen und nun sollte es auch mitfeiern dürfen.

Natürlich wollte man sich geben, vielleicht auch schon ein wenig schwelgen, wie es den ersten Romantikern schon immer besser gelang zwischen den Trauerweiden und Buchenhainen des Parks.

Napoleons Truppen marschierten schon, da dürfte der Kaiser der Franzosen noch einmal eine Erinnerung an Straßburg gehabt haben. Denn das Lied, das in die Welt gehen sollte, es wurde hier komponiert.

Begleitet von seiner Frau trägt der Bürgermeister selbst das Werk vor Freunden vor. Von ihm stammt auch der Text, die Melodie hat der Garnisonshauptmann Rouget des Lisle geschrieben. Gleich war allen Zuhörern klar, dass hier eine Hymne geboren wurde.

Als ein Bataillon aus Marseille mit dem Kampflied in Paris einmarschiert, steht dann auch der Name fest. Von nun an wird die "Marseillaise" zu offiziellen Anlässen gespielt, und erst recht am 14. Juli, wenn in Straßburg wie jedes Jahr die Französische Revolution mit der Nationalhymne gefeiert wird.

Buch und Regie: George Tabart

Filmmusik & Stab

Siebert, Büdi
Schätze der Welt I
Verdi, Guiseppe
Verdi und die Banda: Nabucco
Staatsorchester Stuttgart
Verdi, Guiseppe
Verdi und die Banda: La Traviata
Staatsorchester Stuttgart
Bach, Johann Sebastian
Badinerie aus Ouvertüre Nr. 2 h-moll
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, Blechbläser
Mozart, Wolfgang Amadeus
Horn-Konzert in E-moll, K. 495, 1. Satz: Allegro
Academy of St. Marie-in-the-fields
Savall, Jordi
D'Orleans à Reimes
La Capella Reial de Catalunya, Hespérion XX
Horner, James
Soundtrack: Der Name der Rose, Main Titels
Lisle, Rouget de
Marseillaise
Brigitte und Henrik Czerny
Lisle, Rouget de
Marseillaise
Jehle, Armand
Lisle, Rouget de
Marseillaise
Debes, Pascal
Buch und Regie:
George Tabart
Kamera:
Vangelis Kalambakas

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